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Die Frau im Pool

GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Het
Kate Beckett OC (Own Character) Richard Castle
25.06.2019
03.08.2019
14
31.877
10
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01.07.2019 1.884
 
„Nehmen Sie Platz“, bat Rick, als sie die geräumige Küche betraten.
Sie schaute sich um, während sie sich setzte und ihre Beine von sich streckte. „Gemütlich haben Sie es hier.“
Rick nickte. „Es mag Sie erstaunen, aber wir essen oft in der Küche.“
„Ein wenig erstaunt es mich schon“, gab Kate zu. „Aber ich würde es sicherlich auch so machen.“
Rick hatte inzwischen einen Latte Macchiatto zubereitet und stellte ihn vor Kate hin. „Ich habe Sie gar nicht gefragt, ob Sie vielleicht lieber einen normalen Kaffee haben möchten. Immerhin hatte ich Ihnen den angeboten.“
Kate winkte ab. „Mit einem Latte Macchiatto können Sie nie etwas falsch machen, Rick. Vielen Dank.“
Rick lächelte zufrieden. „Vielleicht noch ein paar Kekse? Keine Sorge … die habe ich gebacken, nicht Mutter. Ihre Zähne sind also sicher.“
Kate lachte. „Wenn das so ist … gerne.“
Schnell holte er die Dose aus dem Schrank, dann setzte er sich zu Kate. Einen Moment hingen beide ihren Gedanken nach, bis Rick einmal tief durchatmete.
„Ich kenne sie nicht, Kate. Die Tote meine ich. Das schwöre ich.“ Irgendwie verspürte Rick das Bedürfnis, dies klarzustellen.
Erstaunt schaute sie ihren Partner an. „Davon bin ich ausgegangen, außerdem sind Sie mir keine Rechenschaft schuldig.“
„Doch, irgendwie bin ich das. Ich möchte einfach, dass Sie wissen, dass ich das Wochenende hier alleine verbringen wollte.“
Beinahe hätte sich Kate versprochen und ihm gesagt, dass sie das bereits von seiner Mutter erfahren hatte. „Wie gesagt … das geht mich nichts an.“
„Ich wollte nachdenken. Da gibt es so viel, was mir im Kopf rumschwirrt“, erklärte Rick weiter, als hätte er Kates Einwand nicht gehört. „Aber Sie werden mir wohl nicht glauben. Sie wissen ja nicht …“
„Was weiß ich nicht?“, hakte Kate nach, weil Rick schwieg.
Er winkte ab. „Egal.“
Kate hätte am liebsten mit dem Fuß aufgestampft und Rick angebrüllt, er soll endlich den Mund aufmachen und sagen, was er für sie fühlt. Da das allerdings so gar nicht ihrem Naturell entsprach, und sie auch nicht über ihren Schatten springen konnte, schwieg sie und stand stattdessen auf. „Ich werde jetzt am Besten wieder fahren.“
Alles in Rick verlangte danach, sie anzuflehen, nicht zu gehen. Er tat es nicht. „Es war nett, dass Sie gekommen sind, Kate.“ Er räusperte sich. „Es tat gut, jemand Vertrautes um sich zu haben. Eine Leiche findet man ja nicht alle Tage in seinem Pool.“
„Wäre auch sonst ziemlich verdächtig“, erwiderte Kate augenzwinkernd.
„Allerdings.“ Rick überlegte krampfhaft, was er tun oder sagen könnte, um Kate daran zu hindern, schon abzufahren.
Irgendwie hoffte er auf eine Art Wunder, die ihre Abfahrt für einen längeren Zeitraum verhindern würde. Für den Anfang fiel ihm nur eines ein. „Hätten Sie vielleicht Lust auf eine Führung durch das Haus? Ich meine, wo Sie schon mal da sind.“
Kate durchschaute seinen Plan natürlich, wusste aber auch, dass es weniger mit ihr, als mehr mit dem zu tun hatte, was geschehen war. Er wollte nicht alleine sein. Sie konnte es ihm nicht verdenken und hatte auch gar nichts dagegen einzuwenden, noch etwas zu bleiben. Neugierig war sie außerdem. Bisher hatte sie schließlich nur den Wohnbereich und die Küche gesehen.
„Gerne“, nickte sie daher. „Zugegebenermaßen erschien es mir beim Betreten ziemlich ungemütlich, aber was ich bisher gesehen habe, korrigiert diesen Eindruck. Nun bin ich natürlich auf den Rest gespannt.“
„Dann los.“

Rick schien zu befürchten, sie könne es sich überlegen .. und offenbar auch den Moment, an dem sie sein Haus verlassen würde, denn er dehnte die Hausbesichtigung aus, so gut es ging. Was im Klartext bedeutete, er zeigte Kate wirklich jeden Winkel des Hauses. Selbst den Geräteschuppen ließ er nicht aus … es war eine amüsante Führung, in der Rick kleine familiäre Anekdoten zum Besten gab. Als Letztes kamen sie zum Pool, wo man sofort erkennen konnte, dass hier ein Verbrechen stattgefunden haben musste.
„Die Spurensicherung hat ordentliche Arbeit geleistet“, murmelte Kate gedankenvoll, während sie die gepuderten Fußspuren, Finger- und Handabdrücke betrachtete. Ob darunter allerdings etwas Brauchbares zu finden sein würde, bezweifelte sie irgendwie.
„Ob ich hier je wieder unbeschwert schwimmen werde?“, fragte Rick leise.
„Sobald alles gereinigt ist, wird äußerlich nichts mehr an das Verbrechen erinnern“, erwiderte Kate.
„Aber was ist mit der Erinnerung in meinem Kopf? Die lässt ich nicht so einfach wegreinigen.“
„Nein, aber durch die schönen Erinnerungen ersetzen, die Sie haben … und nach und nach durch weitere.“
„Wenn das so einfach wäre“, seufzte Rick und atmete durch. „Ich werde gleich das Wasser ablassen und alles sauber machen. Das kann ich niemanden sonst zumuten.“
Kate schaute auf die Uhr und bevor sie groß nachdenken konnte, hörte sie sich schon sagen. „Okay, dann her mit Putzlappen und Wassereimer. Ich werde Ihnen helfen.“
„Sie wollen mir helfen?“, wiederholte Rick völlig erstaunt. „Wirklich?“
„Nun tun Sie nicht so überrascht“, erwiderte Kate. „Eigentlich müssten Sie mich inzwischen gut genug kennen, um zu wissen, dass ich nichts sage, was ich nicht auch so meine.“
Rick nickte ein wenig beschämt. Natürlich wusste er das. „Tut mir leid. Dann werde ich mal eben das Putzzeug holen.“
„Machen Sie das.“ Während Rick ins Haus eilte, schaute Kate sich etwas genauer um. Es war wirklich schön, hier konnte man es aushalten. In der Sonne brutzeln, sich im Pool abkühlen. Der perfekte Ort, um das Wochenende zu genießen, wenn die Arbeitswoche wieder einmal stressig gewesen war. Kate seufzte verhalten. Soweit würde es nie kommen.
„Da bin ich wieder“, rief Rick und stelle die Putzutensilien auf den Tisch und den Boden. Ein wenig ratlos schaute er sich um. „Wo soll man da anfangen?“
„Wir arbeiten uns von hinten nach vorne, das heißt, kümmern Sie sich erst einmal um das Wasser.“ Sie musterte den Pool. „Das wird sicher eine Weile dauern, bis er komplett abgelassen ist.“
„Eine Stunde etwa“, meinte Rick. „Er ist nicht ganz voll.“
„Gut, wenn wir hier oben fertig sind, machen wir anschließend direkt im Pool weiter und dann können Sie ihn schon bald wieder benutzen, als wäre nichts passiert.“ Natürlich war Kate klar, dass das so einfach für Rick nicht sein würde, aber sie wollte einfach nicht, dass er so traurig war.
Er schaute skeptisch, nickte aber und dann machten sie sich an die Arbeit. Sie schwiegen dabei, das gewahrte der Anstand. Immerhin war hier eine junge Frau gestorben, wobei das noch nicht wirklich feststand. Vielleicht war sie auch bereits tot gewesen, als man sie in den Pool warf. So oder so … weder Kate noch Rick war jetzt nach Small Talk.

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„Das wäre geschafft“, meinte Rick, schaute auf die Uhr und bekam einen Schreck. Durch die helle Beleuchtung auf der Terrasse war ihm gar nicht aufgefallen, wie spät es bereits war. „Fast Mitternacht. So lange wollte ich Sie wirklich nicht aufhalten, Kate. Es tut mir leid. Ihr … Freund wird sich bestimmt Sorgen machen.“
„Er weiß, dass ich auf mich aufpassen kann. Außerdem habe ich ihm gesagt, dass ich nicht weiß, wann ich komme.“ Kate staunte selbst, wie gut ihr diese Lüge über die Lippen kam. „Immerhin hatte ich keine Ahnung, was mich hier erwartete.“
„Mit einer Leiche und einer großen Putzaktion haben Sie sicherlich nicht gerechnet.“
„Nein“, erwiderte Kate. „Wirklich nicht.“
„Es tut …“
„Sagen Sie nicht schon wieder, es tut Ihnen leid“; unterbrach Kate ihn warnend. „Für die Leiche können Sie nichts und Ihnen beim Saubermachen zu helfen, war meine Idee und habe es gerne getan. Allerdings wird es nun wirklich Zeit, dass ich fahre.“
Rick schüttelte den Kopf. „Das kann ich nicht zulassen.“
Kate zog eine Augenbraue hoch. „Wie bitte?“
„Sie sind wann heute Morgen aufgestanden … halb sieben?“ Kate nickte, das war ihre normale Aufstehzeit in der Woche. „Sie haben einen harten Arbeitstag, eine zweistündige Fahrt hierher und dann noch einen Putzmarathon hinter sich. Sie müssen völlig erschöpft sein, auch wenn Sie es vermutlich nicht zugeben werden. Das ist aber auch egal. Ich lasse Sie jetzt nicht mehr fahren. Selbst wenn es nur hundert Meter wären. Und ein Taxi bekommen zu wollen, können Sie vergessen. Die sind hier Mangelware.“
„Die Schönen und Reichen verschmähen die einfachen Taxis“, vermutete Kate. „Sie haben ihre Limousine samt Chauffeur.“
„Sie haben es erfasst“, nickte Rick. „Wie auch immer. Wir haben genug Gästezimmer. Morgen früh mache ich Ihnen noch ein gutes Frühstück und dann können Sie zu Ihrem … Freund.“ Rick dachte kurz nach. „Oder könnte er Sie jetzt noch abholen?“ Er würde den Typen zu gerne kennenlernen.
Kate, die der Gedanke, hier zu schlafen ein wenig nervös machte, schüttelte aber immerhin geistesgegenwärtig den Kopf und erwiderte. „Er wird sicher etwas getrunken haben, wir waren bei Freunden eingeladen.“
„Und Sie sind stattdessen hier“, seufzte Rick. „Ich verkneife mir zu sagen, dass es mir leidtut, bestehe aber nun erst recht darauf, dass Sie hier übernachten.“
Kate wollte protestieren, merkte aber, dass sie wirklich sehr müde war. Sich jetzt noch hinters Lenkrad zu setzen, wäre unverantwortlich, zumal sie eine längere Fahrt vor sich hätte, als Rick vermutete. Nun, eigentlich auch nicht. Sie hätte durchaus bei Simon übernachten können. Das wäre eine Fahrt von vielleicht fünfzehn Minuten gewesen und sie war bei ihm jederzeit willkommen. Anderseits reizte es sie schon, die Nacht hier zu verbringen. Nicht, dass sie sich davon etwas versprechen würde. Trotzdem …
„In Ordnung. Ich bleibe.“
„Gut, dann zeige ich Ihnen jetzt das Gästezimmer.“ Er wollte Richtung Treppe, als ihm noch etwas einfiel. „Ich bin ein wirklich schlechter Gastgeber“, seufzte er. „Sie haben Stunden hier geackert und ich erkundige mich nicht mal danach, ob Sie vielleicht Hunger haben. Ich könnte uns schnell eine Kleinigkeit zubereiten.“ Erwartungsvoll schaute er Kate an, aber diese schüttelte den Kopf.
„Danke, aber das ist nicht nötig. Ich freue mich einfach nur aufs Bett, Hunger habe ich überhaupt keinen.“
„Ich auch nicht“, gestand Rick.
Die beiden gingen nach oben, wo sich neben den Schlafzimmern auch die Gästezimmer, mit eigenem Badezimmer, befanden und Rick führte sie zu dem Zimmer, bei dessen Anblick sie bei der Besichtigung spontan <oh, ist das schön> gerufen hatte.
„Handtücher, Zahnbürste und Zahncreme finden Sie im Bad.“
„Danke Rick. Hier werde ich bestimmt wie ein Murmeltier schlafen.“
„Mein Stichwort … ich wünsche Ihnen eine gute Nacht, Kate. Träumen Sie was Schönes.“
„Sie auch und Rick … denken Sie nicht mehr an das, was hier geschehen ist, okay?“
Er lächelte leicht, nur seine Augen blieben ernst. „Ich werde mich bemühen.“

Nur ein paar Minuten, nachdem Rick gegangen war … Kate wollte gerade ins Bad … klopfte es an der Tür.
„Herein“, rief Kate verwundert.
Rick trat ein und schwenkte etwas in der Hand. „Mir fiel ein, dass Sie ja gar kein Nachtzeug dabei haben. Die Sachen von Alexis werden ihnen nicht passen und die von Mutter will ich Ihnen nicht antun, daher habe ich ein Shirt von mir mitgebracht. Sicherlich etwas groß, dafür aber bequem.“ Er legte es auf das Bett, wünschte ihr noch einmal eine gute Nacht und dann war sie endgültig alleine.

Sie nahm das Shirt hoch, zog Ricks Duft ein und fragte sich, wie sie darin schlafen sollte. Sie fürchtete, dass sich ihre Gedanken selbstständig machen, sobald sie im Bett lag … der weiche Stoff würde ihre Haut berühren und Ricks Geruch sie umgeben, als wäre er persönlich hier. So schnell, als hätte sie sich verbrannt, ließ Kate das Shirt wieder fallen und eilte ins Badezimmer. Eine kalte Dusche war jetzt genau das Richtige.

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Kate bleibt ;-) Wenn auch nur für eine Nacht. Aber immerhin.

Ob das Kapitel am Donnerstag pünktlich kommt oder  früher/später kann ich noch nicht sagen.
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