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Das Leben und Leiden einer Adligen (eine kurze Vorgeschichte der Belena Di Bellafoldi bevor sie zur Heldin wurde)

GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / Gen
OC (Own Character)
24.06.2019
26.09.2019
5
10.158
1
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01.07.2019 2.082
 
Halli Hallo :)
sooo heute bin ich endlich wieder da mit einem neuen Kapitel :)
Dieses Mal schwafele ich vorher auch nicht so viel ;)
Vielen lieben Dank schon Mal an die beiden Favo-Einträge, ich hoffe euch gefällt das kommende Kapitel xP

Viel Spaß beim Lesen~

Die Abreise

Ich erwachte gegen Mittag. Tatsächlich war dies nicht bedingt durch den vorigen Abend. Ich war einfach Langschläferin. Ich war zwar durchaus in der Lage früher aufzustehen (es gab Anlässe, da war dies tatsächlich nötig, auch wenn ich mich immer fragte warum genau ich dabei sein musste), allerdings war ich dann unglaublich missmutig. Nach meiner Morgenroutine verließ ich mein Zimmer und ging hinunter in die Küche. Da Alena mich schon kommen hörte, bereitete sie bereits meinen allmorgendlichen Kaffee vor.

Ich bekam als ich unten war also meinen Kaffee, von der Magd kam kein Wort. Ich blickte sie erstaunt an, aber sie hatte konzentriert die Lippen zusammen gekniffen und schien mit irgendetwas beschäftigt. Mit den Schultern gezuckt, ignorierte ich das einfach. Ich nahm also wie gewohnt mein Frühstück in der Küche ein und ging dann rüber ins Kaminzimmer. Dort bekamen wir zu dieser Zeit immer Unterricht. Ich setzte mich an den großen Tisch und wunderte mich, warum Mutter noch nicht dort war. Ich verschränkte die Arme auf dem Tisch und legte meinen Kopf darauf ab, mit dem Blick zur Tür.

Es dauerte nur eine Minuten bis ich Schritte die Treppe runter hörte und mich gerade hin setzte. Allerdings kamen die Schritte nicht in das Kaminzimmer. Ich runzelte die Stirn und stand auf um wieder in den Flur zu treten. Dort stand meine Mutter, Alena war ihr gerade entgegen gekommen und sie tauschten ein paar leise Worte aus, die ich nicht verstehen konnte. Wieder runzelte ich die Stirn. „Guten Morgen.“ Machte ich also auf mich aufmerksam. Fast wie ertappt drehte sich meine Mutter zu mir um. Dann lächelte sie mich, aber wie gewohnt, mit ihrem strahlenden, liebevollen Lächeln an. Sie war so eine wundervolle und schöne Frau.
Ich wünschte mir immer, dass ich mein Leben ähnlich organisiert bekam wie sie ihres. Sie und mein Vater hatten tatsächlich aus Liebe geheiratet und ihm zu Liebe war sie dann nach Albernia gezogen, weg von ihrer Familie im Horasreich. Nie hatte sie sich darüber beklagt von zu Hause fort zu sein, nein eher im Gegenteil. Sie betonte immer wieder wie sehr sie Havena liebte und es genoss, dass alle hier unglaubliche Freigeister waren. Tatsächlich hatten wir auch zu unserer Familie mütterlicherseits, wegen der großen Entfernung, kaum Kontakt.

„Belena, schön, dass du wach bist.“ Strahlte sie mich an und wie als könne sie meine Gedanken lesen redete sie weiter. „Heute fällt der Unterricht aus, da noch so viele Vorbereitungen für morgen getan werden müssen. Eldric besorgt gerade noch einige Dinge, die für die Seereise von Nöten ist, dein Bruder und dein Vater sind am Hafen auf dem Schiff.“ Ich nickte. „Du hast also frei.“ Setzte sie ein wenig auffordernd nach, was mich überraschte. Es schien als wollte sie, dass ich das Haus verließ. „Soll ich Vater und Danilo helfen gehen?“ wollte ich wissen. Aber Mutter schüttelte vehement den Kopf. „Nein, nein. Lass die beiden das in Ruhe machen. Nicht nur du siehst deinen Bruder für eine Weile nicht. Sie brauchen die Zeit für sich.“ Ich biss mir auf die Lippen und nickte. Dann würde ich meinen freien Tag eben genießen.


Wenig später verließ ich in praktischer Kleidung das Haus. Praktisch hieß vor allem, in Hose und Hemd und nicht in langem unpraktischem Kleid, was einem bei den meisten witzigen Aktionen im Weg war und die Bewegungsfreiheit einschränkte. Mutter hatte das nie gerne gesehen, sie sagte immer ich solle mich wie eine Dame anziehen. Meistens beschränkte sie sich aber auf einen kritischen Blick, wenn ich das Haus so verließ, genau wie heute.

Relativ zielstrebig machte ich mich auf den Weg zu Shien. Ich wusste dass er zu dieser Tageszeit meist schon fertig war mit seinen familiären Verpflichtungen und hoffte, dass er Zeit hatte den Tag mit mir zu verbringen. In der Hafenstadt herrschte schon reges Treiben. Es war heiß und die Luft flimmerte ein wenig über den Straßen. Alle sahen ein wenig gehetzt aus. Das war nach den Namenlosen Tagen meist so. Niemand schloss während dieser Tage Geschäfte ab und da meist einiges liegen blieb musste das meiste in den ersten Tagen des Praios erledigt werden.

Ich kam bei dem Haus der Eryns an und klopfte. Eine Magd öffnete die Tür. „Ihr wünscht?“ Ich lächelte sie freundlich an. „Ich würde gerne den jungen Herrn Shien sprechen.“ Sie nickte. „Einen Moment bitte. Ich kündige Euch an.“ Die Tür schloss sich wieder. Es war alles immer so unglaublich förmlich, wenn ich bei ihm zu Hause war. Allerdings konnte ich ihn schon die Treppe runter springen hören. Als die Tür das nächste Mal geöffnet wurde stand er vor mir und hatte ein charmantes Lächeln aufgesetzt. „Belena, welch Freude dich zu sehen.“ Ein wenig erstaunt blickte ich ihn an, bevor ich bemerkte, dass seine Mutter in einer Tür stand und ihn von hinten musterte. Sie waren mir immer wie liebevolle Eltern vorgekommen, allerdings ein wenig streng und pflichtbewusst. Was auch erklärte, warum er gerade so reagierte. Ich lächelte ihn also an. „Die Freude liegt ganz auf meiner Seite. Meinst du es wäre möglich ein wenig deiner Zeit mit mir in Zweisamkeit zu verbringen?“ hakte ich nach und lächelte gespielt verlegen. Es kam selten vor, dass ich alleine bei ihm zu Hause vor der Tür stand, ohne die anderen aus unserem kleinen Kreis gelangweilter Adliger. Normalerweise trafen wir uns in der Stadt.

„Natürlich. Einen Moment bitte.“ Er drehte sich zur Magd um, die just in diesem Moment wieder aufgetaucht war. „Richte meinen Eltern aus, dass ich mit der jungen Dame Di Bellafoldi unterwegs bin.“ Dann wandte er sich wieder an mich, zwinkerte mir zu und trat zu mir hinaus. Gut erzogen hielt er mir seinen Arm hin, damit ich mich einhaken konnte, was ich natürlich auch tat.

„Du scheinst ja wirklich unter Druck zu stehen.“ Sagte ich als wir schon ein paar Straßen weiter gelaufen waren. Er schüttelte bloß den Kopf. „Lass uns nicht darüber reden. Was willst du tun?“ Ich musste kaum überlegen. „Am Hafen die Beine baumeln lassen und vielleicht noch eine Kleinigkeit als Präsent für Danilo besorgen.“ Ich hatte ihm Ende des Jahres schon ein Taschentuch besticken lassen, aber das Geschenk fand ich ein wenig kitschig so alleine, vielleicht fand ich noch etwas anderes, was ihm gefallen könnte.

Unser erster Halt war also das Hafenviertel. In diesem Viertel trieben wir uns wirklich viel herum. Das lag vor allem daran, dass man dort so unglaublich viel tun konnte. Es gab Stege, Anhöhen auf denen man auf das weite mehr hinausblicken konnte und Holzsäulen an denen Schiffe vertäut waren auf denen man balancieren konnte. Letzteres tat ich auch während Shien neben mir her lief und darauf aufpasste, dass ich nicht runter fiel.
„Was ist das eigentlich mit dir und Yann?“ hakte Shien irgendwann ganz beiläufig nach. Meine Reaktion darauf war, dass ich sofort ein wenig rot wurde und die nächste Holzsäule verfehlte und ich tatsächlich fiel. Aber wahrscheinlich hatte Shien genau damit gerechnet, denn er fing mich mit Leichtigkeit auf. Ich funkelte also böse zu ihm hoch.

„Was soll das? Mit Yann und mir ist gar nichts.“ Gab ich also bloß zurück, während ich mich von ihm befreite und mich wieder auf richtete. Ein schelmisches Funkeln war in seinen Augen zu sehen und ein Lächeln umspielte seine Lippen. „So so und der Blick, den du ihm gestern zu geworfen hast, hatte also auch nichts zu bedeuten.“ Fügte er hinzu. „Das ist ihm doch eh nicht aufgefallen.“ Grummelte ich. Erst Augenblicke später fiel mir auf, was ich da gesagt hatte und als ich in Shiens Gesicht sah, wusste ich er hatte es gehört.
Ich verzog kurz das Gesicht. „Du solltest aufpassen, dass dein Bruder davon nichts mitbekommt. Sonst bekommen ihn keine zehn Pferde auf das Schiff und er bleibt hier, um dafür zu Sorgen, dass du das unschuldige kleine Mädchen bleibst.“ Shien grinste mich an, während ich bloß die Augen verdrehte. „Wenn ich will, dass er bleibt sollte ich es ihm vielleicht irgendwie signalisieren.“ Meinte ich dann sehr trocken. Ich wusste selbst nicht genau, was ich gerade für Yann empfand. Es war irgendwie anders als sonst. Ich freute mich jedes Mal, wenn er mit mir sprach und wenn er mich ansah wurde ich nervös. So etwas hatte ich früher nie empfunden. „Wir sollten jetzt auf den Markt gehen.“ Meinte ich also bloß und ignorierte danach alles weitere, was Shien in diese Richtung von sich gab.


Wir stöberten durch einen kleinen Laden, der allerlei Krimskrams enthielt, welcher angeblich aus aller Welt kamen. Ich hatte bisher noch nicht das richtige gefunden und bereute nicht schon am letzten Markttag in der Stadt gewesen zu sein. Zwar hatten in Havena die meisten Läden immer offen, aber am Markttag gab es einfach mehr Angebote. Ich seufzte. Die Taschenuhr, die ich sah, die Danilo ausgesprochen gut gefallen hätte überschritt leider mein Taschengeld. Außerdem war ich mir gar nicht so sicher, ob er nicht schon eine besaß. Ich glaube, als wir das letzte Mal zu Besuch bei unserem Großvater waren hatte er uns beiden ein Vinsalter Ei geschenkt. Meine Uhr musste ich auch noch irgendwo haben, aber es war auch schon unglaublich lange her, dass wir ihn gesehen hatten. Damals war ich bestimmt erst elf gewesen. Dann kam mir die Idee. So unglaublich nützliche Dinge, die man für die Seefahrt brauchte, würde er sicherlich schon haben. Ich würde ihm ein Tagebuch für die Reise schenken. „Shien wir sind im falschen Laden.“ Rief ich ihm zu und verließ ohne auf ihn zu warten den Raum.


Die zweite Traviastunde hatte angefangen und zu dieser Tageszeit war es meist besonders heiß, zum Glück wussten wir jetzt wo es hinging und konnten uns danach wieder in kühlere Gefilde zurückziehen. Ich schleppte Shien also mit in eine Schreibstube und kaufte dort ein Tagebuch für meinen Bruder. Danach machten wir uns schnell wieder auf.
„Was meinst du wo wird es kühler sein?“ wollte ich wissen und steckte die Hände in die Hosentaschen beim Weiterlaufen. Er wirkte ein wenig abwesend und ging nicht auf meine Frage ein.
„Wirst du morgen früh am Hafen sein?“ wollte er nach einer Weile wissen und blickte mich an. Ich sah traurig zurück. „Ich weiß es nicht.“ Ich starrte auf den Weg vor mir. Ich war so unglaublich schlecht darin Abschied zu nehmen. „Ich weiß nicht, ob ich es ertrage ihn abreisen zu sehen.“ Flüsterte ich. Shien nickte. „Ich werde da sein. Yann und Moran wahrscheinlich auch.“ Ein zögerliches Lächeln meinerseits. „Ich werde jetzt nach Hause gehen.“ Er nickte.

Als ich zu Hause ankam ging ich sofort in mein Zimmer und setzte mich an den Schreibtisch, der normalerweise nur selten genutzt wurde. Ich wollte Danilo ein paar Zeilen in sein neues Tagebuch schreiben und es ihm dann erst schenken. Kaum vorstellbar wie wenig man plötzlich im Kopf hatte, was man schreiben konnte, wenn es soweit war.



Ich war heimlich auf ein Haus geklettert, in der Nähe des Hafens. So stand ich nun dort und beobachtete wie Danilos Schiff davon segelte. Am Hafen unten standen unsere Freunde und unsere Familie. Ich hatte es aber tatsächlich nicht ertragen mich von ihm zu verabschieden. Das Buch hatte ich ihm die Nacht noch vor seine Zimmertür gelegt, nachdem ich Ewigkeiten gebraucht hatte ein paar Sätze zu schreiben. Tränen liefen mir über die Wange.

Da fuhr er davon, auf unbestimmte Zeit.

Nachdem das Schiff vom Horizont verschwunden war, setzte ich mich hin und zog die Knie an. Immer noch starrte ich aufs Meer. So verharrte ich den ganzen Tag.
Erst als es langsam dämmrig wurde, kletterte ich vom Dach und ging nach Hause.
Als ich heim kam, war niemand zu Hause. Ich schlich mich die Treppen hoch und über sprang wie immer die knarzende Stufe. Dann ging ich lautlos in mein Zimmer. Erst als ich mich umsah, fiel mir der Briefumschlag auf meinem Kopfkissen auf. In geschwungener Schrift stand einfach nur mein Name. Die Schrift erkannte ich sofort wieder. Es war die meines Bruders.
Ich griff sofort nach dem Papier, hielt dann allerdings inne und starrte es an, bevor ich es ungelesen auf meinen Schreibtisch legte. Nicht heute…

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

soooooo... das wars auch schon wieder von mir~
Dieses Mal ein wenig länger als das letzte Kapitel
Ich hoffe es hat euch gefallen, lasst mir ein paar Favo-Einträge und Kommentare da ;)
und dann bis ganz bald (ich sitze schon am nächsten)
Bis dahin~
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