The Heir

GeschichteFamilie, Fantasy / P18
Feyre Archeron OC (Own Charakter) Rhysand
20.06.2019
29.06.2020
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Kapitel 1


Selbst 500 Jahre nach dem Ende des Krieges ermüdeten Rhysand die Treffen mit den High Lords. Die Treffen wurden immer in anderen Höfen abgehalten und dieses Mal war sein eigener an der Reihe. Seiner und Feyre's. Und jetzt saß er, seine wunderbare Seelengefährtin neben ihm, mit den anderen High Lords an einem langen Tisch im Mondpalast, die reichlichen Speisen alle samt unberührt, lediglich am Wein hatte man sich bedient, und wartete darauf, dass irgendwer zu sprechen begann. Nun ja, eigentlich nicht irgendwer. Tamlin hatte das Treffen einberufen, er sollte also beginnen. Es war das erste Mal, dass der High Lord des Frühlingshofes den Hof der Nacht aus dieser Nähe sah. Und anstatt endlich auszusprechen, was dem jungen Lord auf der Seele brannte, starrte er nur verstimmt durch die Gegend und nahm jegliches Detail in sich auf.
Rhysand war nervös und er hoffte wirklich zutiefst, dass niemand es bemerken würde. Nicht nur er war aufgewühlt, Feyre war es ebenfalls, genauso wie Mor und Amren und Nesta, die mit am Tisch saßen. Cassian saß nicht, denn er war genauso aufgewühlt wie jeder andere des inneren Kreises. Er lief umher und ließ es aussehen, als wolle er einfach nur alles gut beobachten. Was im Endeffekt auch stimmte. Wenn sie hier ankam, geholt von Lucien und Azriel, und die High Lords und ihr Gefolge immer noch hier wären… Cassian würde dafür sorgen, dass keiner der High Lords in ihre Nähe kam. Und nicht nur er würde dafür sorgen. Rhys würde es tun, Feyre, Mor, Nesta… einfach jeder an diesem Hof.
„Nun sprich endlich, Tamlin.“ seufzte Helion sichtbar gelangweilt.
„Jeder von uns hat besseres zu tun, als hier zu sitzen und in die Luft zu starren.“ Tamlin's Blick glitt kurz zu Helion, ehe er sich Rhysand zuwandte. Und Feyre.
„Ich warte auf den letzten Ankömmling.“ Feyre verspannte sich und Rhys Augen wurden schmal.
„Sie soll doch bald hier sein, oder nicht?“ Tamlin legte den Kopf schief. Oh, das Verhältnis zwischen Rhys, Feyre und Tamlin hatte sich um keinen Deut gebessert. Im Gegenteil, es wurde immer irgendwie schlimmer. Nur fragte sich Rhysand gerade, wie beim Kessel Tamlin davon in Erfahrung gebracht wurde. Wie?!
„Wer?“ fragte Thesan, nur halb neugierig. Tamlin's Miene verzog sich zu einem grimmigen Lächeln.
„Die Tochter vom High Lord der Nacht.“ Stille. Komplette Stille.
„Du… ihr habt eine Tochter?“ fragte Viviane, die sich zu Mor beugte und ihrer Freundin in die Augen sah. Feyre nickte.
„Ja.“ hauchte sie und verstärkte den Griff um die Armlehne ihres Stuhles, sodass das Holz gefährlich knackte.
„Das haben wir.“

Und es war wirklich ein Schock gewesen, als Feyre vor sechzehn Jahren ein Mädchen auf die Welt gebracht hatte. Der Knochenschnitzer hatte von einem erstgeborenem Jungen gesprochen. Nicht von einem Mädchen. Dennoch war das kleine Wunder eine hübsche Tochter geworden. Und zu ihrer eigenen Sicherheit, hatten sie sie weggeschickt. Auf einen anderen Kontinent, auf dem es keine Fae gab, auf denen nicht mal die Bewohner, die Menschen wussten, dass es solche gab.
„Also hast du dieses Treffen einberufen...“ fing Rhys an und zog spöttisch eine Augenbraue hoch um nicht durchblicken zu lassen, wie sehr in das Ganze erschreckte.
„… um meine Tochter kennenzulernen? Hätte es ein Brief nicht auch getan?“ Tamlin lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
„Ich habe das Treffen einberufen, damit ihr sie nicht länger verstecken könnt. Sechzehn Jahre habt sie versteckt, das hört jetzt auf.“ Nesta fletschte die Zähne und starrte Tamlin nieder. Sie liebte ihre Nichte und würde alles für sie tun, selbst wenn sie sie so gut wie nie gesehen hatte. Denn dass sie weggeschickt wurde, hatte zufolge, dass sie nur spärlich besucht wurde. Nesta hatte ihre Nichte genau zweimal gesehen. Bei ihrer Geburt und als sie zehn wurde. Seitdem nicht mehr. Selbst Feyre und Rhysand hatten sie nur selten besucht, immer an ihrem Geburtstag, der kurz hinter Feyre's lag. Vier Tage nur, um genau zu sein. Sechzehn Mal hatten sie ihre Tochter in siebzehn Jahren gesehen. Und jetzt… würde sie nach Hause kommen und direkt den Wölfen zum Fraß vorgeworfen werden.
Rhys Herz setzte einen Schlag aus, als er spürte, wie Lucien und Azriel den Wind in das Gebäude teilten. Mit ihnen eine andere Präsenz. Bei ihrem siebzehnten Geburtstag war er nicht mitgekommen, um sie zu besuchen, genauso wenig wie Feyre. Sie mussten geschäftliche Dinge erledigen. Dafür gingen Mor und Azriel hin.
Wobei letzterer gerade durch die Tür trat und mit einem Blick auf Rhysand meinte:
„Sie ist hier.“ Es hatte keinen Zweck, Rhys konnte seine Tochter nicht vor den High Lords verstecken. Diesen Gedanken schickte er Lucien zu, als er die Tür öffnete und mit seiner Tochter eintrat.

Myelin's Sicht


Als ich das letzte Mal durch den Wind gereist bin, war ich ein Baby gewesen und obwohl ich ganz genau wusste, wie es funktionierte, hatte es mich doch voll erschreckt. Ehrlich gesagt wunderte ich mich, dass ich meine ganzen Sachen nicht verloren hatte, doch die Koffer und Taschen standen alle neben mir und Lucien. Azriel war vor gelaufen, wohin wusste ich nicht.
„Was ist denn los?“ fragte ich den rothaarigen und sah immer noch voller Staunen das goldene Auge an. Ich wusste, dass es unhöflich war, aber ich konnte es einfach nicht lassen. Es faszinierte mich ungemein. Obwohl immer noch ein sehr starker Zauber meine Fae – Erscheinung und meine Fae – Sinne unterdrückte, verstand ich immerhin genug von Magie, um zu spüren, dass hier alle Leute, die ich kannte, irgendwie nervös waren.
„Die High Lords der anderen Höfe sind hier. Wir sind uns nicht sicher, ob wir dich ihnen vorstellen sollten.“ erklärte er und musterte mich besorgt. Das tat er ständig, aber nicht nur er, Azriel auch. Und auch als meine 'Tante' Mor vor fünf Monaten, an meinem Geburtstag, bei mir war, hat sie mich auch so besorgt gemustert und langsam wurde ich misstrauisch.
Lucien zuckte kaum sichtbar zusammen und sah dann zweifelnd in die Luft. Ich nahm jetzt einfach mal an, dass mein Vater oder meine Mutter eine Nachricht in seinen Geist gesendet hatten. Er hatte mir mal erzählt, dass er sich einfach nicht daran gewöhnen konnte.
„Aber anscheinend wurde gerade entschlossen, dich ihnen vorzustellen.“ seufzte er und sah dabei alles andere als begeistert aus. Ich zog eine Augenbraue hoch, als ich ihm durch einen langen Gang folgte, den Azriel noch vor ein paar Minuten lang gelaufen war.
„Wenn es nach dir ginge, würdest du mich ganz woanders hinbringen, oder?“ fragte ich und sah ihn von der Seite an. Ich merkte den Unterschied sofort. Zu ihm, als Fae, und zu den Menschen, die ich immer um mich herum hatte. Sein Gang war eleganter, schneller, sinnlicher. Ich bewegte mich immer zwischen einer Mischung aus dem eleganten Gang der Fae und der etwas holprigen, stockenden Art der Menschen, besonders seit ich in die Pubertät gekommen war und meine eigene Magie sich immer weiter gegen den Zauber, den High Lord Helion um mich geschlossen hatte, auflehnte und versuchte, ihn zu durchbrechen. High Lord Helion war der einzige, außerhalb dieses Hofes, der von meiner Existenz wusste. Und er war ein guter Freund von mir, er hatte mich einige Male besucht, heimlich wohl gemerkt. Es war immer komisch gewesen, wenn er in lange Tücher gehüllt plötzlich in meinem Zimmer stand und völlig fehl am Platz zu sein schien. Nun ja, jetzt war ich fehl am Platz, ich trug schließlich die Kleidung der Menschen und ich war mir ehrlich gesagt, noch unsicher, ob ich meine Kleidung behalten würde oder ob ich zur Mode der Fae umsteigen würde. Denn eigentlich mochte ich meine schwarzen Lederboots, die ich auch jetzt trug, genauso wie meine hellblaue ausgefranste Jeansshorts. Und auch mein lockeres bauchfreies Shirt, das mir gerade so über die Rippen reichte, war ganz nach meinem Geschmack. Aber gut, das konnte ich auch wann anders entscheiden.
Auch war ich noch am Überlegen, wie ich das mit der ganzen Technik machen wollte. Mein Handy war in meiner Arschtasche und es lief unablässig Musik zu meinem linken Ohr, den rechten In-Ear hatte ich raus genommen und der baumelte jetzt an meinem Bauch hin und her. Musik hatte mich immer beruhigt und das konnte ich jetzt sicher gut gebrauchen, denn nach allem, was ich von den High Lords gehört hatte, wollte ich sie gar nicht kennen lernen. Na gut, das beschränkte sich eher auf High Lord Tamlin und High Lord Beron, Lucien's Vater.
„Definitiv.“ antwortete Lucien mir und bog um eine Ecke. Eine große Tür erstreckte sich vor mir.
„Wenn du nicht willst, können wir sofort nach Velaris aufbrechen. Das weißt du.“ er sah mich eindringlich an und mir wurde wieder bewusst, wie sehr auch er sich um sich sorgte, obwohl er eigentlich gar keinen Grund dazu hatte.
„Ein Wort, und wir gehen.“ versprach er und ich lächelte ihn warm an. Er war es nicht wirklich, aber wie auch Cassian und Azriel es liebten, wenn ich sie so nannte, sagte ich:
„Danke, Onkel Lucien. Ich krieg das hin.“ Das Strahlen in seinen Augen brachte mich zum Kichern, während er die Tür öffnete. Das Lächeln verschwand nicht, als ich den Raum betrat und mein Blick sofort auf meine Mutter fiel, die aufsprang, sich nicht um ihre Gäste scherend auf mich zu lief, um mich zu umarmen. Über ein Jahr war es her, dass ich sie gesehen hatte und ich drückte sie ebenso sehr an mich, wie sie mich an sich. Ich ähnelte meiner Mutter sehr, hatte ihre Haarfarbe geerbt, ihren Körperbau und definitiv ihr Temperament, das war echt schlimm bei mir. Meine Augen kamen allerdings auffallenderweise nach meinem Vater und ein paar Gesichtszüge ebenfalls, aber hauptsächlich sah ich meiner Mutter am ähnlichsten. Wenn man mich aber zwischen meine Eltern stellte, sah man sofort, dass ich ihr Kind war. Als meine Mutter mich los ließ, wurde ich sofort in eine neue Umarmung gezogen, meine Magie flackerte vertraut auf, als sie sich gegen die unsichtbare Mauer in mir drängte und meinen Vater erkannte. Ein Kuss wurde mir auf's Haar gedrückt und ich konnte nicht anders, als zu lächeln.
„Hey.“ flüsterte ich und ich spürte, wie mein Vater auflachte, ganz leicht nur.
„Hallo, Myelin.“
„Bist du jetzt fertig?“ hörte ich meine Tante Mor.
„Ich will auch.“
„Ich denken, ihr könnt diesen Kitsch auf später verschieben.“ eine dunkle Stimme, die ich noch nie gehört hatte, klang furchtbar gelangweilt dazwischen und an der Art und Weise, wie Lucien sich neben mir verspannte, erkannte ich, dass sein Vater gesprochen hatte. Mein Vater löste sich von mir und mein Blick wurde frei, auf den Mann, den ich hasste ohne ihn persönlich zu kennen. Oh, hatte ich schon erwähnt, dass mein Temperament echt schlimm war? Ich konnte meine Klappe einfach nicht halten.
„Das ist unser Haus.“ sagte ich also, ohne nachzudenken.
„Wenn's dich stört, da ist die Tür!“ Cassian, der hinter Mor hervor kam, lachte auf.
„Ach, herrlich.“ murmelte er, während ich mir ein kleines Grinsen nicht verkneifen konnte.
„Du wagst es, so mit einem High Lord zu reden?“ knurrte er und erhob sich von seinem Stuhl. Ich ging nicht auf die unausgesprochene Drohung ein, lief einfach näher auf ihn zu und blieb zwischen Azriel und Cassian stehen. Ich wusste, sie würden mich nicht näher treten lassen.
„Offensichtlich ja. Und was jetzt?“ ich verschränkte die Arme vor der Brust. Als Beron einen Schritt auf mich zu machte, hatten Azriel und Cassian gleichzeitig ihre Schwerter gezogen, meine Eltern waren dicht hinter mich gerückt, genau wie Lucien, Mor, Amren und Nesta.
„Wie ich sehe, verhätschelt dich deine Familie gut.“ meinte High Lord Kallias und betrachtete mich von oben bis unten. Ich zuckte mit den Schultern und ließ mich auf den freien Stuhl am Kopfende fallen, zog mit einer Bewegung mein Handy aus meiner Hosentasche und legte es mir auf den Schoß.
„Ganz wie du meinst.“ gab ich bloß zurück und griff mir einen Apfel von einem der vielen Platten. Das dabei kein anderer aß, störte mich nicht weiter. Ich hatte heute noch nichts gegessen und es war schon Nachmittag. Während ich in den Apfel biss, beobachtete ich jeden an diesem Tisch genau. Cassian und Azriel blieben hinter mir stehen, steckten ihre Schwerter allerdings zurück, als Beron sich wieder setzte, neben seine Frau, die mich mit einer seltsamen Art von Neugier betrachtete, und seinen Sohn Eris. Eris machte keinen Hehl daraus, dass er mich anstarrte. Von Kopf bis Fuß und wieder zurück. Sollte er doch. Ansonsten hatte Beron keinen weiteren Begleiter mit sich gebracht und grimmig starrte er meinen Vater an, der Beron komplett ignorierte und sein Blick zu einem anderen High Lord schweifte. Tamlin. Und er saß genauso da, wie ich es erwartet hatte. Die Krallen waren ausgefahren, ritzen in das schöne Holz den Stuhles. Und dabei starrte er mich an. Es war offensichtlich, dass er immer noch nicht über meine Mutter hinweg war und ich fragte mich augenblicklich, was er in mir sah. Sah er in mir eine verhasste Brut seines Feindes, meinen Vater? Oder sah er in mir das Kind, dass er mit meiner Mutter hätte haben können, schließlich sah ich aus wie sie. Oder war es doch etwas vollkommen anders? So oder so, sah er aus, als hätte er furchtbare Schmerzen. Obwohl die vermutlich eher mentaler Herkunft waren. Mein Blick ging weiter zu High Lord Thesan, der mich mit seinen geflügelten Soldaten ebenfalls musterte. Doch eher aus unschuldiger Neugier, zumindest war das mein Gefühl. Tarquin und Cresseida redeten leise miteinander, ließen mich aber nicht aus den Augen, was mich daraus schließen ließ, dass sie über mich sprachen. Kallias sah mich aus kalten, aber nicht gefühllosen Augen an, während Viviane aufgeregt auf ihrem Stuhl hin und her rutschte und meine Tante Mor mit Fragen löcherte. Helion grinste mich schief an und ich grinste zurück. Meine Tante Nesta hatte sich links neben mir nieder gelassen, neben ihr Amren und direkt danach kam meine Mutter gefolgt von meinem Vater. Zu meiner rechten saß Eris und ich musste nicht hinsehen, um zu wissen, dass Cassian und Azriel ihn keine Sekunde aus den Augen ließen. Obwohl mein Blick inzwischen auf nichts bestimmtes mehr gerichtet war und ich darauf wartete, dass irgendwer anfing zu sprechen, ruhte ein Teil meiner Aufmerksamkeit dennoch auf Beron's Sohn. Ich wusste von dem Pakt, den er mit meinen Eltern geschlossen hatte, allerdings wusste ich auch, was er Mor angetan hatte. Und deswegen war ich genau auf der Hut vor diesem Kerl.
Das Lied wechselte zu In my Mind und sofort war meine Stimmung um einiges gestiegen. Ich liebte dieses Lied momentan so sehr (obwohl es schon seit Jahren out war) und musste jedes Mal daran denken, wie meine beste Freundin und ich in dem Club, in den wir uns rein gemogelt hatten, dazu getanzt hatten und uns daraufhin ein paar Jungs, die viel zu alt für uns waren, angesprochen hatten. Am liebsten hätte ich den zweiten In-Ear in mein Ohr geschoben, die Lautstärke voll hoch gedreht, hätte die Augen geschlossen und mich der Erinnerung hingegeben. Punkt eins, zwei und vier gingen nicht. Punkt drei ließ sich machen, also schloss ich einfach die Augen und stellte die Lautstärke um zwei Ticken nach oben. Ich wippte automatisch mit meinem Finger mit und Cassian beugte sich zu mir herunter. Wortlos reichte ich ihm den In-Ear und er steckte ihn sich ins Ohr. Ich hatte eine Weile gebraucht, meiner Familie die Sache mit der Technologie zu erklären, da die in Prythian nie angekommen war. Hier gab es Magie, die die Technologie ersetzte.
Stumm hörte er zu, ich bin mir sicher, dass diese Art der Musik immer noch sehr seltsam für ihn war, aber ich hörte sowieso alles mögliche. Rock, Pop, Classic, Hip-Hop, K-Pop. Alles eigentlich.
Während Cassian den Kopfhörer wieder in meine Hand legte, da das Lied zu Ende war, machte ich mein Handy an und änderte die Playlist. BTS. Ich stand momentan total auf ihre Musik. Und als ich auf mein Handy schaute, viel mir etwas auf. Moment mal… ich hatte Empfang?! Wieso das denn?
„Was ist?“ murmelte Azriel und ich sah zu ihm hoch.
„Nichts.“ sagte ich.
„Ist nur… hat was mit Technik zu tun.“ lächelte ich und auch Azriel lächelte leicht.
„Was ist das?“ fragte Viviane und ich folgte ihrem Blick zu meinem Handy. Oh Gott, dass damals zu erklären, war ja schon ne Katastrophe gewesen.
„Das ist ein Handy. Die Menschen haben keine Magie, um Nachrichten zu verschicken, so wie die Fae.“ sagte ich und beließ es einfach bei der einfachsten Form eines Handys. SMS und Anrufe.
„Damit kann man Nachrichten an andere Menschen verschicken oder mit ihnen reden. Es ist kompliziert.“ Ich hoffte wirklich, dass sie es darauf beruhen ließ.
„Wir sind nicht hier, um über den Fortschritt der Menschen zu reden.“ unterbrach Tamlin uns knurrend.
„Weshalb sind wir dann hier. Rhysand hat ein Kind, na und?“ fragte Kallias und ich begriff schnell, dass ich wohl der Grund für dieses Treffen war. Hoffentlich wusste keiner von ihnen es…
„Es geht darum, dass sie alle Kräfte hat.“ knurrte er weiter und ich sank zusammen. Shit…
„Sie hat alle Kräfte von Rhysand und Feyre geerbt. Und da Feyre unser aller Kräfte in sich trägt, hat dieses Kind sie jetzt auch.“ Fuck, das war's dann auch. Das war der einzige Grund, wieso ich überhaupt weggeschickt wurde. Damit sie es nicht erfuhren. Ich würde eine Bedrohung für sie darstellen. Und das war ich auch. Auf eine gewisse Art und Weise. Ich hatte schnell gelernt und verstanden, was genau es auf sich hatte, mit der Magie, die durch meine Adern floss. Mein Vater war der mächtigste High Lord den es gab und meine Mutter hatte alle Kräfte der anderes High Lords, was sie zur stärksten Fae machte. Sie und mein Vater standen auf einer Stufe. Und die zwei mächtigsten Fae hatten ein Kind bekommen. Mich. Ich spürte Helion's Zauber ständig in und um mich herum, doch der einzige Grund, wieso er solange gehalten hatte war, weil ich mich nicht dagegen gestemmt hatte. Ich spürte schon lange, seit meinem neunten Lebensjahr, dass ich, wenn ich wollte, Helion's Zauber sprengen und meine Magie freilassen könnte.
Ich begegnete dem Blick Beron's mit eiserner Entschlossenheit.
„Das darf nicht sein.“ knurrte er.
„Es ist unnatürlich.“ Cassian und Azriel wollten hervor schießen, doch ich hielt sie zurück. Ich musste nur kurz die Hand heben. Ich war vielleicht nicht hier aufgewachsen, aber ich war dennoch in der Lage gewesen, mich zu informieren, die Geschichte zu studieren. Und das hatte ich getan. Ich hatte mich auf mein Leben hier vorbereitet. Also hob ich bloß die Augenbraue.
„Es ist wie es ist.“ sagte ich und fing an, den Schutzzauber von Helion ein wenig zu lockern. Das hatte ich früher schon getan. Ich hatte, sagen wir, kleine Löcher rein gemacht, damit ich einen Teil meiner Magie nutzen konnte.
„Was willst du dagegen machen? Mich töten?“ ich war vielleicht erst siebzehn, dumm war ich deswegen aber nicht. Meine Magie strömte leicht, nur ein kleines Rinnsal dessen, was eigentlich in mir war, durch meine Adern. Und ich war bereit einen kleinen Machtstoß auszusenden. Ich war nicht grausam, war ich nie gewesen, aber ich hatte schnell gemerkt, dass man manchmal seine Macht zeigen musste, damit andere Leute einen in Ruhe ließen. Und ich hatte das Gefühl, ich müsste meine Macht gleich zur Schau stellen.
„Ganz genau.“ knurrte er und sprang auf, doch bevor er oder irgendwer anders einen Muskel bewegen konnte, stoppte er in seiner Bewegung und starrte mich mit offenem Mund an. Ich hatte meine Wassermagie mit meiner Feuermagie verbunden und nach dem Blut von Beron gegriffen. Der High Lord vor mir fing an zu schwitzen und er schien schlecht Luft zu bekommen.
„Das.“ sagte ich ungerührt.
„Ist ein kleiner Teil meiner Magie. Ich lasse dein Blut kochen, was nicht schwer ist, schließlich ist deine Magie die des Feuers. Aber auch du bist nicht unverbrännlich.“ ich setzte ein überhebliches Lächeln auf, während ich Mühe hatte, die Temperatur zu halten. Gott, ich musste diesen Zauber Helion's bald zerstören, das war echt zu anstrengend.
„Drohe mir oder irgendwem anderen, der mir Nahe steht noch einmal und ich-“
„Und du was?“ knurrte er und sah mich wütend an. Mein Blick glitt zu Eris.
„Du hast fünf Söhne, Beron.“ lächelte ich und zählte Lucien einfach dazu.
„Das macht fünf Möglichkeiten, dich zu ersetzen.“ Ich ließ ihn frei und sah, wie er versuchte, nicht zu auffällig nach Luft zu schnappen. Ohne ihn auch nur anzusehen, griff ich nach einem Becher Wein und nippte daran. Fae Wein war sehr viel härter, als der Stoff der Menschen, weshalb ich auch noch nie betrunken war und mich jetzt zu betrinken, würde ich auch nicht tun, aber wenn dieses Treffen noch weiter andauerte, würde ich das ohne Alkohol echt nicht überleben.
„Ich denke, wir sollten dieses Treffen auf wann anders verschieben.“ meinte Helion und ich dankte ihm innerlich.
„Finde ich auch.“ meine Mutter stand bereits auf und Tamlin schnaubte nur verächtlich.
„Natürlich tust du das.“ ich hatte meine Mutter noch nie so schauen sehen und darüber war ich heil froh. Gott, das war ja gruselig!
„Sprich nicht so mit meiner Seelengefährtin.“ knurrte mein Vater und stellte sich schützen vor meine Mutter. Okay, wow. Das ging schnell.
„Wenn ihr euch jetzt die Köpfe einschlagen wollt, werde ich nach Velaris gehen. Für eine Prügelei bin ich zu müde.“ sagte ich zwischen die Zischerei und stand auf.
„Wir sehen uns.“ zwinkerte ich in die Runde, meinte niemanden bestimmtes, ehe ich wieder durch die große Tür verschwand, dicht gefolgt von Lucien.
Kaum war ich außer Hörweite, ließ ich die Schultern sinken und atmete tief aus.
„Gott, ich hasse Helion's Zauber.“ schnaubte ich und griff nach zwei meiner Taschen.
„Er wird jetzt sowieso nicht mehr nötig sein.“ antwortete Lucien und griff nach dem Rest meiner Taschen.
„Da sie es jetzt wissen, wirst du lernen müssen, dich zu verteidigen.“ er machte ein Pause und sah mich bedeutend an.
„Obwohl du das schon ganz gut hingekriegt hast.“ ich lächelte verlegen.
„Ups.“ grinsend zuckte ich mit den Schultern.
„Du weißt, dass du nicht mit deinen Kräften spielen sollst.“ erinnerte er mich, aber das Lächeln, dass er mir zuwarf, zeigte mir deutlich, dass er nicht wütend war.
„Ich weiß, aber mir wurde schnell langweilig auf der anderen Seite der Mauer.“ lächelte ich. Lucien verdrehte die Augen.
„Na gut, dass du jetzt in Prythian lebst.“ Dann griff er nach meinen Koffern.
„Bereit für Velaris?“ Automatisch straffte ich die Schultern. Bereit für meine Heimat, mein Zuhause?
„Bereit!“

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