Die Frau im Pool

GeschichteKrimi, Romanze / P16
Kate Beckett OC (Own Character) Richard Castle
25.06.2019
03.08.2019
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28.06.2019 2.232
 
Während der Heimfahrt überlegte Kate angestrengt, was sie nun tun sollte. Am besten Ricks Abwesenheit als Zeichen sehen und das Ganze auf sich beruhen lassen. Es war sowieso eine totale Schnapsidee gewesen, zum Loft zu fahren. Martha würde ihm sicherlich von ihrem Besuch erzählen und wie sollte sie das dann erklären? Immerhin gab es überhaupt keine Akte, die er hatte einsehen wollen.

Kate stöhnte auf. „Da hast du dir ja selbst ein ganz schönes Ei ins Nest gelegt, Katherine Beckett.“
Für den Rest der Fahrt versuchte sie sich auf den Verkehr zu konzentrieren, nachdem sie beinahe ihrem Vordermann draufgefahren wäre, weil sie übersehen hatte, dass die Ampel auf Rot umsprang.

Mit einem erleichterten „Uff“, hielt Kate schließlich vor ihrem Haus. Mit der Konzentration hatte es nicht ganz so geklappt wie gewünscht, weswegen es schon an ein Wunder grenzte, dass sie es unbeschadet bis hierher geschafft hatte. „Mehr Glück als Verstand“, murmelte die junge Frau, während sie ihren Wagen abschloss, das Haus betrat und mal wieder die Treppenstufen erklomm, weil am Fahrstuhl ein <Außer Betrieb> Schild hing. Bereits zum vierten Mal in diesem Monat und der war erst zur Hälfte rum.

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Wie immer, wenn sie von der Arbeit nach Hause kam, hatte Kate sich erst einmal umgezogen und ließ sich nun, tief durchatmend, auf ihre Couch fallen. Das Wochenende konnte beginnen. Sie hatte einiges auf der Agenda … mal wieder joggen gehen, Hausputz … das Frühjahr war schon fast vorbei … und dann noch ein wenig faulenzen. Eines wollte sie aber auf keinen Fall tun … an Rick Castle denken. Sie atmete tief durch. Das würde schwer werden. Also am Besten nicht lange hier rumsitzen und grübeln, sondern mit der Arbeit beginnen. Auch wenn sie sich um halb fünf an einem Freitagnachmittag eigentlich Schöneres vorstellen konnte, als den Putzlappen zu schwingen, aber dabei würde sie wenigstens auf andere Gedanken kommen.

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Gegen achtzehn Uhr war das Wohnzimmer so sauber, dass man vom Boden hätte essen können und Kate entsprechend erschöpft. Und frustriert. Denn sie hatte trotzdem immer an Rick denken müssen.
Kate starrte genervt auf seine Bücher, die fein säuberlich in ihrem Regal standen. Natürlich alle gelesen. Manche sogar mehrmals. Und eines war klar … wenn sie etwas von ihrem Wochenende haben wollte, müsste sie diesen Kerl aus ihrem Kopf rausbekommen. Eine Gehirnwäsche wäre jetzt genau das Richtige, doch die gab es ja leider in keinem Geschäft zu kaufen.
„Es hilft nichts“, murmelte Kate, stand auf und warf den Büchern einen weiteren Blick zu, der diesmal durchaus dazu geeignet wäre, die Lektüre zu Asche zerbröseln zu lassen, würde sie über ein solches Talent verfügen, bevor sie in ihr Badezimmer verschwand, um zu duschen. Verschwitzt, wie sie vom Putzen war, konnte sie ihre Mission nicht beginnen.

Keine dreißig Minuten später startete sie den Motor ihres Wagens und steuerte ihn durch New Yorks Häuserschluchten Richtung Hamptons. Rick hatte ihr irgendwann mal die Adresse genannt und die war seltsamerweise in ihrem Gedächtnis haften geblieben, obwohl es sie zu der damaligen Zeit überhaupt nicht interessiert hatte. Die Fahrzeit von zwei Stunden wollte sie nutzen, um sich einen Plan zu überlegen. Einen Grund, warum sie bei Rick auftauchte. Und einen Plan B, falls er nicht allein sein sollte.

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Kate war keine halbe Stunde mehr von ihrem Ziel entfernt und je näher sie den Hamptons kam, je mehr fragte sie sich, was sie hier eigentlich tat. Und ein Plan, wie sie Rick ihr auftauchen erklären konnte, war ihr auch noch nicht eingefallen.
So beschloss sie bei der nächsten Gelegenheit den Wagen zu wenden und wieder nach Hause zu fahren, als plötzlich ihr Handy klingelte. Sie hatte es vor der Fahrt in die entsprechende Halterung gesteckt, konnte daher einen Blick auf das Display riskieren … und wäre fast gegen ein Straßenschild gefahren, welchem sie verdächtig nahekam, da sie vor Schreck das Lenkrad etwas verriss. Rick?? Was wollte der denn von ihr? Martha wird ihn doch nicht bereits über ihr Auftauchen informiert haben. Das hätte ihr gerade noch gefehlt.
Kate atmete kurz durch, bevor sie das Gespräch per Freisprecheinrichtung entgegennahm.
„Beckett“, meldete sie sich professionell.
„Gott sei Dank, ich hatte schon befürchtet, Sie nicht zu erwischen“, erklang Ricks aufgeregte Stimme, sodass Kate sich sofort Sorgen machte.
„Was ist los, Castle? Ist etwas mit Martha oder Alexis?“
„Nein nein, den beiden geht es gut“, erwiderte Rick. „Könnten Sie bitte zu mir kommen? Schnell? Ich bin in den Hamptons.“
Kate war über diese Bitte so verwirrt, dass sie erst einmal nichts sagte und zudem auch noch falsch abbog. Mit einem nicht hörbaren Seufzer fuhr sie in eine Einfahrt, um den Wagen zu wenden.
„Kate?“
„Äh ja, Entschuldigung. Worum geht es denn?“
„Das möchte ich am Telefon nicht sagen. Kommen Sie?“, flehte er.
Lange überlegen musste sie nicht. Er brauchte offenbar ihre Hilfe, da gab es nur eine Antwort. „In Ordnung, ich komme.“
Rick atmete erleichtert durch. „Danke Kate! Bis dann.“
Bevor sie etwas erwidern konnte, hatte er bereits aufgelegt.
„Sehr seltsam“, murmelte Kate und drückte etwas aufs Gas, weil die Neugierde sie vorantrieb. Vergessen war der eigentliche Grund, weswegen sie zu Rick unterwegs war.

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Als sie gegen zwanzig Uhr dreißig auf das Grundstück fuhr, war Kate von der Größe des Hauses so überrascht … vielleicht auch geschockt … das ihr der Polizei- und Leichenwagen, die in der Auffahrt standen, erst auf dem zweiten Blick auffielen. Der Anblick war ihr vertraut, nur vor dem Haus von Castle hätte sie ihn nie erwartet.

Kate parkte und eilte zum Haus, wo sie dem vor der Tür stehenden Beamten ihren Dienstausweis, welchen sie auch an freien Tagen immer bei sich trug, zeigte und sofort reingelassen wurde.
„Donnerwetter“, entfuhr ihr, als sie das Haus betrat. Hier sollte man sich wohlfühlen können? Ihr erschien es wie ein Palast und die waren bekanntlich wenig heimelig. „Na ja, jedem das Seine.“ Sie schaute sich ein wenig um, während sie den Flur entlangging und plötzlich in einem großen Raum stand, offenbar das Wohnzimmer. Das sah allerdings ganz gemütlich aus.
„Gott, bin ich froh, dass Sie da sind!“, rief Rick und eilte auf sie zu. Dann stutzte er. „Wieso ging das denn so schnell?“
„Ich war bei einem Freund, bei dem ich das Wochenende verbringen wollte“, erklärte Kate, erleichtert darüber diese Antwort sofort parat gehabt zu haben. „Genaugenommen kam ich gerade vom Einkaufen, als ihr Anruf kam. Ich habe die Sachen schnell abgeliefert und mich sofort wieder auf den Weg gemacht.“ Eigentlich hatte sie was dagegen, zu lügen, aber die Wahrheit wollte und konnte sie ihm nicht sagen. Irgendwann würde er von Martha sowieso erfahren, dass sie bei ihm zu Hause gewesen war und sich dann vermutlich eins und eins zusammenreimen. An diese Peinlichkeit wollte sie lieber noch nicht denken.
„Oh, okay.“ Rick platzte vor Neugierde, wer diese ominöse Freund war, doch im Moment war nicht die richtige Zeit, sich dieser Frage zu stellen.
„Was ist hier los, Rick?“, wollte Kate wissen.
Er räusperte sich. „In meinem Pool treibt eine weibliche Leiche.“
„Eine … Wie bitte?“ Kate schaute ihren Partner sprachlos an. „Was ist passiert?“
„Ich hab keine Ahnung. Als ich …“
„Wer sind Sie?", wurde Kate, wenig freundlich, von einem Mann angefahren, der gerade von der Terrasse ins Haus kam. „Dies ist ein Tatort, Sie haben hier nichts verloren. Wer hat Sie überhaupt reingelassen?“
Kate warf Rick einen Blick zu, den er mit einem leichten Grinsen erwiderte. Oh ja, er kannte seine Partnerin und freute sich … trotz der wirklich unerfreulichen Umstände … auf ihre Reaktion.
„Kate Beckett. Das habe ich soeben erfahren. Doch, das denke ich schon. Der Kollege vor der Tür.“
Der Typ vor ihr war für einen Moment perplex, dann erwiderte er. „Den nehme ich mir vor.“
„Das würde ein schlechtes Bild auf Sie werfen, wer auch immer Sie sind … er hat alles richtig gemacht.“
„Ich bin Chief David Brady, Ms. Beckett. Und ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber würden Sie das Haus bitte wieder verlassen?“
„Nein, werde ich nicht. Erstens sind Mr. Castle und ich befreundet. Zweitens arbeiten wir zusammen und drittens, das hätte ich doch fast vergessen zu erwähnen …“ Sie zückte zum zweiten Mal innerhalb weniger Minuten ihren Dienstausweis „… bin ich Detective beim NYPD.“
Chief Brady stutzte kurz. „Okay, aber Sie sind hier nicht zuständig.“ Das klang ein wenig bockig, als hätte er Angst, sie könnte ihm seinen Fall streitig machen. Davon war Kate allerdings weit entfernt.
„Ich habe nicht vor, Ihre Arbeit zu erledigen“, entgegnete Kate mit einer gewissen Schärfe. „Rausschmeißen lasse ich mich dennoch nicht. Ich bin auf Wunsch von Mr. Castle hier.“ Mit funkelnden Augen schaute Kate ihr Gegenüber an. „Irgendwelche Einwände?“
Rick hatte diesen Disput interessiert verfolgt. Dass der Chief gegen Kate nicht ankommen würde, war ihm von vornherein klar. Aber vielleicht war es auch nicht fair gewesen, Kate anzurufen, ohne vorher mit ihm zu sprechen.
„Ich …“, fing Rick an, um die Schuld für diese Auseinandersetzung auf sich zu nehmen, wurde aber vom Chief unterbrochen, der den Kopf schüttelte und seufzte. Nun sah er nicht mehr so überheblich, sondern ziemlich sympathisch aus, wie Kate fand. Und reumütig.
„Nein, natürlich nicht. Ich muss mich entschuldigen, Detective. Normalerweise bin ich nicht so unhöflich. Bevor ich reingekommen bin, war es einem Journalisten gelungen, auf das Grundstück zu kommen, obwohl ich meine Leute angewiesen hatte, aufzupassen, damit dies nicht passiert. Dann war der Typ auch noch so dreist zu behaupten, es sei seine Bürgerpflicht, sich alles genau anzuschauen, um detailliert darüber berichten zu können. Da er nicht freiwillig gehen wollte, wurde er in Gewahrsam genommen.“ Der Chief seufzte erneut. „Meinen Ärger darüber habe ich an Ihnen ausgelassen. Das tut mir wirklich sehr leid.“
Da Kate selbst schon entsprechende Erfahrungen mit Journalisten gemacht hatte … und das bereits, bevor der bekannte Rick Castle in ihr Leben getreten war … fiel es ihr leicht, seine Entschuldigung anzunehmen.
„In Ordnung, verbuchen wir es einfach als schlechten Start und vergessen das Ganze. Auch wenn ich nicht ermittle, interessiert es mich natürlich, was hier passiert ist.“
„Mich auch“, erwiderte Chief Brady. „Bisher kam ich noch nicht dazu, mit Mister Castle zu sprechen.“
Nun, entweder war der gute Mann etwas überfordert oder er hatte einfach nicht genügend Leute und musste sich um vieles selbst kümmern.
Kate schaute zu dem Schriftsteller. „Rick?“
„Keine Ahnung. Gegen halb sieben kam ich hier an, habe die mitgebrachten Lebensmittel ausgepackt und überlegte, ob ich gleich in den Pool springe oder das für später aufhebe und erst einmal dusche. Da ich unterwegs eine Weile im Stau stand … und das in der prallen Sonne … entschloss ich mich zunächst für die Dusche.“
„Aber warum? Sie hätten sich auch im Pool erfrischen können“, erkundigte sich Kate.
Rick nickte. „Eigentlich schon, natürlich. Allerdings war es gestern Abend ziemlich stürmisch und manchmal wehen kleine Äste oder Schmutz in den Pool.“ Er seufzte zerknirscht. „Die Poolplane ist nämlich kaputt und ich habe es bisher schlicht vergessen, eine Neue zu besorgen. Jedenfalls fühlte ich mich in meinen verschwitzten Klamotten einfach nicht mehr wohl. Der Gedanke, den Pool erst reinigen zu müssen, bevor ich reinspringen kann, war nicht sehr verlockend. Nachzuschauen, ob er wirklich verschmutzt war ist mir gar nicht in den Sinn gekommen. Ich wollte einfach schnell duschen und mich dann um den Pool kümmern.“
„Dabei wären Sie natürlich wieder ins Schwitzen gekommen, hätten dann aber direkt reinspringen können.“
Rick nickte erneut. „Genau.“ Er sah an sich herunter. „Das erklärt auch meinen Aufzug.“
Rick trug einen Bademantel, und wie Kate nun vermutete, eine Badehose darunter. Natürlich war ihr seine etwas spärliche Bekleidung schon aufgefallen, als sie gekommen war, nur hatte sie da keine Zeit über das darunter nachzudenken. Das sah jetzt anders aus. Ihr wurde heiß.
„Und die Leiche entdeckten Sie schließlich, als sie den Pool kontrollieren wollten?“, erkundigte sich Chief Brady.
„Richtig. Sie lag mit dem Gesicht nach unten im Wasser. Ich rief sofort die Polizei, und weil offensichtlich war, dass sie nicht mehr lebte und um keine Spuren zu verwischen, habe ich sie im Pool gelassen.“ Seine Hände zitterten, als er sich die Haare zurückstrich. „Das war nicht leicht. Ich wollte ihr so gerne helfen.“
Rick hatte schon viele Leichen gesehen, seit er Kate begleitete, aber sie im eigenen Pool zu finden, war dann doch um ein Vielfaches anders. Schlimmer.
Kate wandte sich an den Chief. „Haben Sie bereits eine Ahnung, wer sie ist?“
„Nein, es wurden keine Papiere bei ihr gefunden.“
Ein junger Officer steckte den Kopf zur Tür herein. „Chief, wir wären dann soweit. Die Spuren sind gesichert, der Leichnam kann abtransportiert werden.“
„Okay, ich komme.“ Er wandte sich an Kate. „Trotz der Umstände hat es mich gefreut, Sie kennenzulernen, Detective Beckett und hoffe, Sie nehmen mir mein unhöfliches Benehmen nicht mehr übel.“
Kate lächelte. „Nein, ich habe es schon vergessen. Hat mich auch gefreut, Chief.“
Nachdem sie wieder alleine waren, fragte Rick. „Müssen Sie sofort los oder hätten Sie noch Zeit für einen Kaffee?“
Zeit hatte Kate massig, aber das konnte sie Rick kaum sagen, daher tat sie kurz, als würde sie überlegen, schaute auf die Uhr und nickte schließlich. „Für eine Tasse Kaffee nehme ich mir einfach die Zeit.“
„Kommen Sie mit in die Küche? Normalerweise würde ich Sie auf die Terrasse bitten, aber das käme mir irgendwie makaber vor.“
„Küche ist gut.“

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Nun ist Kate ohne ihr Zutun bei Rick gelandet. Wenn auch nicht aus dem Grund, weswegen sie losgefahren war. Oder vielleicht doch?

Ich hoffe, ihr habt euch von den Hitzetagen erholt und bereit für die nächsten beiden heißen Tagen. Ich für meinen Teil bin froh, wenn die vorbei sind.

Wie auch immer - habt ein schönes Wochenende.
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