Viktors Liebesbrief

KurzgeschichteRomanze / P12 Slash
Viktor Saalfeld
27.06.2019
27.06.2019
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Lieber Henry,

heute möchte ich diesen Brief an Dich schreiben, weil es da eine Sache gibt, die mich inzwischen schon sehr lange beschäftigt und die ich nun einfach nicht mehr länger für mich behalten kann.
Besonders, weil wir fast tagtäglich zusammenarbeiten, fällt es mir zunehmend schwerer, so zu tun, als wäre nichts und Dir ständig etwas vorzuspielen. Denn sicher ist Dir bereits aufgefallen, dass ich mich seit kurzem anders verhalte als sonst.
Natürlich ist es Dir aufgefallen – immerhin hast Du mich ja sogar schon darauf angesprochen und mich gefragt, ob alles in Ordnung ist oder es etwas gibt, das mich beschäftigt.
Um ehrlich zu sein: Ja, da gibt es etwas. Etwas, das ich selbst immer noch nicht richtig glauben, geschweige denn, erklären kann.
Und dennoch möchte ich versuchen, es in diesem Brief zu tun, auch wenn ich sehr wohl weiß, dass das feige ist und ich mir auch gar nicht sicher bin, ob Du das überhaupt hören willst.
Ich hoffe, Du kannst mir das verzeihen – aber es fällt mir auf diese Weise leichter, alles auszudrücken und ist einfacher, als wenn ich Dir gegenüberstehen und Dir in die Augen sehen muss. Obwohl ich wirklich gerne in Deine Augen sehe, die so hell strahlen können als wären sie zwei Diamanten. Es tut mir Leid, falls das kitschig klingt, aber so nehme ich es ganz einfach wahr. So nehme ich Dich wahr, Henry.
Vielleicht ahnst Du schon, was ich sagen möchte – falls nicht, dann will ich Dir nun erklären, was seit einiger Zeit mit mir los ist. Auch wenn ich weiß, dass ich damit möglicherweise alles aufs Spiel setze und danach nichts mehr so sein wird wie vorher – ich muss es trotzdem endlich loswerden.
Und bevor ich mich in weiteren Ausschweifungen verliere, schreibe ich es kurz und knapp auf, ungeschminkt und ungelogen: Henry Achleitner – ich habe Gefühle für Dich.
Und damit meine ich keine freundschaftlichen, sondern echte, tiefe Gefühle. Wenn ich Dich sehe, dann steht meine Welt auf einmal still, dann bekomme ich Herzrasen und fange an, schneller zu atmen. Und wenn Du dann auch noch lächelst und mich fragst, wie es mir geht, dann halten die Schmetterlinge in meinem Bauch einfach nicht mehr still.
Ich kann mir gut vorstellen, dass sich das für Dich jetzt anfühlen muss wie ein Schlag ins Gesicht – und Du es möglicherweise gar nicht glauben kannst. Aber es ist die Wahrheit. Nichts weiter als die reine Wahrheit.
Ich habe mich in Dich verliebt, Henry Achleitner. Und auch wenn ich nicht weiß, ob es richtig oder falsch ist, möchte ich trotzdem dazu stehen und mich dazu bekennen. Weil ich es einfach nicht mehr länger ertrage, zu schweigen und in Deiner Nähe so zu tun als wäre da gar nichts.
Ich kann nicht mehr lügen, mich nicht mehr verstellen, weil es sowieso absolut zwecklos ist. Ich liebe Dich. Das ist die Wahrheit, Henry. Die reine Wahrheit.

Mir ist bewusst, was das bedeutet und dass nun zwischen uns nichts mehr so sein wird wie es war. Du bist nun möglicherweise geschockt und sogar angewidert von mir – und das kann ich nur allzu gut verstehen.
Doch trotzdem kann ich an dem, was ich für Dich empfinde, gerade nichts ändern. Ich kann nur hoffen, dass Du in der Lage dazu bist, mir das irgendwann einmal zu verzeihen.
Keineswegs möchte ich Dir damit zu nahe treten oder Dich in Verlegenheit bringen, sondern ganz einfach nur offen und ehrlich sein. Du warst und bist schließlich auch immer absolut ehrlich zu mir.

Vielleicht fragst Du Dich jetzt, wieso oder warum es so ist oder seit wann ich so für Dich empfinde. Das ist eine sehr berechtigte Frage, auf die ich Dir jedoch keine konkrete Antwort geben kann. Denn ich weiß selbst nicht, warum es so ist oder wie es letztendlich überhaupt passieren konnte.
Ich erinnere mich nur an diesen einen, gemeinsamen Nachmittag drüben auf der Koppel, als Du Dich lässig gegen einen Baum gelehnt hattest und auf mich gewartet hast.
Als ich einige Zeit später dazu kam, da wusste ich selbst erst gar nicht, wie mir überhaupt geschah. Ich habe Dich nur gesehen, vielleicht zwei oder drei Sekunden lang, so wie schon etliche Male zuvor – und auf einmal betrachtete ich Dich mit ganz anderen Augen.
Du hast irgendetwas in mir berührt – so kitschig das jetzt auch klingen mag – und ich hatte und habe einfach nicht die Kraft dazu, mich dagegen zu wehren.

Es tut mir ehrlich Leid, Henry, wenn ich Dich damit jetzt überfordere, denn das liegt überhaupt nicht in meiner Absicht. Und ich könnte es auch sehr gut verstehen, wenn Du Abstand brauchst oder gar nichts mehr von mir wissen möchtest.
Dennoch bereue ich es nicht, dass ich ehrlich zu Dir gewesen bin, auch wenn das bedeuten sollte, dass ich Dich und unsere Freundschaft für alle Zeiten verloren habe.
Wer wirklich liebt, der muss manchmal ganz einfach Opfer bringen. Und egal, ob Du mich nun verachtest und hasst – an meinen Gefühlen für Dich kann und wird das nichts ändern.
Es hat mich noch niemals in meinem Leben ein Mann so berührt wie Du, Henry. Noch nie hat mich jemand so sprachlos gemacht und so fasziniert wie Du mit Deiner aufgeschlossenen, herzlichen Art. Das wollte ich Dich wissen lassen. Und ich hoffe sehr, Du kannst mir vielleicht irgendwann verzeihen, dass mein Herz gerade einfach nicht auf mich hören will.

Wenn Du nun nicht mehr mit mir zusammenarbeiten oder den Kontakt vollständig abbrechen möchtest, dann verstehe ich das sehr gut. Und ich versichere Dir, dass ich das respektieren und Deine Entscheidung akzeptieren werde – ganz gleich, wie auch immer sie ausfällt.

In Liebe,
Dein Viktor
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