Türen kann man ersetzen

von Snowsong
OneshotFamilie / P12
Enki Gokuu Samon Gokuu
26.06.2019
26.06.2019
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Es ist schon eine Weile her, seit ich hier was veröffentlicht habe. Also: Ich lebe noch :P


Viel Spaß beim lesen.

Eure Snowsong

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Türen kann man ersetzen



Die Arbeit in einem Gefängnis konnte gefährlich sein. Manchmal, wenn die Wärter nicht aufpassten, bezahlten sie ihre Unachtsamkeit sogar mit dem Leben.
Enki Gokuu wusste das nur zu gut.

Die Gefangenen waren manchmal handzahm, fügten sich willig ihrem Schicksal. Aber manchmal... manchmal war das nur Schein. Eine List, um die Wärter in Sicherheit zu wiegen.

Enki ließ sich nicht täuschen. Er führte seinen Block mit eiserner Hand. Aus diesem Grund hatte er in dem Chinesischen Gefängnis den Block, der den Decknahmen „Wūyā “ trug. Der Rabe symbolisierte Unheil und Tod. Und genau diese Symbol trug sein Block.
Hier kamen nur die schlimmsten hin, das Abschaum der Gesellschaft. Schwerbrecher, Mörder, Vergewaltiger.
Sie alle einte eins: Sie warteten hier auf den Vollzug der Todesstrafe.
Stand fest, das einer der Sträflinge hingerichtete wurde, wurde er in dieses Gefängnis verlegt. Meist blieben die Häftlinge etwa 1- 3 Monate hier, eher sie zu ihrer Exekution geführt wurden.

Es lag immer eine massive Spannung in der Luft, die Gefangenen waren entweder extrem gereizt oder nervlich am Boden. Viele flehten um Gnade, darum ihre Familie noch einmal sehen zu dürfen, ihre Kinder in den Händen halten zu dürfen.
Die Wärter waren einem ständigen Druck ausgesetzt. Aus diesem Grund waren alle seine Mitarbeiter Handverlesenen. Enki überprüfte seine Untergeben ständig, um sicher zu stellen das alles seine Ordnung in seinem Gefängnisblock hatte.

Der einzige dem er nicht immer auf die Finger sah, war Samon.

Sein jüngerer Bruder arbeitete noch nicht sehr lange in dem Gefängnis, war noch ein Lehrling. Eigenlicht war der physische Druck den er Samon aussetzte, viel zu hoch. Mit seinen jungen 17 Jahren gab es hier Erfahrungen die Enki Samon niemals wünschen würde. Aber andererseits hatte er hier immer ein Auge auf Samon, konnte in brenzligen Situationen direkt eingreifen.

Er konnte Samon hier beschützten. Und wenn Enki ehrlich war, so meisterte Samon das alle hier sehr gut.

Seit etwa drei Wochen arbeitete ein Mann Namens Inori Hakkai hier. Der Mann war ein wahres Muskelpaket und wirkte sehr ausgeglichen. Er hatte Samon heute erstmals mit dem Neuen Mitarbeiter auf einen Rundgang geschickt.
 
Zu sagen das Enki nervös war, war eine Untertreibung. Er ließ es sich nicht anmerken, aber er machte sich Sorgen. Es war die Art wie Hakkai Samon beobachtete. Er wusste nicht, wie er diese Blicke deuten sollte. Anderseits konnte er Samon nicht ewig vor dem Neusten Mitarbeiter isolieren; das würde Gerede geben. Aus diesem Grund hielt er das Funkgerät Griffbereit.

Das Knirschen ließ ihn fast hochfahren. Dann erklang eine Stimme:

„Sir? Hier ist Hakkai“, Enki kniff sofort seine Augen zusammen.
„Ich höre?“ fragte er vielleicht etwas zu harsch.
„Sir... es gibt ein... Problem,... fürchte ich“, Hakkai war immer leiser geworden, als würde er Enkis düsteren Blick auf sich spüren. Enki sah den Mann schon, wie er nach und nach immer kleiner wurde.

„Probleme?“, grollte Enki. „Ich mag keine Probleme in meinem Block, Hakkai!“
„Ich weiß Sir... geht mir ähnlich...“, der Mann klang nervös. War etwas mit Samon? Es musste etwas mit Samon sein, anderes konnte es sich Enki nicht erklären.
„Sir“, sagte da der neue Angestellte mit einer ernsten Stimme „Häftling Nummer 361 hat Samon am Arm gepackt und seine Zelle gezogen. Ich habe keine Ahnung, wie er die auf bekommen hat, aber Samon ist jetzt mit ihm da drin“, Enki war, als würde ihm das Blut in den Adern gefrieren.
„Ich weiß Sir... das Protokoll schriebt vor, ich muss zurück kommen, muss Verstärkung anheuern und dann darf ich erst die Zelle aufbrechen und Samon helfen...“

Das war wahr. Die Vorschrift besagt hier ganz deutlich, dass es keine Solo- Rettungsmissionen gab. Niemand sollte den Helden spielen.
In einem solchen Fall musste man auf seine Kollegen warten und dann wurde zusammen die Zelle wieder geöffnet.

Aber...

„Sir“, sprach Hakkai weiter „Ich weiß das alles genau. Aber ich weiß auch, dass Nummer 361 gefährlich ist. Ich habe seine Akte zufällig gelesen. 14 Tote; alles Jungen im Alter zwischen 14- 18 Jahren. Vergewaltigt und dann erdrosselt... Samon passt in sein Beuteschema. Ich bitte um Erlaubnis, die Zellentür auf eigene Faust einzuschlagen und Samon zu retten“

Für einen Moment war Enki sprachlos. Dann brach es aus ihm heraus:

„Worauf warten Sie noch Hakkai? Und wenn Sie die ganze Zelle auseinander nehmen müssen, dann tun Sie das gefälligst! Ich bin gleich da!“

Enki rannte. Vielleicht erwischte er einen Kollegen, dessen Arbeitsmappe samt Inhalt sich auf den Boden verteilte, nach dem er an ihm vorbeigerauscht war. Und vielleicht stieß er auch einen anderen bei Seite, der daraufhin mitsamt seinem Kaffeebecher auf dem Boden landete.
Das war ihm egal, er würde später dafür gerade stehen. Jetzt zählte nur sein kleiner Bruder!

Ungewollt erinnerte sich Enki an die erwähnte Mappe von Häftling Nummer 361.
Enki hatte dort die Fotos jener 14 Jungen gefunden, die der Mann  entführt hatte. Jedes einzelne dieser Kinder war mehrfach brutal vergewaltigt worden. Und nach dem der Häftling genug gehabt hatte, hatte er sie alle erdrosselt; mit Klavierseiten.

Enki sah sie vor sich, die Fotos. Alle Opfer hatten ihre Augen weit aufgerissen. Panik, Angst, Verzweiflung... der ganze Schrecken spiegelte sich in diesen leblosen, unschuldigen Augen wieder.

Nein, er wollte nicht, dass Samon auch einer von ihnen wurde. Sollte dieser Mann seine Hand an Samon gelegt haben; seinen Bruder in irgendeine Art und weiße unsittlich Berührt haben dann... Enki wusste nicht, was dann passieren würde. Er wusste nicht, wie er reagieren würde, was er tun würde.

Wahrscheinlich würde er sich ohne wenn und aber den Kopf von dem Mann holen.

Doch als er nach einer gefühlten Ewigkeit vor der Zelle des Mannes ankam, erwartete ihn ein unversehrter Samon.
Gut, unversehrt nicht gerade. Samon hatte Staub an seiner Uniform, es fehlte ein Knopf und seine Unterlippe war aufgeplatzt.
Als er Enki sah, sah er leicht betreten zu Boden.

„Samon“, Enki verstummte. Die Erleichterung die ihn überflutete, raubte ihm jedes Wort, dass er hätte sagen können.
„Sir, es tut mit Leid“, platze es aus Samon heraus. „Ich war nicht aufmerksam genug, das wir nicht wieder vorkommen und... und... und...ziehen Sie mir die Kosten für die Wand und für die Tür von meinem Lohn ab... ich komme für den Schaden auf“

Schaden?

Enki war verwirrt und warf Inori Hakkai einen Blick zu. Dieser deutete mit dem Daumen auf eine Wand in der Zelle.

„Ich habe Panik bekommen, Aniki, als er mich in die Zelle gezogen hatte. Er hat sich so an mich gepresst und an meiner Uniform gezogen... ich... es wird nicht wieder vorkommen...“
Erst jetzt erkannte Enki, dass die Zellentür nicht geöffnet war, sondern aus den Angel gerissen worden war.
Und im inneren der Zelle klebe Häftling Nummer 361 an der Wand. Er atmete noch, aber er hatte das Bewusstsein verloren.

„Es kommt nicht wieder vor, Aniki. Bitte sein nicht wütend auf mich. Ich...“, Enki ließ Samon nicht ausreden. Er zog seinen jüngeren Bruder in eine tiefe Umarmung.

„Hör auf zu reden, Samon“, wisperte Enki erleichtert. „Eine Tür kann man ersetzten. Dein Leben dagegen nicht“
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