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The Art of Playing House

GeschichteFamilie, Freundschaft / P16 / MaleSlash
Mamoru Chiba / Tuxedo Mask / Endymion Seiya Kou / Sailor Star Fighter Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II
23.06.2019
07.06.2020
9
18.158
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23.06.2019 1.407
 
Ihre Arbeit war kein Ponyhof, doch das musste man Usagi Tsukino nicht erst sagen. Pferde machten um einiges weniger Arbeit. Sie standen nur auf der Wiese und grasten. Manch eines hob den Kopf und schaute in ihre Richtung, wenn es ein lautes Geräusch vernahm, doch alles in allem genossen sie nur die Morgensonne.
Die Kinder waren weitaus schwieriger zu bändigen.
Der Weg hierhin war relativ unspektakulär gewesen - von einem entgegenkommenden Traktor mal abgesehen - aber jetzt, wo sie den Reiterhof erreicht hatten, gab es so viel zu erkunden, dass sie nicht stillhalten wollten. Ein paar von ihnen waren natürlich sofort zu der Koppel gestürzt, allen voran Isamu, die auf das Gatter geklettert war, um besser sehen zu können. Scheinbar nahm sie die Anweisung, die Koppel nicht zu betreten, ziemlich wörtlich. Koharu hatte indes einen Apfel aus ihrer Tasche herausgekramt und hielt ihn seelenruhig durch die Öffnung, während sie darauf wartete, dass eines der Tiere auf sie zukommen würde. Usagi wusste, dass sie da, wenn nötig, den ganzen Tag stehen konnte – ganz anders als Hoshi, der das Gleiche mit seiner Portion Obst tat, während er unverständliche Dinge vor sich hinmurmelte, als die Tiere auf sich warten ließen. Vermutlich waren es irgendwelche Flüche, die er sich von seiner Mutter abgeschaut hatte.
Hikaru, ganz der Gentleman, half indessen Natsuki dabei, trotz ihrer Gummistiefel um den Schlamm herum zu manövrieren. „Die sind neu“, hatte sie Usagi auf ihre Nachfrage hin erklärt. Da hatte es auch nichts geholfen, dass die Erzieherin ihr mehrmals gesagt hatte, dass es Gummistiefeln bestimmt war, dreckig zu werden. Dann hatte sie entschieden, Natsuki einfach ihren Kopf durchsetzen zu lassen, denn Ryou hatte ihre Aufmerksamkeit gefordert. Als Ältester der Truppe wusste er schon viel mehr, und so hatte er gerade herausgefunden, wo die Sattel aufbewahrt wurden. Er hatte einen schon halb über den Hof geschleppt, als Usagi ihm den abnahm.
„Das mit dem Satteln lassen wir mal lieber die vom Pferdehof machen. Aber ich glaube, ihr könnt ihnen sicher beim Putzen helfen – oh, schaut mal alle, wer da kommt!“, rief Usagi und deutete den Weg zum Stall entlang. Wie auf Kommando kamen zwei Reiter mit je einem Pony im Schlepptau angelaufen. Usagi hatte extra betont, wie wichtig es ihr war, ruhige und sichere Pferde zu nehmen, denn wie erwartet liefen die Kinder ungebändigt darauf zu – mit Ausnahme von Koharu, auf die gerade eines der Pferde Kurs nahm. Usagi machte sich allerdings keine Sorgen, dass das Mädchen verletzt werden könnte. Herr Uma, der Mann der Besitzerin, stand neben ihr und gab Usagi mit einem Zeichen zu verstehen, dass er auf sie aufpassen und danach sofort herbringen würde.
Inzwischen hatten sich die anderen Kinder schon um die Pferde geschart und schauten ehrfürchtig zu den großen Tieren. Nur Ryou war nicht ganz so beeindruckt, aber er hatte auch ungefähr die Höhe eines der Ponys. Eigentlich hätte er dieses Jahr schon eingeschult werden können, weil sein sechster Geburtstag genau auf die Woche der Einschulung gefallen war. Seine Eltern hatten sich aber dagegen entschieden. Genaugenommen hatten sie die Entscheidung mit ihm gemeinsam getroffen. Haruka und Michiru hielten nicht viel davon, ihr Kind bei so etwas zu übergehen und über seinen Kopf hinweg zu entscheiden. Im Umkehrschluss führte das zwar dazu, dass er jede Anweisung von Usagi, die ihm missfiel, in Frage stellte, aber dafür war er schon viel selbstständiger als die anderen Kinder. Auch jetzt schauten die meisten zu ihm, wenn sie nicht wussten, wie sie beim Putzen verfahren sollten.
Natsuki war ganz zufrieden und summte vor sich hin, während sie ihre Bürste durch das Fell an der Flanke zog. Währenddessen flüsterte Hoshi dem Pferd ertwas zu, allerdings klang das sehr viel mehr nach Beruhigung als Verwünschung. Es schien zu funktionieren, denn das Pferd wirkte vollkommen tiefenentspannt – selbst als Isamu Hikaru zu einer Räuberleider animiert hatte und diese nutzte, um den Rücken des Pferdes zu erklimmen. „Isamu!“, schimpfte Usagi und schaute das Mädchen böse an, das allerdings nur glucksend auf dem Pferd saß. Eigentlich hätte sie Hoshi für die Beihilfe auch zur Rechenschaft ziehen müssen, doch sie wusste, dass er nichts Böses im Schilde führte. Er war einfach die Definition von hilfsbereit und zuvorkommend. Kein Wunder also, dass er bei allen Mädchen und Jungen beliebt war. „Jetzt wird noch nicht geritten“, stellte Usagi klar und hob Isamu wieder herunter, die die Arme verschränkt hatte und schmollte.
„Ich will aber“, protestierte diese und strampelte mit ihren Beinen, doch das half ihr auch nicht. Bestimmt setzte Usagi sie auf dem Boden ab.
„Wenn du dich nicht benimmst, darfst du gar nicht reiten.“
Das herauszufordern war es ihr scheinbar nicht wert, und statt es noch einmal zu versuchen, schnappte auch sie sich eine Bürste, auch wenn sie sichtlich enttäuscht zum Rücken des Pferdes schaute.
„Pass doch auf, hier bin ich“, protestierte Natsuki, kaum dass das andere Mädchen an ihre Seite gekommen war.
Isamu zuckte mit den Schultern. „Dann helfe ich dir eben.“
„Ich bin schon fast fertig“, erklärte Natsuki daraufhin.
Isamu verzog den Mund, was die andere aber nicht mitbekam, weil sie viel zu viel mit ihrem Pferd beschäftigt war. „Dann helfe ich eben Koharu“, verkündete Isamu und kam im Hüpfschritt auf sie zu. Auch sie hatte sich inzwischen bei der Gruppe eingefunden und an die Arbeit gemacht. Sie schaute den Neuankömmling an, als würde sie sich fragen, was sie denn nun schon wieder von ihr wollte. Auf die meisten wirkte Koharu mit ihrer abweisenden und zurückhaltenden Art schüchtern und in sich gekehrt. Seit sie aber ein anderes Kind zur Schnecke gemacht hatte, als dies ungefragt ihre Puppe entführt hatte, wusste Usagi, dass dies ein völlig falscher Eindruck gewesen war. Trotz ihres Erscheinens spielte sie gern mit anderen, auch wenn sie Puzzles oder das Lesen von Geschichten gegenüber Raufereien bevorzugte.
Als die Kinder erst einmal auf den Pferden saßen, verlief alles viel entspannter. Da ihnen nur zwei Ponys zur Verfügung standen, beschwerten sich die Kinder zwar alle zwei Minuten, dass die Warterei so unerträglich lang sei, aber das wurde recht schnell von angeregten Gesprächen unterbrochen. Dagegen kam ihnen die Zeit, die sie tatsächlich ritten, viel zu kurz vor. Nur mit Mühe hatte Usagi es geschafft, sie von den Tieren loszureißen, und erst nach einer Tour durch den ganzen Hof waren sie endlich losgekommen.
Die beiden Reiterinnen, die Usagi bei der Organisation halfen, hatten die ganze Zeit so viel erzählt, dass der Erzieherin noch immer der Kopf rauchte. Sie war nie eine Pferdenarrin gewesen. Die Kinder hingegen sogen jedes kleine Detail begeistert auf. Noch auf dem Weg zurück zum Kindergarten hatten sie sich angeregt über das Gelernte unterhalten und hatten sich einen Spaß daraus gemacht, den Weg nach giftigen Pflanzen abzusuchen. Usagi hätte nie gedacht, dass etwas so Alltägliches wie Eiche oder Buchsbaum den großen, muskulösen Tieren gefährlich werden konnte.
So sehr Usagi ihren Job auch liebte, so froh war sie, als sie um kurz nach Vier die Kinder wieder in die Obhut ihrer Eltern geben konnte. Sie hatten im Anschluss noch Pferd gespielt und eindrucksvoll bewiesen, dass Kinder beim Spielen Energiereserven hatten, von denen  Usagi nur träumen konnte.
„Bis morgen“, verabschiedete sich Natsuki, als sie von ihrer Mutter abgeholt wurde. Ihre Mutter schenkte Usagi ein verlegenes Lächeln. Ihre Tochter hatte sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, die Einrichtung zu verlassen, bevor sie nicht das Pferdepuzzle fertig hatte. Usagi hatte ihrer Mutter mehrmals versichert, dass es okay war. Sie verstand das Problem, dass es heute noch gemacht werden sollte, weil es für Koharu am nächsten Tag kein Halten mehr gegeben hätte, wenn sie diese unvollendete Aufgabe gesehen hätte. Trotzdem war es Natsukis Mutter sichtlich unangenehm gewesen und sie schien erleichtert, dass sie nun endlich losgehen konnten.
Obwohl Usagi noch den Spielraum aufräumen musste, verabschiedete sie sich pünktlich von ihren Kolleginnen. Obwohl alle schnell ins Wochenende wollten, um die freie Zeit zu genießen, war es ihr heute besonders wichtig. Endlich hatten Usagi und ihre besten Freundinnen es geschafft, Zeit für ein gemeinsames Treffen zu finden. Jetzt, wo alle arbeiteten und ihre eigenen Familien hatten, war es schwer, alle Frauen unter einen Hut zu bekommen. Umso breiter war Usagis Grinsen, als sie die Bauklötze in die Kisten räumte. Sie fühlte sich fast wie damals in der Schule, als sie jeden Tag miteinander verbracht hatten und über all das geredet haben, was in ihrem Leben vorging. Und heute würde da nicht anders sein. Sie konnte es kaum noch erwarten, die Neuigkeiten persönlich von ihnen zu hören, zusammen mit dem breiten Grinsen auf ihrem Gesicht, wenn sie davon berichteten.
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