Für Immer

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Julia Schindel Tonio Niederegger
19.06.2019
11.08.2019
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Disclaimer: Tonio & Julia gehört mir nicht.

Für Immer

Abschied

Endlich ist Tonio sich sicher, alle Zweifel sind ausgeräumt. Sein Leben will er jetzt nach seinen Vorstellungen gestalten. Das hat er so auch dem Generalvikar mitgeteilt. Den raschen Sinneswandel hat Zimbrodt nicht verstanden, aber das muss er auch nicht. Stattdessen hat er den Termin mit dem Bischoff bestätigt. Im Gespräch mit den beiden haben sie die fraglichen Punkte schnell geklärt. Seine Ansichten sind sicherlich gewagt, aber er weiß, dass der Kirche eine Modernisierung gut tut. Der Bischoff ist damit einverstanden und er mit der neuen Aufgabe. Das alles geht schneller, als Tonio gedacht hat, denn der Regens geht nächsten Monat in Rente. Damit der Übergang fließend verläuft, tritt Tonio schon Montag seine neue Stelle an. Übergangsweise wird eine Vertretung seine Stelle in der Gemeinde übernehmen, bis sie dauerhaft neu besetzt ist.

Tonio kann Tölz hinter sich lassen und will mit seinen Gefühlen für Julia abschließen. Ob er letzteres schafft, weiß er noch nicht. Vermutlich wird er sie nur wieder vergessen und verdrängen, wie er es schon Jahre zuvor getan hat. Das ist zwar keine Lösung, aber damit kann und muss er leben. Julia ist mit Dr. Born zusammen und das findet er gut. Tonio wird ihrem Glück nicht im Wege stehen und auch seiner eigenen Zufriedenheit nicht. Tonio erinnert sich an den Moment nach Mellis Beerdigung, als er mit Julia zur Wiese gegangen ist. Dort hat er ihr den Rat gegeben, ihr Leben zu leben. Das gleiche hat sie ihm mit auf den Weg gegeben. Er ist sich sicher, dass München dieser Weg ist.

Bisher hat Tonio ausschließlich seinem Vater erzählt, dass er geht, und auch nur, weil Franz eine neue Bleibe benötigt. Er hat seine Beziehungen spielen lassen, weshalb er kurzfristig in eine altengerechte Wohnung ziehen kann. Nur eins hat er noch nicht getan und das steht heute an. Julia hat er seine endgültige Entscheidung für München noch nicht mitgeteilt, tatsächlich ist er ihr die letzten Tage gekonnt aus dem Weg gegangen. Freitags frühstücken sie zusammen, das kann er nicht umgehen. Zudem muss er noch sein Büro räumen.

Ein letztes Mal fährt Tonio zur Beratungsstelle. Schon jetzt weiß er, wie er die tägliche Routine, mit dem Fahrrad zu fahren, vermissen wird. Auch wird er Julia vermissen, die sein Leben im vergangenen Jahr durcheinander gewirbelt und dabei so sehr bereichert hat. Tölz lässt er auch ungern hinter sich, aber er hat keine andere Wahl. Mit diesen Gedanken holt er ein letztes Mal Semmeln und Croissants, bevor er die Beratungsstelle erreicht. Maja und Julia decken den Tisch, als er den Raum betritt. Beide schauen ihn erwartungsvoll an. Tonio kann kaum die Augen von Julia abwenden, die wunderschön ist.

"Guten Morgen, hier ist der Brötchenmann", begrüßt er die beiden übertrieben und merkt selber, wie falsch er klingt.
"Guten Morgen", erwidern die beiden und sind schon wieder in ihr Gespräch über Horoskope vertieft, was er nur am Rande mitbekommt. Noch nie hat er etwas auf Majas Hobby gegeben und bringt daher erst einmal sein Fahrrad weg, ehe er mit den Brötchen zu den beiden zurück kehrt. Wie gewöhnlich setzt er sich aufs Sofa und ist sich der Nähe zu Julia nur allzu bewusst, wird jedoch aus seinen Gedanken gerissen.
"Ihr Horoskop sagt, dass sie auf unerklärliche Weise den Weg zurückfinden werden", erzählt ihm Maja. "Es ist eindeutig, dass sich ihr wahres Schicksal noch vor ihnen verbirgt." Tonio nickt freundlich und beißt in sein Brötchen, da er nicht weiß, wie er darauf reagieren soll. Glücklicherweise rettet Julia ihn.
"Vielleicht fährt er heute Abend über den Dorfplatz nach Hause, anstatt beim Metzger herum. Die Gefahr, sich zu verfahren, besteht da schon." Daraufhin muss Tonio lächeln und weiß, dass er auch die Frühstücke fehlen werden. Aber wem will er etwas vormachen, er wird sein ganzes bisheriges Leben vermissen. Alles wird sich ändern und das ist gut so. Schließlich will er es so und braucht es auch.
"Ich könnte ja auch ganz verwegen sein und um den Ort herum fahren anstatt mittendurch", erwiderte er, um sich nun auch wieder am Gespräch zu beteiligen. So heiter geht das Frühstück weiter und Tonio weiß nicht, ob er sich über die Leichtigkeit freuen oder jeden Moment mit Julia einprägen soll. So lauscht er die meiste Zeit den beiden Frauen und ist für seinen Geschmack zu ruhig, aber er kann nicht anders.

Nach dem Frühstück geht jeder seiner Arbeit nach. Überraschenderweise sind seine persönlichen Habseligkeiten, die er im Büro hat, überschaubar. Ein paar Geschenke, Zeichnungen, seine Bibel und das Foto aus Julias Bewerbung, das aus Versehen die Beratungsstelle nie verlassen hat, legt er in einen Karton. Im Anschluss ordnet er seine Angelegenheiten und ist in Gedanken schon 10 Schritte weiter. Er fürchtet sich vor dem endgültigen Abschied von Julia.

Kurz vor Feierabend ist alles erledigt. Noch lässt er seine Sachen im Büro stehen und geht zu Julia. Vorsichtig öffnet er die Tür. Sie ist in ihren Akten vertieft. Ein letztes Mal betrachtet er sie eingehend, bis sie ihn bemerkt und anlächelt. Auch das prägt er sich ein, will es für immer mitnehmen. Schon einmal hat er das Lächeln im Gepäck gehabt und hat ihn über manchen Zweifel hinweg geholfen. Ihm ist klar, dass er sie liebt. Das kann er nicht leugnen, aber zu seinen Gefühlen steht er nicht. Trotzdem liegt das Gefühl in jeder seiner Taten. In Tonios Augen ist es eine Prüfung zu lieben, aber es ist auch eine Bereicherung für sein Leben, die er nicht missen will. Endlich geht er zu ihr.

"Ist es so weit?", fragt Julia und er nickt einfach nur.
"Woher weißt du davon?", fragt er.
"Ein Gefühl." Sie lächelt ihn an. "Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:."
"Prediger 3:1." Fragend schaut er sie an.
"Ich denke, das passt ganz gut zu uns." Ihre sachliche Art ist so untypisch. Tonio weiß nicht, wie er damit umgehen soll. "Wir hatten unsere Zeit und die war schön." Julia steht auf und geht auf ihn zu. Mit offenen Armen empfängt er sie und umarmt sie ein letztes Mal. Noch vor einem Jahr hat er ihr distanziert die Hand gegeben. In dem Jahr hat sich viel verändert, besonders er sich selber. Schließlich reißt er sich los.
"Danke für die Zeit", entgegnet er, während er sie anschaut. Anschließend entfernt er sich schnell von ihr, kehrt in sein Büro zurück, holt den Karton und geht.
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