The Art of Playing House

GeschichteFamilie, Freundschaft / P16 Slash
Mamoru Chiba / Tuxedo Mask / Endymion Seiya Kou / Sailor Star Fighter Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II
23.06.2019
14.01.2020
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Usagi staunte jeden Tag auf's Neue, wie unterschiedlich "Aufregung" für jeden sein konnte. Kinder jauchzten beim Rutschen, als würden sie mit dutzenden Stundenkilometern Achterbahn fahren, und schrien beim Springen, als würden sie sich mit einem Fallschirm aus dem Flugzeug stürzen. Ein Kuscheltier zu verlieren, versetzte sie in den gleichen Schockzustand wie Usagi ihr Handy und auf der Autobahn zu fahren, fühlte sich an, wie in einem Hochgeschwindigkeitszug zu sitzen. Kurzum, sie machten aus all den alltäglichen Sachen, die Erwachsenen nicht mal ein schnelleres Herzklopfen bescherten, einen riesigen Aufstand.
Und obwohl Usagi das so oft beobachtete, wurde ihr gerade bewusst, wie unmöglich es war, das Gefühl abzuschütteln. Ihre Ellbogen schmerzten und ihre Hände begannen, vor Taubheit zu kribbeln, so lange lag sie schon bäuchlings auf ihrem Bett und tippte und löschte gleichermaßen. Sie hätte schon genug für einen Roman zusammen gehabt, hätte sie nicht immer mit einem roten Gesicht die Worte wieder gelöscht, während sie sich selbst als "großes Dussel" in 20 Variationen beschimpft hatte. Es war doch nicht schwer, eine Textnachricht zu schreiben - immerhin hatte sie 3 Chats mit ihren Freundinnen parallel laufen, um sich mit Banalitäten von ihrer Unfähigkeit abzulenken. Das Problem war nicht einmal, dass sie nicht wusste, was sie sagen sollte. Ihr schwirrten tausend Dinge durch den Kopf, aber keiner schien ihr der richtige zu sein für den einen Versuch, den sie hatte. Jeder von ihnen würde bestimmt nur damit enden, dass ihre Nummer innerhalb von einer Viertelstunde von ihm blockiert sein würde.
"Aaargh, ich halte das nicht mehr aus!", rief sie und legte ihre Arme zur Seite, um ihren Kopf im Kissen zu versenken. Sie war doch keine 14 mehr. Sie würde doch wohl in der Lage sein, nach einem Date zu fragen mit diesem höflichen, gebildeten, fürsorglichen, gutaussehenden…
"Miau!", kam es von der Tür her und Usagi drehte den Kopf, um ihrer Katze dabei zuzusehen, wie sie behände auf die Matratze sprang. Zu Anfang hatte Usagi sie gleich wieder auf den Boden gesetzt, aber bei jeder Gelegenheit hatte Luna vollkommen unbeeindruckt auf dem weißen Untergrund gesessen mit einem Gesichtsausdruck, der so viel gesagt hatte wie "Willst du mich veräppeln? Das ist mein Platz, sobald ich das will." Von da an hatte Usagi es akzeptiert. Außerdem, wofür hatte man ein Haustier, wenn nicht, um mit ihm zu schmusen? Und das ging am Wochenende nach dem Aufstehen am besten, wenn die Katze ein guter Grund war, dass man nicht aufstehen konnte.
"Ach Luna, du verstehst mich", sagte Usagi, halb in den Kissenbezug vor ihrem Mund, halb zur Katze, die an ihrem Gesicht vorbei zu ihrer Hand lief. "Jaja, du willst gestreichelt werden", begann sie, als sie die weichen Pfoten einzeln auf ihrem Rücken spürte. Im nächsten Moment lang nur noch ein weicher Klops auf ihr und Usagi seufzte tief. "Luna", murrte sie. So ein Katzenkörper war zwar ganz weich, aber sie hatte eine Aufgabe zu erfüllen - also diesmal wirklich!
Vorsichtig richtete sie sich auf, überrascht davon, wie schwer diese Katze war. Vielleicht sollte sie Futterkosten einsparen. "Los, runter von mir", sagte Usagi und nickte mit dem Kopf zur Seite.
Entweder Luna hatte nichts gesehen oder zeigte sich absichtlich unbeeindruckt, zumindest bewegte sie sich kein Stück. Also drückte sich Usagi mit dem Ellbogen hoch, um der Katze Starthilfe zu geben.
Ein fataler Fehler.
Die Katze glitt zwar herunter, versuchte aber, sich mit den Krallen festzuhalten. Sie kratzten über den Stoff und reichten durch die dünne Schicht direkt auf Usagis Haut. Diese schrie auf und rollte sich ganz auf die Seite, um das Tier abzuschütteln. Luna ließ erst locker, als Usagi sie fast zwischen ihrem Rücken und der Matratze zerquetscht hätte. Mit einem finsteren Blick, dass sie das nicht vergessen würde, trottete Luna aus dem Zimmer.
"Himmel", murmelte Usagi und drehte sich wieder ihrem Handy zu. Vielleicht hatte sie inzwischen neue Nachrichten von ihren Freundinnen, die sie abarbeiten konnte, bevor sie wieder verzweifelte.
Sie konnte sich gerade noch zurückhalten, erneut zu schreien, als sie den Bildschirm sah. Schnell hielt sie das Handy an ihr Ohr und versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. "Hallo?", fragte sie ihren Gesprächspartner, bevor sie mit klopfendem Herzen auf die Antwort wartete. Ihr wurde sogar so warm, dass sie die Kuscheldecke von ihren Beinen strampelte. Wieso musste sie ausgerechnet ihn versehentlich anrufen?!
"Ähm, hallo?", fragte er, ebenso überrumpelt wie sie, bevor er mit klarer Stimme fortfuhr: "Ist alles okay bei Ihnen? Brauchen Sie Hilfe?"
"Was?", fragte Usagi mit spürbar gerunzelter Stirn.
"Nun, Sie haben gerade geschrien", fuhr er fort.
Usagis Gesicht glühte. "Ach das!", sagte sie. "Das war … die Katze! Genau, die hat etwas umgeworfen und da habe ich mich tierisch erschrocken", sagte sie stammelnd und hangelte sich von einem Detail zum nächsten, in der Hoffnung, dass ihr noch etwas mehr einfiel. Die Wahrheit würde sie ihm wohl kaum erzählen. "Ähm, ich bin übrigens die Bekannte. Die aus dem Park."
Er schmunzelte hörbar. "Das habe ich mir schon fast gedacht. Sie haben wirklich ein Talent dafür, in solche Situationen zu geraten - oder tun Sie das nur, wenn ich dabei bin?", fragte er verschmitzt.
"Also, ich…", stammelte Usagi, aber ihre nächsten Ansätze gingen in seinem Lachen unter.
"Schon gut, sie müssen auf diese Fangfrage nicht antworten", sagte er und Usagi stellte sich vor, wie es von einem Zwinkern begleitet wurde. "Aber ich bin wirklich gespannt, was Ihnen das nächste Mal passieren würde."
Usagi blinzelte. Ihr Gehirn schien unfähig, sich darauf einen Reim zu machen, und war unfähig, ihm eine Antwort zu geben.
Die Stille war nicht unbemerkt geblieben. "Ich würde Sie gern wiedersehen", erklärte er daraufhin. "Also wenn es Ihnen Recht ist."
Diesmal traute Usagi ihren Ohren noch weniger. Ihr klappte der Mund auf und trotzdem dauerte es ein paar Sekunden, bis die Worte wie ein Wasserfall herauskamen. "Ja, unbedingt. Ich wollte Ihnen wirklich schon lange schreiben, aber nun, irgendwie kam mir immer was dazwischen." Am meisten ich selbst, sagte sie, verschwieg es ihm aber.
"Kein Problem, das kenne ich. Ich muss jetzt leider auflegen, weil meine Pause fast vorbei ist. Aber es hat mich wirklich gefreut, mit Ihnen zu sprechen."
"Ja, mich auch", sagte sie und konnte sich ihr Lächeln kaum verkneifen. "Wie würde Ihnen das Wochenende passen?"
"Hm", sagte er nachdenklich. "Um ehrlich zu sein, wäre das dieses Mal schwierig. Ich habe für ein paar Kollegen die Schichten übernommen und…"
"Das ist doch kein Problem", warf sie schnell dazwischen. "Ich habe um 5 Feierabend. Wenn wir uns in der Stadt treffen wollen, kann ich um halb 6 da sein", schlug sie vor. Er musste sich doch wirklich nicht dafür entschuldigen, dass er arbeitete. Und ganz besonders dann nicht, wenn er sich so aufopferungsvoll hinter seinem Kollegen zurückstellte!
"Klingt gut. Wie wäre es mit Dienstag?"
Usagi nickte. "Super." Eigentlich ging sie da mit Makoto zum Sport, aber ihre Freundin würde es sicher verstehen, wenn sie diese vertröstete. Außerdem war Usagi sowieso öfter abwesend als da. Es machte eben keinen Spaß, wenn man nach einer Viertelstunde so heftig atmete, dass man gefragt wurde, ob man nicht lieber aufhören sollte, bevor sie auf dem Asphalt liegen würde. Dass es laut Makoto gerade daran lag, weil sie so selten kam, tat ihr übriges. Sogar ihre Tochter Isamu war fitter als sie…
"Klasse, ich freue mich. Bis dann", sagte er und bevor sie etwas erwidern konnte, kam nur noch ein gleichmäßiges Tuten aus der Leitung.
"Ich habe ein Date!", rief sie freudestrahlend und quiekte danach so schrill, dass Luna aus dem Wohnzimmer fauchte.

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Vorsatz für das neue Jahr erfüllt, würde ich mal sagen *lach*
Nun, so ganz Wort gehalten habe ich ja nicht, aber immerhin geht es hier so indirekt um das Date. Aber ich denke, was Kleines für zwischendurch ist gar nicht schlecht ;) Erfahrungsgemäß wird das nächste wieder lang.
Vielen Dank noch mal für das ausführliche Review und die Leser, die die FF zu ihren Favoriten zählen :)
Eine schöne Woche noch, die ersten Tage sind überstanden ;)
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