Neue Welt

von Izzybuddy
GeschichteAbenteuer, Romanze / P18 Slash
Aden Anya Clarke Griffin Lexa
28.06.2019
28.04.2020
32
120.067
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28.06.2019 2.290
 
Hallo :)

Schön, dass ihr reinschaut.
Die Idee kam mir am Wochenende und nach langem Hin und Her habe ich beschlossen dem ganzen eine Chance zu geben.
Viel Spaß !
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Kapitel 1


Ein Luftzug streift mein Gesicht, verweht meine offenen Haare und lässt mich frösteln. Es war kalt geworden, viel zu schnell.
Die Tür direkt neben mir knallt durch den entstehenden Unterdruck laut ins Schloss und der dumpfe Hall zieht sich in Echos durch den Korridor der zweiten Etage des leerstehenden Gebäudes. Unbeirrt setzt der Windstoß seinen Weg durch den Flur fort, während er die dunklen Herbstblätter durch die kalte Novemberluft wirbelt.
Die Fensterscheiben, die einst in einen weißen Rahmen eingefasst waren, liegen schon lange zerschlagen auf dem Boden.
Niemand hatte sich die Mühe gemacht sie zu reparieren oder zumindest mit Kartons zu flicken. Nun lagen die, in der untergehenden Sonne spiegelnden Glastrümmer auf dem ungepflegten Boden und werden von dem umherfliegenden Laub teilweise verdeckt.
Mein Blick schweift durch den Raum. Selbst wenn man die Fenster außer Acht lassen würde, so sind auch die Wände in keinem sehr viel besseren Zustand. Sie vermögen es wohl schon lange nicht mehr die Außenwelt von dem Inneren des Gebäudes zu trennen. Der Wind zieht durch die Risse im Gemäuer, die Kälte hatte sich schon lange in den Steinen festgesetzt und das wenige Sonnenlicht ist schon lange nicht mehr stark genug, um ausreichend Wärme zu spenden und das Innere ein wenig aufzuheizen. Alles geht ineinander über, beinahe nahtlos.
Die Zimmer des heruntergekommenen Hauses sind ebenso verblasst, wie es die Natur zu dieser Jahreszeit ist. Einst mussten die Wände dieses Flures von einer kräftig blauleuchtenden Tapete verziert worden sein. Doch selbst wenn diese Vermutung stimmt, so muss dies schon Jahre her sein, denn jetzt hängen nur noch schmutzige Teilstücke lose von dem rauen Putz herab.  
Ja, dieses Gebäude war sicherlich schon verlassen worden, bevor alles seinen Anfang nahm...schon bevor die wenigen Überlebenden die Städte verlassen hatten, zerstreut umherirrten und versuchten sich ein neues lebenswertes Leben aufzubauen.

„Kommst du?“, reißt mich eine klare Kinderstimme aus den Gedanken. „Ja, ich bin schon unterwegs“, antworte ich und drehe mich zu dem kleinen Sommersprossengesicht um. Sonnenstrahlen scheinen auf seine zerzausten blonden Haare und lassen die blauen Augen glitzern. Der schmächtige Junge, der da vor mir steht geht mir bis knapp unter die Brust. Auf dem Rücken trägt er seinen Rucksack, der eigentlich zu groß für ihn ist. Das Ungetüm aus grünem Stoff sieht aus wie ein großer Berg, der sich von seinen schmalen Schultern empor reckt und rechts und links von seinem schlaksigen Körper gut zehn Zentimeter übersteht.
Doch er klagt nicht. Er klagt nie.
Mein Blick schweift an den Riemen der Tasche entlang. Die blaue Jacke, die ihm etwas zu groß von den Schultern hängt, ist voller dunkler Flecken und seine ehemals strahlend roten Handschuhe haben eine bräunliche Färbung angenommen. Auf Hüfthöhe ist der breite Gurt des Rucksackes ordentlich verschnallt und stramm zugezogen.
Seine Hose ist schmutzig, doch in Ordnung und seine Schuhe erstaunlicherweise trotz der vielen Kilometer, die er damit bereits gegangen ist, noch gut in Schuss.

„Ich habe Linsen und Erbsen gefunden“, erzählt er stolz und zeigt rücklings mit dem Daumen auf die offene Tür, die noch vor wenigen Momenten laut in die Fassung geschlagen war. „Das ist super. Mal etwas anderes als Bohnen.“
Glücklich lächelt er bei dem Gedanken an etwas Abwechslung für das heutige Abendessen. Mein Blick gleitet an ihm vorbei in den Raum, aus dem er gekommen war. Zufrieden sehe ich den Jungen vor mir wieder an: „Wir bleiben hier, Aden. Die Fenster dort scheinen in Ordnung zu sein. Das hier ist besser als draußen." Er nickt nur, folgt meinem Blick und verschwindet in das Zimmer vor uns.

Wenig später haben wir unsere Sachen auf einer quer durch den Raum gespannten Leine aufgehängt.
Die Sonne ist momentan ein seltener Gast an dem grauen und regnerischen Himmel der letzten Tage und so bleibt uns nichts anderes übrig als unsere Jacken, Mützen, Schuhe und Hosen auf diese Weise zu trocknen und zu hoffen, sie mögen am Morgen trocken genug sein, um eine Erkältung fernzuhalten.
Aden hat uns einen ordentlichen Unterschlupf geschaffen: in den angrenzenden Zimmern fand er zwei Stühle, die zwar nicht mehr die Last eines Menschen tragen konnten, jedoch noch gut genug geeignet waren, um für seinen Höhlenbau die Rolle der tragenden Säulen zu übernehmen.
Über sie hat er unsere große Wolldecke gelegt, sodass eine Art Zelt entstand und sich unsere Körperwärme in dem kleinen Hohlraum stauen kann. Eine schmutzige Matratze aus einem der Zimmer dient uns als Unterlage und hält hoffentlich die Kälte des Bodens auf Abstand. Unter dieser Konstruktion innerhalb dieses Raumes ohne den Einfluss der starken Zugluft hoffen wir nun nicht all zu sehr zu frieren.
Auf ein Feuer verzichten wir. Es ist zu einfach zu auffällig.
Sein Schein würde uns hier im Halbdunklen für alle im Umkreis von einem Kilometer sofort sichtbar machen. Feuer machen wir nur am Mittag und auch nur, wenn es nicht anders geht. Das Risiko kann ich nicht eingehen, auch nicht für die Aussicht einer warmen Nacht.

Uns einander zugewandt sitzen wir vor unserem Nachtlager und essen gemeinsam die zuvor gefundenen Lebensmittel. Ich bin erleichtert, dass er diese Entdeckung gemacht hat. Ohne seinen Einwand wäre ich an dem schäbigen Haus wohl vorbeigelaufen, doch er bestand darauf sich hier umzusehen. Mein Blick hebt sich von der vollen Schüssel in meiner Hand zu ihm.
Im Schneidersitzt sitzt er auf der durchgelegenen Matratze und löffelt Linsen in den Mund. Sein schmales Gesicht birgt den verzweifelten Wunsch schneller zu essen, doch er hält sich im Zaum. Mein Blick überfliegt seinen Körper. Im Grunde ist er viel zu dünn. Er ist zwar nicht unterernährt, doch ein paar Kilogramm mehr auf den Rippen würden ihm und seiner Entwicklung definitiv gut tun.
Der Junge braucht etwas mehr als nur eine halbe Dose Bohnen oder Linsen. Was er braucht ist Fleisch, Obst und Getreide. Doch woher soll ich das nehmen? Gefangen hatten wir nun schon seit einer Woche nichts mehr. Es scheint als seien alle Tiere der Umgebung verschwunden. Selbst der kleine Fluss vor der Stadt hatte nicht einen einzigen Fisch beherbergt. Doch nun war Herbst. Die Nüsse fallen, die Apfel- und Birnbäume stehen nun voller Obst und das wenige Wild, das herumstreift muss sich einen Vorrat für den Winter anlegen und wird auch außerhalb der Dämmerung unterwegs sein. Vielleicht haben wir ja in den kommenden Tagen etwas Glück...

Schmunzelnd beobachte ich ihn und ein warmes Gefühl breitet sich in mir aus.
Er ist ein cleverer Kerl und auch wenn er noch jung ist, so hat er ein gutes Gespür für die wichtigen Dinge. Das hat er heute wieder einmal bewiesen.
„Weißt du auf was ich jetzt Lust habe?“ Fragend sehe ich in seine blauen Augen. „Brot“, ist die einfache Antwort. „Brot?“ „Ja, Brot. Roggenbrot. Oder nein. Walnuss.“ Ich lächele ihn an.
Traurig. Doch zumindest lächele ich.
Er ist einfach geworden. Schlicht in seinen Wünschen. Schlicht in seinem Handeln.
Ein Neunjähriger hätte sich noch vor zwei Jahren wohl anderes gewünscht. Er wäre da bestimmt keine Ausnahme gewesen. Eine Spielekonsole, ein neues Board, ein Shirt der neusten Marke.
Doch nun sitzt er hier und träumt vom Geschmack des Brotes auf seiner Zunge, während er auf faden Linsen herumkaut und dabei so langsam iss, wie er kann, um das Sättigungsgefühl zu erhalten, nach dem er sich so sehr sehnt.
Einen Moment sehe ich ihn stumm an. Stolz mischt sich unter die Trauer. Er hat es bis hierher geschafft.

Ich greife in meinen Rucksack, der genau neben mir steht und meine Hand sucht in seinem Inneren nach einem kleinen Beutel. Nach wenigen Sekunden berühren meine Fingerspitzen etwas Samtiges und ich ziehe den gesuchten Beutel an den Klamotten, Konserven und diversen anderen Utensilien vorbei nach draußen.
Neugierige Augen beobachten mich dabei und schreien beinahe schon nach einer Antwort auf die Frage was sich wohl darin befindet.
Mit einem Zucken der Mundwinkel registriere ich diese kindliche Neugier. „Die habe ich vorhin gefunden.“ Noch während ich das sage lege ich ihm drei Walnüsse in die Hand. Wie ein Heiligtum birgt er sie in seinen kleinen Händen.
„Und das hast du mir nicht gesagt?!“ Fassungslos sieht er auf seine Hand, bevor er die Nüsse in seinen Schoß legt und voller Ungeduld die Erste öffnet.
„Hätte ich es dir vorher gesagt, wären jetzt schon alle aufgegessen.“ „Alle? Wie viele hast du denn?“ „Genug. Für den Anfang.“ „Genug? Es können nicht genug sein“, strahlt er. Wir lachen beide, während er mir die Hälfte der Nuss übergibt.
Dankend nehme ich sie an und genieße den ungewohnten Geschmack auf meiner Zunge. Etwas so intensives habe ich schon länger nicht mehr schmecken dürfen. Er kann kaum an sich halten nicht auch die zweite Nuss sofort zu öffnen, während er die erste noch im Mund hat.

Manchmal kann es so einfach sein. So leicht. Doch manchmal ist leider weit entfernt von oft und noch sehr viel weiter entfernt von immer.
Es ist ein weiter Weg zu unserem Ziel. Viel zu viel Zeit haben wir bereits damit verschwendet den falschen Menschen zu folgen. Im Nachhinein betrachtet war es töricht sich so vorbehaltlos einer Gruppe anzuschließen. Ich war naiv gewesen und das hatte uns beinahe die Freiheit und wohlmöglich auch das Leben gekostet. Zivile Gemeinschaften, die auf den Menschenrechten und moralischen Ansprüchen der alten Zeit beruhten gab es nicht mehr.  
Nach dem Zusammenbruch, den blutigen Aufständen und den Kämpfen um Nahrungsmittel und Versorgungsgüter, konnte kein gesellschaftliches System mehr überleben. Alles war ineinander zerfallen, regelrecht implodiert und was übrig blieb war reine Anarchie. Die wenigen Menschen, die sich noch an den alten Richtlinien orientierten, unterlagen schon bald den Gesetzlosen und wenn sie doch überlebten, so nur im Verborgenen. Wir waren da keine Ausnahme. Doch ich weigere mich entschieden meine Prinzipien aufzugeben und mich der Anarchie und den damit verbundenen Gewalttaten hinzugeben. Und so Gott mir helfe, wenn er denn existieren sollte, Aden würde es auch nicht tun.
Die Gemeinschaft der letzten Gruppe hatte uns Schutz und Nahrung geboten. Ihr Anführer war ein guter Mann gewesen, zu gut. Es hatte nur wenige Wochen gedauert, da die Meuterei begonnen und blutig geendet hatte. Wir sind nur mit Mühe entkommen. Nun streifen wir wieder alleine durch die Wälder, Dörfer und Felder. Immer auf der Suche nach dem nächsten sicheren Platz, immer auf der Jagd nach Vorräten. Immer auf der Flucht vor anderen.
Doch wir kommen ganz gut zu zweit klar. Wir würden es schaffen. Wir müssen einfach. Wir sind schon zu weit gekommen, haben zu viel durchgemacht.
Wir haben den Zusammenbruch überlebt, die Aufstände, die Kämpfe, die Kälte und den Hunger des Winters, die Stürme des Sommers.  
Was bleibt ist eine Hoffnung, auch wenn es nur eine kleine ist... wie ein Lichtstrahl in einer Welt voller Schatten.
Wir sind noch hier und alles andere, die Probleme von damals und die Ansprüche, die wir an das Leben gestellt hatten, relativieren sich angesichts der Frage nach Essen, Unterkunft, Gesundheit und der Notwenigkeit des Zusammenhaltes. Große Wünsche weichen kleineren, realistischen Zielen und gleichzeitig bekommt der Schutz der Eigenen eine schier übermächtige Bedeutung.

Über meine Gedanken vergesse ich vollkommen das Essen und so stellt Aden seine Schüssel bereits weg, als ich erst bei der Hälfte angekommen bin.
Er ist noch nicht satt. Das weiß ich, doch er würde niemals nach mehr verlangen. So war er nicht. Im Gegenteil. Hin und wieder war es bereits vorgekommen, dass er mir etwas von seiner Portion angeboten hatte.
Ohne Frage hatte ich immer abgelehnt und ihn dazu ermutigt, die Portion, die ihm zustand, selbst zu essen.
Lustlos lasse ich den Löffel noch ein paar Mal in den Linseneintopf gleiten und auch wenn mir das Wasser im Mund zusammenläuft, zwinge ich mich, nichts mehr zu essen. Resignierend atme ich aus, hebe meinen Blick zu dem Jungen, der die restlichen zwei Nüsse in seinem Schoß ansieht und lege meinen Löffel zur Seite. „Aden, magst du noch? Ich habe keinen Hunger mehr.“
Ungläubig schnellen seine blauen Augen zu meinen. Ruhig sieht er mich an, dann schüttelt er den Kopf. „Komm schon. Du hast noch Hunger, das sehe ich.“ „Du auch“, behauptet er fest und sieht mich durchdringend an. „Nein, es ist schon in Ordnung.“ Auffordernd halte ich ihm die Schüssel entgegen und nicke. Zögernd nimmt er sie an. Sein Blick hält meinen noch einen Moment lang gefangen, bevor er sich dem Essen in seiner Hand zuwendet. „Danke.“

„Versuch zu schlafen. Morgen müssen wir das Ende der Stadt erreichen. Ich möchte so schnell es geht weiter in den Süden. Je schneller wir das Notfallzentrum erreichen, desto besser.“
„Endlich ein richtiges Bett“, träumt Aden und kann nur noch mit Mühe die Augen offen halten. „Ja und eine Heizung. Wir müssten nicht mehr frieren. Jetzt da der Winter kommt, brauchen wir eine dauerhafte Unterkunft. Erinnere dich an letzten Winter.“  Instinktiv verschränkt er seine, in Wollhandschuhe gepackten Hände und versteckt sie in seinem Schlafsack. „Besser nicht.“
Auch mir läuft es eiskalt den Rücken herunter, wenn ich nur daran denke. Es war so kalt gewesen, dass wir kurz vor dem Erfrierungstot die Gemeinschaft von Menschen aufsuchen mussten. Auch wenn ich weiß, dass wir ohne sie und ihre Vorräte nicht überlebt hätten, so will ich eine solche Situation doch zukünftig unter allen Umständen vermeiden. „Nein, besser nicht. Also schlafen“, stimme ich zu und er  kuschelt sich bereitwillig in den Stoff.  
Eingepackt in seinen Schlafsack und im Schutz des gebauten Unterschlupfes schaut letztlich nur noch sein Kopf heraus. Er wird heute Abend hier sicher sein und das ist fürs Erste das Wichtigste.


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Na, was meint ihr?
Ich bin noch recht unschlüssig, daher bin ich froh um jede Meinung!
Ich weiß, es ist noch nicht viel, doch vielleicht könnt ihr mir sagen, ob ihr etwas in der Art gerne lesen würdet oder nicht.

Lg Izzybuddy :)
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