Gift des Lebens

von Ramses
GeschichteHumor, Romanze / P16
28.06.2019
28.06.2019
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Zornig starrt sie ihn aus ihrer gedemütigten position heraus an. Am Boden kniend, die Arme hinter dem Rücken verdreht. Wild rahmt ihr Haar mit wenigen Strähnen ihr blasses Gesicht ein. Das diesige Mondlicht brachte die grünen Augen zum Schimmern. Ihre Lippen waren missbilligend zu einem stummen Knurren verzogen.
Light musste schmunzeln, als er seine Gefangene so am Boden sah. So mochte er seine Diebe. Frustriert mit einer Prise Selbstkritik. In ihrem Hinterkopf musste sie sich fragen, ob es einer ihrer Fehler war, der sie in diese Position gebracht hatte. Dabei war es einfach nur unmöglich, nicht vor ihm knien zu können... Dafür sorgte schließlich der kleine Apparat, der ihre Arme in Schach hielt. Er hatte ihn selber erfunden! So wie so gut alles hier in seiner kleinen Werkstatt. Sie war sein ganzer Stolz und seine Arbeit würde er mit allem verteidigen, was er aufbieten konnte. Da würde auch eine kleine Gassendiebin nicht durchschlüpfen können.
"Wie ich sehe, hattest du es auf ein paar Zutaten abgesehen", schmunzelte er und ließ den kleinen Sack vor ihr Gesicht baumeln. Niemand würde es ihm übel nehmen, sie ein bisschen ärgern zu wollen, oder? Schließlich wollte sie IHN bestehlen.
"Na, wer hat dich beauftragt? Wahrscheinlich wollte jemand mein Geschäft sabotieren, hab ich recht?", fragte er weiter und ging vor ihr in die Hocke. Mittlerweile schmollte sie etwas vor sich hin. Ihre Hände versuchten derweil ihr Handwerk am Schloss wirken zu lassen. Nur kam auch die geschickteste Diebin nicht gegen dieses kleine gewiefte Ding an. Light freute sich einen Arm ab und kicherte leise: "Keine Antwort? Na mir soll's egal sein. Ich übergebe dich morgen einfach den Wachen und die werden dann ihren Spaß mit einer kleinen Straßendiebin wie dir haben."
Plötzlich riss sie ihren Kopf hoch und verpasste ihm damit eine Kopfnuss. Erschrocken landete der Alchemist auf seine vier Buchstaben und starrte sie entsetzt an. Schmerz zeichnete sich sowohl in seinem Kiefer und seiner Zunge, in die er gebissen hatte, als auch in ihren Gesichtszügen und dem Blut, dass ihr an der Schläfe hinunter lief ab.
"Ich bin keine Straßendiebin!", stieß sie zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor. Er konnte den Stolz in ihren Augen hell brennen sehen. Es schien, als würde sich das Grün verflüssigen und von selbst zu leuchten.
Langsam sickerten auch ihre Worte in seinen Verstand und er richtete sich langsam auf, während er sein Kinn rieb.
Keine Straßendiebin? War sie dann also von der Gilde? Er hatte gehört, dass die Diebesgilde wieder zu alter Stärke fand. Zuletzt wurden ein paar Mitglieder in Markarth gesichtet. Er hatte sich schon gefragt, wann sie wohl hier auftauchen würden.
"So so..." murmelte er, die Tatsache, dass sie ihn versucht hatte, zu bestehlen, ganz vergessen. "Dann wohl aus der Gilde, wenn ich annehmen dürfte.... Kann man Leute wie dich abkaufen? Sodass du anstatt für die Gilde, für mich arbeitest?"
Er war wieder auf seine Sohlen gesprungen und musterte sie eingehend. Er hatte gehört, dass man als Mitglied quasi ein Teil der Familie war. Eine Familie, die viel Wert auf Gold legte. Also hatte er sich gefragt, ob man die einzelnen Mitglied abkaufen könnte, wenn sie doch so versessen auf glitzernde Münzen waren.
Doch die Worte schienen die junge Frau tief getroffen zu haben. Wie ein wilder verwundeter Wolf bleckte sie die Zähne und hätte ihm wahrscheinlich am Liebsten die Augen aus dem Kopf gerissen. "Niemals!"
"Hm", konnte er nur enttäuscht huffen und legte seinen beringten Daumen an seine Unterlippe. "Schade eigentlich. Ich könnte jemanden mit guter Fingerfertigkeit gut gebrauchen."
Es wäre auch zu schön gewesen. Aber er konnte sich diese Chance nicht entgehen lassen. Doch ihr Niemals klang sehr entschieden. Diese Frau würde ihre Meinung nicht durch Säcke voll Gold ändern. Aber gut, dass er noch ein Ass im Ärmel hatte.
Lächelnd griff er nach ihrem Kinn, welches sie ihm automatisch versuchte zu entwinden. Sie gab ein bedrohliches Knurren von sich, doch so wie sie jetzt war, war selbst die kleine Maus unter seinem Schreibtisch eine größere Bedrohung.
"Naja, noch gebe ich nicht auf." Er grinste  sie an und ärgerte sie etwas, in dem er mit dem Daumen über ihre Lippe strich. Sie versuchte ihn wütend zu beißen, doch er war flink genug, um ihr aus zu weichen.  "Was hältst du davon, wenn ich den Wachen nichts davon erzähle, dass du hier nicht ganz willkommen eingedrungen bist?"
Sofort hörte ihr Versuche, seine Hand um ein Glied zu erleichtern, auf und sie starrte ihn misstrauisch an. Sie dachte anscheinend schneller, als er es ihr zuerst zugestanden hatte.
"Zu welchem Preis?", stieß sie dann kurz angebunden hervor.
"Dass du für mich arbeitest!", antwortete er sofort erfreut.
Sie schreckte etwas von seinem plötzlichen Begeisterung zurück und runzelte die Stirn. "Ich habe doch gesagt, dass ich mich nicht-"
"Natürlich ohne deiner Familie in den Rücken zu fallen! Nur für ein paar Tage, bis ich meinen Plan vollendet habe!", verdeutlichte er sofort, griff wieder nach ihrem Kinn und zog sie diesmal nah an sich heran. Ihre Nasen berührten sich und beide konnten Zwangs der Dunkelheit, die sie umgab, lediglich die Augen des Anderen sehen.
"Ich werde dich nicht an die Wächter abgeben und du gehst mir für ein paar Tage zur Hand."
Es waren leise gehauchte Worte in die Stille der Nacht hinein. Es war beinahe wie das Geheime verzweifelte Versprechen zwischen zwei Liebenden, die sich am nächsten Abend wieder treffen wollten.
Die Diebin schwieg, während sie das Feuer in den Augen des Mannes über ihr musterte. Es gab wirklich keine andere Fluchtmöglichkeit aus dieser Situation. Ihr geheimer Dietrich war bereits vor Minuten zerbrochen. Sie musste dieses Mal nachgeben.
".... Einverstanden."
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