All of you - Passion

von Baileyxx
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
28.06.2019
13.08.2019
9
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Stürmisch prasselt der Regen gegen die dünne Fensterscheibe in der Arbeitsküche. Gedankenverloren rühre ich in meiner Tasse den Kaffee um. Gott sei dank habe ich bald Feierabend. Und am meisten bin ich froh das, dass Gespräch mit Mr. John  so reibungslos verlief. Er hat mir nicht mal die lange Pause übel genommen. Ihm ging es nur drum das ich es vorher ankündigen soll. Das restliche Gespräch verlief ehr entspannt. Es ging dann nur noch um den Fall, was mir ehrlich gesagt gepasst hat.  
Ein schiefes lächeln geht mit über die Lippen. „Wenigstens etwas das gut lief. “, hauch ich vor mich hin. Wie ein Schleier legen sich Müdigkeit und Kälte über meinen Verstand, lähmen meinen Körper. Schnaufend fahre ich mir mit der Hand über Gesicht. Die Nacht war endlos.
Schlaflos? Schmerzhaft? Blitzartig erschienen mir seine jadegrünen Augen im Gedächtnis auf. Mein Körper reagiert sofort drauf und verkrampft sich vor dem Küchentresen. Wie konnte er mir das antun? Mit verschränkten Armen vor der Brust, spüre ich nicht mal wie sich meine Finger in meinen Armen bohren. Das ist doch nicht wirklich passiert? Immer wieder spiele ich den gestrigen Abend in meinem Kopf durch. Ich verstehe es nicht. Ich dachte wirklich er würde mich.. küssen? Mich? Bedrückend lass ich den Kopf hängen, sodass mir ein paar Strähnen vors Gesicht fallen. Eva, vergiss ihn! Schreit mich mein Unterbewusstsein an.
Alles ging so schnell. Seine Lippen. Sein Atem. In dem Moment atme ich tief als würde ich ihn nochmal aufnehmen. Was macht er mit mir? Meine Brust zieht sich angespannt zusammen.

Plötzlich klirrt lautstark das Geschirr ins Waschbecken, sodass es mich auf schrecken lässt. „Unfassbar!“, kreischt Emily wütend. Verwundert sehe ich sie sprachlos neben mir an.
Ihr blickt haftet auf das halb zerbrochenen Geschirr. „Das kann er mir nicht antun! Ich fass es nicht“, flüstert sie leise vor sich hin. Was ist den mit ihr los so aufgebraust habe ich sie ja noch nie gesehen. Emily verzieht niedergeschlagen das Gesicht und starrt weiterhin in die Spüle.
Sie wirkt so zerbrechlich auf einmal. „Hey, ist alles okay?“,sage ich mit einem Hauch von Besorgnis. Jetzt erst merke ich das ich wieder aufatme. Prompt streift sich Emily ihr seidiges Kupferhaar aus dem Gesicht und stellt sich aufrecht vor mir hin. „Natürlich geht es mir gut, was soll diese jämmerliche Frage“, sagt sie eitel.  Da ist sie ja wieder die Emily, die ich kenne. „Bist du sicher?“, sage ich stirnrunzelnd und sehe zum Geschirr rüber. „Ja! Sag mal bist du heute schwer von begriff. Du brauchst nicht so tun als seist du mitfühlend. Das zieht bei mir nicht, dieses Schleimen. Du weisst ich kann dich nicht ausstehen, belassen wir es einfach!“, krächzt sie heraus. Erstaunt sehe ich sie nur an. Ist klar, ihre Körpersprache sagt was anderes. Aber ganz ehrlich, wieso versuch ich ihr eigentlich noch zu helfen. Sie hat recht. Wir mögen uns beide nicht. Ich hatte nur das Gefühl das sie jemanden zum reden gesucht hat. „Ja ist ja gut, es tut mir leid. Es war nur eine Frage. Schönen Tag dir noch“,seufzt ich genervt. Ohne nachzudenken wende ich ihr den Rücken zu und lauf zurück zu meinen Schreibtisch. Nie wieder! Nie wieder versuch ich ihr gegenüber nett zu sein. Das war meine gute Tat für heute. Auch wenn ich das Gefühl hatte das ihr was auf der Zunge lag. Ich habe bemerkt wie ihre Stimme versagt hat als ich nicht mehr auf ihre letzten Satz reagiert habe.
Erschöpft lass ich mich auf meinen Schreibtisch nieder. Es ist kurz vor fünf. Gut, dann pack ich den Rest ein und arbeite zuhause weiter. Mr. John hat mir einiges aufgegeben. Ich muss sie bis Dienstag fertig aufgearbeitet haben. Um ehrlich zu sein bin ich auch froh das ich mich auf die Arbeit stürzen kann, das lenkt mich etwas ab.
Nicht dran denken, verdräng es. Verdräng es! Das kannst du am besten, Eva.
Nickend stimme ich meinem Unterbewusstsein zu. Das konnte ich schon immer gut.
Schnell pack ich meine Unterlagen in meine Tasche und räume alles sorgfältig für die nächste Woche auf.

Der heulende Wind dringt durch meine Kleider, bis in mein Mark, als ich das Gebäude verlasse. Oh man! Zwar regnet es nicht mehr so stark. Dennoch ist extrem windig und kalt! Mit zusammen gekniffenen Augen schau ich über die Strasse, als plötzlich ein stechender Schmerz in meiner Magengrube sich meldet. Oh, ich sollte eventuell was essen. Das letzte was ich gegessen habe war gestern. Na ja bis jetzt hatte ich auch nicht so wahnsinnig Hunger. Ich habe mich nur von Kaffee ernährt. Schnellfertig lauf ich auf ein freies Taxi zu und setze mich hinein.
„Wohin darf es, Madame?“, fragt mich der Fahrer höflich.
„ Ins Cole’s, bitte“, sage ich kraftlos heraus. Ich nehme mir was mit und fahr dann wieder heim. Ich glaube nicht das noch einen Tisch frei ist.
Der Taxifahrer nickt und fährt sofort los.

Nach einer schweigsamen Fahrt komme ich am Restaurant an. Ich strecke dem Fahrer das Geld hin bevor ich endlich aus dem Taxi steige. Meine Güte ich hatte vergessen das es soweit draussen liegt. Das war eine mühsame Fahrt.
Seufzend lauf ich zum Haupteingang zu. Dabei komme ich an einem verspiegeltem Fenster vorbei. Rasch bleibe ich davor stehen. Wie angewurzelt sehe ich das zerbrochene Mädchen hinter der Säule, das zusammen gekauert da steht, an. Mein Blick fällt immer wieder auf ihr Gesicht. Dunkle Augenränder zeichnen sich auf ihre schneeweissen Haut ab. Wer ist das? Ihre Augen. Ein verblassender Blick starrt mich an. Stumpf. Spröde sieht sie mich an. Ich mach einen Schritt näher auf die Person zu, bis mir schreckhaft auffällt, das es mein Spiegelbild ist.
Entsetzt richte ich mich auf. Das ist ja schrecklich, das bin nicht ich. Ich habe einfach nur nicht geschlafen, das ist alles. Mit gerade Haltung streich ich meine hellbeige Stoffhose, die mir bis zu den passenden Pumps runter ragt. Die High Heels laufen vorne etwas spitz zu, so dass der Stoff weich drauf fällt. Das wird schon, das schaffst du Eva. Spreche ich mir das Mantra immer und immer wieder im Gedächtnis vor. Als ich meine glatten Haare hinters Ohr streife.
Das wird schon. Du hast es immer geschafft und alles gepackt. Da lässt du dich von niemanden so fertig machen.
Mein Blick wird ernster als ich das Mädchen ansehe das mir gegenübersteht. Erinnere dich wer du warst. Wer du bist! Mein Körper entspannt sich ein wenig. Du kannst das. Ich atme tief ein und zupfe mein weisse langärmlige Bluse gerade. „Auf geht es!“, spreche ich leise vor mich hin.
Die Frau mir gegenüber lächelt ein wenig und ich erkenne das es, kein Mädchen war. Nur eingeschüchtert von ihren Ängsten. Ich habe keine Angst vor niemanden!

Ungeduldig wippe ich hin und her vor dem Tresen des Restaurants. Gott, es sind schon dreißig Minuten vergangen. Wo ist mein Sandwich? Das ist das einzige was ich hier nicht so ausstehen kann. Diese langen Wartezeiten. Nicht nur das du kaum einen Platz ergattern kannst, sondern das auch wenn du was bestellst und was abholen willst, länger warten musst als sonst.
Schnaubend lege ich meine Mantel über meinen Arm. Ausserdem ist es noch dazu stickig. Verträumt lass ich meinen Blick über die altmodische, dennoch recht moderne Einrichtung schweifen. Alles in Mahagoni, mit recht hellen Wänden und Stahl Stühlen. Das lässt es ein wenig Industriell wirken. Es hat etwas, dennoch ist es mir zu dunkel. „Es tut uns leid Miss, das sie so lang warten mussten. Hier ist ihre Bestellung. Guten Appetit und beehren sie uns bald wieder. Schönen Abend.“, reißt mich der kleine schwarzhaarige Kellner aus den Gedanken. „Ja, danke. Ihnen auch noch eine schönen Abend“, sag ich kleinlaut und nehme die Tüte mit den gut riechenden Sandwiches entgegen. Endlich, ich falle ja noch um vor Hunger.  
Auf die Tür zusteuernd fällt mir ein das ich noch Liam’s Sms beantworten sollte. Heute morgen war ich so kurz angebunden. Genervt wühle ich beim laufen in meiner Tasche. Handy, verdammt wo bist du? Komm raus.
„Warten Sie Miss. Bleiben Sie, bitte stehen. Miss, passen sie auf“, ruft eine Stimme hinter mir. Gedankenversunken nehme ich es kaum wahr wie mich auf einmal jemand am Arm packt und zurück zieht. „Hey…“, press ich vor schreck raus.  
Der Ruck ist so schlagartig das meine Tasche und die Tüte mir aus der Hand fallen.
Ein ungewöhnlicher Duft umgibt meine Nase. Es riecht so herb, maskulin aber dennoch angenehm. Nach weissem Sandholz. Etwas Benommen sehe ich hoch zur der Person. Seine grau-silbrigen Augen fixieren mich. „Miss Moore, verzeihen Sie mir. Anderes konnte ich sie nicht aufhalten. Sie sind fast gegen die Glasscheibe gelaufen“, sagt Louis höflich. Meine Augen weiten bei seinem Anblick. Wieso? Nicht. Dieses Spiel habe ich satt. Meine Atemzüge werden kürzer. „Eva, bitte.. Nennen Sie mich Eva..“, flüstere ich ihm zu. Was mach ich da. Geh, Eva! Renn hinaus.
Schwummrig nehme ich wahr wie meine Beine langsam drohen nachzugeben. Schwerschluckend sehe ich hinunter zum Boden. Ich schaffe das nicht. Unerwartet spüre ich seine weichen, warmen Finger unter meinem Kinn. Louis zieht mein Kinn hoch, so dass ich gezwungen bin ihm in die Augen zu sehen. Erstaunt öffne ich meine Lippen einen Spalt. Doch ich bringe nicht zu Wort. Mein Mund wird staubtrocken.
Er sieht mich intensiv an. Augenblicklich entspannt sich mein Körper, ungewohnt atme ich auf einmal aus. Die Hitze in meinem Körper nimmt überhand. Er hat so eine unfassbare Wirkung.
„Eva, das ist ein schöner Name. Es freut mich dich kennen zu lernen. Louis, freut mich ihre Bekanntschaft zu machen. Und es freut mich umso mehr sie so schnell wieder zusehen. Ich hatte keine Zeit mich wirklich bei ihnen zu entschuldigen.“, lächelt er umwerfend.
Ich sehe ihn nur benommen an. Sein Lächeln erhellt seine attraktiven Züge und lässt seine grau-silbrigen Augen leuchten. Verlegen wende ich den Blick ab, da ich spüre wie ich vor Verlegenheit rot anlaufe. Er sieht unfassbar gut aus. Und ich fühle mich auf einmal so wohl bei ihm. Oder nicht?
„Eva?“, sagt er nochmal einmal.
Ich kann ihn nicht ständig anschauen. Ich sollte besser gehen. Erst jetzt fällt mir auf das sein anderer Arm um meine Taille gelegt ist, um mich besser zu stützen.  Mein Herzschlag pocht mir bis zu den Ohren. „Eva, sehe mich an, bitte.“, herrscht er mit einem süsslichen Unterton. Ein ungewohnter Schauer läuft mir über den Rücken.
Als ich meinen Blick hebe stockt mir abrupt der Atem. „Ja..“, sag ich hitzig heraus.

Er sieht mich nur durchdringend an und streift mit seinen feinen Fingern über meine erröteten Wangen. Wo bin ich nur gelandet?  

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Erstmal vielen Dank das alle so fleissig mitlesen. Das bedeutet mir sehr viel. Ich bin leider durch meine Arbeit nicht immer in der Lage weiter zu schreiben. Ich hoffe ihr nimmt mir das nicht böse. Ich versuche so schnell wie es geht weiter zu machen. :)

Danke nochmal fürs lesen.
xx Bailey
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