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Das Blau der Nacht

GeschichteDrama, Suspense / P18 Slash
Harry Potter Severus Snape
27.06.2019
28.09.2019
23
70.946
182
Alle Kapitel
352 Reviews
Dieses Kapitel
17 Reviews
 
 
27.06.2019 3.993
 
Titel: Das Blau der Nacht

Autorin: KrissyNightwish

Pairing: Immer nur das Eine: Harry und Severus. :-)

Zeitliche Einordnung: Wir befinden uns 12 Jahre nach Harrys Schulabschluss. Severus lebt (offensichtlich! ;-)) und hat seinen eigenen, kleinen Zaubertrankladen in der Winkelgasse.

Warnung: Das hier ist zu Beginn keine schöne Geschichte. Es geht um düstere Themen wie Demütigung, psychisches und physisches Leid. Es ist nicht schön. Wer an dieser Stelle trotzdem weiterlesen möchte, dem sei auch gesagt, dass es auch um Liebe, Zärtlichkeit, Sehnsucht und Romantik geht. :-D

Anmerkung: Könnt ihr es glauben? Glaube ich es? Ich weiß es nicht. :-) Aber ich bin definitiv mit einer Geschichte zurück, ich schreibe endlich wieder und es ist so unglaublich wundervoll, dass ich keine Worte habe, um dies zu beschreiben. Ich bin einfach nur glücklich. Und dann schreibe ich eine solch düstere Geschichte. :-D Egal, hier kommt Snarry, ich bin wieder da. Hurra! ;-)


Kapitel 1: Das unbekannte Schwarz

Severus Snape saß in der kleinen Stube hinter seinem Geschäft. Er hielt einen Brief in seinen Händen, den er nun ein drittes Mal gelesen hatte, und immer noch nicht wusste, was er von ihm halten sollte.

'Sehr geehrter Meister Snape,
Sie wurden mir wärmstens von Narzissa Malfoy empfohlen. Ich wende mich in einer etwas delikaten Angelegenheit an Sie und würde Sie daher um ein erstes persönliches Gespräch bitten. Gerne empfangen wir Sie kommenden Samstag um 16 Uhr in unserem Manor in Südengland, um Details mit Ihnen zu besprechen. Ihre herausragenden Künste im Zaubertrankbrauen sind bis zu uns durchgedrungen und wir würden diese gerne in Anspruch nehmen. Wenn wir keine Absage erhalten, gehen wir davon aus, Sie am Samstag begrüßen zu dürfen.
Hochachtungsvoll,
Eleonore Belmont-Potter'

Wie lange war es nun her, dass er das letzte Mal mit Potter zu tun gehabt hatte?
Er war zwar zu seiner Hochzeit eingeladen gewesen, aber nicht hingegangen - schließlich war es nur eine Einladung aus Höflichkeit gewesen und die hatte er dankend abgelehnt. Severus lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Wie lange mochte das nun schon her sein? Damals hatten sie den Dunklen Lord bereits besiegt, er hatte noch in Hogwarts unterrichtet und Potter war ins Ausland gegangen. Ein Jahr später war er mit Eleonore zurückgekehrt. Die Zeitungen waren damals voll von den beiden gewesen und es gab niemanden, der nicht wusste, dass Potter bald heiraten würde. Potter war 20 gewesen, als er ihr das Jawort gab. Bei Merlin! Das war inzwischen neun Jahre her. Potter ging auf die dreißig zu.

Severus verzog den Mund. Er selbst war beinahe fünfzig.

Wieder starrte er auf den Brief in seiner Hand. Wenn er nicht absagen würde, würde er zustimmen. Sollte er dorthin gehen? Während Voldemorts Vernichtung hatte es immerhin keinen Hass zwischen ihnen gegeben, wobei er Potter immer noch nicht sonderlich gemocht hatte - und er war sich ziemlich sicher, dass dies auf Gegenseitigkeit beruhte. Dennoch war der Gedanke aus irgendeinem Grund verführerisch. Was wohl aus Potter geworden war? Man sah das Traumpaar ihrer Gesellschaft nur hin und wieder auf repräsentativen Veranstaltungen. Er hatte keine Ahnung, ob Potter arbeitete. Wahrscheinlich nicht - schließlich waren er und seine Frau unglaublich wohlhabend. Potter verbrachte seine Zeit sicherlich damit in irgendwelchen Clubs für Superreiche abzuhängen; den ganzen Tag Champagner zu schlürfen und sich Pediküren zu gönnen.

Severus schüttelte seine ausschweifenden Gedanken ab. Was ihn wirklich neugierig machte, war die Prämisse, dass sie einen herausragenden Zaubertrankbrauer brauchten. Was konnte so komplex sein, dass sie sich an ihn wendeten? Severus beschloss, es auf sich zukommen zu lassen. Einfach mal dort vorbeizuschauen, würde sicherlich nicht schaden.

***

Er war zu der genannten Stelle appariert. Interessiert sah er sich um, als sein Blick auf ein riesiges Manor fiel, das in der Ferne in den Himmel aufragte. War es der stürmische Tag, oder sah dieses Gebäude bedrohlich aus? Langsam schritt Severus auf das Gelände. Das große Eisentor schwang auf und schloss sich sofort wieder hinter ihm. Große, undurchlässige Büsche umrahmten das Gelände, schlossen es ein. Über einen knirschenden Kiesweg ging er durch den riesigen Vorgarten, der piekfein gepflegt war. Als er dem Haus immer näher kam, sah er einen Gärtner mit einer Schubkarre. Es wunderte ihn nicht. Bei diesem riesigen Anwesen war Personal notwendig.

Das Gebäude wurde mit jedem Schritt, den er näher trat, größer und unheimlicher. Aus dunklem Basal errichtet, ragte es in die Höhe, ließ mindestens ein Stockwerk erahnen. Licht trat nur vereinzelt durch die Fenster. Niemals hätte er sich Potter an so einem Ort vorgestellt. Es hatte mehr von dem herrschaftlichen Anwesen der Malfoys und das auch nur zu seinen dunkelsten Zeiten. Inzwischen war Malfoy-Manor ein recht harmonischer Ort.

Er trat auf die große dunkle Tür zu. Da war nicht mehr als ein eisengeschmiedeter Türklopfer. Etwas verwundert nahm Severus ihn und klopfte. Es hallte dunkel und laut gegen das Holz.

Im nächsten Moment wurde die Tür geöffnet. Eine junge Frau, sie war vielleicht Anfang zwanzig öffnete die Tür. Sie trug die Kleidung eines Muggel-Dienstmädchens aus dem zwanzigsten Jahrhundert. Ihr Blick war demütig gesenkt. Machte Sie sogar einen leichten Knicks? "Willkommen, Meister Snape. Die Herrschaften werden Sie gleich empfangen. Darf ich Ihren Umhang nehmen?", fragte sie, und da Severus, sprachlos aufgrund dieses Empfangs, lediglich nickte, trat sie an ihn heran und half ihm aus seinem Umhang. Ihr blondes Haar war fein säuberlich zusammengeknotet, sie trug Parfüm und Make-up wie Severus bei dieser Nähe auffiel. Und sie hatte unglaublich blaue Augen. Sie hing seinen Umhang an die Garderobe und verabschiedete sich mit gesenktem Kopf und einem weiteren Knicks.

Severus sah sich um. Er stand in einer prachtvollen Eingangshalle. Der Boden war aus schwarzem Marmor, die Wände weiß, aber überall behangen mit kostbaren Gemälden und Wandteppichen. Einige Statuen aus weißem Marmor standen in der Halle, während Licht oben durch bunte Fenster fiel, dem ganzen eine sakrale Atmosphäre verlieh. Es war beeindruckend, schrie nach Geld und war doch irgendwie unheimlich.

"Meister Snape!", rief plötzlich eine Stimme überschwänglich. Severus' Blick richtete sich nach vorne auf die Treppe, wo Eleonore Belmont-Potter elegant in einem langen, dunkelroten Gewand hinab stieg und auf ihn zu kam. "Wie schön Sie endlich kennenzulernen", sagte sie mit der förmlichen Professionalität eines reichen Menschen. Sie schüttelte ihm die Hand.

Eleonore Belmont-Potter war eine wunderschöne Frau. Groß gewachsen, schlank, hellbraunes Haar und ebensolche Augen, einige wenige Sommersprossen. Sie sah aus, wie ein französisches Mädchen von nebenan in einem Sommerkleid an einem warmen Tag. Wäre da nicht ihr Blick gewesen, ihre Haltung und ihre ganze Erscheinung. Sie erinnerte Severus stark an Narzissa, doch war da noch etwas anderes. Vielleicht war es ihre steife Haltung, ihr eisiger Blick oder die bitteren Züge um ihren Mund. Dennoch war sie noch immer wunderschön und selbst Severus als schwuler Mann konnte ihre Attraktivität erkennen.

"Es freut mich ebenso, Madame", antwortete Severus höflich. Auch er hatte gelernt, die geheuchelte Höflichkeit zu erwidern. Dafür hatte er sich lange genug unter Reinblütern aufgehalten. Es war ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Zeitgleich ließen Sie sich wieder los und Eleonore deutete in einem Raum zu ihrer Linken.

"Folgen Sie mir, Meister Snape." Sie ging zielstrebig voran und trat in ein großes Kaminzimmer. Hier war alles noch dunkler. Die Decke war mit dunklem Holz getäfelt, an den Wänden hingen zahlreiche ausgestopfte Tiere, deren Augen dunkel vor sich hin starrten. Severus konnte diese Vorliebe von einigen Reichen nicht nachvollziehen. Er fand es unhygienisch und unheimlich. Diese Tiere sahen so lebendig aus. Die großen Fenster wurden umrahmt von schweren Vorhängen, sodass nur wenig Licht hineintrat. Eine große Sitzgruppe aus braunem Leder stand vor einem wild prasselnden Kamin.

"Nehmen Sie Platz. Möchten Sie einen Drink?" Eleonore ging zu einer Minibar, klappte ein Fach auf und goss sich ein Glas Cognac ein.

Severus schüttelte den Kopf. "Danke, nein", entgegnete er lediglich.

"Mein Gatte wird gleich kommen. Eines der Mädchen hat ihn über Ihre Ankunft informiert." Sie ließ sich auf dem Sofa Snape gegenüber nieder, als in diesem Moment das Mädchen vom Eingang die Tür öffnete und Platz für den Hausherren machte.

Und Severus war froh, dass er sich gegen einen Drink entschieden hatte, denn er hätte sich sicherlich verschluckt. Mit allem hatte er gerechnet; mit einem strahlenden, reichen, jungen Mann; mit einem arroganten Menschen, der nur so nach Geld stank oder auch mit einem charmanten Frauenhelden, bei dessen Blick sofort die ganze Damenwelt dahinschmolz.

Womit er aber nicht gerechnet hatte, war mit dem jungen Mann, der wie ein Häufchen Elend in sich zusammengesunken mit hängendem Kopf herein trat. Seine Haut war blass, er hielt den Kopf gesenkt. Seine ganze Haltung drückte Zurückhaltung und Scheu aus. Severus war ehrlich erschüttert. Was war mit Potter passiert?

Er trat weiter in den Raum hinein, hob seinen Kopf und blickte Severus an. Und dieser Blick erschüttert ihn mehr als er geglaubt hätte. Dort war gar nichts - nur Leere und Trostlosigkeit.

"Du schuldest unserem Gast eine Begrüßung, Schatz", kam es von Eleonore.

"Herzlich willkommen, Meister Snape", sagte Potter prompt und neigte den Kopf. Selbst seine Stimme war anders. Reifer und männlicher, aber auch leiser und irgendwie stiller. Severus erwiderte die Geste und neigte sein Haupt, einen Ton brachte er jedoch nicht heraus. Potter ging derweil weiter auf sein Frau zu und ließ sich dann direkt neben ihr sinken. Severus bemerkte, dass ihre Hand dort gelegen hatte, so als hätte sie ihm ohne Worte zu verstehen geben wollen, wo er Platz zu nehmen hatte. Und Potter hatte den Wink verstanden.

Auch wenn sie direkt nebeneinander saßen, war nicht zu übersehen, dass sie sich kein bisschen zueinander hingezogen fühlten. Ihre Körper drifteten so deutlich auseinander wie Sonne und Mond. Interessant. Aber nicht die erste unglückliche Ehe, die er sah. Severus wartete schweigsam, bis Eleonore schließlich das Wort ergriff. "Wie Sie bereits wissen, benötigen wir Ihr Können im Zaubertrankbauen. Zuvor müssen wir uns aber vergewissern, dass alles, was wir besprechen, unter uns bleibt."

Severus neigt sein Haupt. "Selbstverständlich. Das gehört zu meiner Berufsethik." Verwirrt nahm er zur Kenntnis, dass Potter in dem Moment, als er zu sprechen begonnen hatte, den Kopf wieder angehoben hatte, und ihn ansah als wäre er einem Geist begegnet.

"Gut", sagte Eleonore und Potter senkte den Blick wieder auf die Hände in seinem Schoß. "Bisher hat mein Gatte versucht die notwendigen Tränke zu brauen, doch hat es nicht geklappt."

Severus traute seinen Ohren nicht. "Mister Potter hat versucht Tränke zu brauen?" Er wusste, dass er ungläubig klang. Dann sah er etwas Faszinierendes. Potters Mundwinkel zuckte. Zum ersten Mal hatte er den Ansatz eines Lächelns gesehen.

"Das hat er", gab Eleonore zurück, ohne auf Snapes Unglauben einzugehen. "Allerdings ohne Erfolg. Daher haben wir uns an Sie gewendet."

Snape nickte stumm. "Worum geht es?" fragte er dann.

"Mein Gatte hat Schwierigkeiten mit seiner Zeugungsfähigkeit." Die Art und Weise wie sie es sagte, ließ Snape innerlich frösteln. "Wir versuchen nun seit zwei Jahren ein Kind zu bekommen, doch es klappt nicht. Wir haben sämtliche Tests durchführen lassen und Jamie hat mit verschiedenen Tränken experimentiert, was mehr Zeit gefressen als Nutzen gebracht hat", fügte sie hinzu. "Nun möchten wir die Hilfe eines Experten annehmen, der uns endgültig bei dem Problem hilft." Snape nickte wiederum. "Gerne zeigt Ihnen Jamie, was er bisher ausprobiert hat, sodass Sie sich ein Bild machen können." Ihr Blick richtete sich auf Potter. Erst jetzt begriff Snape, dass sie ihn Jamie nannte. Wahrscheinlich eine Verniedlichung seines Zweitnamen James. Das war seltsam!

"Zeigst du ihm dein kleines Reich!" Es war trotz der Formulierung keine Frage und etwas in ihrem Blick war schaurig. Snape bemerkte, dass Potter ihr nicht in die Augen sah, sondern sofort vom Sofa aufstand.

"Wenn Sie mir folgen würden, Sir", sagte er leise und wies den Weg mit der Hand.

"Ich hoffe, dass Sie unserem Angebot zustimmen werden", sagte Eleonore und erhob sich nun ebenfalls. "Selbstverständlich werden wir es Ihnen gut entlohnen. Wenn Sie etwas brauchen, klingeln sie einfach nach den Mädchen. Sie helfen Ihnen bei allen Belangen." Ihre Formulierung hatte einen unheilschwangeren Unterton angenommen. "Ich habe nun noch ein kurzes Treffen. Wenn ich in einer Stunde zurück bin, erhoffe ich mir eine positive Antwort von Ihnen, Meister Snape." Sie nickte ihm lächelnd zu und verschwand aus dem Kaminzimmer. Snape sah ihr noch einen Moment hinterher. Irgendetwas an dieser Frau war seltsam; sie hatte eine so unheimliche Ausstrahlung.

Er wandte sich um. Potter stand noch mitten im Raum, den Blick immer noch gesenkt. Snape trat auf ihn zu und Potter ging voran, trottete schweigend durch die riesige Eingangshalle vorbei an den Skulpturen zu einer Tür, die von einem Wandteppich verborgen wurde. Als Potter auf ihn zutrat, schwang er zur Seite auf, offenbarte eine kleine Treppe, die nur von wenigen Kerzen erleuchtet, hinab in den Keller führte. Das Schweigen, das zwischen ihnen herrschte, war von bleierner Schwere. Aber was gab es auch zu sagen? Snape war definitiv nicht der Typ für Small Talk.

Potter ging einen trostlosen Gang entlang und öffnete dann eine Tür zu seiner Linken. Stillschweigend bedeutet er Snape einzutreten. Er trat durch die Tür und stand in einem Labor.

Und in was für einem!

Bei Merlin! Auf den ersten Blick konnte er sehen wie hochwertige die gesamte Ausstattung war. Und so stand Snape in dem prachtvollsten Labor, das er jemals gesehen hatte. Vier Kessel aus je einem anderen kostbaren Material, jeder abgeschirmt mit einem eigenen Glasareal. Unter jedem brannte ein Feuer. Er konnte diverse Türen ausmachen, die irgendwo hinführten, sah Regale voller Utensilien. In der hinteren rechten Ecke war noch eine weitere Tür und daneben stand ein Schreibtisch und ein Sofa. Beide sahen ziemlich verranzt aus, waren offensichtlich häufig benutzt worden.

Staunend sah sich Snape um, fühlte sich als sei er im Paradies gelandet. "Schauen Sie sich ruhig um!", gestattete Potter ihm, hatte seine Begeisterung offenbar bemerkt. Snape ging von einem Ort zum anderen, sah sich um; er spürte, wie er mit jedem Schritt begeisterter wurde. Das hier war einfach unglaublich.

"Wo haben Sie das alles her?", fragte er, als er vor einem Goldkessel stand.

"Vieles haben wir individuell anfertigen lassen", antwortete Potter sofort. Severus konnte es kaum glauben. Seit wann beschäftigte sich Potter so ausführlich mit Zaubertränken? Snape beugte sich gerade über einen der brennenden Kessel. "Heiltrank der Dritten Stufe?", fragte er, und wandte sich Harry überrascht zu.

"Kann man immer mal gebrauchen", sagte er ausweichend. Severus erwiderte nichts. Er wollte nicht wissen, warum Potter immer mal wieder einen der stärksten Heiltränke überhaupt brauchen könnte. Severus ließ es auf sich beruhen und sah sich weiter um. Er musste sich wirklich zügeln, um nicht wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum zu strahlen. Dies hier war das erlesenste Equipment, das er je gesehen hatte. Vollkommen fasziniert stand er vor dem großen Kessel aus Silber neben dem ein Regal mit diversen Kellen, Schaufeln und sonstigem Besteck, das zum Brauen nötig war, stand - wiederum alles in ausgezeichnete Qualität. Er nahm einen Löffel aus Platin in die Hand. Welch seltenes und kostbares Material für einen Löffel! Dies wäre perfekt für seinen eigenen Laden.

"Sie dürfen ihn gerne mitnehmen. Ich habe noch weitere", sagte Potter leise. Severus wandte sich um, traute seinen Ohren kaum. Er bemerkte, dass, obwohl Potter traurig aussah, schimmerte noch etwas anderes in seinem Blick. War es Hoffnung? Ein seltsamer Gedanke. In Severus tobte ein Kampf. Er wollte diesen Löffel, aber es würde auch zeigen, dass Severus nicht so gute Materialien zur Verfügung hatte. Er presste die Kiefer aufeinander, dann nickte er. Scheiß auf den Stolz! Das hier war ein wunderbares Utensil. Er ließ es in seine Robentasche gleiten.

"Was haben Sie in der Vergangenheit bereits alles ausprobiert?", fragte er dann. Der leicht hoffnungsvolle Schimmer in Potters Gesicht war mit einem Mal vollkommen verschwunden, und es blieb nichts als diese seltsame Traurigkeit, die Severus nicht einzuordnen vermochte.

"Ich habe eine Liste angefertigt", kam es leise und Potter ging zu seinem Schreibtisch hinüber und nahm etwas von der Pinnwand. Dann reichte er Severus einen Zettel. Dieser überflog ihn. Es war eine illustre Sammlung diverser Prozeduren - vieles davon Muggelmedizin, einige Tränke, wenige Zauber. "Und nichts davon hat angeschlagen?" Potter schüttelte den Kopf.

Nachdenklich fuhr sich Severus übers Kinn, versuchte bereits erste Theorien aufzustellen, doch verwarf er sie. Er hatte zu wenige Informationen. "Gut, ich würde mich dann für Recherchen zurückziehen und mich in einigen Tagen wieder bei Ihnen melden."

Potter nickte, warum sah er dabei so aus als habe er Schmerzen? Etwas in seiner Wange zuckte. Seltsam! "Ich bringe Sie hinauf. Dann können Sie mit meiner Frau sprechen." Severus lag der bissige Kommentar schon auf der Zunge, aber er verkniff sich ihn. Er hatte Hemmungen Potter mit seiner vermeintlichen Unterwürfigkeit aufzuziehen. Es fühlte sich falsch an.

Daher nickte er nur schweigend und folgte Potter aus dem Labor. Irgendwie wurde ihm dabei das Herz schwer. Das Labor war ein wunderbarer Ort. Der Rest des Kellers hingegeben war so lieblos und dunkel - etwas, das auch für den Rest des Hauses galt. Die Atmosphäre war drückender als in Blacks vergiftetem Loch von einem Haus. Bildete er es sich ein oder war Potters Kopf noch tiefer gesunken? War seine Haltung noch zerbrechlicher?

Severus schüttelte sich. Er analysierte mal wieder zu viel; etwas, das er schon immer getan hatte, was ihm seinen herausragenden Intellekt, aber auch viele Probleme eingebracht hatte. Zu den Lebzeiten des Dunklen Lords hatte ihm sein schneller Verstand allerdings auch mehr als einmal das Leben gerettet.

Sie waren wieder im Erdgeschoss und der riesigen einschüchternden Halle, die förmlich nach Geld schrie, angekommen. In diesem Moment trat Eleonore durch die Eingangstore, wo ihr eines der Mädchen mit gesenktem Haupt den Mantel abnahm. "Meister Snape!", rief sie so überschwänglich wie zu Beginn. "Was sagen Sie?"

Die Art wie sich ihr Blick flüchtig und abwertend auf Potter heftete, war unheimlich. Er konnte nicht anders als zu sagen: "Ihr Mann hat bereits herausragende Arbeit geleistet." Eleonore zog skeptisch die Augenbrauen hoch. "Für den Moment möchte ich mich zurückziehen, um ausreichend zu recherchieren. Dazu möchte ich Ihr Blut untersuchen, um so neue Anhaltspunkte zu haben."

"Nein!" Potters Ausruf klang panisch. Eleonore und Snape sahen zu ihm. "Das habe ich bereits getan", sagte Potter dann, aber irgendwas war da in seinem Blick.

"Dennoch sollte Meister Snape seine Untersuchungen durchführen. Er ist der Experte", kam es stechend von Eleonore. Potter senkte den Blick. Damit war das Thema offenbar erledigt. "Das heißt, Sie nehmen den Job an?", fragte Eleonore begeistert.

"Das kann ich Ihnen nach der Blutuntersuchung sagen. Je nachdem, ob sie mein Interesse weckt oder nicht", kam es stoisch zurück, woraufhin Eleonore wieder ein Lächeln zeigte, das jedoch nicht ihre Augen erreichte - es war so kalt wie Eis. Sie deutete auf die Tür zu einem weiteren Raum. "Wollen wir?" Es war keine wirklich Frage, denn sie ging ohne eine Antwort abzuwarten hinein. Es war ein großer Salon. "Haben Sie alles, was Sie für eine Blutabnahme brauchen, oder soll Ihnen eines der Mädchen Besteck bringen?" Severus wollte sich lieber nicht vorstellen, warum sie so etwas im Haus hatten, war es doch unter Zauberern eine eher ungewöhnliche Methode.

"Ich habe alles dabei", sagte er und griff in seinen Umhang, wo er ein Set zur Blutabnahme heraus holte. Eleonore saß hoheitsvoll auf ihrem Stuhl und sah zur Seite, als Severus die Nadel bei ihr ansetzte. Der Frau so nahe zu sein, war irritierend. Sie verströmte einen parfümierten Duft, der betörend und verstörend zugleich war.  "Halten Sie kurz gedrückt" bat Snape, als er mit ihr fertig war und ihr ein Läppchen auf den Einstich legte.

Er ging zu Potter, der sich am anderen Ende des Tisches niedergelassen hatte. Severus setzte sich auf den Stuhl daneben, sah, dass Potter bereits seinen Ärmel hochgekrempelt und eine Faust gemacht hatte. Er legte das Band um seinen Arm. Dann stach er durch Potters Haut, der leicht zuckte. Irgendwie war die Stimmung seltsam angespannt, und Severus konnte sie nicht mit Worten durchbrechen.

Und so tat er etwas Ungewöhnliches: Anstatt Potter zu sagen, er solle die Faust öffnen, griff er nach dieser und öffnete sie. Potters Kopf schoss nach oben und mit geweiteten Augen sah er ihn an. Doch Severus konzentrierte sich auf das Blutabnehmen. Was war da gerade in ihn gefahren? Er tat so als sei nie etwas passiert und beendete dann die Blutabnahme. Er drückte ein Läppchen auf die Stelle, doch noch immer konnte er nichts sagen. Ihre Blicke trafen sich: Potter sah so verstört aus. Blind griff er zu seiner Armbeuge, seine Finger berührten die von Severus, der sofort los ließ, um Potter das Pressen zu überlassen.

Er erhob sich, versuchte die seltsame Stimmung zu ignorieren. "Dann erwarte ich Ihre Eule", schaltete sich plötzlich Eleonore ein. Snape nickte und packte zusammen, verstaute das Blut umsichtig in seiner Tasche. Er folgte Eleonore hinaus, Potter hinter ihm. Wieso verhielt sich dieser wie ein getretener Hund?

In der Eingangshalle angekommen reichte eines der Mädchen Snape seinen Mantel. Ein letztes Mal sah er das ungleiche Paar an: Eleonore, wie sie erhaben und hoheitsvoll da stand und ihn doch so durchdringend ansah; daneben Potter, der mit hängenden Schultern, in sich zusammen gesunken zu Boden blickte, und den Kopf kein einziges Mal hob. Es war zutiefst verwirrend.

Snape drehte sich um und verschwand. Erst als er das Gelände verlassen und wieder apparieren konnte, bemerkte er, wie unendliche Erleichterung ihn durchflutete. Er hatte gar nicht gemerkt, wie sehr ihn die Atmosphäre belastet hatte. Er wandte sich noch einmal um, betrachtete den großen, dunklen Bau in der Ferne.

Er schüttelte sich und apparierte nach Hause; war froh als er sich in seinen Sessel sinken lassen konnte. So sehr er auch versuchte, den Besuch bei seinem neuesten Kunden so nüchtern zu betrachten wie jeden anderen auch, fiel es ihm deutlich schwerer als sonst. In diesem Haus ging etwas nicht mit rechten Dingen zu. Severus hatte Böses gespürt und er ahnte, dass er bisher nur einen Hauch dessen wahrgenommen hatte, was dort wirklich geschah.

Nachdenklich griff Severus in seine Robe und nahm die Phiolen mit dem Blut hinaus. In Gedanken versunken hielt er sie gegen das Licht, betrachtete die so faszinierende rote Flüssigkeit. Warum sollte er das tun? Wollte er wirklich Potter helfen? Aber irgendwie war das Angebot zu verlockend. Außerdem hätte er gerne gewusst, was in dem Haus vor sich ging.

Seufzend erhob sich Severus. Seine Neugierde war geweckt. Er würde nicht schlafen können bis das Rätsel gelöst war. Und so ging er in seine Stube, sein ganz persönliches Heiligtum. Es war ein Ort der Wissenschaft und der ruhig überlegten Gedanken. Er sammelte alles zusammen, was ihm hilfreich erschien. Dann setzte er diverse Tränke auf, die das Blut untersuchen würden.

In den frühen Morgenstunden kam Severus zu einem Ergebnis. Und es machte das Angebot noch verlockender. Eleonore konnte aus gutem Grund keine Kinder kriegen: Sie bekam regelmäßig Kraterkraut - ein früher unter Zauberern recht beliebtes Verhütungsmittel, das größtenteils nicht mehr genutzt wurde, da es täglich in einer bestimmtem Menge fein zerstäubt eingenommen werden musste. Es gab inzwischen in der Zaubererwelt effektivere Mittel, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern.

Potter musste die Spuren von Kraterkraut im Blut seiner Frau gefunden haben. Es war leicht zu entdecken, und da Potter halbwegs kompetent schien, war es ausgeschlossen, dass er es hätte übersehen können. Aber wenn Potter dies wusste und nichts dagegen unternahm, war nur ein Schluss möglich: Potter verabreichte seiner Frau dieses Kraut.

Vollkommen übermüdet ließ Severus die Ergebnisse ruhen. Er würde sich ausgeschlafen Gedanken darum machen. Doch eine Frage begleitete ihn in seinen Schlaf: Was bei Merlins Barte ging dort vor?

***

Fortsetzung folgt…

Ihr könnt euch vorstellen, dass ich soooo aufgeregt bin, was ihr dazu sagt. :-)

Bald gibt es ein weiteres Kapitel.
Viele Grüße,
Krissy
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