Das Leid eines depressiven Fangirls

OneshotSchmerz/Trost / P16
Aoi OC (Own Character)
22.06.2019
22.06.2019
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21. - 22. Juni 2019

Jugendhilfe. Schon mal gehört? Besser bekannt als Kinderheim. An solch einem Ort wohne ich, Churi oder auch Yuumiko, 15 Jahre alt und ich selbst bezeichne mich gerne als einen der größten GazettE-Fans, die auf diesem Planeten wandeln. Mit 11 war ich das erste mal ein halbes Jahr in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Nach meiner Entlassung war ich für ungefähr ein halbes Jahr wieder bei meiner Mutter. Danach wurden die Klinikaufenthalte zur Regelmäßigkeit. Wie viele ich jetzt schon hinter mir habe weiss ich nicht. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Seit gut anderthalb Jahren lebe ich nun schon in einer Wohngruppe. Anfang des Jahres habe ich meine jetzige Lieblingsband, The GazettE, kennengelernt. Ich habe mich relativ schnell in das Fandom eingefunden und war auch auf dem Konzert in Köln. Doch obwohl ich den Bandmembern so nah war, und jetzt eigentlich vor Euphorie platzen sollte, nagt seitdem mal wieder die Depression an mir. So auch heute...


Es war ein eigentlich ganz normaler Tag. Vorgestern war der letzte Schultag, jetzt hab ich erstmal 6 Wochen Sommerferien. Heute morgen bin ich mit ziemlich guter Laune aufgestanden. Nach dem Frühstück habe ich, im Rekordtempo, mein Amt gemacht und mein Zimmer aufgeräumt. Danach habe ich rund zwei Stunden auf der Schaukel unseres Dorfspielplatzes damit zugebracht mich weit, weit weg zu träumen. Genauer gesagt zu den Gazettos. Wenn mir die Realität zu stressig wird, suche ich oft Zuflucht in der heilen Welt meiner Tagträume. Dort ist alles immer viel schöner und unkomplizierter. Da wir heute eine Aushilfe haben, die ihren Hund mitgebracht hat (und ich habe eine totale Hundephobie), habe ich geträumt, dass ich mal schnell Aoi, oder Nii-chan, wie ich ihn gerne nenne, geschrieben habe ob er mich abholen kann. Rein zufällig war er, laut meiner Fantasie, gerade in Deutschland unterwegs und ich, laut seiner Aussage, für ihn so etwas wie eine kleine Schwester. Das war ein schöner Traum. Ich habe alles eingepackt, was ich für eine Nacht brauche und habe in der Küche auf ihn gewartet. Als er dann mit dem Auto vor unserem Haus parkte, bin ich wie wild rausgestürmt und ihm erstmal in die Arme gefallen. Natürlich konnte ich auch perfekt Japanisch, was meine Betreuerin ziemlich blöd gucken ließ. Aoi, welchen ich die ganze Zeit Yuu oder Nii-chan nannte, sagte mir ich solle schon mal meine Sachen in's Auto packen. Ich schmiss meinen Rucksack und meine Handtasche auf den Beifahrersitz, knallte die Autotür zu und gesellte mich wieder zu meinem "Bruder", welcher gerade, auf bestem Englisch, versuchte mit meiner Betreuerin zu kommunizieren. Er sah mich verzweifelt an, von mir kam nur ein ,,Da nutzen dir deine drei Dialekte auch nichts mehr, was?", auf japanisch natürlich. Weil mich irgendwie beide loswerden wollten schickte Aoi mich zum Kofferraum, worin ich meine Lieblings E-Gitarre und halbwegs gute Kopfhörer fand. Ich nahm mir die Gitarre, welche im Endeffekt ja nur eine Leihgabe war, da sie eigentlich Aoi gehörte, schloss die Kopfhörer an und spielte ein bisschen. Irgendwann packte ich die Gitarre wieder ein und wir machten uns auf den Weg. Er meinte ich kann mit in das Hotel kommen, wo er sich für seinen Deutschland-Aufenthalt einquartiert hatte. Außerdem hatten wir auf der Fahrt besprochen, dass wir zusammen noch nach Berlin fahren und er mich mit neuen Klamotten eindeckt. So träumte ich mich durch verschiedene solcher Szenarien. Irgendwann war ich sogar soweit, dass wir meine Eltern und das Jugendamt überredet hatten mich für zwei Wochen mit ihm nach Japan fliegen zu lassen. Damit verbrachte ich noch die meiste Zeit des Tages. Ich habe Mittags meinen Schrank neu sortiert und ausgemistet. Immer nach dem Prinzip: Was würde Aoi dazu sagen? Der Abend verlief eigentlich auch relativ entspannend. Ich laß noch ein bisschen und träumte mich zwischendurch immer mal wieder in meine fiktiven Welten. Jedoch fingen genau diese, mal wieder an zu bröckeln. Mir wurde mehr und mehr klar, dass ich die Gazettos wenn dann immer nur für einen kurzen Moment sehen würde. Wir würden nie mehr Sätze miteinander austauschen als die üblichen ,,Great Show!", ,,Arigato gozaimasu", ,,Can I hug you?", ect. Sie würden mich nie wiedererkennen, da sie sich nie an mich erinnern würden. Sie könnten mir nie das geben, was ich brauche. Sie könnten nie diejenigen sein als welche ich sie sehe oder gerne sehen würde. Ich habe in diesen Jungs eine Familie gesucht. Nicht umsonst ist Aoi in meiner Fantasie mein großer Bruder. Aber das werden sie mir nie geben können. Das ist manchmal einfach zu viel für mich. So wie vorhin. Ich weiss nicht wie spät es war aber ich denke mal um ca. Halb eins schwingte ich mich aus dem Bett, lief zu meinem Schreibtisch und baute schnell eine Klinge aus dem Anspitzer. Ich nuschelte unter Tränen eine gefühlt endlose Dankesrede. Zum Schluss entschuldigte ich mich noch mit eimem leisen ,,Yuu, es tut mir leid", und zog die Klinge aus meinem Anspitzer drei Mal an meiner Taille entlang. Als ich das Blut sah, ging es mir etwas besser. Zufrieden war ich jedoch erst als ich nun auch "Yuu" auf meinem Körper lesen konnte...
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