Chinese Whispers

OneshotRomanze, Familie / P18
Freya Mikaelson Lucien Castle
20.06.2019
20.06.2019
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Freya war ernsthaft überrascht, dass Lucien und sie bei diesem spontanen Familientreffen so unauffällig waren. Sie wusste, es war möglich so zu tun, als sei Lucien für sie nur ein Freund der Familie, aber dass nicht einmal Rebekah einen kleinen Verdacht schöpfte, dass mittlerweile mehr zwischen ihnen passiert sein könnte, ließ Freya dann doch nachdenklich werden. Und je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr missfiel es ihr, dass ihr Wunsch, sie könnte die Sache mit Lucien vor ihrer Familie geheim halten, so leichtfertig in Erfüllung gegangen war.
Sie konnte es nicht eindeutig beschreiben, aber neben Rebekah und Marcel, die von Paris und ihrer Verlobung schwärmten, oder Kol und Davina, die von den vielen Orten berichteten, die sie bereist hatten, brannte es Freya in den Fingern oder wohl eher in der Zunge, ebenfalls von ihrer wunderschönen Zeit in den letzten Wochen zu erzählen.
Doch sie konnte es nicht. Sie konnte nicht, weil sie es so gewollt hatte. Sie war es schließlich, die Lucien mehr als nur einmal darauf hingewiesen hatte, dass sie ihn höchstpersönlich umbringen würde, sollte er auch nur einen Versuch starten, irgendwelche Andeutungen vor ihrer gesamten Familie zu machen. Doch wenn sie ehrlich war, dann wollte sie gerade nichts sehnlicher, als dass er genau das trotz ihrer Drohung tat. Ausgerechnet heute hatte Lucien allerdings entschlossen, auf Freya zu hören.
Sein Verhalten erweckte tatsächlich den Anschein, als sei er nur hier, da er und Klaus mittlerweile wieder engere Freunde geworden waren und er von ihm eingeladen wurde.
„Na schön, wenn die junge Dame das unbedingt möchte. Aber danach gehen wir wirklich!“ Hayleys Stimme drang plötzlich zu Freya durch. Die Wölfin hatte zwar zu Hope gesprochen, blickte danach jedoch in die überschaubare Runde, um den Wunsch ihrer Tochter zu verbreiten, was vor allem Klaus ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
Er war in letzter Zeit zu einem fast schon erschreckend perfekten Vater mutiert, woran sich Freya immer noch schwer gewöhnen konnte. Allerdings wollte sie sich nicht beschweren. Er war so auf seine Tochter fixiert, dass er kaum mitbekam, dass Freya immer mehr Zeit außerhalb des Mikaelson Compounds verbrachte.
Klaus setzte seine Tochter auf seinen Schoß, nachdem sie mehrmals laut verkündet hatte, dass sie noch unbedingt eine Runde stille Post spielen wollte, was sie jeden Tag mit ihren Freunden tat.  
Obwohl Freya immer noch alles andere als begeistert von diesem Abend war, musste sie leicht lächeln. Es war erstaunlich, wie schnell sich Hope von einem Baby zu einem sprechenden, aufgeweckten Kind entwickelt hatte. Freya kam es vor, als sei es gestern gewesen, dass sie ihre ersten Schritte gemacht hatte.
Sie beobachtete, wie sich jeder im Raum in einen mehr oder weniger runden Kreis aus Stühlen, Sesseln und Sofas setzte. Klar, diese Kinderspiele waren albern, doch Hope zuliebe machte ihre Familie alles mit. Das schloss allerdings nicht Lucien mit ein, der sich unauffällig aus dem Spiel ausklinken wollte. Jedoch bekam Freya reflexartig seinen Arm zu packen und machte ihm mit einem eindringlichen Blick zu verstehen, dass auch er mitmachen musste. Er verdrehte leicht die Augen, doch tat Freya den Gefallen, und setzte sich mit ihr ans Schlusslicht.
Gleich darauf begann Hope ihrem Vater kichernd einen Satz ins Ohr zu flüstern, den Klaus schließlich für Hayley ebenso leise wiedergab.
Während der Satz seine Runde machte, bemerkte Freya, wie Rebekah rechts neben ihr, öfters zu ihr sah. „Wieso kommst du uns nicht in Paris besuchen?“, meinte sie plötzlich leise, „Dann kommst du mal hier raus und musst nicht den ganzen Tag alte Hexenbücher wälzen. Solange du jung bist, musst du schließlich noch etwas erleben.“
Freya musste ein Seufzen unterdrücken und schenkte ihr nur ein müdes Lächeln. Jeder wusste, wie sehr sie ihre Schwester liebte, aber dass Rebekah davon ausging, dass sie in New Orleans ein langweiliges Leben führte, verletzte Freya. Natürlich meinte es Rebekah nur gut, doch sie war im Moment viel zu sehr von ihrem eigenen Glück geblendet, dass sie übersehen musste, dass es nicht ihre Schwester war, die Freya brauchte, um die schönen Seiten des Lebens zu erfahren.
Rebekah hatte ja keine Ahnung, welche Geheimnisse Freya inzwischen zu verbergen hatte. Dinge, von denen sie eigentlich dachte, dass es für alle Beteiligten das Beste sein würde, wenn sie geheim blieben. Aber Freya war wütend und frustriert, sodass sie sich von ihren Emotionen leiten ließ. Gerade als Davina dabei war, Marcel Hopes Satz zuzuflüstern, beugte sich Freya leicht zu Lucien, der zu ihrer Linken saß.
„Sobald ich an der Reihe bin, wirst du dich räuspern, ok?“, befahl sie ihm regelrecht.
„Was? Wieso?“, wollte er verwirrt wissen, aber Freya hatte keine Zeit für weitere Erklärungen.
„Tu’s einfach“, sagte sie noch, ehe Rebekah schon eine Hand an ihr Ohr hielt, um den Spielfluss aufrecht zu erhalten. Freya musste niemanden anlügen, sie hatte keinem einzigen von Rebekahs Worten zugehört. Doch das spielte sowieso keine Rolle.
Sie näherte sich mit ihren Lippen Luciens Ohr, um ihm eine völlig andere Botschaft zu vermitteln, die mit Sicherheit nicht so unschuldig war, wie die, die Hope für ihr Spiel vorgesehen hatte. Wie Freya es von ihm verlangt hatte, hustete er leicht, während er sich die Faust vor den Mund hielt. Schon bevor sie geendet hatte, verschluckte er sich fast und Freya war selbst erstaunt über ihr eigene ruhige Mimik. So gerne hätte sie ihn angegrinst, doch sie widerstand diesem Verlangen.
Für den Bruchteil einer Sekunde schielte Lucien zu ihr herüber. Seine Augen waren, während Freya noch an seinem Ohr hing, größer geworden. Ihr war bewusst, dass er damit als letztes gerechnet hatte. Seine Reaktion allerdings gab ihr eine unbeschreibliche Genugtuung.
„Und?“, durchbrach Hayley die Stille, die mittlerweile schon zu lange anhielt.
„Ähm…“, begann Lucien, während Hope vergnügt kicherte.
„Na komm schon, Lucien, meine Tochter sollte langsam schlafen gehen“, schaltete sich Klaus ebenfalls ein und zog die Augenbrauen nach oben. Freya musste die Lippen zusammenpressen, um sich nichts anmerken zu lassen. Wenn ihr Bruder nur wüsste, was Lucien gerade zu hören bekommen hatte.
„Ähm… Ein braver Hai isst Haferbrei“, brachte Lucien dann doch noch heraus, was Freya innerlich grinsen ließ, wohl wissend, dass Lucien gerade absolut nicht an Haie dachte, die Haferbrei aßen. Aber immerhin hatte er, wie jeder Vampir in diesem Raum, den Lösungssatz schon von Anfang an gehört und wusste ihn somit.
Hope begann nun noch mehr zu kichern, als sie den Satz laut hörte. Allerdings war das Ende des Spiels gleichzeitig für sie und Hayley das Aufbruchssignal.
Nicht bald, nachdem die zwei sich verabschiedet hatten, stand jedoch auch Freya auf, um ihr Gehen anzukündigen.
„Nehmt es mir nicht übel, aber es war ein langer Tag. Das einzige, das ich jetzt noch brauche, ist eine Dusche und danach mein Bett.“ Wie ihr erst danach auffiel, war keines ihrer Worte gelogen.
Natürlich hatte sie mit Widerworten seitens ihrer Familie gerechnet, aber nach einem kurzen Hin und Her bekam Freya ihren Willen und begab sich auf den Weg zu ihrem Teil des Anwesens.
Lucien hatte sie nur noch einen flüchtigen Blick zugeworfen, ohne ein Wort mit ihm zu wechseln. Es war schließlich alles geklärt. Auch wenn sie ein wenig gespannt war, welche Entschuldigung er für sein Aufbrechen erfinden würde, war das eine Sache, die außerhalb ihrer Interesse lag.
In ihrem Badezimmer angekommen fand ihre Kleidung recht schnell den Boden, bevor sie ihre Hand unter den Wasserstrahl der Dusche hielt, um auf die geeignete Temperatur zu warten.
Ihr Herz begann schneller zu schlagen, sobald das heiße Wasser auf ihre Haut tropfte. Sie fühlte noch die Worte auf ihren Lippen, um die sie Lucien flüsternd gebeten hatte, und konnte gerade selbst nicht glauben, dass sie das wirklich getan hatte. Und doch hatte sie keinen Zweifel daran, dass Lucien ihrer Bitte nachkommen würde.
„Ich liebe es, wenn du mir sagst, was du möchtest, aber das…“, hauchte er wenige Sekunden später hinter ihr, „…war pure Folter!“
Diese Stimme. Diese verdammte Stimme. Er würde wohl nie ganz verstehen, was allein ihr Klang in Freya auslöste. Jedes einzelne Wort jagte eine Welle des Verlangens durch ihren Körper und ließ sie triumphierend grinsen. Sie sah Luciens Blick immer noch vor ihrem inneren Auge. Wie er versucht hatte, nicht zu zeigen, wie sehr ihm gefallen hatte, was Freya in sein Ohr gehaucht hatte. Diese Wirkung bei einem Mann wie Lucien zu erzielen, brachte sie regelrecht um den Verstand.
Genauso wie das elektrisierende Gefühl seiner Finger, die sanft über ihre Haut strichen. Sie lehnte sich ihm mit dem Rücken entgegen und beugte ihren Körper dabei leicht durch. Allein das Wasser, das dadurch auf ihren Oberkörper prasselte, ließ sie schon lustvoll zusammenzucken.
„Oh, ich wusste gar nicht, dass du so empfindlich bist, Liebes“, raunte Lucien ihr amüsiert zu. Sie wollte ihm sagen, dass er die Klappe halten sollte, doch sie war so in ihren Gedanken gefangen, dass sie schlichtweg nicht mehr dazu in der Lage war. Das einzige, das sie sich im Moment wünschte, war, dass Lucien sich das nahm, was er wollte.
Keuchend riss sie die Augen auf, als er sie herumdrehte und gegen die Wand drückte, nur um kurz darauf grinsend in sein Gesicht zu blicken.
„Du weißt, deine Familie ist noch da unten“, erwähnte er beiläufig und Freya konnte seinen Blick genau deuten. Der Grund, weshalb sie noch nie eine Nacht im Mikaelson Compound verbracht hatten, war, dass Freya Angst hatte, jemand könnte sie erwischen. Und im Normalfall waren nur Klaus, Hayley oder Elijah anwesend. Dass Freya ausgerechnet jetzt, wenn der Rest der Mikaelsons ebenfalls hier war, dazu bereit zu sein schien, musste Lucien verwirrt haben.
Sie nickte und sah ihn mit einem bereitwilligen Funkeln in den Augen an. Ihr war bewusst, dass das eine Sache war, auf die Lucien schon länger gewartet hatte.
„Deswegen: shhh.“ Freya legte einen Finger auf ihre Lippen. Ihre Angst war zwar auf magische Weise verflogen, aber das bedeutete immer noch, dass sie vorsichtig sein mussten.
Lucien musste kurz auflachen. „Du solltest aufhören, dir Dinge vorzunehmen, die du nicht einhalten kannst.“
Ohne auf ihre Antwort zu warten, packte er sie an den Oberschenkeln und hob sie hoch, während er sie in dem Wissen küsste, ihr noch viel mehr zu geben, als nur das, worum sie gebeten hatte.
Wie von allein fanden ihre Finger seine nassen Haare und krallten sich darin fest, als er sie mit seinem Körper an der steinernen Fliesenwand fixierte. Der Kuss half ihr, weiterhin einen klaren Gedanken fassen zu können. Vor allem, da Lucien anfing, seine Hüfte so quälend langsam zu bewegen, dass sie kurz davor war, den Verstand zu verlieren. Er wusste das. Er wusste das ganz genau. Und Freya war mehr als nur klar, dass er das bis zum Ende durchziehen würde. Solange sie jedoch ihr Stöhnen in einem Kuss unterdrücken konnte, ließ sie Lucien weiterhin den Rhythmus bestimmen.
Als hätte er ihre Gedanken gelesen, löste er sich in diesem Moment von ihr, um stattdessen ihrem Hals mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Währenddessen sah Freya fassungslos zu ihm hinab und fragte sich, ob er das eigentlich mit Absicht machte.
Die Lippen aufeinander gepresst versuchte sie, sich auf ihre Fingernägel zu konzentrieren, die leicht an Luciens Nacken entlang kratzten. Im nächsten Moment jedoch verkrampfte sie ihre Hand, als sie beinahe ein lautes Keuchen aus ihrer Kehle hatte entfliehen lassen. Sie musste nicht in Luciens Gesicht sehen, um zu wissen, dass sich dort nun ein Grinsen abzeichnete.
Doch ihr größeres Problem bestand darin, dass sie spürte, wie ihre Lust sie bald einholen würde. Sie hatte das Gefühl jeder Muskel in ihrem Körper zuckte zusammen und fast schon panisch zog sie Lucien wieder zu einem Kuss heran, was ein neues Problem aufdeckte. Sie hatte zu wenig Luft in ihren Lungen, um ihre Lippen länger mit seinen zu verschließen. Ihre Atmung hingegen war bereits viel zu laut, als dass man sie noch als solches bezeichnen konnte.
Die ganze Zeit war sie so darauf fokussiert, die Lautstärke auf ein Minimum zu reduzieren, dass sie zuerst nicht mitbekam, dass Lucien plötzlich gestoppt hatte.
„Was zur Hölle machst du da?“, platzte es atemlos aus Freya heraus.
„Du willst, dass ich weiter mache? Ooh, das ist zu schade, Liebes.” Luciens Stimme war kaum mehr als ein dominant klingendes Raunen, während er leicht den Kopf neigte.
Freya konnte nicht glauben, wie sehr er es genoss, diese Kontrolle über sie zu haben.
„Du verdammter-“, begann sie, doch wurde sofort von Lucien unterbrochen.
„Nah Nah! Heute hast du aber wirklich schlechte Manieren“, tadelte er ihr Verhalten und kostete diesen überlegenen Moment in vollen Zügen aus.
Eine Sache hatte Lucien jedoch nicht bedacht. Selbst wenn er aufgehört hatte, änderte das nichts daran, dass ihr Höhepunkt weiterhin unbarmherzig auf Freya zurollte. Und mit einem Mal fühlte es sich so gut an, dass es ihr egal war, ob sie leise genug war oder nicht. Sie ließ es einfach geschehen. Ihre Finger krallten sich in Luciens Rücken, was ihn dazu brachte, seine Bewegungen wieder aufzunehmen und Freyas Lust nur immer weiter durch ihren Körper zu treiben.
Dadurch, dass sie es so krampfhaft zurückgehalten hatte, überwältigte sie dieses Gefühl. Sie fluchte stöhnend und versuchte erfolglos, das Zittern in ihren Beinen zu stoppen. Genauso wenig gelang es ihr, ihre Atmung flach zu halten.
Sie hatte die Augen geschlossen, als sie Luciens Hand sanft an ihren Beinen fühlte, die sie aus eigener Kraft nicht mehr um seinen Körper halten konnte. Er küsste sie zaghaft und ließ sie erst dann vorsichtig zurück auf ihre eigenen Füße, als das bebende Zucken in ihrem Körper abschwächte. Sie konnte spüren, dass er grinste. Nein, er grinste nicht, er lächelte. Dass ihn dieser Wunsch so glücklich gemacht hatte, half ihr irgendwie zusätzlich, sich zu beruhigen. Sie blickte ihn an und schüttelte lächelnd den Kopf. Dass sie schließlich doch nachgegeben hatte und das Risiko eingegangen war, erwischt zu werden, schien ihm wohl ziemlich zu gefallen.
Sie schlang die Arme um seinen Hals und hauchte ihm einen weiteren Kuss auf die Lippen, als es plötzlich an ihrer Zimmertür klopfte und ihr Herz wieder schneller zu schlagen begann, nachdem es sich gerade beruhigt hatte. Geschockt sah sie Lucien an und machte ihm damit klar, dass er so still wie möglich zu sein hatte.
„Freya?“ Es war Rebekah, die draußen im Flur stand und nach ihr rief. „Ist alles in Ordnung?“
Trotz Freyas Warnung musste Lucien beinahe lachen. „Ssh Ssh!“, zischte sie panisch, doch wurde dabei schon fast durch Luciens unterdrücktes Lachen angesteckt.
Sie hoffte so sehr, dass sie durch das Geräusch der Dusche übertönt wurden.
„Ja... Ich, ähm… habe mich nur an etwas gestoßen“, war das einzige, das Freya einfiel, um es ihrer Schwester zurückzurufen, „Ist aber nichts passiert.“
Es kam keine Antwort mehr, also ging sie davon aus, dass Rebekah wieder weggegangen war. Ob sie ihr geglaubt hatte oder nicht, war jedoch eine andere Frage.
„Ich werde dich umbringen!“, warnte sie Lucien, der sich mittlerweile leicht auf die Lippe gebissen hatte, um sein Grinsen zu stoppen. Das war wirklich verdammt knapp.
„Dein schlechtes Benehmen heute ist wirklich nicht zu fassen, Liebes“, entgegnete er amüsiert. Freya verdrehte die Augen, konnte ein kleines Lächeln jedoch ebenfalls nicht unterdrücken.
Ihre Familie hatte ja keine Ahnung, wie wenig sie sich in New Orleans langweilte.
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