Rewrite The Stars / UsUk One-Shot

OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P12
Amerika England
25.06.2019
25.06.2019
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Bevor der OS startet, habe ich noch etwas Wichtiges zu sagen:
Diesen OS habe ich bereits vor drei Monaten auf Wattpad veröffentlicht.
Dieser OS wurde von einer Animation inspiriert(wird im Nachwort verlinkt).
Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen!^-^
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~Das Schicksal~
Geschrieben steht es in den Sternen,
Gemacht, um etwas daraus zu lernen.
Oft mit Lieb' und Leid verbunden,
Schlägt es seine Runden.
Niemand wagt es, etwas zu ändern,
Nicht mal einer aus tausend Ländern.
Gefangen im ew'gen Kreis der Zeit,
Wartend...bis in die Ewigkeit...
Ein Engel und Dämon, wie eigen es auch klingt,
Sie werden erfahren, was ihre Liebe bringt.
Bis ans Ende singen ihre Herzen,
In Achat-B und vielen Terzen.
Und wenn zwei Herzen sich vereinen, Sie sich nicht mehr wollen meiden...
Dann schreiben sie die Sterne neu,
Um sich zu bleiben selber treu.


{Aus den Schriften des Hetagoras; London; 4. Juli 1701}

~♡~


Die wunderbar funkelnden Sterne glänzten wie abertausende kleine Diamanten am dunklen Nachthimmel. Die Luft, noch kühl und fast winterlich, war ziemlich dünn an dem hoch gelegenen Ort nahe des noch vor einigen Minuten golden schimmernden Horizonts, der nun in der Dunkelheit der schwarzen Nacht verschwunden war.
Lediglich Mond und Sterne spendeten einem Licht, wenn auch nur spärlich.

Aber das störte den jungen Engel nicht, der nervös und angespannt auf der kalten Parkbank wartete. Kaum sichtbare Atemwölkchen stiegen aus seinem Mund empor, die nach wenigen Augenblicken wieder mit ihrer Umwelt verschmolzen und für jedes Auge unsichtbar wurden.
Er wartete nun seit einigen Minuten einsam und allein an diesem entlegenen Ort, abgeschottet von jeglichem Kontakt zu seinen Freunden oder Feinden.
Doch dies war reine Absicht. Er wollte so weit wie möglich weg von ihren Fängen fliehen; er wollte seine Ruhe und die wenigen Augenblicke, bevor seine Verabredung endlich einträfe, genießen. Unzählige negative sowie positive Gedanken kreisten in seinem Kopf herum, alle mit einem Thema befassend: Die Zukunft.

Was sollte der junge Blondschopf nur tun, wenn ihm sein sehnlichster Wunsch vorenthalten wird?
Arthur, oberster Schutzengel Großbritanniens, wusste einfach nicht mehr weiter.
Seit Tagen plagten ihn Schuldgefühle und massiver Zeitdruck und das alles nur, weil er sich vor vielen Monaten auf etwas einließ, das seine gesamte Welt auf den Kopf stellte.
Er traf einen jungen Dämon; blauäugig, dunkelblond mit erstaunlich großem Appetit.
Anfangs mied er seine natürliche Nemesis wie es ihm seit Kindestagen von seinem Schutzengel-Umfeld beigebracht wurde. Mit der Zeit verging diese Ignoranz und eine Interesse nahm ihren Platz ein, als sich die beiden zufällig des Öfteren über den Weg liefen und Arthur den jungen Dämon dabei besser ins Visier nehmen konnte.
Es war genau dieser Ort.
Nahe der Parkbank auf der am östlichsten schwebenden Insel zwischen dem Reich der Schutzengel und dem Reich der Dämonen.
Arthur hätte nie geglaubt jemals so nahe an der Grenze des Gegners stationiert zu werden, nur um englische Seefahrer bei der Überfahrt nach Amerika zu beobachten. Aber sein Oberhaupt war anderer Meinung. Er hatte ihn damals fast dazu gedrängt auf dieser Insel zu bleiben, da es ja so essenzielles Ereignis in der Geschichte des Menschenvolkes sein könnte und er es, als Schutzengel Großbritanniens, unbedingt sehen müsste!
Arthur gehorchte und folgte jedes Mal, auch wenn er sich oft bei seinem Boss beschwerte, dass er sich in der Nähe der Grenze sehr unwohl und bedrängt fühlte. Die zufälligen Begegnungen mit dem Dämon ließ er aus unbekannten Gründen jedes Mal aus. Womöglich, um die breite Masse im Zaum zu halten, da sonst die Sicherheitsmaßnahmen seines Volkes wieder übertrieben bekräftigt werden würden.
Oder es lag daran, dass ihm der herumschwirrende Dämon so ziemlich egal war, solange er nichts anstellte. Er war in diesem Fall jedenfalls sehr tolerant.
Er wusste zwar, dass der Dämon die ihm gebotene Grenze überschritt und er ihn eigentlich sofort zurückschicken sollte, aber er ließ es jedes Mal sein. Es wirkte beinahe so, als würde er ihn verschonen wollen, ohne den Grund selbst zu wissen.
Aber solche Gedanken verwarf Arthur täglich, denn er konnte und wollte niemals diese Art von Schwäche und Güte dem Feind zeigen. Auch wenn er es trotzdem immer weiter tat, bis beide endlich zum ersten Mal ins Gespräch kamen.

Arthur erinnerte sich wieder und sah hinauf zu den vielen leuchtenden Sternen am Nachthimmel.
Es war eine Nacht wie wie am heutigen Tag.
Kälte, Dunkelheit und ein klarer Sternenhimmel zeichneten sich in dieser speziellen Nacht ab.
Arthur war todmüde gewesen und nippte genüsslich an seinem mitgebrachten Tee, nur darauf wartend, dass seine Schicht endlich vorüber war und er nach Hause zurückkehren durfte, als er plötzlich ein Rascheln in den sommergrünen Büschen der Insel vernahm.
Vor Schreck hatte er seine Thermoskanne sowie seine Porzellantasse fallen gelassen, die durch den Aufprall mit dem Boden in tausende kleine Scherben zersprang.
Zu Beginn dachte er, es wäre ein Fuchs oder ein Produkt schwarzer Magie gewesen, jedoch verwarf er den Gedanken, als er eine dunkelblonde Strähne aus den vielen Blättern der Büsche herausblitzen sah. Er hatte laut aufgeseufzt und so getan, als hätte er den bekannten Dämon nicht gesehen. Vorsichtig hatte er sich auf den kalten Steinboden gekniet, um die  in Tee getränkten Scherben aufzusammeln, als er auf einmal zwei starke und auffallend laute Flügelschläge hörte. Er wollte sich in die Richtung des Geräuschs drehen, zwang sich aber dazu es nicht zu tun.
Er konzentrierte sich lieber darauf, sich keine Schnittwunde zuzufügen. Es waren nur noch fünf Scherben übrig gewesen, die ihm fehlten. Er wollte danach greifen, als ihm plötzlich eine andere Hand dazwischen funkte. Arthur war kurz vor Überraschung zusammengezuckt, da sich ihre Fingerspitzen kurz berührt hatten...und dann...sahen sie sich einander an. Jedoch nicht im zwielichtigem Sinne, wie man es von Feinden erwartet hätte, sondern neutral mit einem Funken von sofortiger Sympathie. Arthurs blattgrüne Augen trafen auf meerblaue Spiegel zur Seele, die ihn entschuldigend anblinzelten.
Beide verfielen in einen tranceartigen Zustand zwischen Begeisterung und Angst vor dem jeweils anderen und Arthur musste zugeben, dass die Augen seines Gegenübers für einen Dämon wirklich starke Ehrlichkeit und Nettigkeit ausstrahlten.
"Sorry, Mann", hatte er als Erstes gesagt, ehe er dem Engel die Restscherben in die Hand drückte und aufstand, "War echt nicht mit Absicht!"

"Schon gut...", hatte der Engel, immer noch am Boden kniend, geantwortet.
Eine peinliche Stille herrschte zwischen den beiden, bis sich der Dunkelblonde tatsächlich dazu entschloss, seinem eigentlichen Todfeind seine Hand anzubieten, die Arthur etwas unsicher annahm. Der Dämon zog ihn hoch und der Engel stolperte direkt in seine Arme.
Und plötzlich...blieb die Zeit für beide stehen und das Schicksal nahm seinen Lauf. Sie redeten, sie lachten, sie...waren glücklich miteinander. Keiner der beiden hatte jemals daran gedacht mit ihrer Nemesis von Beginn an so einen offenen, unbeschwerten Zugang zu haben, wie es oft bei Kindern vorzufinden war.

Tage und Wochen vergingen und sie trafen sich weiterhin auf dieser kleinen Insel. Kein Anderer wusste von ihren Treffen, die mit der Zeit nicht mehr zufällig, sondern zur Regel wurden. Doch eines Tages wollte ein Kollege Arthurs' den jungen Engel vom Dienst abholen, bis er schließlich Arthur und den Dämon namens Alfred beieinander sah. Das Gerücht zog umher und erreichte schließlich auch Arthurs Boss, der ihn zur Rede stellte.
Und nun...saß der Blondschopf hier.
Darüber verzweifelt, was er nun tun sollte. Die Wörter seines Vorgesetzten hallten ihm immer wieder durch den Kopf.

"Du weißt, wie gefährlich der Kontakt mit Dämonen ist. Sie, unsere Feinde, haben uns so viel während des 6000-jährigen Krieges genommen und zerstört. Wir müssen uns vor ihnen schützen, auch du, England. Du weißt, was passiert, wenn man sich als künftiger Nachfolger des größten Oberhaupts unseres Volkes mit den Feinden abgibt...Denke über deine Taten nach. Verlasse diesen Dämon und schlag' dir dieses ungestüme Hirngespinst aus dem Kopf."
Arthurs Mundwinkel zuckten bedrückt nach unten.
"Dein Schicksal steht in den Sternen geschrieben und es sagt mir, dass du eines Tages über die halbe Welt wachen darfst. Du kannst und wirst es nicht ändern. Was auch immer dir dieses gottlose Wesen versprach, es sind leere Versprechungen. Vergiss ihn. Ihr seid nicht dazu bestimmt zusammen zu sein...Selbst wenn du es versuchen würdest, dich weiterhin mit ihm zu treffen...deine und seine Existenz wird schwinden, bis ihr letzten Endes nur noch ein kleiner Luftzug seid."

Der Engel seufzte laut auf und zog seine Beine eng an seinen Körper, sodass er seinen schweren Kopf auf seine Knie stützen konnte. Ihm war schon fast zum Weinen zumute, doch er unterdrückte dieses Gefühl so gut er nur konnte.
"Ich darf und kann es nicht ändern...", murmelte Arthur die Sätze seines Vorgesetzten nach, die sein Herz in tausende Teile zerfetzt hatten.
"Ich...muss ihn vergessen? Wir sind nicht dazu bestimmt zusammen zu sein?", mit glasigen Augen blickte er in den brillianten Sternenhimmel, "Unsere Existenz wird schwinden."
Letzteres hauchte der Grünäuge mit brüchiger Stimme aus, die Augen immer noch in den Himmel gerichtet.
Was sollte er nur tun? Sollte er auf seinen Chef hören und seinem angeblichen Schicksal nachgehen? Oder sollte er lediglich auf sein kleines, unbedeutendes Herz hören, das ihm tagtäglich das Unmögliche vorzeigt?
Er wusste einfach nicht weiter.
Einerseits wollte er das Risiko nicht eingehen, sein Leben zu riskieren, andererseits konnte und wollte er Alfred nicht einfach aufgeben.
Er war immer so nett zu ihm gewesen, auch wenn er selbst manchmal etwas schroff und unfreundlich war. Diese Freundschaft, die die beiden miteinander hatten...sie bedeutete Arthur eine Menge. Mehr als alles Andere in diesem Universum.
Es war aber nicht nur die ehrliche, liebevolle Freundschaft zwischen ihnen, die ihn so denken ließ. Es waren die Emotionen, die Gefühle, die Arthur jedes Mal empfand, wenn er in Alfreds Nähe war. Dieses Glück, diese Freude, diese Ausgeglichenheit, diese Zufriedenheit....und dieses ständige, erquickende Herzklopfen, das ihn durch diese vielen schönen Abendstunden begleitet hatte...er verfluchte es und doch genoss er jeden einzelnen Augenblick, den er mit dem Dämon teilen durfte.
Jede zufällige Berührung, die ein wohliges Kribbeln in seinem Bauch auslöste; jeder dummer, vielleicht auch indirekt beleidigende Kommentar und die Begeisterung, die der Dämon mit sich brachte; auch das starke Erröten seinerseits - welches mit einem Wasserfall aus Scham und purem Glück verbunden war - in der ein oder anderen Situation...er mochte alles davon.
Nein, er liebte es.
Er liebte es, diese, ihm unbekannten, Empfindungen zu besitzen.
Er liebte die Zeit mit seinem neuen Freund.
Er liebte...Alfred.

Arthur blickte zum wie Silber glänzenden Mond, dessen Licht sich an dieser kleinen Lichtung an der er sich befand, großflächig ausbreitete. Ein frischer Windzug streifte über die schwebende Insel und lies die Blätter, Grashalme und die blonden Strähnen des Engels fröhlich auf und ab wippen.
"Alfie...", flüsterte er sich selber zu, "würdest du mir überhaupt verzeihen können, wenn ich dich verlassen würde?"
Eine kleine Träne verließ seine glasigen Äuglein und bahnte sich ihren Weg über die Wange Arthurs.
"Ich möchte nicht, dass du wegen mir in Gefahr gerätst und deine...Existenz verlierst..."
Es wurden immer mehr Tränen, die in Bächen sein Gesicht herabflossen.
"Ich könnte es nicht verkraften, ich-"

Das Rascheln in den Büschen brachte den Engel sofort aus der Fassung und er setzte sich sogleich normal auf die Bank. Geschwind wischte er sich die Tränen weg und achtete darauf, nicht zu verletzt auszuschauen. Alfred durfte nicht davon erfahren, dass er geweint hatte. Er würde nur wieder versuchen, alle Informationen aus ihm raus zu quetschen, um dann wieder den Helden spielen zu können, der alle Probleme mit Leichtigkeit löst. Aber dieses Mal war er nicht dazu bemächtigt. Er konnte die Gesetze ihres Universums nicht verändern. Engel und Dämonen durften nicht beisammen sein, egal wie gut sie sich auch vertragen mochten. Die Welt würde sich gegen sie richten. Es gäbe keine friedliche Zukunft für sie. Dem Schicksal konnte man sich nicht widersetzten. Nicht einmal der starke Wille eines Herzens konnte etwas dagegen ausrichten.

Arthur zitterte ein wenig vor Anspannung. Er wusste nicht, was er machen sollte. Er konnte diese momentanen Sorgen nicht einfach ausschalten. Zudem betraf es sogar Alfred persönlich und er hätte eigentlich das Recht dazu, davon zu erfahren. Aber Arthur hatte Angst. Angst, dass der Dämon alles wieder auf die leichte Schulter nähme und sich somit immer weiter in Gefahr bringen würde. Er hatte so einen Dickkopf und er würde nie auf den Engel hören, wenn es um gut gemeinte Ratschläge ging. "Er macht es mir  auch nicht besonders leicht...", dachte der Engel und strich sich noch einmal durch sein struppiges Haar, ehe er ein Paar blitzblauer Augen hinter den, durch die Nacht in einem Preußisch-Blau schimmernden, Tannenbäumen hervorscheinen sah. Sein Herz setzte sogleich zu einem Sprung an und das altbekannte Gefühl der Aufregung war in jeder Zelle seines Körpers zu spüren. Alfred stolperte die letzten paar Meter zu ihm, winkte ihm heiter zu und begrüßte ihn mit einer immensen Lautstärke in seiner Stimme. Arthur verdrehte sofort teils genervt, teils belustigt die Augen und unterdrückte sein automatisches Grinsen.

"Hey! Was geht ab, Dude?", Alfred ließ sich neben ihm lässig auf die Bank fallen und grinste breit, einige lose Haarsträhnen fielen ihm dabei ins Gesicht, "Sorry übrigens, dass du warten musstest, aber mein Kumpel Ivan wollte schon wieder Klempner spielen und hat dabei ein ganzes Metallrohr aus der Spüle gerissen!" Mittels übertriebener Gestik versuchte er, die Größe des Metallteils nachzustellen, was für den Engel ziemlich komisch aber lustig aussah.
"Du glaubst nicht, wie riesig das war! Er meinte sogar, er könnte es zwar nicht mehr einbauen, aber als Golfschläger benutzen, da sein richtiger eh vor einigen Wochen von seiner Schwester Natalya zerbrochen wurde, als sie mit ihm spielen wollte, ich aber angetanzt bin und ihm gesagt habe, dass seine andere Schwester gerade an der Tür geklingelt und nach ihm gefragt hat."
Er machte eine Pause.
"Ich glaube sie mag mich jetzt nicht mehr, aber ich verstehe nicht wieso" , Alfred verschränkte die Arme vor der Brust und schmollte. Der Engel konnte sich ein Kichern nicht verkneifen, woraufhin der Dämon ihn beleidigt ansah. "Hey! Was gibt's da zu lachen? Das war eine ernst gemeinte Frage!"
"Bist du wirklich so dumm oder tust du nur so?"  Ein gigantisches Fragezeichen stand im Gesicht des Dämons von Amerika. "Hä?"
Arthur seufzte und verdrehte die Augen. Er hätte sich jetzt am liebsten eine ins Gesicht geklatscht. "Sie war eifersüchtig, du Trottel. Du hast ihren Bruder woanders hingeschickt und sie ist zurückgeblieben. Wie kann es sein, dass ich besser durchblicke als du, obwohl ich keinen anderen Dämon als dich kenne?" Der Dämon zuckte mit den Schultern. "Pfft, keine Ahnung. Vielleicht bist du ja einer, der schwarze Magie mit Vodoozeugs und so macht und deshalb alles versteht." Arthur schenkte Alfred seinen besten Ist-das-dein-Ernst-Blick und lehnte sich erschöpft an die Lehne der allmählich kalt werdenden Bank an. "Dir ist schon klar, dass ich als Engel keine schwarze Magie anwenden kann...Das ergäbe sonst keinen Sinn."
"Oh."

Stille. Nur das leise Rauschen des Windes, der durch die Blätter der Bäume streifte und das ein oder andere Blütenblatt der früh blühenden Kirschbäume wurde mitgerissen und in einen Wirbel aus tanzender Blätter und Blüten gerissen, der sich wiederum nach wenigen Sekunden und Umdrehungen wieder legte und seine mitgetragenen Materialien zu Boden sinken ließ. Arthur konnte sein Herz laut, aber verletzt pulsieren spüren. Während ihrer kurzweiligen Unterhaltung über Alfreds Leben in seiner Wohngemeinschaft hatte er für einen Moment seine Sorgen vergessen können, doch kaum hatte das Gespräch geendet, kam jener Schmerz wieder zurück. Es war ein Teufelskreislauf. Das vor Freude sprühende Lächeln auf seinem Gesicht verblasste wie die Farbe auf einem Pinsel, wenn man ihn ins Wasser tauchte und die kleinen Farbpigmente auf den Pinselhaaren beim zögerlichen Lösen beobachtete. Sein Glück...es war vergänglich wie jene Farben. Jedoch hinterlag Allem ein Hoffnungschimmer. Farbe konnte mittels Papier in wunderschöne, zeitlose Bilder verwandelt und eingefangen werden; Arthurs Frohsinn und Liebe konnte nur durch die Nähe zu Alfred erhalten bleiben. Es war so, als wäre dieser Dämon alles, was ihn am Leben hielt; was ihn überhaupt lehren konnte, wie es ist wirklich lebendig zu sein. Sein bisheriges Leben ähnelte in seinem Kopf eher einer Geschichte, die einem im Halbschlaf erzählt wird. Es wäre eine emotionslose, fade Erzählung, ohne einen bleibenden Nachgeschmack. Man dachte nichts. Man fühlte nichts. Erst als das Grün seiner Augen auf das Blau Alfreds' trafen, füllte sich das graue Leben des Engels endlich mit den buntesten Farben. Er wollte seine persönliche farbenfrohe Welt behalten, er wollte Alfred bei sich haben, ganz ohne diesen verfluchten Barrikaden zwischen ihren Welten. Er wünschte sich nur, jemanden zu haben, der ihn nicht aufgrund seines Standes im Reich der Engel liebte, sondern jemanden, der ihn so akzeptierte, wertschätzte und liebte wie er war. Jemand der seine vielen Macken aushielt, jemand, der mit seiner schroffen Art seine Gefühle zu zeigen etwas anfangen konnte. Arthur dachte, nein, er wusste, dass er diesen Jemand in Alfred gefunden hatte.
Allein der Gedanke, ihn verlassen zu müssen, löste in ihm einen Schmerz aus, den er nicht zu beschreiben wagte. Er würde zu einer emotionslosen Hülle werden, unfähig auch nur das kleinste Bisschen Produktivität an den Tag zu legen, wenn er von Alfie auf Ewig getrennt wäre, so wie es der hohe Rat der Engel verlangte...Wenn er dem jedoch nicht nachginge, würden sie beide...
Dann würde Alfred...

Während all diese Gedanken wie Hagelkörner auf ihn einschlugen, merkte der besorgte Engel gar nicht, wie ihm bereits die ersten Tränen hinunterrollten und der dunkelblonde Dämon neben ihm bereits einige Male besorgt seinen Namen erwähnte. "Arthur? Hey...", vorsichtig rüttelte der Dämon den kleineren Engel, der keine Reaktion zeigte, "Hey, Iggy! Komm schon, was ist los? Wieso weinst du? Hab ich etwas Falsches gesagt? Wenn ja, dann tut es mir leid!"

Nichts.

Weitere Tränen flossen und Alfred wusste nicht mehr, was er tun sollte, immerhin reagierte der Engel gar nicht mehr. Er benahm sich so komisch. Scharf nachdenkend biss er sich auf die Unterlippe und suchte nach einer Lösung, um Arthur wieder zu beruhigen. Er kramte in seiner Jackentasche herum und konnte zwischen ein paar Dollarscheinchen einen Schokoriegel finden, den er eigentlich selber essen wollte, aber nun dem englischen Engel vors Gesicht hielt. "Hast du Hunger? Bist du auf Schokoladen-Entzug? Sag doch etwas?" Er wedelte mit seiner rechten Hand vor Arthurs Gesicht und hoffte wenigstens auf ein Blinzeln. Nichts passierte. "Okay, dann halt nicht. Brauchst du Cola? Oder warte mal, du magst doch Tee, richtig? Soll ich schnell nachschauen, ob du etwas in deiner Vorratskammer hast? Oder soll ich-" Der schnelle, leicht panische Redefluss Alfreds wurde durch eine rasche Bewegung Arthurs unterbrochen.
Zwei stark zitternde Arme schlangen fest sich um den Oberkörper des Dämons. Fingerspitzen bohrten sich in sein Hemd und schließlich auch sanft in seine Haut, die an jenen Stellen wie durch ein Wunder in einer angenehmen Art und Weise zu brennen begannen. Ein leichter Druck war gegen seine Brust zu spüren und ehe er sich versah, waren die beiden in eine tiefe Umarmung verfallen, aus der sich keiner zu lösen vermochte.
Gnadenlose Hitze sammelte sich im Schädel des Dämons und sein sonst so ruhiger Herzschlag verschnellerte sich mit einem Mal.
Immer mehr salzige Tränen flossen und hinterließen nasse Flecken auf Alfreds Hemd. Arthurs Atmung wurde hektischer, doch Alfred schaffte es, den verletzten Engel relativ ruhig zu halten. Sachte strich dieser den, von den Schluchzern bebenden, Rücken des Engels vorsichtig. Er wusste selber nicht, wie er sonst reagieren sollte, aber irgendetwas sagte ihm, dass es doch das Effektivste sei. Keiner wagte es zu sprechen. Niemand störte die Ruhe der nächtlichen Natur. Nur der ein oder andere Schluchzer Arthurs durchbrach die Stille einige Male.

Aber es half. Alfred schenkte seinem Engelfreund Trost und Verständnis und wenige Minuten später war der Heulkrampf endlich gestillt und Arthur konnte wieder beruhigter durchatmen. Spätestens jetzt würde Alfred wissen wollen, warum er sich so anders benahm. Es blieb ihm nichts Anderes mehr übrig, als ihm von seinen Sorgen zu erzählen. Aber er fühlte sich besser, als zuvor. Ob sich das Ausheulen in den Armen seines Liebsten doch als gut erwiesen hat?

"Hey, Iggy, was ist los?", Alfreds Stimme war ungewohnt ruhig geworden, als sich der Engel wieder von ihm abwendete und die lang ersehnte Nähe zwischen den beiden abbrach, "Wenn dich etwas bedrückt kannst du mir ruhig davon erzählen. Ich werde versuchen, dir zuzuhören und dich nicht zu unterbrechen."

Schief lächelnd legte er seine Hände auf die Schultern des Kleineren und sah ihm in die smaragdgrün leuchtenden Augen, die er jeden Tag aufs Neue bewunderte. Er konnte es nicht ausstehen, dass diese nun voller Trauer und Sorge gezeichnet waren und nichts mehr von dem ständigen Sarkasmus sowie tsundereähnlichen Verhalten übrig war. Jemand hatte ihn seelisch verletzt, das erkannte Alfred nun und er verspürte sofortigen Hass auf diese Person. Warum musste Iggy leiden? Warum traf es genau ihn? Den Engel, den er wie ein Held vor den Gefahren der Welt beschützen wollte, obwohl er genau wusste, dass er das Chaos förmlich anzog und Arthur ihn sowieso schließlich zur Vernunft bringen müsste. Den Engel...den er seit ihrer ersten Begegnung direkt ins Herz schloss.

"Ich...", setzte Arthur mutig an, verfiel aber augenblicklich wieder in den fluchtfreien Strudel voller Sorge. Er versuchte nun, einen kühlen Kopf zu bewahren und Alfred alles bis aufs kleinste Detail zu erzählen, dabei war er jedoch nur zu Teils erfolgreich.
Er wollte seine Sorgen und Ängste zwar teilen, aber er empfand dabei auch ein gewisses Schamgefühl, das immerwährend an ihm nagte.
Er schämte sich dafür, vor den Augen des Dämons so jämmerlich geflennt zu haben wie ein kleines Kind. Aber es war ihm nicht möglich gewesen, anders zu reagieren. Seine Emotionen hatten die Überhand ergriffen und jegliche Form des strukturierten Nachdenkens gezielt blockiert.
Das Herz gewann gegen die Vernunft.
Das Herz gewann gegen das Gehirn.
Das Herz gewann gegen jede Art von Beeinflussungen außerhalb.
Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis es sich dazu entschloss, im Eifer des Gefechts Arthur dazu zu bringen, dem Dämon seine Gefühle zu widerlegen. Und genau das wollte der Engel um jeden Preis vermeiden.

"Was?", fragte der dunkelblonde Brillenträger sanft, legte seine rechte Hand auf den Handrücken des Engels und drückte diesen leicht, woraufhin sich beide mit rot gefärbten Wangen ansahen. Der eine überrascht und unsicher; der andere nervös, aber glücklich.
Arthurs Herzschlag verdoppelte sich und mit einem angefressenen "tsk" drehte er seinen tomatenroten Kopf zur Seite.
"Ich...Wir...", er seufzte und raufte sich kurz die Haare. Wie sollte er es am besten ausdrücken?
"Wir...wir sollten uns nicht mehr treffen...Alfie...tut mir leid."
Alfreds Augenbrauen hebten sich verwundert vor Sprachlosigkeit und er blinzelte den Engel verwirrt an. Warum in aller Welt sagte er das hier und jetzt?
"Was? Aber wieso auf einmal?-"
"Das tut nichts zur Sache", sprach Arthur kalt und verschränkte die Arme vor der Brust und vermied jeglichen Augenkontakt mit dem Dämon. Ihn jetzt auch noch anzusehen würde ihm das Herz in zwei Teile brechen. Obwohl...das tat es bereits, denn er fühlte sich von Sekunde zu Sekunde elendiger.
Das schmerzhafte Stechen in seiner Brust verschlimmerte sich und er verglich diesen Schmerz schon mit einem scharfen Dolch, der sich unaufhörlich durch Haut und Fleisch bohrte und dabei Narben und weitere tiefe Wunden hinterließ.
Arthur spürte den ungewohnt betrübten Blick Alfreds auf sich liegen. Verdammt, dachte er, warum machte er es ihm auch noch so schwer! Es war die spürbare Enttäuschung und Verwirrung des Anderen, die den Engel dazu brachten, doch weich zu werden und trotz seiner gedanklich errichteten Mauer Alfred mehr über sein Bedenken zu informieren.
Eine kalte Brise kam auf und wehte in den Rücken des Himmelswesens, dass sich wieder in die Richtung seines eigentlichen Feindes gedreht hatte und nun mit im Wind wippenden Haaren Alfred gegenüber stand.
Seine normalerweise smaragdgrünen Augen waren leicht gerötet und glänzten aufgrund der unterdrückten Tränen im Licht des Silbermondes viel zu sehr. Arthur versuchte, stark zu sein und dieses Mal der ganzen Sache ernst gegenüber zu stehen.
Alfred dagegen saß wie angewurzelt auf der hölzernen Parkbank und verstand nicht, was auf einmal mit Arthur los war. So hatte er sich noch nie verhalten.

"Mein Boss hat durch einen meiner Kollegen herausgefunden, dass ich dich des Öfteren treffe und-", der Blonde starrte betroffen zu Boden und biss sich energisch auf die Zunge, ehe er fortfuhr, "er sagte, dass es besser wäre, wenn wir uns nicht mehr sehen würden. Ihr Dämonen wärt zu gefährlich und man dürfte euch nicht vertrauen..."
Der Engel atmete tief ein und schloss für einen kurzen Moment die Augen, um seine Gedanken zu sammeln. Es dauerte ein oder zwei Herzschläge, bis Arthur wieder in Alfreds himmelblaue Augen sehen konnte, ohne von der eisigen Kälte seiner Stimme in eine emotionale, temperamentvolle Stimmlage zu wechseln. Es war schwer, doch er musste da jetzt unbedingt durch oder er würde das Leben Alfreds sowie sein eigenes riskieren müssen. Sein Herz zog sich brutal zusammen; sein Magen spielte verrückt. Er hatte das Gefühl, Halt zu verlieren, als er die nächsten zerstörenden Worte in den Mund nahm und nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Gegenüber damit zerbrach. "Unser Schicksal steht in den Sternen geschrieben und es ist gegen uns gerichtet, Alfred. Wir können nichts dagegen tun, das Einzige, was uns übrig bleibt, ist ein Abschied auf Ewig. Wir sind nicht dazu bestimmt, befreundet zu sein...Sorry."
Auf eine enttäuschte, zugleich verärgerte Antwort wartend, kehrte er dem Dämon den Rücken zu. Nicht nur, um seinen Blicken zu entgehen, sondern auch, um selber nicht zu auffallend verletzt zu wirken. Doch stattdessen verhielt sich Alfred überaus ruhig, was sehr ungewöhnlich für ihn war und Arthur zum Schwitzen brachte. Würde er jetzt in der Stille der Nacht davonfliegen und nie mehr wiederkommen? Würde er Arthur einfach vergessen  wollen, nach all dem, was er gerade sagte? Der Engel wusste sich einfach nicht mehr zu helfen und spannte die Muskeln an. Die Antwort die er von seinem Liebsten jedoch empfing, war anders, als er es vermutet hatte.

"Arthur..", begann er, seine vorerst unsichere Stimme brach durch ein irritiertes Räuspern ab, "Du weißt doch, dass ich dich sehr mag...Ich meine, ich mache ja nie wirklich ein Geheimnis daraus, wenn ich jemanden gut leiden kann." Dezent verlegen schielte der Dunkelblonde für einen kurzen Augenblick auf die Seite; den Engel mit den buschigen Augenbrauen trotzdem nicht aus den Augen lassend. Arthur machte weder den leisesten Mucks, noch bewegte er sich von der Stelle. "Und ich weiß auch, dass du mich genauso magst..."
Arthur konnte ihn leicht lachen hören, doch das war nichts im Vergleich zu der Hitze, die sich um seine Nase plus Wangen ausbreitete und einen kirschroten Stich auf seiner bleichen Haut hinterließ, den Alfred natürlich von Weitem entdecken konnte. Aus dem Augenwinkel betrachtet, konnte der Engel Alfred mild lächeln sehen. Auch seine Wangen zierte ein schwacher pinker Schein. "Wie kann dieser Trottel in solch einer Situation nur lachen?", schrie der Blonde in Gedanken und war kurz davor auszurasten. Alfred wusste immer genau, wie er ihn auf 180 bringen konnte, jedoch hielt ihn das nicht davon ab, weiterzumachen.

"Und du willst mir also erzählen, dass dieser ganze Schicksals- und Sterne-Müll, den du mir erzählst, dich davon abhält bei mir zu bleiben? Dass du einfach so, mir nichts, dir nichts, das machst, was dein scheiß Boss von dir verlangt. Du sagst mir also, dass das die Gründe sind, die dich daran hindern, nach deinen Wünschen zu handeln? Ich weiß genau, dass du in Wirklichkeit etwas Anderes willst. Ich meine, sonst hättest du vorher nicht geheult", plapperte der Dämon im Schnelldurchlauf herunter, nicht darauf achtend, wie der kleine Engel vor ihm langsam einging und nichts anderes konnte, als betroffen auf den Kiesboden der Lichtung zu starren. Alfred war frustriert. Das merkte Arthur allein an der Art wie er mit ihm sprach. Aber Alfred verstand auch nicht, wie es war ein Schutzengel zu sein. Man hatte Aufgaben und Anweisungen zu erfüllen. Loyalität und Gehorsam waren Priorität und allein der Kontakt mit Feinden war gefährlicher als alles Andere. Denn wenn ein Dämon und ein Engel sich zu nahe kamen, dann würden sie beide...

"Ich kann doch auch nichts dagegen machen! Wenn ich es könnte, dann hätten wir dieses Problem jetzt auch nicht!", entgegnete der Engel ihm lautstark und der Dämon wich kurz zurück. "Es gibt eben Leute, die höher gestellt sind als wir. Wir haben es nicht in der Hand unsere selbst gewählten Wege zu gehen, jedenfalls wir Engel nicht. Unser Leben war schon immer vorbestimmt", Arthur sah kurz zu Alfred auf, brach den Blickkontakt jedoch bald darauf wieder ab, "Zum Beispiel war ein Kumpel namens Feliciano schon von Geburt an als Nachfolger seines Großvaters eingeteilt und wurde dementsprechend auch erzogen. Er wäre viel lieber etwas Anderes geworden, als Schutzengel Norditaliens, aber ihm blieb nichts Anderes übrig als zu akzeptieren. Er wäre in der Gesellschaft an der untersten Grenze gestanden, hätte er sich weiterhin widersetzt. Wie du siehst, hat sich Rebellieren nicht ausgezahlt und es wird hier in diesem Fall auch nicht recht viel anders sein. Alfred, du...-"
Eine Art elektrischer Schock durchfuhr Arthur und unterbrach ihn, als Alfred sein Handgelenk  schnappte und seine Hand mit der seinen vereinte. Das Herzklopfen in Arthurs Brust wurde immer wilder und aufgeregter, auch wenn er es weiterhin versuchte zu unterdrücken.
"Du kannst aber nicht immer nach der Pfeife deiner Spezies tanzen, Arthur", der Brillenträger drückte die Hand des Engels leicht und grinste, "Du bist trotzdem ein erwachsener Mann; du solltest selber entscheiden können, was du willst. Und mit deiner negativen Einstellung wirst du ganz sicher nicht weit kommen. Vergiss doch einfach mal die Meinung der anderen, denn ich hab' das Gefühl, dass du dich nur ihretwegen von mir so abwendest."
Arthur blinzelte den Dämon verwundert an.
"Du behauptest zwar, dass nichts und niemand dein Schicksal verändern kann..."
Alfreds Stimme wurde von Mal zu Mal ernster.
"Aber wer sagt, dass es nicht dein Schicksal ist, bei mir zu bleiben?
Ein freudiges, erstauntes Leuchten blinkte für einen Moment in den grünen Augen Arthurs auf, das Alfred mehr als alles Andere liebte. Alfred grinste.
"Was wenn ich jetzt einfach so entscheiden würde, dass du mein Schicksal bist?"
"Ich würde wegen deinem kitschigen Liebesgesäusel kotzen gehen."

Arthurs starrer und emotionsloser Gesichtsausdruck traf auf einen konfusen Alfred, der gerade keine Antwort parat hatte, da er nicht damit gerechnet hatte, dass der Grünäugige ihm auf diese Art antworten würde. "Äh...ja also...", der Dämon kicherte beschämt und kratzte sich am Hinterkopf, um die etwas peinliche Situation noch irgendwie zu retten, "Aber ich glaube du verstehst, was ich damit sagen will, oder?" Der Engel nickte und verzog erneut keine Miene, obwohl sein Inneres tausende Purzelbäume schlug. Alfreds Worte hatten es ihm insgeheim schon sehr zugetan, jedoch konnte und wollte er dies unter keinen Umständen zeigen. Deshalb unterdrückte er die stetig wachsende Hoffnung auf erwiderte Liebe so gut er konnte, auch wenn der ständig präsente Hintergedanke der Unmöglichkeit einer potentiellen Beziehung ihn ununterbrochen heimsuchte.
Der Druck um Arthurs Hand wurde stärker; ein wohliges Kribbeln breitete sich in seiner Magengegend aus und sein Herz fing wieder an wie ein Marathonläufer seine Runden zu drehen. Die Wärme und Geborgenheit, die Alfred ihm gab...er wollte sie mehr als alles Andere, aber er konnte nicht. Er durfte nicht. Und allein diese Unerreichbarkeit fraß ihn innerlich nach und nach auf wie ein ausgehungerter Wolf, der darauf versessen war, Futter im tiefsten Winter zu finden. Er litt nicht nur aufgrund der Gesellschaft in der er aufwuchs, nein, er litt auch unter dem Wissen, dass beide nicht überleben könnten, wenn sie sich näher als sowieso schon kämen. Es war ein herzzerbrechendes Szenario, welches ihm andauernd in den Sinn kam. Würde er nicht hier und jetzt handeln, brächte er das Leben Alfreds in Gefahr. Ein unsterbliches Leben als göttliche Wesen...sie beide würden es binnen Sekunden wegwerfen müssen. Egal wie sehr sie sich gegen das Schicksal und die Sterne sträuben würden...sie würden immer den Kürzeren ziehen und alles was sie je kannten zurücklassen. War es das denn wert? Arthur wusste es selbst nicht, aber eines wusste er ganz genau. Er wollte Alfred beschützen. Ob es wegen seiner Gefühle zu ihm oder aufgrund seines Beschützerinstinkts als Schutzengel war...die Sicherheit des Dämons mit dem amerikanischen Akzent war für ihn mehr als nur relevant, auch wenn er es nur ungern zugab.

"Was sagst du, Iggy?", wandte sich der Blauäugige mit Brille wieder zu dem Kleineren, aber Älteren, ihm tief in die Augen schauend. Der Blonde blinzelte ein paar Mal verwirrt, ehe Alfred seinen Griff lockerte, Arthurs Hand losließ und sich demonstrativ auf die Parkbank stellte, als würde er versuchen, eine Ansprache in einem Saal voller Menschen zu machen und dabei kläglich zu versagen. "Lass uns diese verdammten Sterne einfach 'rewriten' und unser Ding durchziehen!", Alfred grinste seinen Freund übermütig an, "Nur wir beide, für immer und ewig und keiner wird je etwas dagegen sagen können! Denn wir werden ab sofort selber entscheiden, was wir machen! Vielleicht schaffen wir es ja sogar die größten Superhelden aller Zeiten zu werden, wenn wir dem Universum zeigen könnten, dass Engel und Dämonen sich nicht unbedingt hassen müssen, wäre das nicht nice?"
Vorsichtig hielt der Dämon seine Hand dem Engel hin und lächelte ihn selbstsicher an. Nach seiner heldenhaften Ansprache würde ihm Iggy bestimmt auch zustimmen, oder?
Arthur beäugte Alfred vorerst perplex und verwirrt, jedoch wurde sein Blick mit der Zeit weicher und er begann, nervös zu Boden zu schauen und mit seinen Ärmeln zu spielen. Immer noch auf eine Antwort wartend stand der Dämon still auf der Bank; seine Hand Arthur anbietend, doch der Engel seufzte und schlug sie grummelnd weg. Er schien in einen Zwiespalt gerutscht zu sein. Einen Zwiespalt mit seinem Gewissen und seinen sehnlichsten Wünschen.
Alfred erkannte das viel zu gut, immerhin war es nicht das erste Mal, dass sein englischer Engel nachdenklich wurde. Aber eine schlecht durchschaubare Misere wie diese hatte er noch nie bei ihm erlebt. Er wollte wirklich wissen, was ihn davon abhielt, seinen gut gemeinten Ratschlägen zu folgen.

"Das wird nie funktionieren", begann Arthur und faltete seine Hände zusammen. Seine Augen wurden in wenigen Sekunden matt und leblos und Alfred hatte das dringende Bedürfnis ihn hier und jetzt zu umarmen. Er mochte diesen deprimierten Arthur nicht, er wollte den sarkastischen, zugleich niedlichen Arthur wiederhaben, der ihn andauernd beleidigte, wenn er ihm Komplimente an den Kopf warf.
"Und wieso nicht?!" Alfred wurde langsam wütend. Manchmal war Arthur einfach ein richtiger Dickkopf!
"Du denkst, dass das alles so einfach geht, nicht wahr? Dass man allein die Idee dahinter braucht, ohne auch nur an die Konsequenzen zu denken...", die Stimme des Engels wurde immer brüchiger und das ein oder andere trübselige Schlürfen war zu hören, "Vielleicht funktioniert es hier auf dieser Insel so einfach, dass wir uns sehen können...aber...außerhalb dieser 'Basis' gäbe es absolut keine Möglichkeit mehr. Es gibt so viele Berge, die uns im Weg stehen, an denen wir nicht vorbei können. Denk' jetzt nicht, dass ich das nur sage, weil ich dich nicht mehr bei mir haben möchte. Ganz im Gegenteil! Ich will dich weiterhin sehen können, aber gefühlt unsere ganze Welt scheint gegen uns zu sein. Jeder sagt uns, was wir zu tun haben und es gibt einfach kein Entkommen...Wir hätten es so unglaublich schwer..."
Die ersten Tränen flossen in Zeitlupe an Arthurs Wange herab und er wischte diese sogleich weg, als er das besorgte Gesicht des Dämons sah.
"Du würdest sofort sehen wie hoffnungslos das alles hier ist. Alles würde uns auseinanderhalten...Und keiner von uns wird jemals etwas daran ändern und wenn wir es versuchen würden, dann würden wir beide...-" Nun brach Arthurs Stimme komplett ab, nur noch leise Schluchzer hallten durch die kühle Frühlingsnacht und der Engel vergrub sein wahrscheinlich grauenvoll aussehendes Gesicht in seinen Händen. Er zog seine Knie nahe an seinen bebenden Körper und hoffte lediglich, dass es Alfred nicht nervte, dass er erneut weinte. Sein Schädel brummte und pulsierte, sein Herz zersprang endgültig entzwei. Seine gesamte Umgebung verschmolz mit der Kälte und der Einsamkeit, die er in seiner Brust spürte. Es ähnelte einem Regen aus spitzen kristallenen Eiszapfen, die sich auf brutalste Art und Weise durch seinen Körper bohrten, ihn schwächten und schließlich erfrieren ließen, bis er rein gar nichts mehr wahrnahm. Wäre da nicht dieser klitzekleine Hoffnungsschimmer, diese kleine Glut inmitten des eisigen Windes. Sie spendete Wärme, brachte Freude, erlöste ihn von seinem Leid. Es war niemand Anderes als...Alfred. Alfred, der immer da war. Alfred, der trotz seiner lauten, offenen und gesprächigen Art auch immer ein offenes Ohr für ruhigere Gespräche hatte, wenn es um seinen Engel ging. Einfach...Alfred.

Arthur konnte seine Tränen nicht mehr zurückhalten, als Alfred erneut versuchte, ihn mittels einer Umarmung zu beruhigen. Es war so richtig in seiner Nähe zu sein; von ihm berührt zu werden und doch war es so falsch. Warum musste sich das Falsche immer so verdammt richtig anfühlen? Warum konnte das Falsche nicht einfach das Richtige sein?
Der Blonde krallte sich mit den Fingern tief in Alfreds Jacke hinein, vergrub sich in seiner Halsbeuge und atmete tief ein. Er konnte Alfreds beruhigenden Duft vernehmen und er merkte, wie sein rasendes Herz langsam zur Ruhe kam. Seine Tränen trockneten, dennoch ließ er Alfred nicht mehr los. Er wollte dieses befreiende Gefühl behalten; es für sein gesamtes restliches Dasein schätzen und bewahren. Es niemals von ihm weichen lassen und doch war er dazu gezwungen loszulassen. Er wollte nicht mehr; er wollte kein Schutzengel mehr sein. Er wollte nur ein normales Leben führen. Egal, ob er eines Tages sterben würde...er würde es gerne in Kauf nehmen, wenn er dafür mit Alfie in Kontakt bleiben dürfte. Ihm war ein kurzes, vergängliches Leben mit dieses Dämon mehr wert als ein ewiges Leben ohne ihn. Wie gerne würde er Alfred einfach zustimmen; sich ihm einfach anschließen...aber...
Arthur schniefte und sein Griff um Alfred wurde immer fester. Eine Hand fuhr ihm sachte durch sein strubbeliges Haar, während die andere behutsam seinen Rücken streifte. Arthurs Herz hielt für einen Moment inne, als er bemerkte, wie jemand seinen Kopf leicht anhob und ihm die nachkommenden Tränen aus dem Gesicht wischte. Das Ziehen seines Herzens wurde immer schlimmer, bis er schließlich dachte, er würde hier und jetzt durch den Kummer sterben müssen. Erst als er in Alfreds ebenfalls glasigen Augen sah und seine Stimme durch die stille Nacht brechen hörte, fand er sich wieder in der Realität ein.
"Wir würden unsere Unsterblichkeit sowie Existenz verlieren und sterben...ist es das, was du sagen willst?"

Arthurs Herz sank wie ein Stein im Wasser und er nickte betroffen. Nun war es raus. Das schlimme Szenario, von dem er sich so fürchtete. Niedergeschlagen kniff er die Augen zu und vergrub sein Gesicht wieder in seinen Händen. Trotzdem fand er inmitten seines Gefühlschaos den Mut, selber weiterzusprechen. "Ich wollte verhindern, dich in Gefahr zu bringen. Ich könnte mir nie verzeihen, wenn ich mit dem Gewissen dich damit zu töten, so weitermachen würde wie in den letzten Wochen. D-Deshalb...-"
Ruckartig packte der Größere der beiden den Kleineren an den Schultern und brachte Abstand zwischen ihnen. Der Engel wusste nicht, was es bedeutete, weswegen er aufhörte auch nur einen Mucks zu machen.
"Sag' jetzt nichts mehr", Alfred sprach überraschend ruhig und vorsichtig; sein Gesicht zierte nicht einmal der kleinste Ansatz von Wut oder tiefer Trauer, im Gegenteil. Es war eines der breiten Grinser, die Arthur so verfluchte und zeitgleich so wunderbar fand. In seinen blauen, selbstbewussten Augen tanzten lauter kleine Funken, die Sternen ähnelten und den Engel in seinen Bann zogen. Arthurs Herz machte einen Satz, ebenso wie Alfreds. Und die darauffolgenden Wörter würden es umso mehr herumtollen lassen. Die beiden standen nun etwas abseits von ihrer Lichtung, der Lichtschein der kleinen Laterne immer noch in ihren Rücken scheinend. Eine sanfte Brise kam auf, die einige Wolken vom Himmel davonschweben ließ und nun einen klaren Blick auf das sternenbesetzte Himmelszelt ermöglichte.

"Artie...", setzte Alfred an, "Weißt du...Ich wusste das schon seit ich dich das erste Mal getroffen habe."
Arthurs Augen weiteten sich schlagartig und er musste sich ein "What the bloody hell?!" zurückhalten.
"Ich wusste immer von diesem Risiko, ich bin ja nicht dumm."
Bei Letzterem war sich der Engel nicht ganz so sicher.
"Und trotzdem habe ich mich weiterhin zu dir gesellt. Weißt du auch wieso?"
"Weil du ein lebensmüder, leider auch viel zu niedlicher Vollidiot bist?", dachte der Engel.
"Weil ich dich ganz doll lieb hab, Arthur!", schrie Alfred verspielt, entfaltete seine ledrigen Drachenflügel, packte Arthur an seinen Handgelenken und zog ihn beim Abheben in die Luft.

"Warte...was?!" Die altbekannte Hitze schoss in so hoher Geschwindigkeit in seinen Kopf, dass selbst seine Ohren einen tiefroten Farbton annahmen. Er hatte doch gerade nicht ernsthaft...?
Arthur hatte keine Zeit zum Nachdenken, da ein lachender Alfred ihn in der Luft so sehr herumwirbelte, dass er alle Sterne schon dreifach sehen konnte.
"Wahh, Alfred, du Wahnsinniger, hör auf! Mir wird schon schwindelig!"
"Nö!", Alfred zeigte ihm nur frech die Zunge und drehte sich weiterhin lachend mit ihm im Kreis, "Es ist gerade einfach viel zu lustig!"
"Was ist bitte daran lustig, dass wir beide sterben werden?" Der Engel hob kritisch eine seiner Augenbrauen.  
"Gar nichts", er lachte weiterhin, "Aber ich finde es richtig süß von dir, dass du dich so sehr um mich sorgst und das Lustige dabei ist einfach, dass wir uns gegenseitig auf die gleiche Art und Weise mögen!"
Ein Fragezeichen stand dem Engel ins Gesicht geschrieben.
"Woher willst du wissen, auf welche Art und Weise ich dich mag?"
"Ganz einfach! Ich passe auf, wie du dich verhältst und was du sagst, Dude! Also ganz simple Dinge, machst du das etwa nicht?"
Arthur spürte wie er rot wurde. Spätestens als Alfred seine Arme um seinen Nacken schlang und dieses typische amerikanische Lächeln von sich gab, war es um ihn geschehen.
"N-Nein! Wieso sollte ich!"
"Lol. Ich dachte das macht jeder so, anscheinend aber nicht...Francis hat mich also angelogen!"

Stille.
Ihre kleinen Drehungen durch den Nachthimmel verlangsamten sich und nur noch das Plätschern einer nicht allzu weit entfernten Quelle war zu hören. Im Moment war einfach alles perfekt.
"Alfie?", fragte Arthur leise.
"Hm?"
"Meintest du das mit dem Ganz-doll-lieb-Haben vorher ernst?"
Der Dämon legte den Kopf schief und blickte den beschämten Engel verwundert an.
"J-Ja natürlich", nun wurde auch der Dämon einmal rot vor Scham.
Arthurs Augen leuchteten fröhlich auf und strahlten mit den Sternen um die Wette. Wieder etwas, das Alfred immer gern an seinem Engel sah.
"Na dann...", diesesmal lachte Arthur, "Ich liebe dich auch!"

Diese vier Worte brachten Alfred dazu  wie ein Honigkuchenpferd zu grinsen.
Seine Wangen färbten sich in ein sachtes Rosa und sein Herz schlug so schnell und wild wie nie zuvor. Es war ihm so egal, ob ihre Existenz ausradiert werden würde. Er wollte Arthur nie mehr hergeben.
Er wollte mit ihm fliegen und mit ihm fallen. Mit ihm glücklich sein und mit ihm leiden.
Doch anders als Arthur glaubte er an ein Happy End. Er konnte sich nicht erklären, wieso er so fest entschlossen  mit dieser Idee war, aber etwas in seinem Herzen verriet ihm, dass alles gut werden könnte, wenn auch nicht in diesem Leben...Es musste für jede Situation einen Ausweg geben, selbst für diese...

Ein kühler Luftzug streifte über die Wiesen der schwebenden Insel; die noch jungen Blätter der Bäume raschelten leise vor sich hin. Es wirkte alles wie ein verworrener Traum, obwohl es keiner war. Der Engel und der Dämon flogen immer noch wie ein Schwarm von müden Glühwürmchen im Spätsommer durch den Himmel. Beide Hand in Hand dem allmählich sinkenden Mond entgegen schauend. In wenigen Stunden würde der Morgen anbrechen und diese schönen Minuten der Zweisamkeit würden ihr Ende finden. Arthur drückte vorsichtig die Hand Alfreds und schielte für einen kurzen Augenblick zu ihm. Seine Gesichtszüge zeichneten im dämmrigen Licht des Mondes weich ab und seine saphirblauen Augen leuchteten mit den Sternen um die Wette. Arthurs Blick driftete ab und stoppte erst bei Alfreds unfassbar weich aussehenden Lippen. Das Gefühl, wie es wäre, seine Lippen auf den seinen zu spüren, hätte er am liebsten sofort verworfen und dennoch konnte er sich nicht helfen, sie weiterhin zu begutachten. Er verfiel  in einen tranceartigen Zustand, nicht wissend, was um ihn herum geschah. Einzig und allein die rasche Kopfbewegung des Jüngeren brachte ihn wieder zu Sinnen und er schaute sofort peinlich berührt auf den Boden. Verdammt, dachte er sich nur und hoffte, dass Alfred seine Röte nicht entdecken konnte. Wann war er denn nur so ein Softie geworden?
"Hey Iggy?"
"Hm?"
"Ich muss dir etwas ganz, ganz, ganz, ganz Wichtiges sagen, aber dafür musst du deine Augen schließen!" Arthur schenkte ihm einen eher kritischen Blick. Warum in aller Welt würde er so etwas Dummes und Irrelevantes fragen?
"Wenn es soooo wichtig ist, kannst du mir es sicher auch einfach so sagen, oder? Ich brauche meine Augen nicht zum Hören zumachen oder sehe ich etwa so aus?" Alfred schüttelte den Kopf, bat den Engel noch einmal auf die nervigste Art und Weise und Arthur seufzte genervt auf.
"Na gut...bitte", er schloss die Augen und spitzte die Ohren, "Aber wehe es wird wieder so ein dummer, unlustiger Witz...-"

Und plötzlich hielt er inne und seine Stimme verblasste immer mehr. Sein Puls schoss rasant in die Höhe und sein Herz hämmerte so stark und wild gegen seine Brust, dass es schon weh tat. Er glaubte bereits, dass sein Herz gleich explodieren würde, dass es aus seiner Brust springen würde...doch glücklicherweise tat es dies nicht. Stattdessen spürte er, wie sein Bewusstsein immer mehr in einem Meer aus bauschigen Wattewolken verfiel und er nur mehr Eines wahrnehmen konnte...Etwas Weiches, Zartes streifte seine Lippen und drückte einen sanften Druck darauf aus. Arthur wusste nicht, wie ihm geschah. Er wusste nicht, wie er anders reagieren sollte, außer auf die stille Botschaft des Dämons auf dieselbe Weise zu antworten. Einige Sekunden ließen sie sich unkontrolliert durch die Luft gleiten und langsam zu Boden fallen, ohne auch nur einmal mit der Wimper zu zucken.
Dieser Moment war wunderschön.
Dieser Moment war einzigartig.
Dieser Moment war so richtig.
Dieser Moment war...perfekt.

Niemals wieder hätten sie sich voneinander lösen wollen; dieser erste, völlig unschuldige Kuss sollte niemals wieder enden. Er sollte eine Ewigkeit andauern. Sie zwischen Leben und Tod bewahren. Und doch...bemerkten sie, wie sie sich langsam in Sternenstaub auflösten und eins mit dem Himmel wurden. Ihre Zeit...sie bahnte sich dem Ende zu. Ihre Zeit zu zweit lief ab.
Sie verwelkten wie eine Rose, bevor die rettenden Sonnenstrahlen sie erreichen konnten.
Der Engel sowie der Dämon lösten sich widerwillig voneinander und sahen einander verzaubert und doch verletzt an. Sie waren das Risiko eingegangen und zwar gemeinsam. Es war von Anfang an unmöglich gewesen und doch wollten sie es so und nicht anders. Ein letztes Mal traf grün auf blau. Die Smaragdaugen mit Tränen der Verzweiflung gefüllt, die Saphiraugen mit Bittersüße. Arthurs Herz brach entzwei, Alfred dagegen lächelte mild. Selbst im Tod wollte er eine letzte schöne Erinnerung Arthur hinterlassen. Ein Abschied voll Trauer und Frust war nichts für ihn. Es würde nicht das Ende sein. Niemals konnte dies das Ende sein. Nichtmal als sie die Schwärze der ewigen Dunkelheit umgab....
Doch es gab noch eine letzte Möglichkeit für eine allerletzte Nachricht, bevor der Himmel über ihnen einbrechen und ihnen das Leben rauben würde. Alfred griff behutsam nach Arthurs Hand und strich ein letztes Mal mit dem Daumen über seinen immer durchsichtiger werdenden Handrücken. Ein letztes Mal sahen sie sich einander an. Der Eine schockiert und von Herzschmerz geprägt, der Andere lächelte nur trotz schweren Herzens. Und dann war der Moment gekommen, an dem beide für immer Abschied nehmen mussten....

"Wir werden uns eines Tages wiedersehen, Sweetheart. We'll meet again...some sunny day..."



•○•○•♡•○•○•


Mittwoch, 24. April 2019
London; Großbritannien
{18:35 Uhr}


Atemlos sprintete ein junger Mann - schätzungsweise um die zwanzig Jahre - durch die belebten Straßen der bekannten Großstadt London. In zwei Minuten würde seine U-Bahn den Bahnsteig verlassen und er musste sich dringendst beeilen, um die Bahn noch zu erwischen. Er hatte immerhin das Staffelfinale seiner Lieblingsserie anzuschauen und das wollte er unter keinen Umständen verpassen. Flink flitzte er um die Ecke, trat in den sogenannten 'Underground' ein und rannte so schnell wie ein Profi-Sportler am Londoner-Marathon zu seiner Mitfahrgelegenheit, die gerade dabei war, sich zu schließen und loszufahren. Im letzten Moment konnte der Englisch und Geschichte studierende Engländer in seine 'Tube' werfen und schubste dabei ausversehen ein paar Leute auf die Seite, die dem wilden Jungspund natürlich mit einem spöttischen sowie grantigen Murren entgegneten.
Viele Male musste der Student mit einem höflichen "Excuse me" oder einem "Sorry" entgegenkommen, bis er es endlich schaffte in einem nicht ganz so vollbepackten Eck nahe am Fenster sicheren Halt zu finden.
Eigentlich mochte er das U-Bahn Fahren an den Stoßzeiten überhaupt nicht und vermied es regelmäßig, jedoch blieb ihm am heutigen Tag nichts Anderes übrig, da seine Mutter sein Auto letztens halb geschrottet hatte, als sie mit ihrem italienischen Sandkastenfreund in ein chinesisches Restaurant fahren wollte. Eigentlich war sich der junge Student relativ sicher, dass der alte Italiener Schuld war, da dieser schon immer ein absolut schlecht und wild fahrender Charmeur war, der es liebte jeder vorübergehenden Frau zu imponieren.
Aber nun konnte er auch nichts dagegen machen und ihm blieb nichts Anderes übrig als darauf zu warten, dass sein Auto aus der Reperaturwerkstatt zurückkam.
Der Engländer seufzte und sah gelangweilt aus dem Fenster, welches zufälligerweise parallel zum Fenster der entgegengesetzten Bahn ausgerichtet war. Seit Tagen verfolgte ihn das bedrückende Gefühl etwas Wichtiges vergessen zu haben oder noch eher: Jemanden vergessen zu haben. Er fühlte sich zunehmend elendig und litt unter kurzen, grundlosen Heulphasen. Dabei wusste er nicht mal weswegen er sich so unglaublich unwohl und leer fühlte.
Vielleicht war es sein Magen, der andauernd nach Essen jammerte, vielleicht war es aber auch ein unbekannter Teil seines Herzens, der verzweifelt einen Namen schrie, den der Student jedoch nie verstehen konnte. Seine Träume in den letzten Tagen waren geprägt von nervigen, lauten Amerikanern, die nichts Anderes als McDonalds im Kopf hatten. Gruselig, nicht wahr?
Jedoch stach immer ein junger Mann ganz besonders stark hervor. Diese eine widerspenstige Strähne und diese blauen Augen, die durch Brillengläser wie Edelsteine glitzerten, wollten einfach nicht aus seinem Kopf gehen! Er kannte diesen Typen nicht und doch träumte er jede Nacht komische Dinge, bei denen dieser eine Mann immer wieder vorkam. Es machte ihn verrückt! Woher kam dieses Hirngespinst? Hatte sein rumänischer Kumpel schon wieder irgendwelche sadistischen Rituale durchgeführt, während er für einen Monat bei ihm übernachtete? Diese eine Frage poppte täglich in seinem Gedächtnis auf und kreiste wie ein Planet des Sonnensystems um einen Punkt herum. Aber warum beschäftigte ihn dieses eine Mysterium so sehr? Es war doch nichts weiter als ein Haufen Déjà-rêvés...

Darauf wartend, dass der Zug endlich losfuhr, beobachtete der Engländer die Leute in der 'Nachbars-Tube'. Einige Kinder waren dabei, die auf dem Schoß ihrer Mütter oder Väter saßen und gespannt aus dem Fenster starrten. Oftmals konnte man sie gerade nur bis zur Nasenspitze erkennen. Sein Blick schweifte ab und scannte den Rest der Bahn. Es waren viele Touristen unterwegs, einige Inländer und Schulklassen, sogar eine Hand voll Cosplayer versteckte sich im letzten Eck des Mittelwagens und zeigten sich gegenseitig Fotos auf ihren Handys. Der blonde Engländer wollte sich gerade wieder umdrehen, um nachzuchecken, welches die nächste Haltestelle war, als er plötzlich seine gesamte Aufmerksamkeit auf einen einzelnen Punkt bündelte und wie gelähmt an Ort und Stelle stehen blieb.

Dieser dunkelblonde Haarschopf und dieses himmelblaue Augenpaar, welches verloren auf den hell scheinenden Smartphonedisplay schaute...er erkannte es sofort. Ohne zu wissen, was gerade abging, begann sein Herz wild zu hämmern und längst verlorene Erinnerungen blühten auf. Der junge Mann, welcher gerade mal zwei Glasplatten von ihm entfernt in der parallelen Bahn saß, schaute auf einmal von seinem Handy auf, als hätte er bemerkt, beobachtet zu werden. Und dann...
Dann trafen beide Farben - grün sowie blau - aufeinander und eine Welle, nein, ein Tsunami von längst vergessenen Gefühlen wurde freigesetzt, die beide wie ein Schlag ins Gesicht traf.
Sie mussten sich kennen! Diese Verbundenheit, die beide in diesem einen Augenblick spürten konnte kein Zufall mehr sein. Dieser eine rote Faden des Schicksals...er musste sie hierher geführt haben.

Wortlos kam ihnen der Name des jeweils anderen in den Sinn und keine Sekunde später brach für sie das blanke Chaos aus. Sie mussten aus ihren Tubes, raus aus dem Underground. Sie mussten unbedingt erfahren, wer der jeweils andere war und warum sie sich so bekannt vorkamen. Zeitgleich legten sie jeweils eine Hand vorsichtig auf die Glasscheiben, die sie voneinander trennten und obwohl es nicht möglich sein sollte, konnten sie eine familiäre Wärme an ihren Fingerspitzen spüren. Doch kaum hatten sie realisiert, was diese Begebenheit eigentlich bedeutete, setzten sich beide Züge in Bewegung und die Wärme wandelte sich in wieder Kälte. Die Fülle in ihren Herzen verschwand und ab diesen Zeitpunkt wussten sie, dass sie sich sofort wiedersehen mussten.

Der Engländer kämpfte sich durch die Masse von Leuten und ignorierte gezielt ihre Beschwerden. Er musste hier raus und diesen vermeintlich Unbekannten finden. Das Staffelfinale war ihm nun egal geworden, er musste erfahren, wer dieser Jemand war, zu dem er diese Verbundenheit empfand. Bei der nächsten Station angekommen stürmte er hinaus und flüchtete an die im Sonnenuntergang getauchte Oberfläche. Er rannte und rannte wohin sein Herz ihn führte. Der Boden unter seinen Füßen klackte bei jedem seiner schellen Schritte wie der Takt von hölzernen Claves im Musikunterricht. Er rannte um die linke Ecke, er rannte gerade aus und bog rechts auf die Hauptstraße ab. Die verwunderten Blicke der anderen prasselten an ihm ab wie Wasser, denn das Einzige, was nun zählte, war es diesen Mann zu finden. Er wusste nicht wie lange er schon durch diese riesige Stadt flitzte und kein Anzeichen von der gesuchten Person fand. Die Sonne verschwand allmählich am Horizont und ein Zweifel, ihn heute noch zu finden, breitete sich in ihm aus. Was wenn er ihn nie wieder sah? Was wenn er lediglich ein Produkt seiner lebendigen Fantasie sei? Nein, das konnte nicht sein. Sein verdammtes Herz stäubte sich dagegen, die Hoffnung aufzugeben und er suchte weiter. Sein Weg führte ihn in einen kleinen Park am Stadtrand, welchen er auch mit reduzierter Geschwindigkeit auch betrat. Verwunderlich war einzig und allein die geringe Anzahl an weiteren Menschen. Mit dem Wind im Rücken und dem Gefühl auf einmal Flügel zu besitzen kam er an einer Lichtung an. Seine Beine schmerzten bereits vom vielen Rennen und er entschloss sich auf die alte Parkbank zu sitzen. Mit den Fingerspitzen zog er den Verlauf des morschen Holzes nach und richtete seinen Blick in den Himmel hinaus. Es war bereits spät...Ob er noch weiter suchen sollte?

Ein Knirschen von weggescherten Kieselsteinen in der Ferne wurde immer lauter und der Blonde fragte sich, wer es außer ihm um diese Uhrzeit noch so eilig hatte. Er schnellte seinen Kopf in die Richtung des Geräuschs und erkannte einen joggenden Typen, der anscheinend vor ein paar Minuten bei McDonalds eingekauft hatte, da eine dieser Mitnehm-Tüten unter seinem linken Arm herausragte. Was für eine Ironie, dachte der Engländer und rollte mit den Augen. Doch als der McDonalds Kunde sich ihm näherte traute er seinen Augen nicht. Es konnte doch nicht...oder doch?
Es war der der junge Mann von der U-Bahn und er rannte direkt auf ihn zu.
Seine Schritte wurden zunehmend langsamer und als er den Engländer schließlich erreichte, musterte er ihn aufs Genaueste.
Der Engländer spürte wie er errötete und das Adrenalin durch seine Adern schoss.

Perplex blinzelte der Amerikaner den Grünäugigen an und auch auf seine Wangen legte sich ein rosaroter Schein.
"Ähm..Hi! Kann es sein, dass wir uns irgendwo her kennen? Du kamst mir da in dem U-Bahndingens so bekannt vor..." Verlegen kratzte er sich am Hinterkopf und wartete auf eine Antwort.
"Ich weiß nicht. Aber vielleicht von...", der Engländer stockte und seine Augen weiteten sich.
Endlich verstand er! Er war es, dieser Amerikaner!
Blitzschnell erhob sich der Kleinere von der Bank und packte sein Gegenüber an den Handgelenken.
"A-Alfred? Heißt du zufälligerweise Alfred F. Jones?!", brüllte der Engländer in einer ihm unbekannten Lautstärke und der Amerikaner lächelte breit.
"Ja, der bin ich! Der Eine und Einzige!"
Er machte eine Pause.
"Und bist du...Arthur?"
Die Sonne leuchtete auf einmal hell auf.
Er nickte und Alfred lachte breit.
"Ich hab's dir doch gesagt! Wir werden uns wiedersehen! Und du wolltest mir damals nicht glauben!"
Arthur verschränkte die Arme vor der Brust und schmollte
"Woher sollte ich denn wissen, dass sich deine Versprechen auch befürworten, hm?"

"Ganz einfach!", Alfred zwängte den Kleineren in eine Umarmung, "Indem du mir einfach mal etwas zutraust!"
Arthur brummte. "Nach all den Jahren scheinst du dich nicht verändert zu haben..."
"Genau so wenig wie du, du Brummbär!"
Alfred kicherte und Arthur ließ sich anstecken. Die warme Abendsonne schickte ihnen noch ein paar Sonnenstrahlen, ehe sie hinter dem Horizont verschwand und Platz für die Sterne machte.
"Ich hab dich vermisst, Iggy", seufzte Alfred etwas müde und drückte Arthur enger an sich, der daraufhin so rot wie eine Tomate wurde.
"Ja, ich dich auch, aber das ist keine Entschuldigung dafür, mich zu erwürgen!"
Arthur sah den ehemaligen Dämon trotz seiner Röte ernst an, verfiel aber keine Sekunde später mit Alfred in einen Lachflash. All die Jahre lang hatten beide darauf gewartet, sich wiederzusehen. Diese vielen Jahre der Einsamkeit waren nun vorbei und ein neues Kapitel ihrer eigenen Geschichte eröffnete sich ihnen.
Diesesmal würden sie ihre Geschichte durch und durch selbst entscheiden. Niemand würde es auch nur wagen ihnen dazuwischen zu funken.
Sie wollten nie wieder den gleichen Verlust machen, sie wollten in diesem kurzen Leben einfach Mensch sein. Und füreinander da sein, wie sie es sich schon vor hunderten von Jahren geschworen hatten....

Denn sie waren da, um die Sterne neu zu schreiben....

Ende

○•○•○•○•○•○•○•○•○•○•○•○•○•○•○•○•○•○•○

Puh...das ist mit Abstand der längste OS, den ich jemals geschrieben habe...und dabei ist es mein erster zu einem Hetalia Ship!

Dieser OS wurde von einer Animation von Gremblim inspiriert, hier ist der Link:
https://www.youtube.com/watch?v=o5kZpDpx6BA

Na dann...

~9655 Wörter
Hasta la pasta(=ヮ=)೨
Over and out
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