Lagouscha - Die Wächter der Meere

GeschichteAbenteuer, Romanze / P6
Gallus OC (Own Character) Silverstream
19.06.2019
18.08.2019
12
20827
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Die Sonne strahlte hell von einem wolkenfreiem Himmel. Sowohl das Meer als auch der Himmel hatten heute ihre wohl besten Blautöne hervor geholt, so als wollten sie miteinander wetteifern. Das Schiff hatte geankert, damit sie alle eine kleine Pause machen konnten. An der linken Außenseite des Rumpfes stand mit schwarzer Farbe "Die Entdeckerin" geschrieben. Ocellus hatte den Schriftzug, mit einer selbstgemachten Farbe aus Oktopustinte und Meeresboden-Schlamm, dort hin geschrieben. Terramar hatte ihr beide Zutaten von einem Tauchgang mitgebracht und ihr auch beim Zusammenmischen geholfen. Ocellus war nämlich der Meinung gewesen, dass ihr Schiff dringend einen Namen benötigt. Als sie Tempest gefragt hatte, ob sie das Schiff benenen, und mit der selbstgemachten Tinte auch taufen duften, hatte sie nur die Augen verdreht. Allerdings hatte sie dabei auch gelacht, zur großen Überraschung aller Anwesenden. Da sie auch nicht direkt "Nein" gesagt hatte, haben die sechs Freunde, plus Terramar, beim Frühstück ihre Köpfe zusammengesteckt und sich auf einen Namen geeinigt.

Es war gar nicht so einfach gewesen und es ging über einen längerem Zeitraum hin und her. Und nachdem mehrere Namen wie "Sturmpflüger" oder "Eisenzahn" gefallen waren, schlug Sandbar schließlich "Die Entdeckerin" vor. Ein sehr schlichter, und einfacher Name. Und kurze Zeit später stand genau dieser Name auf der Außenseite des Schiffes. Als Tempest, die leicht verschmierte Schrift gesehen hatte, hatte sie nur stumm ihren Kopf geschüttelt. Allerdings waren sich alle einig, ein kleines Lächeln auf ihren Lippen gesehen zu haben, während sie wieder ins Führerhäuschen verschwand.

Als es Mittag war hatte das Schiff vor einigen Felsen halt gemacht und bei genauerem hinsehen sah man, dass dort nicht nur normale Felsen ragten, sondern diese Felsen von einem farbenfrohen Korallenriff umgeben waren. Alle waren zur Reling gelaufen und hatten mit großem Staunen auf die prächtigen Farben, welche unter der Wasseroberfläche zu erkennen waren, geschaut. Ocellus hatte sich in ein Seepony verwandelt und war Kopfüber zu Terramar und Silverstream ins Wasser gesprungen. Sandbar folgte ihrem Beispiel und hatte sich eine Schwimmweste aus einer Holzkiste, welche unter Deck stand, hervor geholt. Die Schwimmweste war ziemlich verstaubt, war jedoch nicht beschädigt und würde dementsprechend ihren Zweck erfüllen.

Jetzt war Sandbar im Wasser und ließ sich mit einem Tau, welches er um seinen Bauch gebunden hatte, abwechselnd von Ocellus, Terramar und Silverstream durchs Wasser ziehen. Sogar Smolder konnten sie überreden sich dem Spiel, wenn auch nur kurz,  anzuschließen. So ließ sie sich, zusammen von Terramar und Silverstream ziehen. Wobei sie schnell genug waren, dass Smolder stehend, wie auf Wasserskiern, laut jauchzend übers Wasser glitt. Nur Yona wollte sich dem Spiel partout nicht anschließen. Selbst mit einer Schwimmweste und dem Versprechen ihrer Freunde, auf jeden Fall auf sie aufzupassen, während sie im Wasser war, zog sie es vor auf dem Schiff zu bleiben und ihren Freunden von dort aus zu zusehen. Tempest lag währenddessen in der Sonne, und ließ sich von den Anderen und ihren Spielen in keinster Weise stören.

Gallus tat es ihr gleich. Er lag rücklings auf dem Dach des Führerhäuschens und genoss die Wärme auf seinem Bauch in vollen Zügen. Als Tempest ihn gefragt hatte, warum er gerade dort oben lag, hatte sie scherzhaft gesagt, dass sie hoffe es liege nicht an ihrer Anwesenheit an Deck. Gallus hatte das schnell verneint und meinte nur, sich dort oben besser sonnen zu können. Allerdings war das nicht ganz wahr gewesen. Er lag hier oben, weil er so weit er konnte von seinen Freunden Abstand halten wollte. Er wollte nämlich um jeden Preis verhindern, dass ihn irgendjemand, wegen der Sache von gestern Abend ansprechen würde.

Das Problem war nicht nur, weil er nicht darüber reden wollte. Sondern auch, weil er gar nicht wüsste wie. Er konnte sich beim besten Willen nicht erklären, was gestern genau mit ihm passiert war. Er wusste nur, dass er beim Anblick von Silverstream völlig erstarrt war, abgesehen von seinem Herzen, welches wie verrückt geschlagen hatte. Es hatte sich für Gallus so angefühlt, als hätte ihn ein Blitz direkt von oben herab getroffen und als Silverstream auf ihn zugegangen war, war ihm plötzlich so heiß geworden, dass er es nicht mehr ausgehalten und schnell das Weite gesucht hatte. Er wusste, dass der Vorfall ihn für eine Weile verfolgen würde. Nicht zu Letzt weil er die Anderen vergangene Nacht, während er in seiner Hängematte lag und so getan hatte, als würde er schon schlafen, deutlich beim herum tuscheln belauscht hatte. Während die Anderen längst schliefen, hatte Gallus die halbe Nacht wach gelegen und sich darüber den Kopf zerbrochen, was mit ihm passiert war. Allerdings waren seine Gedanken immer wieder zu Silverstream abgeschweift. Je doller Gallus versuchte die Gedanken zu verdrängen und sich wieder zu konzentrieren, desto hartnäckiger hielten sie an ihm fest. Schließlich hatte er es aufgegeben und beschlossen lieber etwas schlaf zu bekommen. Und, wer hätte es anders erwartet, hatte er von Silverstream geträumt.

Gallus schüttelte energisch den Kopf. Was im Namen von König Grover war bloß los mit ihm? Missmutig blickte er zum Horizont. Das Meer. Es lag sicher am Meer. Er war bereits zu lange hier draußen und dass brachte seine Greifeninstinkte durcheinander. Gallus erhob sich und schaute zu seinen Freunden, welche die Zeit ihres Lebens zu haben schienen. Er breitete seine Flügel aus und machte einen Gleitflug vom Dach des Führerhäuschens. Lautlos wie eine Eule landete er auf der Reling und mit einem weiterem Sprung landete er auf einigen Felsen, welche aus dem Wasser ragten. Gallus musste seine Krallen fest in das Gestein bohren, da dieser ihm nicht viel Oberfläche zum festhalten gab und zudem noch durch das Meerwasser rutschig war. Gallus konnte, wenn er auf die Oberfläche schaute, mühelos den Grund sehen. Das Wasser war hier sehr klar. Aber die einzelnen Korallen oder gar welche der unzähligen Fische, die man laut Silverstream in einem solch prächtigen Korallenriff antreffen konnte, konnte er nicht erkennen.

Prüfend blickte sich Gallus um. Das Schiff lag direkt zwischen ihm und seinen spielenden Freunden und von Tempest hatte er auch seit längerem keinen Ton mehr gehört. Würde ihn nicht wundern wenn sie einfach eingeschlafen war. Gallus holte ein letztes Mal tief Luft und tauchte seinen Kopf unter Wasser. Es dauerte eine Weile, bis er sich traute seine Augen zu öffnen. Im ersten Moment konnte er außer verschwommenen Farben nichts erkennen, zudem fühlte sich das Salzwasser unangenehm in seinen Augen an. Doch nach einer Weile zeichneten sich immer mehr Umrisse ab. Es gab Korallen von gelb bis orange, über rot, magenta und sogar neonpink. Manche sahen aus wie kleine kahle Bäumchen, andere erinnerten ihn an große Flügel oder Kugeln mit komischen Mustern und Kerben auf der Oberfläche. Auch verstand Gallus nun, warum Terramar und Silverstream die Korallenriffe als einer der lebendigsten Orte im gesamten Ozean beschrieben hatten. Überall wo er hinblickte sah er alle möglichen Meerestiere, in allen Farben des Regenbogens. Kleine feuerrote Fische, welche wie Pfeile durch das Riff wuselten, pink leuchtene Seesterne, und zitronengelbe Seepferdchen, welche ein bisschien wie eine Miniausgabe von Terramar und Silverstream aussahen. Gallus beugte seinen Kopf vor, um eine kleine Gruppe von Clownfischen zu beobachten als, wie aus dem Nichts ein großer brauner Fisch mit gezackter Rückenflosse vorbei schoss.

Die Clownfische konnten dem hungrigen Jäger rechtzeitig entkommen. Jedoch hatte Gallus nicht so viel Glück. Das plötzliche Auftauchen des Fisches hatte ihn so überrascht, dass er den Halt verlor und Kopfüber ins Wasser fiel. Gallus strampelte wild mit seinen Beinen und schlug mit seinen Flügeln, obwohl er wusste, dass das unter Wasser ziemlich sinnlos war. Endlich durchbrach Gallus Kopf die Wasseroberfläche. Aber nicht ohne vorher einiges an Salzwasser zu verschlucken, welches nun in seiner Kehle brannte. Nach Luft röchelnd und mit fest zusammen gekniffenen Augen tastete er nach dem Felsen und zog sich mit großer Mühe an diesem hoch. Kein Wunder. Gallus fühlte sich mindestens 10 Kilo schwerer als sonst und es war nicht nur seine Einbildung. Er war bis auf die Haut durchnässt und sowohl sein Fell als auch seine Federn trieften. Er hob seine schweren Flügel an, in der Hoffnung, dass sie so schneller trockneten. Fliegen konnte er so erst einmal vergessen. Offenbar hatte das Meerwasser die natürliche Fettschicht seines Gefieders zerstört, wodurch seine Federn völlig durchnässt waren. Es würde Stunden dauern seine Federn zu putzen und wieder in Ordnung zu bringen. Gallus stöhnte bei dem Gedanken und schlug ein paar mal mit seinen Flügeln, wodurch in alle Richtungen Wassertropfen flogen.

"Was ist denn mit dir passiert?", hörte er eine Stimme, welche ihn sofort erstarren ließ. Langsam wandte er den Kopf, wodurch er neben sich Silverstream im Wasser sah. Gallus spürte wie sich seine Kehle zusammenzog, dennoch konnte er sich irgendwie am Riemen reißen: "Ich wollte mir das Korallenriff etwas genauer ansehen. Dabei bin ich ausgerutscht und ins Wasser gefallen." Silverstream mussterte ihn überrascht: "Wirklich? Du siehst aus als wärst du mitten durch einen Tropensturm geflogen. Du warst doch vorher schon im Wasser und saßt nicht halb so schlimm aus wie jetzt." "Es liegt sicher am Salzwasser. Es scheint meinen Federn nicht gut zu bekommen. Fürs Erste werde ich keinen Meter weit fliegen können. Ich werde wohl oder übel zum Schiff zurück schwimmen müssen. Beschweren sollte ich mich in diesem Fall wohl nicht. Immerhin bin ich ja schon nass.", seufzte Gallus und spreitzte noch einmal prüfend seine Flügel, während er auf das Schiff blickte. Es waren nicht mehr als ein paar Meter, allerdings hieß dass nicht, dass ihm die ganze Sache nicht trotzdem gegen den Strich ging. "Wenn dass so ist, kann ich dir helfen.", bot Silverstream an.

Gallus hatte nicht wirklich auf Silverstreams Worte geachtet. Oder gar auf Silverstream selbst. Denn diese schwamm nah zu ihm heran und legte eine ihrer Flossen auf seine gelbe Kralle. Gallus spürte, wie ein ein Stromschlag von seiner Kralle, durch seinen gesamten Körper schoss. Alle seine Haare und Federn standen unter Strom und er konnte es kaum glauben, aber er war heilfroh klatschnass zu sein, da sie sich sonst alle Kerzengerade aufgestellt hätten. Sein Herz raste wie wild und ihm wurde so heiß, dass er sich wunderte, wann die Wassertropfen auf seinem Körper anfingen würden, laut zischend zu verdampfen. Schneller als mit der Wimper zu zucken, zog Gallus seine Kralle zurück: "Nein. Dass geht schon. Wenn ich es mir recht überlege, bin ich mir ziemlich sicher, dass ich es doch fliegend aufs Schiff zurück schaffe." Silverstream blickte ihn verwirrt an und es war offensichtlich dass sie ihm nicht glaubte: "Bist du sicher?" "Klar, bin ich sicher. Sieh her, jetzt kannst du noch was lernen!", selbstbewusst streckte er die Brust raus und spreitzte seine Flügel.

Er fokusierte seine Augen auf sein Ziel, winkelte die Hinterbeine an und mit einem kräftigen Flügelschlag erhob er sich in die Luft. Aber er wurde schon gleich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück gebracht und dass im wahrsten Sinne des Wortes. Durch das Wasser zerrte die Schwerkraft erbarmungslos an ihm. Hektisch und keuchend schlug er wie wild mit den Flügeln, um sich irgendwie in der Luft halten zu können. Schließlich konnten seine Flügel den Kampf gegen die Schwerkraft nicht weiter aufrecht halten und er landete krachend an Deck. Wenigstens hatte er recht behalten und es tatsächlich aufs Schiff zurück geschafft. Stöhnend richtete er sich auf. Erst ein unfreiwilliges Bad und dann anschließend eine Bruchlandung. Der Tag war echt ätzend. Er blickte hinter sich und sah Silverstream, welche sich mit ihren Flossen an der Reling hochgezogen hatte und ihn besorgt ansah: "Gallus? Alles in Ordnung bei dir? Dass hat ziemlich schmerzhaft ausgehen."

"Ja. Alles gut sowei. Wir Greife können das locker ab. Ich gehe mich dann mal abtrocknen.", antwortete er hastig und ehe Silverstream die Chance hatte noch etwas zu sagen, war er bereits so schnell ihn seine Beine trugen die Treppe herunter, unter Deck, gestürmt. Dass er dabei eine äußerst deutliche Spur an Wasser auf seinem Weg zurück ließ, kümmerte ihn herzlich wenig.

Auf einmal kam ihm der Gedanke, die nächsten paar Stunden mit dem trocknen und ordnen seiner Federn zu verbringen, gar nicht mehr so schlimm vor. Ihm war nämlich im Moment alles recht. Hauptsache er hatte etwas zu tun, was ihm von dem, was gerade passiert war, ablenkte. Oder aber auch um ihn von dem Chaos abzulenken, welches in seinem Innerem herrschte und mit Sicherheit genauso bunt war, wie die Korallen außerhalb des Schiffes.

Tempest, welche sich auf dem Deck sonnte, hatte er komplett vergessen. Und obwohl ihre Augen geschlossen waren, waren ihre Ohren gespitzt und hatten alles mitgehört.

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Review schreiben