Die Gefühle eines Gems angesichts seiner Selbsterkenntnis

GeschichteRomanze, Fantasy / P12
Lapis Lazuli Peridot
23.06.2019
23.06.2019
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23.06.2019 458
 
Es ist seltsam - eigentlich dachte ich, ich würde glücklicher sein, nachdem wir die Erde gerettet und Homeworld überwunden beziehungsweise stevenisiert hatten, nachdem ich todesmutig Blue Diamond auf einer perfekt justierten Parabel entgegen geflogen war, um mich dann in ihr Gesicht zu krallen, womit ich einen entscheidenden Teil zu unserem Sieg beitrug. Eigentlich müsste alles wieder so sein wie früher. Nun, technisch gesehen ist es nicht wie früher, da die Scheune nach ihrem Zusammenstoß mit Blue Diamond neu aufgebaut werden musste, was einige unserer meep morps nicht überlebt hatten, und Lapis jetzt ein neues Outfit manifestiert hat - wozu ich sagen muss, dass ihr das schlichte Top und die Pluderhose wirklich ausgezeichnet stehen, ihr geradezu einen verwegenen Ausdruck verleihen.
Jedenfalls, eigentlich dachte ich, wir würden unser früheres Leben wieder aufnehmen, und eine Zeit lang schien das auch zu klappen. Wir bastelten meep morps, die die Ereignisse der Schlacht verarbeiteten, z.b. "Das Gigantenarmdrücken", bauten neue Sorten Gemüse an und schauten hin und wieder in Strandstadt vorbei oder wurden von Steven und den anderen besucht, auch wenn sie nicht mehr so viel Zeit hatten wie früher, da sie jetzt dauernd von den Diamonds beim Umbau des Gesellschaftssystems beansprucht werden. Das alles war auch weiterhin angenehm - Die Pausen sind das seltsame. Wenn Lapis und ich die Schaufeln ablegen, uns den imaginären Schweiß von der Stirn wischen und uns einen Blick zu werfen. Wenn Lapis das Ende eines Rechens, das ich schweben lasse, an ein meep morp klebt, wir beide loslassen und nicken. Wenn wir zum 583. Mal „Camp Pining Hearts“ schauen und der Abspann kommt. Normalerweise - was auch immer in unserer Beziehung, seit ich Lapis verhört und eingesperrt habe, als normal gilt - würde eine von uns eine Bemerkung machen, und wir würden lachen.
Tun wir aber nicht. Nicht mehr.
Und dann ist der Moment vorbei und wir nehmen unsere Beschäftigungen wieder auf.
Aber vielleicht sind das Seltsamste diese Gefühle in mir. Nun, Gefühle fand ich schon immer seltsam, und suche seit langem nach einer Möglichkeit, sie quantitativ auszudrücken, etwa als Koordinaten in einem mehrdimensionalen Zustandsraum, aber inzwischen verstehe ich sie gar nicht mehr. Ich sollte mich freuen, Lapis und die Scheune wieder zu haben, aber stattdessen merke ich, dass ich sauer bin. Ich sollte froh sein, wenn Lapis mit den anderen Gems auf Monsterjagd geht, aber stattdessen bin ich traurig. Es sollte mir egal sein, wenn Lapis ein neues Outfit hat, aber stattdessen frage ich mich, was es bedeutet, welche ihrer Gedanken hinter dem goldenen Hosenband stehen, und überlege mir, was für Formen sie noch annehmen könnte, wovon ich bereits einige Skizzen angefertigt habe. Und dann fühle ich Angst, sie könnte diese Skizzen sehen, und verstecke sie unter den Holzdielen.
Was bei der Galaxis ist los mit meinen Gefühlen?
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