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Das Blau der Nacht

GeschichteDrama, Suspense / P18 Slash
Harry Potter Severus Snape
27.06.2019
28.09.2019
23
70.946
184
Alle Kapitel
363 Reviews
Dieses Kapitel
14 Reviews
 
30.06.2019 2.286
 
Anmerkung: 9 Reviews, 17 Empfehlungen und 109 Favoriteneinträge!!! Ihr macht mich echt froh! :-D Und weil ihr das tut (und ich nicht mehr aufhören kann zu schreiben), gibt es heute schon das nächste Kapitel. :-)


Kapitel 2: Das Grau der Hoffnungslosigkeit

"Was konnten Sie feststellen?" Eleonore nahm ihn sofort in Beschlag, als er das Anwesen das nächste Mal betreten hatte, und er wieder ins Kaminzimmer geführt worden war.

Snape blickte zu Potter, dessen Augen eindeutig angstvoll geweitet waren. Severus' Untersuchungen des Blutes, die er wieder und wieder wiederholt hatte, nur um sicher zu gehen, dass ihm kein Fehler unterlaufen war, hatten immer wieder das selbe Ergebnis bestätigt: Potter gab seiner Frau ohne deren Wissen Kraterkraut, ein hochwirksames, magisches Kraut, das unter anderem dafür bekannt war, ein gutes Verhütungsmittel zu sein.

Warum hatte Potters Frau ihn mit dem Wunsch nach einem gemeinsamen Kind hergebeten, wenn Potter offensichtlich alles dafür tat, kein Kind mit ihr zu bekommen. Was war hier los?

Snape taxierte Potter noch einen Moment lang, nahm dessen angsterfüllten Blick wahr und sah dann wieder zu Eleonore. "Leider nichts Auffälliges. Daher würde ich gerne Ihr Angebot annehmen und mithilfe Ihrer exzellenten Ausrüstung dem Problem weiter auf den Grund gehen."

"Wunderbar!", rief Eleonore ganz begeistert. "Ich lasse Ihnen ein Zimmer herrichten. Sicherlich werden Sie in der Lage sein, das zu vollbringen, woran mein Mann scheiterte." Mit einer solchen Frau würde er auch keine Kinder wollen.

"Vielen Dank für das Angebot. Ich würde es dennoch vorziehen, täglich nach Hause zu apparieren."

Für einen winzigen Moment, zuckte es missbilligend in ihrem Mundwinkel. "Wie Sie wünschen", sagte sie dann.

"Kann sich Ihr Geschäft es denn erlauben, wenn Sie sich auf unbestimmte Zeit auf ein einziges Problem konzentrieren?", fragte sie scheinbar gedankenvoll, doch der Ton und der Ausdruck in ihren Augen, machten deutlich, dass es eine Höflichkeitsfloskel war.

"Ich habe genügend Angestellte, die einen guten Job machen", gab Snape gelassen zurück.

"Wie schön!" Es war eine geheuchelte Aussage. Severus lächelte als Antwort flüchtig. Er hatte beschlossen, erst einmal abzuwarten. Vielleicht würde er den Ursachen noch auf den Grund gehen können. Vorerst schien es das Beste zu sein, die Lüge, die Potter in die Welt gesetzt hatte, mitzutragen und zu schauen, was sich daraus entwickelte. Außerdem konnte es nicht schaden, etwas gegen Potter in der Hand zu haben - und das Beste daran war, Potter wusste es. Er musste wissen, dass Snape die Antwort gefunden hatte.

"Wäre es Ihnen möglich direkt zu beginnen?", unterbrach Eleonore seine Gedanken.

"Selbstverständlich, Madame", erwiderte Severus höflich.

"Sehr gut. Dann wird Jamie Sie hinabbegleiten." Und mit diesen Worten verließ sie das Kaminzimmer.

Potter setzte sich ebenfalls in Bewegung und so folgte Severus ihm stillschweigend hinunter in sein Labor. Als sie dort angekommen waren, sagte Severus: "Ich werde den 'Fertilitas absolutes'-Trank brauen." Es war der stärkste Fruchtbarkeitstrank, den es gab. Nicht einfach in der Herstellung, aber für Severus kein Problem.  Potters Gesicht zeigte keine Reaktion. "Warum haben Sie noch nicht daran gedacht?", hakte Snape nach.

Irgendwas in Potters Wangenmuskeln spannte sich an. "Dieser Trank liegt außerhalb meiner Klasse, Sir."

Snape wusste sofort, dass Potter log. Er beugte sich vor und sah mit einem Hauch Genugtuung, dass Potters Augen sich ein Stückchen angsterfüllt weiteten. "Sie konnten mich schon in der Schule nicht anlügen. Versuchen Sie es jetzt erst gar nicht!"

Potter schluckte. "Ja, Sir." Dann senkte er den Blick.

Severus hätte am liebsten mit den Zähnen geknirscht. Seit wann war Potter so unterwürfig?

"Dürfte ich Ihnen vielleicht assistieren, Meister Snape?", fragte er dann leise und holte Severus aus seinen Gedanken. Dieser wägte blitzschnell ab. Wenn er wissen wollte, was hier gespielt wurde, war es wohl am besten Potter im Auge zu behalten. "Solange Sie sich nicht wie ein Volltrottel anstellen."

Snape sah sich um. "Wir brauchen für den ersten Teil des Trankes einen Silberkessel, Arnikawurzel, Rehmilch und getrocknete Kornblumenblätter."

Sofort trat Potter auf ihn zu. "Entschuldigen Sie, Sir. Ich werde Sie herum führen."

Mit stechendem Blick sah Severus Potter an. Wieso sprang Potter sofort ein, bevor Severus zugeben musste, dass er nicht wusste, wo die Dinge zu finden waren? Warum bereitete er ihm diesen Komfort? Wäre es anders herum gewesen, hätte Severus ihn alles alleine zusammen suchen lassen. Aber auf der anderen Seite wollte Potter ja was von ihm und nicht umgekehrt.

"Die fertigen Tränke finden Sie dort in der Kammer neben den vier Kesseln. Hier bereite ich meine Haupttränke zu." Er ging zu der Wand zu ihrer linken. Dann deutete er auf die Regale neben dran und führte Severus dorthin. "An dieser Stelle finden Sie alle Utensilien zum Abfüllen und Messen. Der Tisch hier dient zum Präparieren. Hier geht es zu den Vorräten." Harry stieß eine Tür auf. Severus kam aus dem Staunen nicht raus. Der erste Eindruck bestätigte sich auch auf den zweiten Blick. Das hier war alles exquisites Material, außerdem war es von einer erlesenen Qualität und äußerst sinnvoll sortiert. Er knirschte beinahe mit den Zähnen, denn er fühlte eine Mischung aus Stolz und Bewunderung für Potter.

"Meine Aufzeichnungen", sagte Potter mit Blick auf eine riesige Pinnwand, vor der ein Schreibtisch stand. Rechts davon führte eine weitere Tür ab. "Die dunkle Kammer, wo die Zutaten lagern, die Dunkelheit brauchen", erklärte Potter. Severus störte es, dass der Mann so aufmerksam war, dass er seinen Blick zur Tür bemerkt hatte. Daneben stand ein Sofa und ein Beistelltisch. Beides sah ziemlich schäbig aus. Severus nickte - zu mehr konnte er sich noch nicht hinreißen lassen. Vielleicht würde er eines Tages ein "Danke" über die Lippen bringen, aber noch war es zu früh.

"Der Silberkessel steht auf Position drei", fuhr Harry fort und deutete auf die Wand mit den vier Kesseln. "Die anderen drei Zutaten finden Sie im Lager. Ganz hinten ist der Teil mit den gekühlten Zutaten." Potter machte eine einladende Geste und deutete voran. Severus setzte sich in Bewegung, als sie gemeinsam die Vorratskammer betraten.

"Es ist alles alphabetisch sortiert nach seinem lateinischen Namen", erklärte Harry und griff zielsicher nach den gewünschten Zutaten, die er auf einen kleinen Tisch legte. Dann ging er weiter nach hinten in die Vorratskammer. Severus folgte ihm; immer noch total verzückt.

Plötzlich spürte er Kälte über seinen Körper rinnen. Er sah Potter an. "Ach ja, wie schon gesagt, ist hier der Kühlteil des Lagers." Er griff zur Rehmilch, auch hier war alles alphabetisch sortiert. Severus sah sich um. Er konnte keine Wand ausmachen, keinerlei Trennung zum Rest des Lagers. Er ging einige Schritte zurück zum Ausgang, ihm wurde plötzlich wieder warm. Er sah sich um. Potter stand noch immer mit der Rehmilch im Kühlteil. Er sah, dass die Luft ein wenig verschwommen wirkte, so als würde man durch eine Wasserwand blicken. Potter hatte einen dauerhaften Kühlzauber kreiert. Das war in der Tat beeindruckend. Nur für einen Moment sahen sie sich in die Augen, dann wandte sich Snape ab und nahm beim Rausgehen die Zutaten vom Tisch.

Erst da wurde Snape klar, dass Potter ihm so gut wie gar nicht in die Augen sah. Irritiert schritt er ins Labor und legte die Zutaten auf den großen Tisch. "Sind Sie in der Lage die Wurzel zu schneiden?", fragte er mit harschem Ton. Potter nickte lediglich, hielt seinen Kopf weiterhin gesenkte.

Snape ging zum anderen Ende des Raumes und erhitzte den Kessel, in den er die Rehmilch abfüllte. Als er zurückkam, um sich um die Kornblumenblätter zu kümmern, traute er seinen Augen nicht: Potter schnitt die Wurzel mit einer akkuraten Technik. Er war noch langsamer als Snape, aber die Präzision mit der er schnitt, war beeindruckend - eine Fähigkeit, die er bei ihm als Schüler so vermisst hatte. Es war erstaunlich.

Er musste wohl etwas zu lange herum gestanden habe, denn Potter fragte: "Wie kann ich Ihnen behilflich sein?"

Der fehlende Augenkontakt machte Severus nervös. "Wo finde ich Messer?", fragte er stattdessen und war froh, dass er sich wie eh und je gut im Griff hatte, denn seine Stimme klang wie gewohnt - von der wachsenden Beunruhigung und Irritation war nichts zu hören.

"Direkt hier", sagte Potter prompt und zog eine Schublade unter dem ausladenden Tisch hervor. Severus starrte auf die sich ihm bietende Auswahl. Alles, was man sich nur wünschen konnte, war hier vertreten: Sämtliche Größen und Materialien - alles in einer herausragenden Qualität.

Andächtig griff sich Severus eines der kleineren Messer aus Keramik. Die Blumenblätter mussten nämlich gehäutet werden - eine schwierige und äußerst filigrane Arbeit. Severus drehte das Messer in seiner Hand hin und her. Er fühlte mit dem Daumen vorsichtig über die Klinge. Augenblicklich biss er sich auf die Lippe. Er hatte sich doch tatsächlich geschnitten.

In diesem Moment ging Potter an die kurze Seite des Tisches und öffnete eine weitere Schublade. Er zog ein Pflaster heraus und reichte es wortlos dem anderen. Irritiert nahm Snape es entgegen und versorgte sich. Seit wann war Potter so aufmerksam? Und warum griff er zu einem Muggel-Pflaster anstatt es mit Magie zu heilen?

Severus schüttelte die Gedanken ab, griff wieder zum Messer und häutete die Blüte. Noch nie war es ihm so leicht gefallen wie mit diesem Messer. Dieses Material war exquisit. "Ist es Ihnen recht, Meister Snape, wenn ich die Wurzel gleich hinzufüge?" Spätestens jetzt wusste Snape, dass Potter die Zubereitung dieses Trankes vollkommen vertraut war.

"Tun Sie es!", sagte Severus barsch. Er mochte den Klang von Potters "Meister" ganz und gar nicht. Das klang so falsch in seinen Ohren. Aber warum? Viele Menschen nannten ihn so und schließlich war er ein Meister der Zaubertränke.

Er ging hinter Potter zum Kessel, der jetzt in vollkommen korrekter Weise die Wurzel hinzufügte, nachdem er die Temperatur der Milch überprüft hatte. Er rührte, bis beide Zutaten vollkommen miteinander verschmolzen waren. Snape nickte zufrieden. "Es muss nun zwei Stunden köcheln. Haben Sie eine Sitzgelegenheit?"

Harry deutete auf das Sofa in der anderen Ecke des Raumes. Snape zog skeptisch die Augenbrauen hoch. "Haben Sie was dagegen, wenn ich mir etwas zaubere?" Harry schüttelte den Kopf. Und dann konnte Snape etwas Faszinierendes beobachten: Als er seinen Zauberstab zog, wich Potter doch tatsächlich einen Schritt zurück.

Severus überging diese Geste, obwohl sie sich innerlich in sein Hirn festbrannte, und beschwor einen bequemen ledernen Ohrensessel herauf - ganz ähnlich dem Stück, das er in seiner Stube hinter seinem Geschäft hatte. Er stellte ihn direkt neben die Tür und ließ sich nieder.

Potter stand immer noch in der Mitte des Raumes und starrte wie versteinert auf den Sessel. "Wollen Sie sich keinen eigenen zaubern?", fragte Snape schnippisch.

Potter schüttelte den Kopf. "Ich nehme das Sofa", sagte er und wandte sich abrupt um; war damit so weit von Severus entfernt, wie es nur ging. Diesem konnte es nur recht sein. Er legte keinen gesteigerten Wert auf Potters Gesellschaft.

Die nächsten zwei Stunden vergingen in vollkommenen Schweigsamkeit; etwas das Severus eigentlich zu schätzen wussten, wenn es ihn nicht so beunruhigt hätte. Als Schüler war Potter nicht und er Lage gewesen, zwei Stunden still zu sein, geschweige denn sich selbst zu beschäftigen, und nun saß er auf seiner Couch, blätterte in irgendwelchen Zeitschriften, stand auf, ging zu seinem Schreibtisch mit der darüber hängenden Pinnwand, machte sich Notizen und schien von Snape überhaupt keine Notiz zu nehmen. Er sah aus, wie jemand, der vertieft war in sein Tun und seine Umwelt vollkommen ausblendete.

Severus beneidete ihn um diesen Zustand, denn gerade gelang ihm das nicht. In seinem Labor, wenn er alleine war, war er dazu auch in der Lage, aber hier lenkte ihn die fremde Umgebung ab - und die fremde Gesellschaft. Als Severus nach zwei Stunden lediglich drei Seiten in dem Buch, das er sich mitgebracht hatte, gelesen hatte, wusste er, dass er sich zu viele Gedanken um Potter gemacht hatte. Ein Umstand, der ihn maßlos ärgerte.

So bellte er missgelaunt: "Aufstehen, Potter. Ich wollte nicht länger als nötig hier bleiben."

Sofort schoss dieser von seinem Sofa hoch, und sah zu Snapes Genugtuung reichlich verängstigt aus. Es war nur für den Bruchteil einer Sekunde, dass Potter ihn ansah, dann hatte er wieder demütig den Blick gesenkt. Es machte Snape rasend.

Schnell stand auch er auf und begab sich zum Kessel, wo er das erste Blütenblatt hinzufügte. Kaum, dass es die Oberfläche des Trankes berührte, verpuffte es in gelben Dunst. Nun war es wichtig den Trank für weitere 16 Stunden ruhen zu lassen. "Ist es Ihnen recht, wenn ich den Trank abdecke, Meister Snape?"

Severus schauderte es bei der Ansprache. Potter sprach das Wort "Meister" so unterwürfig aus wie die Gefolgsleute des Dunklen Lords. Es klang so wenig nach dem vertrauten Titel, den er eigentlich schätzte. Severus schüttelte die Gedanken ab und sagte mit einem Nicken: "Tun Sie das!"

Dann trat er einige Schritte zurück. "Ich bin morgen um neun Uhr hier, dann beginnen wir mit den zwei Nebentränken. Ruhen Sie sich aus! Ich brauche Sie morgen hellwach!" Seine Stimme klang bissig. Potter sollte bloß nicht auf den Gedanken kommen, er würde sich Gedanken um ihn machen.

"Ich werde ausgeruht sein", erwiderte dieser sofort mit leiser Stimme. Snape sah ihn ein letztes Mal an wie er da stand mit hängenden Schultern, den Kopf zum Boden gerichtet. Severus hatte das Bedürfnis zu seufzen. Dann verließ er das Labor.

***

Fortsetzung folgt…

Zwar etwas kürzer, aber nicht weniger intensiv. ;-)

Wie habt ihr es empfunden?

Grüße an euch alle! :-)
KrissyNightwish
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