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Die Hochs und Tiefs einer Affäre

von Franzpanz
KurzgeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / Gen
28.06.2019
22.03.2020
6
6.641
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Das Kennenlernen

Ich hatte eine Affäre!
Keine klassische, heimliche, „wir-betrügen-jemanden“-Affäre, nein, ganz im Gegenteil – wir waren beide Singles, haben uns sehr zueinander hingezogen gefühlt und waren über einen Zeitraum von fast vier Jahren sehr oft miteinander im Bett.
Und wenn ich sage „miteinander im Bett“, dann meine ich natürlich vor allem Sex, aber es gab eine Menge Nächte, in denen wir nur gekuschelt oder auch einfach nur nebeneinander geschlafen haben, ohne größeren Körperkontakt.
„Das ist doch keine Affäre“, höre ich die meisten rufen!
Aber was ist es dann?
Mir fällt einfach keine bessere Bezeichnung dafür ein.
Gut, „nicht normal“ oder sogar „krank“ würde vielleicht auch zutreffen, aber dann müsste ich das Wort „Beziehung“ in den Mund nehmen und davor hüte ich mich.
Ich würde lügen, wenn ich sagen, ich hätte nie darüber nachgedacht oder es mir über eine gewisse Zeitspanne nicht gewünscht, aber letzten Endes ist es gut, dass wir es nicht gewagt haben.
Um diese absolut verworrene und „kranke Beziehung“ zu beschreiben, wage ich mich nun an eine kleine Kurzgeschichten-Reihe, denn ich bin zu dem Schluss gekommen, dass diese Phase meines Lebens es definitiv wert ist aufgeschrieben zu werden.
Anfangen möchte ich mit dem „Kennenlernen“.

Ich war ein süßer Erstsemester, hatte noch keinen Plan vom Studieren und war so naiv, dass ich dachte, die Fernbeziehung zu meinem damaligen Freund werde ein Leben lang andauern. Eines Tages sah ich aber IHN: Ein blonder, blau-äugiger, super stylischer Typ, der mir aufgrund seines schelmischen Lächelns und seines sehr tollen Haarschnitts aufgefallen ist. Und weil ich seine Haare so toll fand, hab ich meinem Ex diesen Haarschnitt doch gleich ans Herz gelegt – by the way, er trägt ihn immer noch!
Nun aber wieder zurück: als eben dieser Kerl mit den tollen Haaren meinen Weg gekreuzt hat, haben sich unsere Blicke getroffen und ich war augenblicklich Feuer und Flamme. Ich könnte schwören, dass es ihn auf irgendeine Weise auch gerüttelt hat, aber das sind reine Spekulationen meinerseits. Was ich aber mit absoluter Sicherheit sagen kann, ist, dass ich wie eine 13-Jährige gekichert habe, denn eben dieses Mädchen ist grade seinem neuen heimlichen Schwarm über den Weg gelaufen.

In diesem Augenblick wusste ich, dass er für mich etwas ganz besonderes sein würde. Angefangen bei feucht-wilden Träumen mit ihm, bis hin zu aktiven Wünschen ihn beim Feiern zu treffen. Ich habe mich richtig in ihn verknallt, aber nicht auf die coole erwachsene Art, nein, auf die Teenie-Anhimmel-Weise. Jedes darauffolgende Mal, wenn ich ihn gesehen hab, ging es los: rot werden, beschämt zu Boden schauen, kichern und ein unkontrolliertes umher Fuchteln der Arme.

Nun muss ich an dieser Stelle klarstellen, dass ich meinen damaligen Freund natürlich geliebt hatte, aber wenn ich träumte, dann vom meinem unbekannten Schönen.
Einige Zeit verging und ich wurde Single, mein heimlicher Schwarm aber blieb. Und wie das eben nun mit Personen ist, die man unbedingt sehen möchte, man begegnet ihnen so gut wie nie! Nicht nur, dass ich ihn nie sah, ich habe ihn regelrecht aus den Augen verloren und das bis hinein ins dritte Semester.

Eines abends erzählte ich einer neugewonnen Freundin von diesem mysteriösen Kerl, da ich ihn kurz vor unserem Treffen zufällig gesehen hatte. Weil mir seine grünen Schuhe positiv aufgefallen sind, beschrieb ich ihn mit Hilfe der Schuhe. Sie erkannte ihn dann sogar anhand der Schuhe und meinte nur: „Witzig, den kenn ich!“.
Ich war so aufgeregt in dem Moment, dass ich sie zwang, mir alles über ihn zu erzählen. So erklärte sie mir also, dass er Barkeeper und dazu kein Kind von Traurigkeit war. Außerdem gab sie zu, dass ich nicht die einzige war, die von ihm angezogen wurde, sie konnte mir noch etliche weitere Bekannte nennen, die in ihn verknallt waren.
So, im ersten Moment waren das nicht unbedingt die Infos, die mich glücklich machten oder die ich hören wollte und vor allem hätte mir das alles zu denken geben sollen – ja, was soll ich sagen, das tat es natürlich nicht!

Es verging nicht einmal eine Woche und ich besuchte - natürlich mit einer anderen Freundin - besagtes Lokal, in dem er arbeitete. Meine Nervosität war so groß, ich konnte mein Herz gegen meine Rippen hämmern spüren, als wir hineingingen.
Ich blickte langsam zur Bar, mit dem verführerischsten Augenaufschlag, den ich zu bieten hatte und schmiß dabei kokett meine Haare nach hinten.
Und dann sah ich ihn – nicht!
Natürlich war er nicht da! Fünfzehn Minuten und ein Mitleidscocktail später waren wir auch schon wieder weg, aber nicht ganz mit leeren Händen. Beim Gespräch mit dem nette Keeper an der Bar gab er uns ganz unvermittelt die Info, wann mein Keeper denn arbeitete und so nahmen wir uns vor, an entsprechendem Tag wieder zu kommen. Sprich, als wir das nächste Mal in dieses Lokal gingen, stand bekannt-berüchtigter Kerl also wirklich hinter der Bar.
Also nochmal von vorn: ich blickte langsam zur Bar, mit dem verführerischsten Augenaufschlag, … usw. Wir wurden mit einem süßen und kaum verständlichen „Griasds eich!“ begrüßt und die Servicedame geleitete uns zu einem freien Tisch! Ja, er sprach ein wenig Dialekt, nicht cool, aber  es geht auch schlimmer - es war bayerisch und nicht sächsisch. (Sorry, an alle Sachsen!)

Als wir also dann saßen und in einer Tour tuschelten, was uns sicherlich wie kleine Mädels vor einem Tokio Hotel-Konzert aussehen ließ, kam unsere Bedienung zurück, um unsere Getränkebestellung aufzunehmen. Natürlich hatte wir uns noch gar keine Gedanken gemacht, weil der Barkeeper viel wichtiger war als ein blödes Getränk. So beschloss sie kurzer Hand den „Spezialisten“ direkt an unseren Tisch zu holen, damit er uns beraten konnte! So und wer war der sogenannte Spezialist? Natürlich mein Objekt der Begierde! Dementsprechend kann man sich vorstellen, wie nervös ich war als er plötzlich vor mir stand und mich fragte, was ich denn gerne trinken wolle.
Während ich also dabei war halb im Boden zu versinken, antwortete ich kleinlaut „Longisland Icetea“.
W-A-R-U-M?
Warum zum Henker bestellte ich den stärksten und ekligsten von allen Cocktails? Bei dem Gedanken daran muss ich mir immer noch an die Stirn fassen! Ich denke mal, ich wollte in dem Moment imponieren und zeigen was für eine harte Sau ich bin, dabei hab ich mich einfach nur als totaler Vollassi geoutet. (Sorry an die Londislang Icetea-Liebhaber!)
Naja, er fand meine Bestellung auf jeden Fall auch nicht so zufriedenstellend, denn er weigerte sich mir den machen, statt dessen brachte er mir einen Überraschungscocktail, der wirklich meinen Geschmack getroffen hatte – ein Singapur Sling.
Nachdem ich also diese super peinliche Situation überstanden hatte, purzelte ich direkt in die nächste. Mehrere Drinks später stand ich vor dem Chef des Ladens und vereinbarte mit ihm einen Termin zum Probearbeiten. Keine Ahnung wie das passieren konnte, aber irgendwie dachte ich mir in meinem kleinen, betrunkenen Köpfchen, dass das ein super Plan wäre, um ihm näher zu kommen!

Nun gut, weiter zur ursprünglichen Geschichte: im Laufe des Abends wurde natürlich noch einiges mehr getrunken, ein wenig rumgeshakert und – meiner Meinung nach – vielsagende Blicke ausgetauscht. Leider muss ich gestehen, dass der Gipfel des peinlichen Verhaltens meinerseits zu diesem Zeitpunkt noch nicht erreicht war. Ich muss zugeben, dass ich etwas über den Durst getrunken habe, was wohl nicht ganz unbemerkt geblieben ist, denn nicht nur mein zukünftiger Chef, sondern auch meine zukünftige Affäre haben mir ein Wasser vor die Nase gestellt.
Fazit: An diesem Abend hab ich mich direkt mal von meiner allerbesten Seite gezeigt!

Beim Probearbeiten einige Wochen später hielt ich mich natürlich sehr zurück. Als ich den Laden betrat, stellte ich mich vor und begrüßte meine neuen Arbeitskollegen mit einem Handschlag. Sogleich wurde ich von meinem Schwarm eines besseren belehrt, denn er akzeptierte meinen Handschlag nicht und gab mir links und rechts ein Bussi mit der Erklärung: „So machen wir das hier“!
An dieser Stelle brauche ich wohl nicht zu erwähnen, dass mir innerhalb von Sekunden das Blut in den Kopf geschossen ist und ich knalle rot geworden bin. Mein Herz ging so schnell wie das eines Kolibris und ich hatte wohl den schlimmsten Schweißausbruch, den es seit Menschengedenken gegeben haben muss.
In einem so desaströsen Zustand startete meine aller erste Schicht in dem Laden, in dem ich vier Jahre lang arbeiten sollte.

Dieser Abend, der mindestens so alkoholreich war, wie der erste, endete damit, dass ich all meinen Mut zusammennahm und ihm, als ich daheim, war eine Facebook-Freundschaftsanfrage schickte. Diese Heldentat hat mich sicherlich noch mal eine halbe Stunde meines Lebens gekostet!
Abschließend kann man zusammenfassen, dass ich wohl ein sehr grusliger Mensch bin, der über ein großes Stalkingpotential verfügt und wirklich gerne trinkt.
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