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Nebeldämon

GeschichteAbenteuer, Familie / P12
28.06.2019
29.06.2019
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28.06.2019 2.603
 
Kapitel 1


Entnervt massierte Dagobert Duck sich die Schläfen. Das Telefon auf seinem Schreibtisch hatte den ganzen Tag keine Ruhe gegeben. Immer neue Probleme waren an ihn herangetragen worden, aus allen Ecken und Enden der Welt, und er war nicht dazu gekommen auch nur eines davon ernsthaft in Angriff zu nehmen. Und seine eigentliche Arbeit war auch liegengeblieben. Kein Wunder, dass er Kopfschmerzen bekam. Er hasste es, nicht voranzukommen. Dagobert gab einen frustrierten Laut von sich. Ein-zwei Stunden könnte er vielleicht noch anhängen, wenn er sich zusammenriss. Wenigstens den Börsenverlauf und die Statistiken seiner dringlichsten Projekte wollte er noch durchgehen. Andererseits hatte er ein Bad in seinen Talern selten so nötig gehabt, wie jetzt. Wehmütig blickte er auf das riesige Tresorschloss, hinter dem unzählige funkelnde und klimpernde Münzen warteten. Und wenn es nur fünf Minuten wären. Vielleicht könnte er sich danach wieder besser konzentrieren?
Er kam nicht mehr dazu, sich gänzlich dazu aufzuraffen. Denn das Telefon schrillte. Dagobert unterdrückte einen Aufschrei und griff wutentbrannt nach dem Hörer. Der Geduldsfaden war ihm endgültig gerissen.  
„Ja?“, blaffte er.
„Hier ist Jean-Paul …“, die verschreckte Stimme gehörte seinem Gutsverwalter von Burg Gänsestein – Dagobert erkannte sie sofort, „Entschuldigen Sie, Herr Duck. Ich wollte sie nicht stören …“
„Das haben Sie aber – nun reden Sie endlich!“, fiel Dagobert ihm gereizt ins Wort.
„Ja, also … Ich wollte Sie eigentlich nicht damit belästigen, aber so langsam weiß ich mir keinen Rat mehr. Inzwischen bleiben sogar die Besucher ganz aus. Hier gehen unerklärliche Dinge vor sich.“
Dagobert zuckte zusammen wie unter einem Stromschlag und richtete sich kerzengerade auf.  

Die Besucher blieben aus? Gut, Burg Gänsestein mochte mit seinem geringen Eintrittspreis, der Gastronomie und den beiden Führungen pro Tag – die selbstverständlich extra kosteten – nicht gerade zu seinen besten Einnahmequellen zählen; aber eine Quelle war eine Quelle. Und die Burganlange bewies, dass „D. Duck“ auch anderes konnte, als nur große High-Tech-Konzerne zu finanzieren. Jedes seiner Projekte war wichtig. Dementsprechend kam diese Information einer mittleren Katastrophe gleich.
„Was soll das heißen, die Besucher bleiben aus? Und was meinen Sie mit ‚unerklärlichen Vorkommnissen‘?“
„Ich weiß selbst, wie verrückt das klingt, Herr Duck – aber …“, Jean-Paul zögerte hörbar, „hier im Wald geht ein Dämon um!“
„Dämon?“, eine steile Falte grub sich auf Dagoberts Stirn.
„Ja – eine wahrhaft schaurige Gestalt. Können Sie hier her auf die Burg kommen? Ich würde Ihnen die ganze Sache gerne von Angesicht zu Angesicht berichten. Bei einem Becher heißem Gewürzwein vielleicht?“
Vor sich hin brummend überlegte Dagobert eine Weile. Es war spät und mit dem Wagen bräuchte man eine Dreiviertelstunde bis Gänsestein. Vor Mitternacht würde er kaum wieder zu Hause sein. Aber so, wie Jean-Paul gerade bettelte, musste es tatsächlich ernst sein. Dagoberts Neugierde war geweckt; und eventuell kam er ja doch noch zu einem kleinen Erfolgserlebnis an diesem so unproduktiven Tag.
„Also gut, Jean-Paul – ich bin so schnell es geht bei Ihnen!“, entschloss er sich, „Aber wehe, Sie vergeuden meine Zeit!“ Mit dieser letzten Warnung knallte er den Hörer auf die Gabel, ohne eine Antwort abzuwarten.

„Kommen Sie, Quack!“, befahl er, kaum dass der Aufzug in unten in der Eingangshalle ausgespuckt hatte, „Ihre Pause war lang genug.“
Quack der Bruchpilot, der seinem Chef wie jetzt gelegentlich auch als Chauffeur diente, legte das Comicheft beiseite und sprang pflichtbewusst auf.
„Zurück nach Hause, Boss?“
„Nein, bringen Sie mich zur Burg Gänsestein. Ich muss etwas überprüfen.“
Noch im Laufen band sich Dagobert seinen Schal um den Hals. Der Herbst war angebrochen. Es war kalt und neblig, und es wurde immer früher dunkel. Genau das passende Wetter, um es sich zu Hause am Kamin gemütlich zu machen und den Kindern Gute-Nacht-Geschichten vorzulesen; aber sicher nicht um eine halbe Ewigkeit durch den Entenhausener Wald zu fahren. Wegen eines Dämons. Lächerlich!

*

„Wir sind da, Herr Duck!“, informierte Quack überflüssigerweise, nachdem sie das Burgtor passiert hatten. Dagobert sandte einen stummen Dank gen Himmel und stieg dann mit wackligen Knien aus dem Wagen. Quack war die Serpentinenstraße nach oben gerast, als wäre ihm der Teufel höchstpersönlich auf den Fersen gewesen. Und das bei einem Nebel, der sie kaum etwas hatte sehen lassen. Dagobert war mehr als nur einmal fast das Herz stehengeblieben.
„Herr Duck! Danke, dass sie so schnell kommen konnten.“, Jean-Paul schritt eilig und sichtlich erleichtert auf sie zu. Er war eine lange, hagere Gestalt; gekleidet in einen einfachen Anzug mit altmodischem Krawattentuch und dazu passender Krawattennadel – bei der Dagobert aber auf den ersten Blick sah, dass sie nicht viel wert war. Anders verhielt es sich da mit dem Siegelring, den der Mann am kleinen Finger zu tragen pflegte. Der war echt. Und doch wirkte Jean-Paul damit stets ein wenig lächerlich, fand Dagobert. Er machte sein Auftreten unglaubwürdig. Dagobert konnte ihm die Freundlichkeit nicht recht abnehmen, mit der sein Verwalter ihn und Quack in Empfang nahm.

„Ich weiß nicht genau was es ist, das sich da draußen im Wald herumtreibt …“, begann Jean-Paul, während er Dagobert einen dampfenden Tonbecher entgegenschob. Stilecht, genau wie der Rest des Gewölbes in dem sie saßen und das zu einem urigen Speisesaal umfunktioniert worden war. Das Besteck aus echtem Silber, ein gemauerter Kamin, Ritterrüstungen und Wappenschilde an den Wänden.
„Sie nicht!“, zischte er warnend in Quacks Richtung, der sich eben auch einschenken lassen wollte, „Ich muss bei Ihrem Fahrstil auch so schon um mein Leben bangen!“ Dann konnte er sich endlich seinem Gutsverwalter zuwenden.
„Sie sprachen von einem Dämon.“, merkte er an, nicht ohne leisen Spott, „Was genau hab ich mir darunter vorzustellen?“ Er genehmigte sich einen Schluck, ohne Jean-Paul dabei aus den Augen zu lassen.
„Ich schöre Ihnen, Herr Duck – hätte ich es nicht mit meinen eigenen Augen gesehen, ich würde ebenso zweifeln wie Sie!“
„Sie haben ihn gesehen?“
Jean-Paul nickte bedeutungsschwer: „Ja! Erst vor wenigen Tagen. Sie trat ganz plötzlich aus dem Nebel. Eine hochgewachsene Gestalt, verhüllt mit allerlei Tierhäuten. Sie trug eine Wolfsfratze um ihr Gesicht zu verbergen. Sie hat von einem Fluch und bösen Geister gesprochen. Ihre Ausstrahlung war bösartig. Durch und durch! Ich bin geflohen, so schnell ich konnte. Unsere Köchin hat den Dämon ebenfalls im Wald gesehen. Sie kann sich seitdem kaum noch auf ihre Arbeit konzentrieren vor lauter Angst. Und die Gerüchte! Die Gerüchte, dass es hier spukt haben sich bis nach Entenhausen ausgebreitet. Niemand will mehr hier hochkommen. Es ist zum Verzweifeln!“

Einen Augenblick lang sagte niemand etwas. Jean-Paul hatte das Gesicht in den Händen vergraben, Quack schluckte unbehaglich und Dagobert zog skeptisch eine Augenbraue in die Höhe. Dann ließ er ein Schnauben hören und musste tatsächlich lächeln.
„Wollen Sie wissen, was ich denke?“, fragte er gönnerhaft, „Humbug – das denke ich! Da hat sich irgendwer verkleidet und erlaubt sich jetzt einen makabren Scherz. Vielleicht ein Nachzügler von Halloween. Und ich werde diese Person jetzt aufsuchen und sie dazu bringen von meinem Grund und Boden zu verschwinden. Etwas, das eigentlich Ihre Aufgaben gewesen wäre. Den Aufwand werden Sie mir bezahlen, Jean-Paul!“ Dagobert war ihm einen scharfen Blick zu. Der Gutsverwalter schluckte.
„Natürlich, Herr Duck. Entschuldigen Sie.“
„Haben wir Taschenlampen im Wagen, Quack?“
„Ja, Herr Duck“, Quack warf sich in die Brust. Bei diesem Befehlston galt es zu gehorchen.
„Gut.“, Dagobert leerte seinen Becher in einem Zug und machte sich aufbruchsbereit, „Dann holen wir die jetzt und machen uns auf in den Wald.“
„Ja, Herr Duck …“, Quack sackte in sich zusammen. Ihm behagte das alles nicht. Weder die Tatsache, einen vermeintlichen Dämon aufzuspüren, noch, bei Nacht und Nebel durch den Wald zu stapfen.

Schaudernd zog Dagobert sich den Schal bis zum Schnabel, als er auf den Burghof trat. Sehr lange würde die innere Wärme, bedingt durch den heißen Wein, nicht anhalten. Besser, sie wurden schnell fündig.
„Warten Sie noch einen Moment, Sir!“, bat da plötzlich eine leise Stimme und jemand zupfte ihn am Ärmel, „Ich muss Ihnen was sagen.“
Dagobert schrak zusammen. Neben ihm war ein kleiner Junge aufgetaucht – in mehlbeflecktem Pullover und mit einem Geschirrtuch über dem Arm.
„Musst du dich so anschleichen?“
Der Junge legte den Finger an den Schnabel und sah sich nervös um.
„Verzeihung, Sir“, flüsterte er, „Es ist wegen Jean-Paul. Er darf nicht wissen, dass ich es weiß. Hier geht was ganz Gruseliges vor sich.“
Dagobert lächelte milde: „Der Dämon – ich weiß. Und ich will mich eben darum kümmern.“
Ein heftiges Kopfschütteln erhielt er zur Antwort.
„Nein, nein … nicht da draußen. Hier in der Burg. Unten, im Labor!“
Dagobert stutzte einen Moment. Dann musste er lachen.
„Ach, das!“, erinnerte er sich, „Das sind doch nur alberne Spielereien, mein Junge! Völlig harmlos. Du darfst nicht alles glauben, was die Erwachsenen dir erzählen.“
„Aber Sir … Meine Mama …“
Doch Dagobert hörte schon gar nicht mehr zu, sondern ging zielstrebig weiter in Richtung Burgtor.
„Lass ihn einfach machen, was ihm Spaß macht!“, rief er noch über die Schulter.

„Worum ging es da eben?“, erkundigte sich Quack, während er seinen Taschenlampenstrahl neben Dagoberts durch die Dunkelheit schweifen ließ.
„Wissen Sie, Jean-Paul mag vielleicht nach nicht viel aussehen, aber er begeistert sich wirklich für die Epoche des Mittelalters. Kaum jemand weiß so viel darüber, wie er und er verwaltet die Burg mit absoluter Hingabe. Nur ihm ist es zu verdanken, dass sie das ist, was sie heute ist. Er ist der Beste seines Fachs und er war mit meinen Zahlungsbedingungen einverstanden. Deshalb hab ich ihn eingestellt. Vor einem knappen halben Jahr hat er bei einer Auktion ein Buch ersteigert. Angeblich von Hexen geschrieben. Eine Sammlung von Rezepten zur Herstellung pflanzlicher Heiltränke- und Tinkturen. Er hat damit herumexperimentiert und tut es scheinbar immer noch. Und mich wollte er dazu bringen, die Sachen zu vermarkten.“
„Und? Haben Sie?“, Quack hatte aufmerksam zugehört. Er war dankbar für die Ablenkung.
„Natürlich nicht!“, antwortete Dagobert brüsk, „Das Einzige, was er damit zusammenrühren kann ist Ringelblütensalbe und Fencheltee. Das kriegt jeder Apotheker besser hin. Für sowas verschwende ich weder mein Geld, noch meine Zeit!“ Energisch stapfte Dagobert vorwärts. Bis zu den Knöcheln versank er in feuchtem Laub. Den schmalen Wanderweg hatten sie längst hinter sich gelassen.

Besorgt blickte Quack über die Schulter zurück. Der Nebel hatte sie vollkommen eingeschlossen. Er hatte nicht den kleinsten Orientierungspunkt mehr.
„Woher wissen Sie, dass wir hier in der richtigen Richtung suchen?“, fragte er.
„Ich weiß es nicht, das ist es ja gerade. Wir werden die Burganlage weitläufig umrunden. Etwas anderes bleibt uns gar nicht übrig. Wenn wir Glück haben findet dieser Unbekannte uns zuerst.“
„Wenn wir Glück haben, sagt er …“, nuschelte Quack und duckte sich unter den tiefhängenden Zeigen einer Tanne hindurch. Er wurde das Gefühl nicht los, dass sie verfolgt würden. Als würden sich rotglühende, bösartige Augen in seinen Nacken bohren. Ob es hier Wölfe gab? Oder Wildschweine? Mit denen wollte er ebenso wenig Bekanntschaft machen, wie mit Dämonen.
Wieder sah er sich um und leuchtete zurück. Doch bis auf die leicht schwingenden Tannenzweige konnte er keine weitere Bewegung ausmachen. Quack stutzte und kniff die Augen zusammen. Die Zweige bewegten sich noch? Aber er hatte sie doch kaum berührt. Sie hätten längst wieder zur Ruhe kommen müssen. Mit einem Mal war ihm, als würde er dort einen Schatten davonhuschen sehen. Äste knackten.
„Herr Duck!“, raunte er, „Das ist irgendwas!“
Doch als er sich umwandte, war da niemand. Gar niemand. Quack war allein. Sein Boss war weitergelaufen, ohne bemerkt zu haben, dass er stehengeblieben war. Und der Nebel hatte ihn in Sekundenschnelle verschluckt.
Mühsam würgte Quack die Panik hinunter.
„Herr Duck!“, rief er und zerschnitt mit dem Licht seiner Taschenlampe die Dunkelheit so gut es ging.
„Wo sind Sie? Antworten Sie!“
Ein dumpfer Schmerzensschrei drang an sein Ohr. Deutlich genug, um ihn die Stimme erkennen zu lassen.
Dann war alles still. Totenstill.
„Herr Duck!“, jetzt bekam es Quack wirklich mit der Angst zu tun. Kopflos hastete er in die Richtung, aus der der Laut gekommen war. Nach nur wenigen langen Schritten erfasste der Lichtkegel tatsächlich Dagobert Duck. Bäuchlings und völlig regungslos lag er da. Der Zylinder war ihm vom Kopf gefallen und die Taschenlampe lag zwei Handbreit von ihm entfernt.
„Sir, was ist passiert?“, besorgt ging Quack neben ihm in die Knie und rüttelte ihn leicht an der Schultern. Flatternd öffnete Dagobert die Augen. Quack half ihm dabei, sich aufzurichten. Benommen legte er sich die Hand an die Stirn.
„Mein Kopf …“, stöhnte er leise.
„Sind Sie gestolpert?“, Quack reichte ihm seinen Hut.
„Muss ich ja wohl, oder?“, Dagobert war immer noch nicht ganz da, gab sich aber Mühe, „Das Gelände hier ist tückisch.“ Er hatte eigentlich noch mehr sagen wollen, stockte dann aber plötzlich, weil er ein eigenartiges Kribbeln im Nacken spürte.
„Quack, ich glaube wir sind nicht mehr allein …“

Dagobert hatte den Satz noch nicht zu Ende gesprochen, als vor ihnen im Nebel ein dunkler Schemen sichtbar wurde: Groß und grotesk. Die Gestalt war in unzählige Tierfelle gehüllt - am dominantesten davon war ein toter Wolf mit leeren Augen, dessen weit geöffnetes Maul ihr Gesicht fast vollständig verbarg. Die spitzen Zähne blitzten gefährlich, als Dagoberts Taschenlampenstrahl sie erfasste.
„Wurde auch langsam Zeit, dass Sie aus ihrem Loch kriechen. Wer sind Sie und was wollen Sie?“, rief er unerschrocken.
Ein breites Grinsen zeigte sich unter der Wolfsschnauze. Mehr aber auch nicht. Das Schweigen war geradezu provozierend und zeigte bei Dagobert die gewünschte Wirkung.
„Hören Sie“, fauchte er, „ich rate Ihnen, Ihren Halloweenkram zusammenzupacken und von hier zu verschwinden, bevor ich die Polizei rufe!“
„Wer ich bin, spielt keine Rolle.“, endlich begann der Unbekannte zu sprechen. Seine Stimme knarzte wie altes Holz. „Aber ich weiß, wer du bist Dagobert Duck. Ich weiß, wie du bist. Mögest du an deiner Gier und deiner Hartherzigkeit zugrunde gehen!“, er hob den Arm und offenbarte auf seiner Handfläche ein türkisschimmerndes Pentagramm, „Böse Geister und Dämonen werden von dir Besitz ergreifen. Jegliche Lebensenergie werden sie dir rauben und deine dunkelste Seite zutage fördern. Und dieser Fluch wird sich durch nichts abwenden lassen!“ Ihre Stimme schwoll an, bis zum Crescendo – und dann verschwand die Gestalt rückwärts in den Nebel, so lautlos, wie sie erschienen war.

Perplex starrte Dagobert in die Dunkelheit. Er hätte sie vielleicht noch einholen können, wäre er nicht so vor den Kopf geschlagen gewesen.
„Was war das?“, fragte Quack und sprach damit Dagoberts ersten Gedanken laut aus.
Anstatt einer Antwort öffnete und schloss Dagobert ein paar Mal hilflos den Schnabel und schüttelte den Kopf.
„Ein absolut Durchgeknallter?“, mutmaßte er schlussendlich.
„Ein absolut Durchgeknallter, der sie eben mit einem Fluch belegt hat!“, Quack sträubten sich immer noch alle Federn.
„Ich bitte Sie!“, schnaubte Dagobert verächtlich.
„Wieso? Nach allem, was ich mit Ihnen inzwischen durchgemacht habe, glaube ich an alles. Außerdem hat diese Schauergestalt gesagt, sie kenne Sie! Das sind die besten Voraussetzungen für Flüche.“
Dagobert warf ihm einen schiefen Blick zu.
„Quack.“, sagte er und legte seinem aufgelösten Piloten eine Hand auf den Unterarm, „Ich bin die reichste Ente der Welt. Mein Name ist auf Firmenschildern in aller Herren Länder zu lesen. Jeder kennt mich! Und die Klatschpresse liebt es, meine schlechten Charaktereigenschaften breitzutreten. Das war nur leeres Gerede. Humbug eben – wie ich es von Anfang angesagt habe.“
Quack wirkte bei Weitem noch nicht überzeugt.
„Dann verfolgen wir ihn?“
Dagobert seufzte tief und warf einen Blick auf seine Taschenuhr: „Nein. Es ist spät, mir wird kalt und ich will nur noch nach Hause. Morgen wird wieder ein langer Tag. Ich werde mich der Sache ein andermal annehmen.“

Wie Dagobert es schaffte, sie so zielsicher zurück zur Burg zu führen, blieb Quack ein Rätsel.
„Und beunruhigen Sie mir bloß nicht die Kinder. Sie werden kein Wort von dem erzählen, was heute Abend geschehen ist. Sonst bekommen die Kleinen nur Alpträume!“, schärfte Dagobert ihm noch ein, nachdem sie Jean-Paul kurz Bericht erstattet hatten und wieder im Wagen saßen.
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