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Ende gut, alles gut?

von Jassy-22
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Chiaki Nagoya Hijiri Shikaido Marron Kusakabe Miyako Toudaiji Yamato Minazuki
19.06.2019
26.07.2021
19
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06.10.2020 1.783
 
Während Maron sich in ihrer Wohnung den Kopf über ihre Zukunft zerbrach, hatte auch Chiaki angefangen, das Geschehene revuepassieren zu lassen. Mit einem Seufzer ließ er sich auf sein Sofa fallen und starrte in den schwarzen Fernseher. Zu viel war innerhalb der letzten Tage passiert. Auch wenn er es sich nicht stark anmerken ließ, so ging das alles doch nicht spurlos an ihm vorbei. Seit ihm Yashiro eröffnet hatte, dass sie von ihm schwanger sei, hatte er keine Nacht mehr richtig geschlafen. Ständig plagten ihn Albträume. Meistens, eigentlich fast immer, ging es darum, dass er Maron verlieren würde. Er wachte stets schweißgebadet auf. Er hatte solche Angst um sie. Nicht nur, dass er sie verlieren würde. Viel mehr, dass ihr etwas geschehen könnte und Chiaki nicht in der Lage sein würde sie zu retten. Wer weiß denn schon zu was dieser Irre Yamato noch in der Lage sein würde. Chiaki hatte sie in den letzten Monaten immer nur um Haaresbreite retten können. Was sollte sein, wenn er es einmal nicht rechtzeitig schaffen würde? Wenn Maron etwas geschehen würde, dann könnte er sich das niemals verzeihen. Chiaki schüttelte wild seinen Kopf, um die negativen Gedanken zu vertreiben. Nein. Er würde nicht zu lassen, dass der Liebe seines Lebens jemals etwas wiederfahren würde. Auch wenn Maron sich gegen ihn entscheiden sollte, selbst dann würde er ihr sein Leben jeder Zeit und ohne zu Zögern opfern, nur um sie zu retten.
Chiaki betrachtete sein Spiegelbild in den großen Balkonfenstern. Wie sehr er sich doch seit seinem ersten Treffen mit Maron geändert hatte. Zu Beginn als er versuchte sie zu verführen, da ging es ihm nur darum den bösen König aufzuhalten. Chiaki hatte zu dieser Zeit nicht mehr in Frauen gesehen als einen netten, kleinen Zeitvertreib. Doch mit Maron hatte sich alles geändert. Als er sie das erste Mal leibhaftig vor sich gesehen hatte, da war ihm so, als würde sein Herz aus der Brust springen, so heftig schlug es. Er glaubte nicht an Liebe auf den ersten Blick. Ein Hirngespinst, das sich Filmproduzenten überlegt hatten. Doch als er in ihre großen, haselnussbraunen Augen sah, da wusste er, dass es um ihn geschehen war. Dieser Mensch, der in diesem Moment in sein Leben getreten war, war so unglaublich schön und anmutig gewesen. Und als er sie näher kennenlernte, konnte er sich ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Maron war zwar anfangs sehr zurück haltend gewesen. Doch je mehr sie sich öffnete und sich auf ihn einließ, umso besser wurde die Beziehung der beiden zueinander. Sie mussten zwar viele Rückschläge einstecken, doch es gab nichts was die Beiden nicht meistern konnten. So meinte er zumindest. Denn seit seine Ex-Verlobte ein Kind von ihm erwartete, war er sich nicht mehr im Klaren darüber, ob die Liebe zu Maron wirklich alles überstehen würde. Er wünschte sich, er könnte in ihren Kopf schauen und ihre Gedanken lesen. Dann würde er verstehen, was in diesem wunderschönen, kleinen Kopf vor sich ginge. Dann könnte er gezielt darauf reagieren und versuchen ihr ihre Ängste zu nehmen. Dann könnte er die Beziehung retten. Doch gab es aktuell überhaupt noch etwas, was sich zu retten lohnt? Waren Maron und Chiaki noch in einem Stadium von Beziehung, Liebe und Freundschaft, in dem es Aussicht auf Besserung gab? Oder musste sich Chiaki eingestehen, dass sie nun an einem Punkt angekommen war, an dem es keinen anderen Ausweg mehr gab als eine Trennung?
Völlig erschöpft und ausgelaugt ließ Chiaki seinen Kopf gegen die Sofalehne fallen. Seinen Blick richtete er auf die Zimmerdecke. Seine Gedanken drehten sich immer weiter wie in einem Karussell.
Er schloss für einen kurzen Moment seine Augen und atmete tief ein. Ruckartig riss er seine Augen wieder auf und schrie hoch an die Zimmerdecke:
„Warum tust du mir das an? Reicht es nicht, dass ich alles für dich geopfert habe? Wieso kann ich nicht einfach mit Maron glücklich sein? Verdammt! Ich liebe sie doch so sehr!“
„Na na na, wer wird denn hier gleich theatralisch werden?“
Chiaki realisierte eine Stimme hinter sich und sprang wie von der Tarantel gestochen auf und ging in Angriffsposition. Die Fäuste geballt und auf Kinnhöhe, bereit für einen Kampf.
„Was, wer…?“
Als Chiaki realisierte wen er da vor sich sah, konnte er seinen Augen kaum trauen.
„Was tust du denn hier?“, fragte er verdutzt während er seine Fäuste sinken ließ.
„Also hör mal, begrüßt man so etwa einen alten Freund?“
Der kleine Engel verschränkte beleidigt seine Arme vor der Brust.
„Du bist noch ganz der Alte Access. Wo steckt denn Fynn?“
„Naja, weißt du, ihr wurde verboten zu kommen. Wir bekommen nämlich bald Nachwuchs.“
Access grinste bis über beide Ohren.
„Na, du bist mir einer. Herzlichen Glückwunsch mein Freund.“
Chiaki musste bei dem Anblick des kleinen Engels grinsen. Als Maron und er damals den bösen König besieht und Fynn gerettet hatten, da dachte er, er würde seinen Freund niemals wiedersehen. Schließlich waren alle Dämonen verschwunden und für die zwei kleinen Engel gab es auf der Erde nichts mehr zu tun. Dass Access nun wieder hier war, sollte das etwa bedeuten, dass….
„Hey, was überlegst du Chiaki?“
Access flog auf Chiaki zu und setzte sich auf seine Schulter.
„Access, sei ehrlich zu mir. Warum bist du hier?“
„Wie meinst du das?“
„Na genau so, wie ich es sage. Versteh mich nicht falsch. Ich bin unglaublich froh dich zu sehen. Du bist mein bester und engster Freund. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass hinter deinem Besuch mehr steckt, als du vielleicht gerade zu geben willst.“
Access seufzte resigniert. Chiaki kannte ihn einfach viel zu gut. Access stieß sich von Chiakis Schulter ab und flog direkt vor sein Gesicht.
„Weißt du Chiaki, ich wollte eigentlich nicht mehr zurück. Zumindest nicht mit solch schlechten Nachrichten.“
Chiaki legte seine Stirn in Falten.
„Schlechte Nachrichten? Was meinst du? Was ist los?“
„Chiaki, der böse König hat wieder an Macht gewonnen. Und ich befürchte dieses Mal ist er noch stärker.“
Chiakis Augen weiteten sich als er den Worten von Access lauschte.
„Stärker?“
Access nickte.
„Leute, die von einem Dämon besessen sind, sie werden nie wieder wie zuvor werden.“
„Was meinst du damit?“
„Chiaki, wenn Sindbad oder Jeanne jemanden erlösen, der von einem Dämon besessen ist, dann stirbt die Person.“
Chiaki schluckte schwer.
„Dann sind wir am Ende des Tages nicht besser als der böse König. Denn wenn wir Gutes vollbringen wollen und einen Dämon fangen, um eine unschuldige Person vor grausamen Qualen und Taten zu schützen, dann bringen wir sie um. Wir erlösen sie, damit sie sterben kann.“
Verzweifelt raufte sich Chiaki, so gut es eben irgendwie ging, seine Haare. Währenddessen tigerte er unruhig vor Access auf und ab.
„Das kann doch alles nicht wahr sein. Was denkt er sich denn bitte bei sowas?“
„Wer denn?“
„Na wer wohl. Der gute König, unser Gott.“
„Chiaki…“
„Nein, Access, versuch nicht ihn zu verteidigen. Maron ist der liebste Mensch auf dieser Welt. Sie denkt immer zu erst an alle anderen bevor sie an sich selbst denkt. Egal wer vor ihr steht und egal was dieser Mensch ihr zuvor angetan hat. Und nun bekommt sie von oben, von Gott höchstpersönlich, den Auftrag Menschen zu töten. Um seinen Widersacher auszuschalten. Verstehst du Access, Maron kann so etwas nicht tun. Ihr schlechtes Gewissen wird sie töten.“
Chiaki hatte Recht, das musste sich Access bedingungslos eingestehen. Er kannte Maron selbst sehr gut. Und jeder, jeder außer Maron, war durchaus zu schlimmen Taten fähig. Aber Maron fiel damals schon das Stehlen schwer. Auch Access war mit seinem Latein am Ende. Er konnte sich keinen Reim daraus machen, wieso ausgerechnet wieder Chiaki und Maron die Welt retten mussten. Die Beiden hatten schon so viel gegeben und geopfert. Und nun waren sie wieder am Anfang. Der schreckliche Albtraum, der ihr Leben so lange dominiert hatte, war nun wieder zurückgekehrt.
„Ich weiß nicht, ob ich Maron das sagen kann.“
Chiaki war nun wieder, mehr oder weniger, zur Ruhe gekommen und hatte sich wieder vor Access gestellt.
„Chiaki, du musst. Nur ihr im Team seid stark genug etwas gegen die Dämonen zu unternehmen.“
„Sie muss töten, verstehst du das. Sie soll jemanden töten!“
Chiakis Stimme wurde unweigerlich lauter.
„Ich kann das nicht zu lassen. Maron ist ein gebrochener Mensch. Wie sollte sie das jemals nur verkraften?“
Chiakis laute Stimme hallte noch einige Sekunden in der großen Wohnung nach.
Dann klopfte es plötzlich an der Tür.
„Chiaki?“
Chiakis Kopf drehte sich ruckartig zur Tür. War das nicht eben Maron gewesen?
Langsam schritt Chiaki voran, dicht gefolgt von Access, der sich etwas hinter seiner Schulter versteckte.
Vorsichtig öffnete er die Tür und streckte seinen Kopf hinaus.
„Maron, was gibt’s?“, sprach er mit einem Lächeln auf den Lippen, das Maron beinahe um den Verstand brachte.
„Ich habe dich schreien gehört, ist alles in Ordnung?“
Auf Marons Gesicht erkannte Chiaki kleine Sorgenfältchen auf der Stirn.
Innerhalb von Sekunden musste er sich für einen Weg entscheiden.
Entweder Maron von Access Anwesenheit erzählen und sie mit in das Geschehen einweihen. Oder sie anzulügen und einfach so zu tun als wäre nichts. Doch war lügen, denn wirklich der bessere Weg. Er wollte doch immer ehrlich zu ihr sein. Sie sollte ihm doch vertrauen können. Aber wenn Maron wegen seiner Entscheidung sie mit in den Kampf zu nehmen zerbrechen würde, dann würde er sich das niemals verzeihen.
Lieber sollte sie ihn hassen, aber sie selbst bleiben, als in den Kampf zu ziehen und sich selbst zu verlieren. In den Kampf zu ziehen für eine Welt, die ihr noch nie etwas anderes als Kummer bereitet hatte.
Chiaki hörte wie sich Access hinter seinem Rücken leise räusperte. Chiaki zuckte leicht mit der unverletzten Schulter und gab Access einen kleinen Stoß. Der kleine Engel nahm dies als Anlass sich zu verziehen.
„Nein, ist alles in Ordnung. Ich habe mir nur einen Film angesehen und habe wohl etwas zu sehr mitgefiebert.“
Verlegen kratzte sich Chiaki an seiner Stirn.
„Achso.“, auf Marons Gesicht zeichnete sich Erleichterung ab.
„Ich bin froh, wenn es dir gut geht.“
Chiaki fixierte ihren Blick mit seinem. Zu gerne wollte er sie jetzt in seine Arme ziehen und küssen. Die Versuchung war zu groß. Doch er musste sich zusammenreißen. Er hatte Maron versprochen, sie würden morgen reden. Wenn sie ihre Entscheidung getroffen hatte.
„Maron….“, war alles was Chiaki in diesem Moment noch sagen konnte.
Die Angesprochene ging einen Schritt auf Chiaki zu. Dieser öffnete die Tür, sodass sie halbwegs eintreten konnte.
„Chiaki…ich…ich…“
Maron hatte ihren Blick gen Boden gesenkt. Chiaki bemerkte trotzdem wie sich ein leichter rosa Schimmer auf ihre Wangen gelegt hatte. Nach all der Zeit, die sie miteinander verbracht hatten, wurde Maron immer noch nervös, wenn sie mit Chiaki über ihre Gefühle sprach.
„Ich habe mich entschieden, Chiaki.“
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