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The Art of Playing House

GeschichteFamilie, Freundschaft / P16 / MaleSlash
Mamoru Chiba / Tuxedo Mask / Endymion Seiya Kou / Sailor Star Fighter Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II
23.06.2019
07.06.2020
9
18.158
12
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07.01.2020 1.513
 
Nach jahrelanger Berufserfahrung schaffte Usagi es, ihre Gruppe von Kindern im Zaum zu halten, ohne dass die täglichen kleinen Katastrophen, sie aus der Bahn warfen. Als sie aus dem Auto stieg und den Pflasterweg zum Haus entlang ging, wurde ihr klar, dass ihr all diese Strategien nichts nutzen würden. 28 Jahre und immer noch hatte sie das Gefühl, für ihre Eltern das kleine Häschen zu sein, als das sie sie bezeichneten. Und genauso wenig, wie sie diesem Kosenamen entkommen konnte, wusste sie, wie sie ihnen als Erwachsene gegenübertreten sollte.
Sie kam sich vor wie ein kleines Kind, das gerade aus der Schule gekommen war, als sie den Schlüssel aus ihrer Tasche nahm und die Haustür aufschloss. An manchen Tagen fühlte sie sich, als hätte sie etwas angestellt, und an anderen hatte sie Schmetterlinge im Bauch, weil sie unbedingt etwas erzählen musste.
Sie überlegte immer wieder, ob sie nicht lieber klingeln sollte, aber das würde sich erst recht komisch anfühlen. Das hier war ihre Familie, keine fremden Menschen. Kaum hatte sie die Haustür aufgestoßen, kam ihre Mutter aus dem Wohnzimmer gelaufen und zog sie in eine Umarmung. “Ich freue mich so, dass du wieder da bist.”
Usagi lächelte. Diese Sache änderte sich auch nie. “Ich komme doch alle zwei Wochen.”
Ihre Mutter versuchte, ihr Lächeln zu unterdrücken, konnte aber nicht anders. “Ach Häschen, ich vermisse dich doch trotzdem immer”, sagte sie mit einem Zwinkern.
“Ich weiß." Usagi hatte noch nie gewusst, wie sie ordentlich darauf antworten sollte. Wenn sie eine stressige Woche oder eine emotionale Krise hatte, wollte sie nicht zugeben, dass sie nicht auf eigenen Beinen stehen konnte, besonders weil sie sich so sehr freute, endlich ihre Mutter zu sehen. Wenn alles super lief, wollte sie aber auch nicht sagen, dass sie manchmal tagelang gar nicht mehr an ihre Eltern dachte. Noch dazu gab es Tage, an denen sie ihr Elternhaus gar nicht schnell genug wieder verlassen konnte. Es war wie eine Wundertüte.
Zum Glück gab es einen Trick, der immer die Stimmung rettete: “Das riecht aber lecker”, sagte sie, streifte sich die Schuhe von den Füßen und die Jacke von den Armen und lugte in die Küche herein.
Von ihrer Mutter, die ihr den Mantel zum Aufhängen abgenommen hatte, kam ein Anerkennendes "Der sieht aber hübsch aus. Wo hast du den denn her?"
"Aus einer kleinen Boutique, neben dem Friseur, wo wir immer hingehen."
"Vielleicht sollte ich da auch mal vorbeischauen - nach einem Haarschnitt, versteht sich", sagte sie lachend, was nichts Gutes für den Kontostand bedeutete.
"Dann lass dich auf jedem Fall von dem netten Verkäufer beraten", fügte Usagi hinzu, während sie nach dem wirklich Wichtigen suchte. Als sie es fand, hielt sie zielgerichtet darauf zu. “Was hast du denn gekocht?”, fragte sie, wie gebannt vom Licht im Backofen.
“Es gibt Lasagne mit Sobanudeln.”
Usagi grinste. Egal, wo sie das Gericht bestellte, nur ihre Mutter wusste, wie man es zubereiten musste, damit es ihr am besten schmeckte. “Perfekt. Wo ist Papa?”
“Genau hier”, sagte er am Durchgang zum Wohnzimmer und breitete die Arme aus, um seine Tochter zu empfangen. Diese ging sofort auf ihn zu und drückte auch ihn kurz. Sie hatten zwar nicht so eine enge Beziehung wie zu ihrer Mutter, aber sie wusste, dass auch ihr Vater immer froh war, sie zu sehen.
“Setzt euch ruhig schon einmal. Das Essen wartet nur noch auf dich”, sagte ihre Mutter mit einem Zwinkern und machte sich am Ofen zu schaffen, während Usagis Ohren rot wurden.
“Tut mir leid, ich habe es nicht früher geschafft. Eine der Mütter wurde bei der Arbeit aufgehalten.”
“Das kenne ich”, sagte ihr Vater.
“Dass du auf der Arbeit aufgehalten wurdest?”, fragte sie ihn mit einem neckenden Grinsen. Sie kannte es nur zu gut, dass sie ohne ihn essen mussten, aber dafür hatte er ihr immer noch eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen.
Er kratzte sich verlegen am Kopf. “Und dass eure Betreuer wegen mir immer länger machen mussten.”
“Was?”, fragte Usagi ungläubig, was es für ihren Vater noch unangenehmer machte.
“Ja, wenn eure Mutter krank war, hab ich euch abgeholt und da ich am anderen Ende der Stadt arbeite, war das praktisch unmöglich, es rechtzeitig zu schaffen. Manchmal haben die Erzieherinnen sogar angerufen und gefragt, ob ich überhaupt noch komme”, sagte er und lachte selbstironisch.
Auch Ikuko kicherte, als sie zu ihnen kam. “Dafür habe ich ihnen immer einen leckeren Kuchen gebacken, damit sie uns nicht zu sehr hassen.”
Usagi lachte. “So wie ich deine Kuchen kenne, hätte Papa das wohl jeden Tag machen können.”
“Du schmeichelst mir zu sehr”, sagte Ikuko und strich mit dem Ofenhandschuh über Usagis Kopf, bevor sie diese abstreifte und sich zu ihnen setzte. Dann machte sie sich daran, die Lasagne anzuschneiden und auf den Tellern zu verteilen. Usagi lief bereits das Wasser im Mund zusammen und sie konnte sich kaum bis zum “Itadakimasu” zusammenreißen, bevor sie die Gabel ins Essen stach und es sich in den Mund steckte.
Die Hälfte purzelte gleich wieder heraus, als sie nach Luft schnappte. “Ais, ais, ais”, sagte sie und griff nach ihrem Wasserglas, während ihre Eltern gar nicht mehr aus dem Lachen rauskamen.

“Also, erzähl mal”, sagte ihre Mutter, kaum dass sie auf dem Sofa saßen. Sie hatte ein Bein auf ihr Knie gelegt und schaute ihre Tochter an, als wüsste sie genau, dass diese etwas Spannendes zu erzählen hatte.
Usagi grinste spitzbübisch. “Ich habe jemanden kennengelernt”, sagte sie und kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, hellten sich die Gesichter ihrer Eltern auf. Als Teenagerin war es ihr peinlich gewesen, über solche Dinge zu reden, und selbst jetzt konnte sie immer noch nicht richtig mit der Sprache herausrücken. Immerhin wusste sie selber noch nicht genau, worauf all das hinauslaufen würde, aber sie hatte solche Schmetterlinge im Bauch, dass sie die Nachricht am liebsten herausschreien würde.
“Wie ist er so?”, fragte ihr Vater, vermutlich nicht ohne Hintergedanken. Usagi war sich sicher, dass dies eine Art Verhör war, aber diesmal war es nicht schwer, zu antworten. Immerhin musste sie keine sichtbaren Tattoos weglügen oder umschiffen, dass er bei McDonalds arbeitete. Rückblickend hatte sie ein paar Freunde gehabt, die echt nicht hatten sein müssen, aber man bereute viele Dinge im Leben.
“Also er hat schwarze Haare”, fing sie an und obwohl das auf fast alle Japaner zutraf, musste ihr Vater jedes Mal lachen. In seinem Kopf orientierte Usagi sich damit an ihm, was ihn wohl insgeheim stolz machte. Das erleichterte die Sache allgemein. Ihr Vater konnte sehr kritisch sein, was ihre Freunde anging, aber Usagi wusste, dass er nur das Beste für sie wollte. Bei ihrer Mutter klappte das nicht. Sie saß wie auf heißen Kohlen, als sie darauf wartete, was ihre Tochter zu sagen hatte. “Und er sieht nicht schlecht aus. Ich habe ihn beim Joggen kennengelernt, als ich gestolpert bin und er sich um mein verletztes Bein gekümmert hat.” In Zukunft sollte sie sich vielleicht eine Geschichte ausdenken, bei der sie besser wegkam, aber ihre Eltern würden sie da sofort durchschauen. Sie wussten genau, wie tollpatschig ihre Tochter war, und so nickte ihre Mutter nur wissend. “Er war wirklich sehr fürsorglich”, fügte Bunny hinzu.
“Vielleicht ist er ja ein Arzt. Das wäre eine wirklich gute Partie”, sagte ihre Mutter.
Usagi lächelte verlegen. “Gut möglich”, antwortete sie, während sie sich an das Gespräch mit Minako erinnerte. “Er hat was von Patienten gesagt, als wir uns kurz unterhalten haben.”
“Wie gut kennst du ihn eigentlich?”, fragte ihr Vater misstrauisch. “Versteh mich nicht falsch, ich möchte ihn nicht verteufeln” - Usagi nickte, während sie auf den wichtigen Teil des Satzes wartete - “aber ich möchte nicht, dass du einem Betrüger in die Hände fällt. Da solltest du vorsichtig sein.”
“Ja, Papa, ich weiß”, sagte sie, gespielt genervt. Wenn sie an all die Unfälle dachte, die sie als Kind gehabt hatte, war ein bisschen Vorsicht vermutlich gar nicht so verkehrt. "Ich passe schon auf. Deswegen treffen wir uns auch in einem Café oder so, also irgendwo, wo Leute sind."
Erleichtert nahm sie zur Kenntnis, wie ihr Vater zufrieden nickte. "Gut so. Aber wenn du willst, dass jemand auf dich aufpasst-"
Ikuko stupste ihn mit dem Ellbogen an. "Jetzt mach dir doch nicht so viele Sorgen. Unsere Tochter bekommt doch sicher keinen Ton heraus, wenn sie von dir beobachtet wird. Oder sie ist eher so nervös, dass sie sich um Kopf und Kragen redet." Beide lachten und Usagi lief rot an, weil sie sich bildlich vorstellen konnte, dass sie dies auch ohne Zutun ihrer Eltern schaffte. Dann streckte ihre Mutter ihre Hände aus und griff nach denen ihrer Tochter. "Keine Sorge, Häschen. Du packst das schon." Ihr Zwinkern zauberte ein Lächeln auf Usagis Gesicht.
Ihre Tochter nickte. Sie würde tun, was sie konnte, damit dieses Date ein Erfolg werden würde!

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Hallo allerseits =)

Ich bin leider zu spät dran für ein Weihnachtsgeschenk, aber dafür kommt dieses Kapitel genau richtig, um sich für's neue Jahr vorzunehmen, mehr an diesem Projekt zu arbeiten. Als nächstes ist übrigens eindlich mal das Date geplant, also freut euch drauf ;)
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