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The Art of Playing House

GeschichteFamilie, Freundschaft / P16 / MaleSlash
Mamoru Chiba / Tuxedo Mask / Endymion Seiya Kou / Sailor Star Fighter Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II
23.06.2019
07.06.2020
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18.158
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26.04.2020 3.286
 
Mamoru war schon lange nicht mehr in einem Café gewesen. Sein letztes Date war schon eine Ewigkeit her und in seiner Freizeit hatte er kaum noch Gelegenheit dazu gehabt. Wenn ging er mit seinen Freunden eher in eine Bar oder zu einer Veranstaltung, während er nach dem Feierabend gerne Zuhause mit einem guten Buch entspannte. Cafés waren etwas für die Mittagszeit, wenn man sich mit Menschen traf, mit denen man einfach nur bei einem Kaffee und etwas Süßem gemütlich reden wollte.
Vielleicht fühlte er sich deswegen auch so unwohl. Es war noch früh am Abend, erst halb Sechs. Usagi, seine Bekannte aus dem Park, wie er sie in Gedanken spaßeshalber nannte, hatte den Ort vorgeschlagen, nachdem sie von einer Freundin davon gehört hatte. Ein Blick hatte ihm bereits gesagt, warum diese von dem Ort so begeistert gewesen war.
Das Meiste, was Mamoru in seiner Wohnung hatte, waren noch Überbleibsel aus seiner Studentenzeit gewesen. Damals hatte er vor allem auf den Preis schauen müssen und so waren seine Möbelstücke vor allem funktional und preiswert mit den weiß lackierten Pressspanplatten, zusammengesetzt von seinen Freunden nach mehreren Tagen Schweiß und Verzweiflung angesichts der spärlichen Anleitung. Damit würde er vermutlich keinen Preis für die beste Inneneinrichtung gewinnen, aber da die Möbel immer noch hielten, hatte er keinen Sinn darin gesehen, sie zu ersetzen.
Vielleicht kam es ihm deshalb wie eine übermenschliche Meisterleistung vor, wie man diesen Raum ausgestattet hatte. Selbst wenn man ihn in der Einrichtungsabteilung eines Möbelriesen aussetzen würde, wäre er nicht in der Lage, etwas zu entwerfen, das auch nur annähernd heranreichte. Die Stühle mit ihrem geschwungenen Design waren weiß lackiert und hatten einen Vintage-Look, sodass er das dunkle Holz darunter sehen konnte. Er hatte erwartet, dass sich Holz und Farbe unangenehm rau an seiner Haut anfühlen würde, doch als er mit seiner Hand darüber strich, fühlte es sich erstaunlich glatt an. Auch auf den Tisch, der im gleichen Design gehalten war, konnte er seine Unterarme problemlos ablegen. Der ganze Raum war mit dunkelbraunem Holz ausgelegt, das aber noch so freundlich war, dass es die Stimmung nicht drückte. Durch die großen, bodenlangen Fenster im hinteren Teil konnte er einen kleinen Garten erkennen, wo ein paar hartgesottene die letzten Strahlen des Herbsttages genossen. Es war ein schöner, gepflegter Ort, doch er wusste nicht, ob es vielleicht zu kalt für Usagi wäre. Er hatte die Pflanzen auf dem Tisch erst für Plastik gehalten, aber als er mit seinem Finger über die Blüte einer Pflanze strich, die ihn von der Farbe her an kleine Sonnenblumen erinnerte, fragte er sich, ob die nicht aus dem eigenen Garten stammten.
Allmählich hatten seine Augen genug gesehen und er riss sich von dem Bild vor ihm los, um auf die Uhr zu blicken. Er war extra etwas früher gefahren, weil er damit gerechnet hatte, im Verkehr stecken zu bleiben oder den Weg nicht zu finden, und so hatte er immer noch zehn Minuten Zeit, bis sie sich eigentlich verabredet hatten. Er nutzte die Zeit, um schon einmal durch die Speisekarte zu blättern, die er neben der Tischdekoration gefunden hatte. Das Angebot war überschaubar, aber es fehlte doch an nichts. Kaffee und Kakao in verschiedenen Variationen, kleine Gerichte wie Waffeln und Gebäck, hauseigene Eisteller und ein Verweis auf die täglich wechselnde Kuchenauswahl am Tresen. Er drehte den Kopf dorthin und versuchte der Versuchung der kleinen Kunststücke zu widerstehen, während er sich einredete, dass er noch die Reste vom Vortag essen musste, als jemand an seinem Tisch stehen blieb. Mamoru sah hoch und versuchte, sich zu erinnern, welche Kaffeesorte es ihm am meisten angetan hatte, doch dann merkte er, dass er es gar nicht mit einer Bedienung zu tun hatte. “Na das ist ja mal eine Überraschung. Dich hätte ich hier ja überhaupt nicht erwartet.”
Sie kicherte. “Ich bin erstaunter als du”, gab sie zurück. Sie drehte sich kurz von ihm weg und winkte einer Freundin zu, die sich mit einem Lächeln verabschiedete und ihr einen neckenden Blick zuwarf. Mamorus Bekannte rollte nur spielerisch mit den Augen und setzte sich ihm gegenüber auf den freien Platz. “Das ist nicht gerade ein Ort, an dem ich dich vermutet hätte.”
Mamoru kratzte sich verlegen am Kopf. “Naja, weißt du, meine Verabredung hat diesen Ort ausgesucht. Aber ich finde es gar nicht so schlecht hier. Vielleicht schaue ich öfter mal vorbei.”
“Ich komme mindestens einmal die Woche hierher. Der Laden hat sich echt gemacht. Vorher war das so ein Standard-Cafe - kennst du diese Läden, die schon so lange nicht renoviert wurden und die so wenig Leute besuchen, dass man nicht einmal weiß, wie sie sich halten? Naja, die Inhaberin war eine alte Dame, die das Café nur noch zum Spaß betrieben hat. Als ihr Ehemann in den Ruhestand ging, haben sie sich einen Traum erfüllt und sind nach Hokkaido gezogen. Die neue Inhaberin hat den Laden gekauft und ihn einmal komplett auf den Kopf gestellt - und nun, das Ergebnis siehst du hier.”
Mamoru nickte. “Es ist wirklich beeindruckend, was man alles herausholen konnte, auch mit so einer Liebe für’s Detail. Aber ich kann mir vorstellen, dass das gar nicht so günstig war, allein schon die Möbel…”
“Ach, für das Gesamtpaket gibt es Rabatt”, sagte sie mit einem amüsierten Lächeln und es dauerte etwas, bis er sich den Grund dafür zusammenreimen konnte.
“Stimmt ja, dein Vater hat eine Tischlerei.” Schon als sie gemeinsam im Wirtschaftsstudium gesessen hatten, hatte sie immer von dem Betrieb erzählt. Er war nicht sonderlich groß mit seinen rund 30 Mitarbeitern, aber setzte auf Regionalität und hatte sich damit in den letzten Jahren eine Marktlücke bei hochpreisigen Kunden geschaffen, die ihr Image damit aufpolieren wollten. Er erinnerte sich noch gut daran, wie sie zusammen gelernt hatten. Zu jedem Thema der Vorlesungen, auch wenn es noch so abstrakt gewesen war, hatte sie einen praktischen Bezug zum Unternehmen ihres Vaters schaffen können. Mamoru wollte lieber nicht wissen, wie viel mehr Nächte er ohne ihre Hilfe über dem Stoff hätte brüten müssen, aber wenn man es mit dem echten Leben verknüpfen konnte, war es um ein Vielfaches einfacher.
Sie nickte. “Mhm, genau. Erst war es vorgesehen, dass ich sie weiterführe, aber durch meine Praktika bin ich irgendwie in die Möbelbranche reingeraten. Seitdem hab ich nebenbei ein paar eigene Kreationen entworfen, die wir auch hergestellt haben, und das lief irgendwann so gut, dass ich meine eigene Produktion gestartet habe. Es gehört zwar immer noch zum Betrieb meines Vaters, aber da ich immer mehr involviert bin, habe ich auch viel mehr zu sagen.”
Mamoru lächelte. “Das klingt wirklich fantastisch.”
“Au ja. Ich kann mir das gar nicht anders vorstellen. Wenn du willst, kann ich deine komplette Wohnung neu einrichten. Das hier war das erste Mal, dass ich eine Küche entworfen habe - natürlich mit einem Fachmann zusammen, aber das Design stammt von mir - also wenn du willst…?”
Sie ließ das Angebot mit einem Lächeln in der Luft schweben, doch er schlug es recht schnell aus, als er verlegen antwortete: “Nein, nicht doch. Im Moment habe ich keinen Bedarf, bei mir steht noch alles. Aber wenn mal alles zusammenbricht, komme ich vielleicht darauf zurück.”
Sie seufzte. “Herrje, ihr Männer seid immer so pragmatisch. Aber sei es drum, ich habe im Moment recht gut zu tun - obwohl ich dich natürlich reingequetscht hätte. Wir planen sowieso immer ein paar Tage mehr für Verzögerungen mit ein. Ich höre lieber ein “Das ging ja schnell” als einen wütenden Anruf, weil die Ware nicht kommt.” Sie lachte kurz auf. “Aber was sitze ich hier und langweile dich nur mit meinem Leben? Wie läuft es bei dir? Wir haben uns ja kaum gesehen, seit du damals eine Auszeit genommen und dann den Studiengang gewechselt hast. Du machst jetzt etwas Medizinisches, oder?”
“Genau”, antwortete er. “Ich kann mich wirklich nicht beklagen. Die Arbeit mit Menschen macht mir Spaß und ist genau das, was ich machen will. Ich könnte mir keinen schöneren Job vorstellen als das Gefühl, gebraucht zu werden und etwas Sinnvolleres zu tun.”
Seine Bekannte nickte. “Kenne ich. Wenn ich den ganzen Tag nur am Schreibtisch sitzen und irgendwas eintippen würde, könnte ich das auch nicht lange machen. Ich will einfach diesen Kontakt zum Kunden. Ich will sehen, wie es ankommt, und wie glücklich es die Menschen macht, für die ich arbeite - und wo wir gerade von glücklich machen sprechen”, sagte sie und stand so plötzlich auf, dass Mamoru nur verwundert drein guckte. “Da hat grad eine junge Frau mit langen, blonden Haaren ganz neugierig durch die Fenster geschaut. Ich glaube, die sucht nach dir”, sagte sie mit einem Zwinkern.
Und tatsächlich, kaum dass sie das gesagt hatte, klingelte das kleine Glöckchen, als jemand das Café betrat. Wie beschrieben erkannte er sofort, dass es sich bei dem neuen Gast um seine Verabredung handelte. Er schenkte seiner Studienbekanntschaft ein verlegenes Lächeln. “Tut mir leid, dass wir das so plötzlich abbrechen müssen.”
“Ach, nicht doch, ich war doch schon darauf vorbereitet. Aber es wäre echt schön, sich mal wieder zu treffen”, sagte sie und legte eine Visitenkarte auf den Tisch, die Mamoru gleich in seiner Tasche verschwinden ließ.

Usagi war so nervös, dass sie in alte Angewohnheiten zurück fiel und ihr fast die Tränen kamen. Nicht nur, dass sie sich nach der Arbeit mit Makoto verquatscht hatte, sie war auch noch verwirrt durch die ganze Straße gelaufen und hatte das Café gesucht, das natürlich genau da lag, wo sie geparkt hatte. Dabei hatte sie diesmal extra etwas ausgewählt, dass ein bisschen eleganter war als das Standardcafé, in dem sie sich mit ihren Freundinnen seit der Schulzeit immer wieder traf. Umso erleichterter war sie gewesen, als sie den Mann aus dem Park durch die Fensterscheibe entdeckt hatte. Sie war so nervös, dass sie seinen Namen vergessen hatte und sich verzweifelt daran zu erinnern versuchte, als sie durch die Glastür des Cafés schritt. Mit einem verlegenen Lächeln schaute sie zu ihm - und sah erst dann, dass er nicht allein war. Neben ihm stand eine Dame mit langen, braunen Haaren, die definitiv keine Kellnerin war. Trotzdem schienen die beiden sich bis eben unterhalten zu haben und ihrer Körpersprache nach war es kein unangenehmes Gespräch gewesen. Die fremde Frau lächelte leicht, als Usagi auf sie zukam. “Na dann will ich mal wieder. Ich hab den Platz hier lange genug warm gehalten.” Sie lachte kurz auf. “Mein Name ist übrigens Saori Takagi”, stellte sie sich vor.
“Usagi Tsukino. Sehr erfreut”, brachte Usagi nur hervor, weil es eine Standardantwort war, während ihr Gehirn immer noch mit dem überfordert war, was sich hier abspielte. Woher kannten sich die beiden? Und wie gut? Und wieso unterhielten sie sich an genau dem Moment, wo sie ein Date hatte?
“Also dann, Mamoru, man sieht sich”, sagte sie, winkte ihm kurz zu und streifte dann ihren Mantel über, bevor sie ihre Umhängetasche schulterte und auf den Ausgang zuging.
Usagi blickte ihr verdutzt hinterher und wusste gar nicht so richtig etwas mit sich anzufangen. Erst langsam wurde ihr bewusst, was für einen Eindruck sie machte, und sie drehte sich entschuldigend zu dem Mann, wegen dem sie eigentlich hier war.
“Tut mir leid. Ich war zu früh da und wir haben uns zufällig getroffen.”
Usagi fragte sich, wie viele Frauen er wohl kannte, dass es so eine große Chance gab, dass soetwas zufällig passierte. Allerdings sagte ihr das entschuldigende Lächeln, dass keine böse Absicht dahinter gesteckt hatte, und sie konnte nicht anders, als ihm zu verzeihen.
“Ach, ist doch kein Problem”, antwortete sie, hängte ihren Mantel über den Stuhl und stellte ihre Tasche daneben. “Eigentlich muss ich mich entschuldigen, in bin spät dran. Wurde bei der Arbeit aufgehalten.” Dass es auch daran lag, dass sie Makoto noch dabehalten hatte, damit sie ihre Freundin schminken und die Haare machen konnte, wollte sie lieber nicht zugeben. Es war nur ein leichtes Make-up und eine einfache Flechtfrisur, also keine große Sache, aber da ihr Sohn sie immer wieder abgelenkt hatte, war es nicht so schnell gegangen, wie beide gehofft hatte. Dafür war sein Bild aber auch wirklich super geworden. “Ich hoffe, du musstest nicht allzu lange warten.”
“Ach, keineswegs.” Sie wartete auf den Spruch, dass er ja in bester Gesellschaft gewesen war, aber er sagte nur: “Bevor du kamst, hab ich gerade ausgiebig diese Auswahl an Kuchen inspiziert.”
Usagi drehte sich in die Richtung seines Blickes und schon lief ihr das Wasser im Mund zusammen. Am liebsten würde sie alles davon probieren - und wenn  sie nicht auf einem ersten Date wäre, hätte sie das vielleicht auch gemacht. Schokokuchen mit Mousse-Füllung, Stachelbeer-Sahne-Torte, Schwarzwälder Kirschkuchen, Sahneschnitten mit Mandarinen, Macha-Kuchen … Das war doch die reinste Folter! Egal, für was sie sich entscheiden würde, es würde sie verrückt machen, das andere nicht probieren zu können!
Ihre Freude musste ihr ins Gesicht geschrieben sein, denn Mamoru sagte lächelnd: “Nur keine falsche Bescheidenheit. Wählen Sie ruhig, was sie möchten.”
Usagi atmete tief durch. “Ich hätte gerne ein Stück Himbeertorte.” Und da es nur eines dieser kleinen, rechteckigen Stückchen war, fügte sie hinzu: “Und die Sachertorte.”
“Den ganzen Kuchen?”, fragte er belustigt an ihrer Seite, was sie leicht rot werden ließ.
“Nein, natürlich nicht. Ich-”
“Keine Sorge, ich wollte sie nur etwas aufziehen. Ich habe gelernt, dass ein guter Witz das Beste ist, um die Anspannung zu lösen.” Kaum hatte die Kellnerin den Teller voller Köstlichkeiten vor Usagi gestellt, sagte er: “Ich hätte gerne ein Tiramisu. Und dazu einen Espresso. Möchten Sie auch etwas trinken?”, fragte er Usagi.
“Ei-eine heiße Schokolade”, stammelte diese, als sie sich immer noch nicht ganz von der Neckerei erholt hatte. Vielleicht hatte das die unangenehme Stille zur Folge, als die beiden ihre Teller mit zu ihrem Platz nahmen, um dort auf ihre Getränke zu warten. Usagi ging voran, in der Hoffnung, dass sich ihr Gesicht bis dahin abkühlen würde. Sie wollte nicht, dass er das Gefühl hatte, mit einer Tomate zu reden.
Doch kaum hatte sie den ersten Bissen im Mund, ging es ihr schon wieder viel besser. “Das ist wirklich köstlich”, schwärmte sie und schaute zu Mamoru, der gerade Platz nahm. Usagi erschauderte kurz. Hätte sie sich nicht noch ein paar Sekunden zusammenreißen können? Ihre Familie und ihre Freundinnen hatten schon aufgegeben, sie dahingehend zu belehren, wenn es Essen gab, und sahen mittlerweile darüber hinweg. Aber hier trat sie gleich beim ersten Date in so ein Fettnäpfchen. Er musste sie wirklich für einen ungehobelten Klotz halten!
Er hingegen schien Manieren zu haben, die man sonst nur von Prinzen kannte, und lächelte, als er selbst eine Ecke von seinem Stück Nachtisch probierte. “Da haben Sie recht, es schmeckt wirklich gut”, antwortete er, als er den Mund wieder frei hatte. “Sie scheinen eine Schwäche für Schokolade zu haben”, sagte er und nickte zu ihrem Getränk, das gerade auf den Tisch gestellt wurde. Tatsächlich sah es aus, als hätte man die süße Köstlichkeit eingeschmolzen. Sie war so zäh, dass man den Löffel sanft hineingleiten lassen konnte, ohne dass er an den Rand schlug.
Allein dafür würde Usagi schon jederzeit diesen Umweg fahren. “Naja, wer hat das nicht”, sagte sie und nippte an ihrem Getränk, an dem sie sich natürlich sofort die Zunge verbrannte. Sie verzog das Gesicht, pustete kurz über ihre Lippen und setzte dann die Tasse wieder ab. “Und sie scheinen Kaffee sehr gern zu haben.”
Er lachte. “Ja, in meinem Beruf ist es fast unmöglich, ohne es auszukommen. In meinen ersten Jahren haben mir die Nachtschichten wirklich zugesetzt, aber mittlerweile kann mein Körper schlafen, wann ich will.”
Usagi lachte. “Das ist wirklich praktisch. Eine Freundin mit 3 kleinen Kindern erzählt immer gerne, dass sie manchmal so lange braucht, bis alle schlafen, dass das erste schon wieder wach ist.”
“Ja, manchmal ist das wirklich gar nicht so einfach, da läuft eben nicht alles nach Plan. Haben Sie selbst Kinder?”
Normalerweise hätte Usagi die Frage furchtbar direkt und weit hergeholt gefunden, aber in diesem Fall kam es ihr so vor, als würde sie ganz natürlich zu ihrem Gespräch passen. “Nein, aber alle meine Freundinnen. Gewissermaßen bin ich sowas wie eine Nachzüglerin”, sagte sie mit einem verlegenen Grinsen. “Aber mag Kinder sehr und möchte auf jeden Fall selbst welche haben. Vielleicht zwei oder drei - ach, das hat ja noch etwas Zeit”, sagte sie und bremste sich selber mit einem viel zu hohen Lachen. Da kannten sie sich erst seit ein paar Tagen und jetzt fing sie schon an, darüber zu reden, als würde sie ihre gemeinsame Zukunft planen. Dabei wusste sie ja fast nichts über diesen Unbekannten, außer dass er gerne Kaffee trank, und als was er arbeitete. Sie wusste zwar nicht, wo, aber er musste Arzt sein, also vermutlich in einem Krankenhaus oder sogar einer eigenen Praxis.
Trotzdem lächelte er immer noch freundlich. “Ich schätze, ihr Beruf kann manchmal ganz schön anstrengend sein, aber es freut mich, zu hören, dass sie ihn immer noch lieben.”
“Oh ja. Heute zum Beispiel…” Und bevor Usagi sich fragen konnte, ob er das überhaupt hören wollte, erzählte sie ihm all die Dinge, die ihr heute passiert waren, über ein Malheur mit einem umgekippten Becher beim Malen oder wie die Kinder sich ganz artig hingesetzt und zugehört hatten, als sie ihnen die Geschichte vom Hasen im Mond vorgelesen hatte. Sie fand heraus, dass er das Buch in seiner Kindheit auch oft als Gute Nacht Geschichte gehört hatte und genau wie sie mittlerweile sogar mitsprechen konnte. Danach erzählten sie sich von ihren Lieblingsbüchern. Gerade als Usagi von dem Roman schwärmte, den sie nach dem Date weiterlesen wollte, warf Mamoru einen Blick auf die Uhr und erschrak sich. Usagi seufzte. Als hätte sie es heraufbeschworen, als sie von einem ‘Danach’ geredet hatte.
“Tut mir leid, ich muss wirklich langsam los. Ich bin heute für die Nachtschicht eingetragen.”
“Dann will ich Sie nicht länger aufhalten. Nicht, dass sie noch zu spät kommen”, sagte sie eilig, obwohl sie noch Stunden mit ihm hätte verbringen können.
“Es war auf jeden Fall sehr schön mit Ihnen. Wenn Sie nichts dagegen haben, können wir das an anderer Stelle fortsetzen.”
“Au ja, das wäre klasse”, antwortete Usagi und räusperte sich, als sie merkte, dass ihr Tonfall so gar nicht zu dem respektablen Mann passte, den sie dort vor sich hatte. Ob das wohl dazu führen würde, dass sie das Gespräch mit einem schlechten Eindruck abwertete? Und das so kurz vor Schluss…
Doch er war bereits dabei, sich mit der Kassiererin zu unterhalten, und übergab ihr einen Schein, der für beide Gäste reichte.
Usagi fügte hinzu, diesmal bemüht, ein wenig reifer zu klingen: “Das würde mich sehr freuen, Herr-” Das konnte doch nicht möglich sein! Da hatte sie sich über eine halbe Stunde mit ihm unterhalten und jetzt fiel ihr nicht mal mehr sein Name ein!
Er nahm es mit Humor. “Mamoru reicht völlig”, sagte er.
“Dann dürfen Sie- darfst du mich auch Usagi nennen”, antwortete sie, immer noch verlegen.
“Also dann, bis demnächst, Usagi.”
Die Art, wie er ihren Namen aussprach, ließ sie mit einem Hochgefühl zurück, das es ihr immer noch warm ums Herz werden ließ, selbst als sie schon wieder zurück in ihrer Wohnung war.

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Oh weh, waren es wirklich schon 3 Monate? Ich meine, ich weiß, dass ich lange kein Kapitel mehr geschrieben habe... aber so lange?^^° Keine Sorge, die Geschichte ist nicht abgebrochen oder so. Ich hatte lediglich ein bisschen Respekt davor, das Date zu schreiben, aber als ich immer mehr davon im Kopf hatte, ging es mir dann doch leicht von der Hand. Ich hoffe, ihr hattet ebensoviel Spaß beim Lesen wie ich beim Schreiben.
Und jetzt entschuldigt mich, die Kuchen haben mich so hungrig gemacht, dass ich jetzt selber noch etwas backen gehe. Zum Glück haben wir hier noch genug Mehl, wobei die Supermärkte ja auch nicht mehr so kahl aussehen ;) Und wer weiß, vielleicht bekommt ihr ja ein (virtuelles) Stück ab, wenn ihr mir ein Review dalasst ;)
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