Dark Shadows -ungewisse Zukunft

GeschichteAllgemein / P16
Edward Anthony Masen Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jacob Black Renesmee "Nessie" Carlie Cullen
22.06.2019
18.10.2020
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18.10.2020 5.637
 
Jacobs Perspektive

Es war bereits früher Morgen geworden als ich mit Nessie im Arm in ihrem Bett erwachte. Still berachtete ich sie und sah einmal mehr, wie schön sie bereits jetzt war, das Ebenbild eines kleinen Engels. Mir war klar, ich liebte sie. Sie war mein Ein und Alles, das Zentrum meines Universums. Für sie würde ich durch die Hölle uns falls nötig, bis in den Tod gehen. Ich wusste dass Bella und Edward nach wie vor nicht begeistert davon waren, ich konnte es ihnen nicht verdenken, mir war klar wie die Geschichte auf außenstehende wirken musste.

Doch wer wusste was es bedeutete sich zu prägen dem war klar, es verhielt sich nicht so. Es bedeutete weitaus mehr als sexuelle Anziehung, um genau zu sein stieß mich der Gedanke daran momentan noch selbst ab, auch wenn sich das zu gegebener Zeit ändern würde. Es war eine sehr viel tiefere, seelische Bindung, tiefer als alles wozu nichtgeprägte jemals fähig sein würden.

Noch lange lag ich da und betrachtete sie, bis sie irgentwann anfing leise im Schlaf zu weinen. Behutsam legte ich meinen Arm noch mehr um sie und strich ihr sachte über ihr kleines Gesicht um sie zu beruhigen.

"Schhhhh, hey Nessie, ganz ruhig, ich bin bei dir. Du bist sicher, hörst du?"
Leise schluchzend wachte sie an meine Brust gekuschelt auf und schlang ihre kleinen Arme um mich. Sofort spürte ich ihre schon jetzt ungewöhnliche Stärke.

"Jake, ich, ich,..."
"Schhhhh, alles gut, ich bin bei dir!"
"Jake, ich, du, du bist..."
Sie wirkte ausgesprochen verstört.
"Nessie, es ist alles gut, es war nur ein Traum, hörst du?"
"Ich habe gesehen wie du, wie du..."
Sie brach ab, behutsam wischte ich ihr ihre Tränen aus dem Gesicht.
"Willst du es mir zeigen?"

Sachte nickte sie, legte ihre kleine Hand an meine Wange und zeigte mir alles. Ich sah mich selbst in Wolfsform durch den verschneiten Wald rennen, konnte durch Nessies Traum spüren wie sie sich in mein Fell krallte. Sie hatte von unserer Flucht im Wald während der Schlacht geträumt. Sie sah sich um, sah den Vampir der uns verfolgt hatte auf uns zustürzen, sie schrie noch um mich zu warnen, doch es war zu spät. Der Gardist packte mich um den Hals und riss mich hoch, womit er meinen Lauf abrupt stoppte und Nessie nach vorne von mir heruntergeschleudert wurde. Nach dem Aufprall drehte sie sich um, sah mich mit dem Vampir kämpfen, sah wie er mich in die Mangel nahm, wie ich versuchte mich zu befreien und nach ihm zu beißen, ihn nicht erreichte und er mir das Genick zerdrückte, so wie es Seth während des Kampfes ergangen war. Als letztes sah ich den dunkelhäutigen Vampir triumphierend über mir stehen und Nessie feindseelig anstarren während das Leben in meinen Augen erlosch.

Sie nahm ihre zarte Hand von meinem Gesicht und blickte mir in die Augen, derTraum war verdammt realistisch gewesen. Kein Wunder dass sie so verstört reagierte.
"Ich hatte solche Angst um dich Jake, ich konnte einfach nichts tun als er dir wehtat!"

Erneut nahm ich sie behutsam in den Arm und sie vergrub ihr Gesicht in meiner Halsbeuge. Ich strich ihr beruhigend über den Rücken.
"Es ist alles gut, es war nur ein Traum"
Wenn auch ein gerdezu absurd realistischer, fügte ich in Gedanken hinzu. Für einen winzigen Moment verspürte ich den Impuls mit Carlisle darüber zu reden, doch das war nun nichtmehr möglich.

Unweigerlich liefen die Ereignisse im Wald wieder vor meinem geistigen Auge ab. Der Vampir war uns über den Boden und die Baumwipfel gefolgt und segelte von oben auf uns zu. Nessie hatte mich gewarnt und in letzter Sekunde gelang es mir abzubremsen wodurch der Gardist ungünstig knapp vor uns aufkam, was mir die Gelegenheit gab seinen Kopf zu packen und ihn nach einem kurzen, heftigen Gerangel abzubeißen. Die beiden Teile flogen auseinander und kamen hinter uns auf dem Boden auf wo sie,...

Verflucht!

Gedanklich sprang ich einige Zeit nach vorne, erinnerte mich an die Zeit nach dem Kampf auf der Lichtung. Ich durchforstete meine Erinnerung nach allem was ich und meine Rudelgenossen in dieser Zeit gesehen hatten, erinnerte mich daran wie wir zusammen mit den Cullens und den anderen Blutsaugern die Lichtung von getöteten Feinden gesäubert hatten.

Die Lichtung. Wie zum Teufel konnte ich es einfach vergessen? Wir alle waren derart mit unseren Emotionen und den Toten auf der Lichtung beschäftigt gewesen dass ich vergessen hatte dass es neben diesen auch noch den einen von mir geköpften Vampir im Wald gab? Wie zum Teufel konnte ich es vergessen?

Wäre Nessie nicht hier hätte ich lauthals geflucht. Doch ich wollte sie nicht beunruhigen und hielt mich zurück, strich ihr nur weiter sachte über den Rücken. Ich musste an die Stelle im Wald zurück und den Vampir verbrennen, denn sonst würde im schlimmsten Fall, ein Mensch die Überreste finden und das Geheimnis der Vampire wäre keines mehr, wenn sie den Beweis für deren Existenz in Form eines steinernen Körpers auf dem Silbertablett serviert bekämen. Doch was sollte ich solange mit Nessie anfangen?

Auf die Rückkehr von Bella und Edward zu warten stand außer Frage, denn je mehr Zeit verging, desto größer das Risiko. Wenn ich mir ausmalte was wohl passieren würde, würden die Menschen von ihrer Existenz erfahren graute mir bei dem Gedanken Nessie müsste in einer solchen Welt leben.

Mein nächster Gedanke war, sie mit nach La Push zu nehmen, meinen eigenen Stammesbrüdern sollte ich schließlich vertrauen können. Doch konnte ich das? Nachdem was Sam mir erzählt hatte waren Teile unseres Rudels nicht gerade gut auf mich zu sprechen. Zwar galt es als unser oberstes Gesetz dass einer Person auf die sich ein Rudelmitglied geprägt hatte nicht geschadet werden durfte, doch traf das noch nie auf einen Halbvampir zu, und wenn nun einige diese Verbindung als unnatürlich erachten und mich als einen Verräter ansehen würden,..

Ich weigerte mich den Gedanken zu ende zu denken, zu schmerzhaft war der Gedanke dass Nessie... nun ja.

Letztendlich ließ dies jedoch nur eine Möglichkeit offen. Ich müsste sie zum Cullenanwesen bringen, etwas gegen das sich alles in mir sträubte, doch nüchtern betrachtet war es die beste Lösung. Alle die dort waren, mit Ausnahme der beiden Draculas vielleicht, waren gekommen um zu Nessies Gunsten gegenüber den Volturi auszusagen. Außerdem war dort auch noch die blonde Psychopathin zugegen, und bei aller persönlichen Abneigung musste ich mir eingestehen dass sie Nessie wohl ohne zögern bis zum Tod verteidigen würde, dort würde ihr am allerwenigsten etwas geschehen. Doch ich wollte sie nicht unnötig beunruhigen.

"Weißt du was Nessie, was hältst du davon wenn wir zu Tante Rosalie gehen?"
"Ich glaube sie mag dich nicht besonders, vielleicht sollten wir lieber hierbleiben?"
Ein wirklich verlockender Gedanke, und wäre ich nicht so dämlich gewesen den Vampir den ich getötet hatte einfach zu vergessen würde ich nichts lieber tun.
"Weißt du es stimmt, wir mögen uns wirklich nicht besonders, aber ich denke wir können miteinander auskommen wenn wir es beide wollen."
"Es wäre echt schön wenn ihr euch vertragen würdet, ich mag sie auch sehr gern."

Kinder. Für sie war die Welt noch unkompliziert. Bella hatte ihr nicht gesagt in welcher Lage wir uns befanden, doch der Tag würde kommen an dem sie es erfahren müsste.

"Ja, das wäre es. Komm!"

Schon von weitem vernahm ich den penetranten, stechend süßlichen Geruch nach Amonjak und Schwefel, den die zahlreichen Vampire verströmten. In der Zeit die ich in den letzten Wochen bei den Cullens verbracht hatte hatte ich mich zunehmend daran gewöhnt, doch durch die erhöhte Zahl an Vampiren hatte sich auch die Intensität verstärkt. Mir war äußerst unwohl bei den zahlreichen Rotaugen, doch Nessie schien keinerlei Scheu vor ihnen zu haben.

Wir betraten das Haus durch den Haupteingang, Tanya aus dem Denali-Clan kam uns entgegen, bedachte mich mit einem überraschend freundlichen lächeln und umarmte Nessie. Ich ging voran durch die Eingangshalle in den großen Aufenthaltsbereich und überblickte die dort in kleinen Grüppchen stehenden und sitzenden Blutsauger.

In der einen Ecke sah ich sofort die beiden Draculas, wie sie sich, leider zu schnell und zu leise für mein Gehör in meiner menschlichen Form, mit Peter und Charlotte sowie einem weiteren Nomaden, ich meinte mich zu erinnern dass er sich als Randal vorgestellt hatte, unterhielten. Auf der anderen Seite des Raumes, zusammengesunken auf einem Sofa, sah ich Esme und Alice wie sie sich haltsuchend aneinander festhielten, und doch wirkte jede einzelne für sich allein. Sie waren nichts als leere Schatten, seit ihre Gefährten tot waren.

Unwillkürlich verglich ich sie mit mir und anderen geprägten Mitgliedern unseres Stammes. Mir kam der Verdacht, dass Vampire, was die emotionale Tiefe und Stärke der Bindung betraf, uns durchaus nicht unähnlich waren.

Die Denalis hatten sich mit den übrigen Vampiren über den Raum verteilt, hier und da vernahm ich angespannte Gesichter und leise Unterhaltungen, die für mein Gehör in meiner menschlichen Form leider zu leise waren, als dass ich mehr als undeutliches Gewisper hätte verstehen können. Mir gegenüber an der Glasfront standen Kate und Garret, letzterer ließ seinen angespannten Blick quer durch den Raum streifen und sondierte die Lage. Es war wie Edward beschrieben hatte: Unter der Decke der Trauer, die über diesem Haus lag, tobte ein Machtkampf.

Nessie stand mittlerweile wieder neben mir, Tanya gesellte sich wieder zu ihren Schwestern. Dafür löste sich nun Rosalie aus der Gruppe und kam mit schnellen Schritten auf mich zu.
"Hallo Jacob"
Hätte sich die Temperatur im Haus nicht schon vorher unterhalb des Gefrierpunktes befunden, die Blutsauger erachteten Heizen wohl als unnötig, etwas dass Nessie wie ich erfreut festgestellt hatte nicht viel auszumachen schien, so wäre sie es spätestens jetzt gewesen. Das Eis in ihrer Stimme machte selbst dem sibirischen Winter Konkurrenz.
"Ich wünsche dir auch einen wunderschönen guten Morgen"
Um ein Haar hätte ich auch noch einen äußerst unschönen Kommentar angehängt, einzig dass Nessie neben mir stand hielt mich im letzten Moment davon ab. Ich nahm sie auf den Arm.

Ich überlegte wie ich mit der Situation umgehen sollte. Rein theoretisch sprach nichts dagegen zu behaupten zurück nach LaPush zu müssen und Nessie deshalb hier zu lassen. Vampire und Wölfe standen in keinem so engen Kontakt dass ein kurzzeitiges Verschwinden großartig auffallen würde. Auf halber Strecke zur Grenze würde ich abdrehen, in einem weitläufigen Bogen um das Anwesen herum in den Nationalpark laufen, die Spuren beseitigen und auf gleichem Weg zurück ins Reservat gelangen. Das Risiko aufzufliegen war kalkulierbar gering.

Jedoch war es möglicherweise nicht die beste Idee mein Vorhaben klangheimlich umzusetzen. Früher oder später würde womöglich jemand anderes ebenfalls auf die Idee kommen nach dem toten Vampir zu suchen und ich würde in Erklärungsnot für mein heimliches Verhalten geraten. Zwar wollte ich keine unnötige Aufmerksamkeit auf mein Versagen lenken, doch wenn einmal eine große Suchaktion gestartet werden und infolge meines Handelns ergebnislos bleiben würde hätte sich das erübrigt. Also besser gleich ehrlich sein. Doch sollte ich Rosalie wirklich meine Absichten mitteilen?

Wie man sich denken kann sträubte ich mich zutiefst dagegen, doch hatte ich eine Alternative? Und spielte es überhaupt eine Rolle, welchem der Blutsauger ich meine Absichten anvertraute? Die zahlreichen Rotaugen standen außer frage, blieben also die Cullens und der Denali-Clan. Egal für wen ich mich entschied, letztlich würden es die jeweils anderen erfahren. Am ende des Tages machte es keinen Unterschied.

Und wenn schon, sagte ich mir. Dann sag ich es ihr eben, was spielte es schon für eine Rolle? Ich würde ihr rasch berichten, freundlich um ein Feuerzeug zur Beseitigung der Überreste bitten und die Sache erledigen. Mit Sicherheit würde sie wütend und mich ein dummes Hündchen und weiß der Teufel was sonst noch schimpfen, doch was war schon dabei? Nichts neues eben, sie musste ja nicht mitkommen.

"Nessie, magst du Tante Rosie deinen Traum zeigen?"
Fragte ich sie mit einem zuckersüßen lächeln. Deutlich merkte ich ihr an wie ihr Spitzname aus meinem Mund sie zur Weißglut brachte, doch vor Nessie würde sie es nicht zum Streit kommen lassen. Stattdessen trat sie zu mir und ließ sich von Nessie die Hand auf die Wange legen, ihr Gesichtsausdruck veränderte sich kaum merklich. Als Nessie ihre Gedankenübertragung beendet hatte gab ich ihr mit einem leichten Wink meines Kopfes zu verstehen dass ich allein mit ihr sprechen wollte, während ich Nessie wieder auf den Boden ließ.

"Renesmee, geh doch rüber zu Onkel Emmet", sagte sie weich, doch es war unverkennbar dass sie keinerlei Widerspruch geduldet hätte. Dieser unterschwellig-autoritäre Ton gegenüber Nessie war gänzlich untypisch für sie, vermutlich hatte sie anhand des Traumes bereits verstanden worum es ging. Nessie gehorchte und Blondie bedeutete mir ihr nach draußen zu folgen. Wir liefen ein kurzes Stück bis wir weit genug vom Haus entfernt waren um auch trotz meines menschlichen Gehörs unbelauscht reden zu können.

"Gefällt mir wie er dich in die Zange genommen hat"
Eine tiefe Wut lag in ihrer Stimme. Nach Nessies Geburt und Bellas Umwandlung war unsere anfängliche Feindschaft ein Stück weit abgeklungen, doch davon war momentan nichts zu spüren. Ihre Feindseeligkeit mir gegenüber war so stark wie zu beginn.

"Nun, glücklicherweise war ich es der ihn in die Zange nahm!"
erwiderte ich eingeschnappt. Ich wusste, Streit war im Moment das letzte was wir gebrauchen konnten, doch auch in mir kochte allmählich die Wut hoch. Warum hatte diese Zicke ausgerechnet jetzt nichts besseres zu tun als mich anzugiften? Wusste sie etwa doch nicht weshalb ich hier war?

"Schön für dich, also, was willst du hier?"
schnauzte sie mich nun kalt an. Sie hatte es tatsächlich nicht verstanden. Verdammtes, dummes Blondchen!
"Und wo sind überhaupt Edward und Bella, Haben sie dich etwa mit ihrer Tochter alleingelassen?" giftete sie weiter. Und schon begann das Problem der Geheimhaltung akut zu werden.

"Sie sind Jagen gegangen, offenbar haben sie ein besseres Gespür dafür, wem man trauen kann als du."
Für einen winzigen Moment wähnte ich das Thema als erledigt, bis ich mir meines gravierenden Fehlers bewusst wurde. Bella hatte mir vor kurzem in einem stillen Moment von Rosalies Vergangenheit erzählt und mir wurde klar, dass ich sie mit meinem unbedachten Seitenhieb an der empfindlichsten Stelle ihrer toten Seele getroffen haben musste. Scheiße!

Zum ersten mal sah ich in ihrem Gesicht nun eine neue Emotion: Verletztheit. Tiefe, schmerzhafte Verletztheit.
"Tut mir leid, das hätte ich nicht sagen sollen, es..."
"Schon gut Jacob. Ich weiß."
Ihre Feindseeligkeit war auf einmal wie weggefegt, stattdessen wirkte sie auf einmal sehr kühl und reserviert, unnahbar, wie in einen Panzer gehüllt.
"Ich bin eben nur ein dummes Blondchen."

Verflucht! Durch meine unbedachte Äußerung hatte ich den Graben zwischen uns noch vergrößert.

"Rose, hör zu es..."
Erneut fing ich mir einen tödlichen Blick ein.
"Rosalie, es tut mir leid, ich..."
"Es ist gut, verdammt, hörst du?"
Unsere Lautstärke war mittlerweile deutlich erhöht, auf die Vampire im Haus mussten wir wie ein streitendes Pärchen wirken. Was für eine absurde und schreckliche Vorstellung!

"Was willst du Jacob?"
Fragte sie nun wieder leiser, doch mit einer deutlichen Kälte und reserviertheit in der Stimme.
"Der Vampir aus Renesmees Traum, er hat uns wirklich verfolgt und er ist..."
ich brach ab als sich Erkenntnis und Wut in ihrem Gesicht ausbreiteten.

"Du elender, bescheuerter Mistköter, du dreckiger Hund hast ihn einfach vergessen!" presste sie nun gefährlich leise zwischen den Zähnen hervor und innerlich machte ich mich bereits darauf gefasst dass sie mir an die Gurgel sprang.

"Läuft hier etwa ein Beziehungsstreit von dem ich wissen sollte?"
Emmet. Abgesehen von Bella war er mit von dem ganzen Haufen von Blutsaugern noch am sympathischsten. Selbst jetzt war er noch zu einem halbherzigen Versuch einen Scherz zu machen aufgelegt. Auch wenn ich befürchten musste dass er es in der jetzigen Situation eher verschlimmern würde.

"Dieser verdammte Köter hat einen toten Vampir im Wald vergessen Emmet!"
presste Rosalie nun hervor.
"Wo hast du Renesmee gelassen?"
Ganz klar, Blondie war auf hundertachzig. Na großartig.
"Bei den Denali-Schwestern, ich hab euch gehört und wollte mal nachsehen, was meinst du mit totem Vampir im Wald?"
"Na los, erklärs ihm, du Hund!

Nach einer kurzen Erklärung erinnerte sich auch Emmet.
"Dann ziehen wir eben los und verbrennen ihn"
"Ich werde gehen, gebt mir nur ein Feuerzeug und passt auf Nessie auf, ich werde bald zurück sein."

"Oh nein, dich werde ich sicher nicht unbeaufsichtigt losziehen lassen nachdem du sogar vergessen hast einen Vampir getötet zu haben. Und wer denkst du überhaupt dass du bist uns als Babysitter für deine...deine..."
"Rose, bitte, beruhige dich!"
schaltete sich nun wieder Emmet ein.
"Ach was, hilfst du dem Köter jetzt etwa auch?"
Emmet wirkte ob des Wutausbruchs seiner Gefährtin ziemlich überfordert.
"Was, nein, natürlich nicht nur..."
"Schon gut, ich habe verstanden. Ich bin eben nur ein dummes, schwaches, überemotionales Mädchen, macht doch was ihr wollt."

Nun war meine Geduld endgültig am ende. "Rosalie Lilian Hale! Es geht hier verdammt nochmal nicht um dich und dein übergroßes, beschissenes Ego! Es geht um die scheiß Leiche eines Vampirs die im Wald vor sich hingammelt und die jederzeit von jedem dahergelaufenen Penner gefunden werden kann! Also krieg verdammt nochmal einmal in deinem Leben deinen Stolz unter Kontrolle und bring mir ein Feuerzeug damit ich diese Gefahr für uns alle aus der Welt schaffen kann!"

Sollte es vor meinem Ausbruch noch irgendjemanden im Haus gegeben haben der noch nicht bescheid wusste, so war das nun endgültig Vergangenheit. So viel zum Thema Nessie nicht beunruhigen. Klasse.

Rosalie funkelte mich fassungslos und voller Wut an, Emmet stand hilflos und verloren daneben und aus dem Haus traten nun einige Vampire heraus, ich erkannte Garret und Kate sowie Randall. Hinter ihnen tauchte auch bald Tanya mit Nessie auf dem Arm auf. Großartig! Wirklich großartig!

Es dauerte einige Sekunden bis Rosalie sich gefangen hatte und auf mich zuschritt. Zentimeter vor mir blieb sie stehen und starrte mir in die Augen.

"Ich will dir mal was sagen Jacob"
begann sie nun wieder leise und völlig ruhig.
"Ich weiß nicht wie viel meiner Geschichte du kennst, und es ist mir egal. Aber du kannst mir glauben, ich habe in meinem Dasein mehr Schmerz und Leid durchlitten als du Köter es dir auch nur im entferntesten vorstellen kannst und ich habe jedes Recht stolz darauf zu sein dass ich durch all das durchgekommen bin und ich werde einen Teufel tun und mir von dir vorschreiben lassen wie ich damit umzugehen habe. Und damit eins klar ist: DIR gebe ich kein Feuerzeug in die Hand.

In Vampirgeschwindigkeit rannte sie an den verdutzten Vampiren vorbei ins Haus und stand nach exakt zwei Sekunden wieder vor mir. Ich sah noch wie sie ein Feuerzeug in der Tasche ihrer hautengen Jeans verschwinden ließ.

"Ich werde Santiago beseitigen und du wirst mich zu ihm führen. Emmet, geh zurück ins Haus!"

Der angesprochene gehorchte auf der Stelle während der blonde Teufel mich mit einem harten Blick musterte. Ganz klar: Mit meiner Aussage über ihre Menschenkenntnis hatte ich einen empfindlichen Nerv getroffen.

Rasch zog ich mich aus um mich zu verwandeln, die Situation war absurd, Rosalie hatte mit ihrer kerzengeraden Haltung und dem harten Blick etwas dominahaftes. Nur mit meiner Unterhose bekleidet wollte ich meine Kleidung zu einem Bündel binden das ich in meiner Wolfsform im Maul tragen konnte, als Rosalie mich davon abhielt.
"Die wirst du nicht brauchen. ICH werde ihn anzünden, DU wirst nur ein braver Spürhund sein."
Die Vampire die uns durch die zahlreichen Fenster des Anwesens beobachteten mussten sich sonst etwas denken. In diesem Moment verstand ich was Edward meinte als er seine Gabe einmal als seinen persönlichen Fluch bezeichnet hatte, ich war wirklich froh ihre Gedanken in diesem Moment nicht hören zu müssen.

Der Augenblick ging glücklicherweise schnell vorbei und im nächsten Moment rannte ich in Wolfsform durch die kalte Morgenluft, Blondie dicht hinter mir.

Ich vermied es sofort in den Wald und lediglich in die ungefähre Richtung der Überreste des Vampirs zu rennen um nicht das Risiko einzugehen mich zu verirren. Stattdessen rannte ich mit Rosalie im Schlepptau geradewegs nach Osten in Richtung des Schlachtfeldes, ich hielt es für das Beste von dort aus meinem Fluchtweg vom Vortag zu folgen.

Rosalie beschwerte sich mehrfach über den Umweg, doch ich ignorierte sie. Bald waren wir auf der Lichtung angekommen und ich begann den selben Weg entlangzulaufen den ich bereits am Vortag mit Nessie auf dem Rücken zurückgelegt hatte.

Ich hatte den Geruch des Vampirs noch in lebhafter Erinnerung und witterte nun auch, deutlich abgeschwächt durch das Schneegestöber des Vortages, seine Spur. Rasch folgten wir dem Weg zwischen den Bäumen, zwischendurch verlor sich sein Duft immer wieder, auf Streckenabschnitten auf denen er uns über die Baumwipfel gefolgt war. Rosalie war sichtlich ungeduldig. Nach einigen Sekunden erreichten wir die Stelle an der ich Santiago enthauptet hatte und fanden: Nichts!

Verwirrt sah ich mich um, rannte ein Stück weit den Weg weiter und zog in Erwägung mich geirrt zu haben. Rosalie wirkte äußerst frustriert.

"Was ist? Hat der Spürsinn mein Hündchen etwa im Stich gelassen?" Ihre Stimme triefte vor Spott und in mir kochte die Wut hoch. Missbilligend blickte ich zu ihr. Ihr Geruchssinn war ähnlich hoch entwickelt wie meiner, statt rumzumaulen könnte sie sich zur Abwechslung auch einmal Nützlich machen und mir helfen.

Ich begann den Schnee an der fraglichen Stelle aufzugraben da ich in Erwägung zog dass der Schneesturm Santiagos Überreste bedeckt haben könnte, doch die Schicht war nur unwesentlich höher geworden. Nicht annähernd hätte es ausgereicht einen Körper vollständig zu bedecken, doch sofort als ich die oberste Schicht mit meinen Pfoten zur Seite gescharrt hatte stieg mir der penetrante, süßliche Duft nach Vampirgift in die Nase. Santiago war definitiv hier gewesen. All das konnte nur bedeuten dass ihn jemand, oder etwas, mitgenommen hatte.

"Großartig! Wirklich klasse! Verdammt Jacob, man sollte dich wie den Köter der du bist anleinen und nie mehr allein aus dem Haus lassen!"

Ich ignorierte sie gekonnt, dachte stattdessen über einen Weg nach den Vampir zu finden. Wir wussten nicht welcher Art derjenige war der Santiago mitgenommen hatte, ob ihn ein Vampir der den Volturi nahestand gefunden hatte und die Absicht hegte ihn wieder zusammenzusetzen, oder ob ein neugieriger Mensch dahintersteckte.

Rosalie wandte sich frustriert von mir ab, in meine Wut mischte sich Verständnis, war ich doch letztlich auch wütend auf mich selbst und schuld an dem ganzen Schlamassel. Ich wollte gerade damit beginnen das Gebiet kreisförmig zu umlaufen um nach Duftspuren zu suchen als sich Blondies Blick in einiger Entfernung zwischen den Bäumen fing.

Ich folgte ihrem Blick in den Wald , dorthin wo die Bäume ein verwehen des Schnees verhindert hatten und sah, was Rosalies Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte: Fußspuren. Als ich mich ihnen näherte und dabei die lichte Strecke verließ auf der der Sturm den Vampirgeruch abgeschwächt hatte nahm ich diesen sofort wieder wahr, zusammen mit einem eindeutig menschlichen Geruch. Rosalie neben mir musste die Fährte ebenfalls aufgenommen haben, denn sie begann ihr zu folgen.

"Na komm schon, bei Fuß Jacob!"

Erneut triefte ihre Stimme vor Sarkasmus und Verachtung, womöglich würde ich tatsächlich irgendwann die Beherrschung verlieren.

Wir folgten der Spur tiefer in den Wald bis die Bäume wieder etwas lichter wurden und fanden Reifenspuren. Zuerst dachte ich an einen Jeep oder ein ähnliches Geländefahrzeug, doch der Wald war dafür zu dicht. Schließlich hatten wir zeitgleich den selben Gedanken.

"Sieht nach einer Quadspur aus"
meinte sie nur. Sie hatte recht.

Santiagos Geruch war nun merklich abgeschwächt, womöglich war er in einem Sack, einer Tasche oder etwas ähnlichem verstaut worden. Scheiße. Wer auch immer der Freak war, wir mussten ihn schnellstens finden, denn mit der Leiche eines Vampirs trug er den Beweis für deren Existenz auf dem Silbertablett mit sich herum.

Fragend und leicht herausfordernd blickte ich die blonde Giftspritze an, hatte sie doch unmissverständlich klargemacht dass sie diejenige war die den Ton angab. Dann sollte sie mal sagen was zu tun war. Mit einer Mischung aus Wut, Unentschlossenheit und Resignation blickte sie zwischen mir und der Spur, die in Richtung einer Landstraße in ein paar Meilen Entfernung führte, hin und her. Nur zu gerne wäre ich in meine menschliche Gestalt gewechselt um ein paar Sprüche über ihre plötzliche Hilflosigkeit abzulassen, doch darauf mitten im Wald nackt vor ihr zu stehen hatte ich nun wirklich keine Lust. Außerdem wollte ich ihr Nervenkostüm nach meiner unbedachten Äußerung von vorhin nicht noch zusätzlich strapazieren. Innerlich schüttelte ich den Kopf. Hatte ich etwa Mitleid mit ihr?

Wir befanden uns in einer Zwickmühle. Wir konnten uns schlecht nahe der befahrenen Straße bewegen um dem Menschen mit Santiago auf seinem Gefährt zu verfolgen. Nachts wäre es ein sehr viel kleineres Problem gewesen, doch wir konnten unmöglich den ganzen Tag über warten. Rosalie neben mir machte den Eindruck als würde sie einen kleinen Kampf mit sich selbst ausfechten. Irgendetwas sagte mir dass sie mich in diesem Moment am liebsten zusammengeschrieen hätte, allerdings wusste sie wohl dass sie mir damit, nachdem sie sich so selbstverständlich zur Anführerin unserer kleinen Unternehmung gemacht hatte eine große Genugtuung verschaffen würde, würde sie mir damit letztlich ihre Hilflosigkeit offen präsentieren. Ich empfand ob ihrer Lage schon jetzt eine gewisse Schadenfreude.

Doch ich wollte meine Zeit nicht länger verschwenden, ich sollte mir selbst etwas einfallen lassen.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit war derjenige der die Überreste für sich beansprucht hatte auf die Landstraße gefahren und war dieser gefolgt. Wenn wir wussten in welche Richtung derjenige unterwegs war mussten wir uns nicht zwingend in ihrer unmittelbaren Nähe bewegen um ihm zu folgen. Auf einmal war mir klar wie wir die Verfolgung aufnehmen konnten ohne dabei aufzufallen, doch um Rosalie meine Idee mitzuteilen müsste ich in meine menschliche Gestalt wechseln. Und es gab weit und breit keine Kleidung...

In Gottes Namen, was tat man nicht alles für die Eine auf die man sich geprägt hatte. Also Augen zu und durch.

Mit einem leisen Jaulen zog ich Blondies Aufmerksamkeit auf mich, drehte mich einmal um mich selbst um ihr zu verstehen zu geben sich umzudrehen und fing mir einen verständnislosen Blick ein.

"Verdammt Jacob, was zum Teufel willst du von mir? Wenn du Spielen willst dann..."
Ein erneutes, diesmal energischeres Jaulen, gefolgt von einer weiteren Drehung unterbrach sie.
"Jacob!"
kreischte sie nun beinahe hysterisch.
"Wir haben keine Zeit für deine Wolfsspielchen, wir..."
Es war genug. Ich hatte ihr die Zeichen gegeben, ihre Schuld wenn sie zu blöd war sie zu verstehen.
Ich konzentrierte mich auf meinen Körper, das pulsierende Herz, das zirkulierende Blut, meine starken Knochen, ließ sie brechen und ihre Form ändern. Mein Wolfsfell zog sich zurück um meine blanke menschliche Haut freizugeben, mein Sichtfeld wurde unschärfer, mein Gehör schwächer. Im nächsten Moment stand ich als Mensch vor ihr und fing mir einen entsetzten Blick, gepaart mit einem erschrockenen Aufkeuchen ein. Sofort wandte sie sich von mir ab.

"Ich habe dich gewarnt, Blondie."
Nun war es meine Stimme die von Spott durchzogen war.

"War schließlich nicht meine Idee ohne Klamotten loszurennen, und als Wolf redet sich´s eben schlecht. Also pass auf:..."
"DU SOLLST NICHT REDEN DU ELENDER KÖTER!"
Ihre Stimme hatte einen schrillen klang angenommen, sie war wütend. Wütend und überfordert. Eine Genugtuung für mich.

"Nun, wenn du mich nicht reden hören willst schlage ich vor dass du mir deinen Masterplan zum Aufspüren von Santiagos Leiche mitteilst."
Sie blickte nun leicht über ihre Schulter in meine Augen. Ein undefinierbarer Ausdruck lag in ihren goldenen Pupillen.

"Was fällt dir eigentlich ein?"
"Ich mein ja nur, ich hätte da nämlich eine Idee."
Ich war nun wieder völlig gelassen, die Genugtuung über ihr Versagen hatte meine Wut hinweggefegt.

Sie wandte ihren Blick von mir ab, stand nun wieder völlig mit dem Rücken zu mir und wirkte wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch und gleichzeitig wie ein verletzliches, kleines Reh das verloren in den Wald starrte. Zum ersten mal gestand ich mir einen Funken Mitleid ihr gegenüber ein. Ich fragte mich ob der Tag noch absurder werden konnte. Wenn ich zu diesem Zeitpunkt nur geahnt hätte...

"Sprich."
Ihre Stimme hatte jeglichen Ton verloren.
"Echt jetzt? Einfach so?"
Ich konnte mir diese kleine Provokation nicht verkneifen, beschloss jedoch schnell zur Sache zu kommen.

"Die Sache ist doch die: Santiago hinterlässt eine Duftspur die wir beide wittern können. Um nicht gesehen zu werden dürfen wir nicht unmittelbar neben der Straße herlaufen, aber solange wir nur wissen in welche Richtung er unterwegs ist müssen wir das nicht. Hier also mein Plan: Wir folgen der Spur bis zur Straße, dort warten wir bis niemand vorbeikommt und nehmen auf der Straße Witterung auf. Sobald wir die Richtung kennen laufen wir zurück in den Wald, jeder von uns auf einer der beiden Straßenseiten für den Fall dass er unterwegs wieder von ihr abgefahren ist und folgen der Straße. Bei jeder Abzweigung, Kreuzung oder Gabelung wiederholen wir das Spiel und folgen so seiner Spur. Klar soweit?"

Noch immer stand sie bewegungslos wie eine Statue mit dem Rücken zu mir. Ich wartete auf eine Antwort.

"Was ist los Rose, hat´s dir die Sprache verschlagen?"
"Nenn mich nicht Rose, du Hund!"
"Schon gut! Also was sagst du? Machen wir´s so oder hast du ne bessere Idee?"
Sie wand sich wieder halb zu mir um und drehte sich gleich wieder weg. Die Situation schien sie gewaltig zu irritieren.
"Geh wieder zurück in deine Wolfsform!"
"Ach was, spielen wir jetzt wieder die Domina? Hör mal, wenn du glaubst ich lasse mich hier von dir rumkommandieren wie ein verdammter Sklave hast du dich geschnitten!"
"Jacob verdammt!"
Hätte ich es nicht besser gewusst hätte ich in diesem Moment die ersten Tränen auf ihrem Gesicht erwartet.
"Es ist mir scheißegal wie wir dieser verdammten Spur folgen! Von mir aus machen wir es auf deine Art, aber bitte nimm deine verdammte Wolfsform wieder an damit ich deinen, deinen..."
während des letzten Halbsatzes hatte sie begonnen wild mit den Armen zu gestikulieren.

"Schon gut, wenn du schon so nett fragst."
Im nächsten Moment stand ich wieder als mein pelziges alter Ego hinter ihr, Rosalie drehte sich langsam zu mir um. In ihrem Blick lagen Verachtung, Wut und... eine Spur Angst?
"Verdammter Köter!"
In nächsten Moment lief sie los, den Reifenspuren hinterher. Auch ich setzte mich in Bewegung, nach wenigen Sekunden hatten wir die Straße erreicht.

Es sollte sich herausstellen dass wir hier noch gar keine Witterung aufnehmen mussten, der Schnee der während der Fahrt durch den verschneiten Wald an den Reifen klebengeblieben war und sich beim auffahren auf die Straße wieder allmählich von ihnen gelöst hatte wies uns den Weg nach Norden. Blondie hatte die wenig befahrene Straße bereits überquert und wir begannen ihrem Verlauf in nördlicher Richtung zu folgen. Wir waren weit im Osten des Olympic National Forest, würden wir weiter in Richtung Norden, weiter in Richtung Meer laufen würden wir in etwa nach Blyn, an den südlichen Zipfel der Sequim Bay gelangen, wo auch der Highway 101 verlief. Ich konnte nur hoffen dass wir der Spur nicht allzu weit folgen mussten, denn je dichter der Verkehr desto schwieriger wäre es unauffällig zu bleiben. Davon abgesehen dass jedes entlangkommende Auto die Spur ausdünnen würde. Auf jeden Fall würde es ein lustiger Tag werden. Nicht.

Gemäß meinem Plan folgten wir der Straße beidseitig, vom dichten Wald vor den neugierigen Blicken gelegentlich vorbeikommender Autofahrer geschützt. Ein paarmal mussten wir anhalten um erneut Witterung aufzunehmen wenn die Straße in andere mündete oder eine Abzweigung von ihr wegführte. Die Spur wurde mit jedem mal ein wenig stärker, ein Zeichen dafür dass wir der Quelle näherkamen. Mein Plan schien aufzugehen. Schließlich erreichten wir, wie ich es bereit vermutet hatte die Ortschaft Blyn, ein unbedeutendes, verschlafenes Nest, neben dem Forks geradezu wie eine Großstadt wirkte.

Die Spur führte auf den Highway, der frühen Stunde und der abgelegenen Lage war es zu verdanken dass dort so gut wie kein Verkehr herrschte. Unser Glück, da wir so die Spur ungesehen verfolgen konnten. Doch der Wald, der uns zuvor Deckung geboten hatte lag nun zu weit jenseits unseres Weges. Innständig hoffte ich dass unser Freund nach Westen Richtung Port Angeles gefahren war, doch natürlich sollte meine Hoffnung jäh enttäuscht werden, und es ging weiter nach Osten. Hoffentlich ging es nicht bis Seattle so weiter. Ich bedeutete Rosalie mir zurück in den Wald zu folgen, diesmal akzeptierte sie es kommentarlos. Dort angekommen wandte sie mit wieder ihren Rücken zu und ich wechselte wieder in meine menschliche Form, denn um der Spur weiter zu folgen mussten wir unsere Taktik ein wenig ändern.

"Also gut Rosalie, unsere bisherige Taktik wird auf dem Highway nicht mehr funktionieren. Ich schlage vor wir folgen dem Highway wie bisher beidseitig, mit dem Unterschied dass wir, immer wenn sich die Gelegenheit bietet versuchen die Spur auf dem Highway wieder zu finden. Es ist noch sehr früher Morgen, es sollte also noch für einige Zeit machbar sein. Wenn wir sie nicht mehr aufspüren können wissen wir dass er vom Highway abgefahren sein muss und können den Ort der genommenen Ausfahrt auf die Strecke zwischen dem aktuellen und dem letzten Kontrollpunkt eingrenzen. Einverstanden?"
"Ja, gehen wir."
Sie wirkte nun völlig ruhig und stoisch, nichts war mehr von der Wut und der Hilflosigkeit aus dem Wald übrig. Sie schien sich mit der Situation abgefunden zu haben. Und so ließen wir Blyn hinter uns und folgten dem Highway 101 Richtung Osten.
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