No Featherbed For Me

von Annerie
GeschichteDrama, Romanze / P16
Aegon Targaryen Arya Stark Gendry Renly Baratheon Sansa Stark
19.06.2019
22.09.2019
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Kapitel 11: Die Königin-Mutter – Teil 2

*


Es war die traurigste Sitzung des kleinen Rates, die Arya je gesehen hatte. Als sie den Raum betrat, blickte sie auf die leeren Stühle, wurde daran erinnert, wie viele gute Männer in Sommerhall umgekommen waren.
Alle vier ihrer überlebenden Kinder waren um den großen Tisch versammelt: Aemon am Kopfende, Rhaenys an seiner rechten Hand, Alysanne und Brandon nebeneinander auf seiner anderen Seite.
Bran saß etwas entfernt am Tisch, sein Gesicht war eine nachdenkliche Maske. Arya fragte sich, welchen Platz Aemon ihm im kleinen Rat geben wollte. Erst letzte Nacht hatte er den Mangel an Männer und Frauen in den Sieben Königslanden beklagt, denen er vertrauen konnte, und es war unmöglich jeden Platz im kleinen Rat mit einem Stark auszufüllen, ohne eine Rebellion auszulösen.
„Wir haben noch sechs Plätze zu besetzen“, kündigte Rhaenys an, und Arya wusste, genau so würde Aemons Königreich regiert werden. „Und nicht annähernd genug Menschen dafür, denen wir vertrauen.“
„Welche Position besetzt du?“ Arya sah ihren Bruder fragend an.
Er schenkte ihr ein kleines Lächeln. „Aemon ernannte mich zur Hand des Königs.“
Arya hoffte, die Überraschung wäre nicht zu deutlich auf ihrem Gesicht zu erkennen. Sie hatte erwartet, dass Aemon Rhaenys dazu ernennen würde, was ihr die extravagante Position seiner Ehefrau und Hand zukommen lassen würde, ein Angebot, dass Aegon vor vielen Jahren Arya gemacht hatte.
In vielerlei Hinsicht unterschied sich Aemon von seinem Vater, aber der Mangel an politischem Geschick und die Unfähigkeit, das Gesamtbild zu sehen und zu verstehen, war eine schwerwiegende Last, die beide Targaryen-Männer trugen. Arya betrachtete sich beim Spiel der Throne kaum als begabt. Es war ein Spiel, an dem sie schon immer so wenig Interesse hatte, aber selbst sie wusste, dass es bestimmte Schritte gab, die sie nicht ausführen konnten, ohne Ihre Feinde zu attackieren.
„Die Königslande haben wunderbar kooperiert, als Großvater die Hand des Königs war“, erklärte Aemon. „Und das Volk vertraut Haus Stark. Ich habe Maester Sam zum Großmaester berufen. Ich habe Onkel Jon geschrieben und mich bereit erklärt, eine beliebige Anzahl von Männern an die Mauer zu schicken, damit Sam von seinen Gelübden befreit wird.“
„Du solltest Lady Allyria oder Lord Beric einen Platz anbieten“, sagte Alysanne mit deutlich weicherer Stimme als ihre Geschwister. „Sternfall ist unserer Sache immer treu geblieben, Lady Allyria hat sich um mich gekümmert, als wäre ich ihr eigenes Kind, und du hättest Großmutter Ashara einen großen Gefallen getan.“
„Welchen Platz würdest du ihnen anbieten?“
Alysanne schwieg einen Moment und dachte nach, bevor sie erklärte: „Meister der Gesetze. Lord Beric hält sehr viel von Fairness, genau das, was wir brauchen, nicht wahr?“
Bei Alysannes Erklärung war eine solche echte Zuneigung in Aemons Gesicht zu erkennen, dass Arya für einen Moment so tun konnte, als wären sie wieder Kinder, und Alysanne meisterte eine Aufgabe, anstatt zu entscheiden, wer in seinem Rat sitzen sollte. Und dann bewegte sich Brandon, zog Aemons Auge auf sich und ihre beiden Jungen blickten finster drein.
„Du musst den Tyrells einen Sitz geben“, begann Brandon.
Rhaenys spuckte. „Bist du verrückt? Die Tyrells hassen uns!“
„Umso mehr Grund, es zu tun. Sie hassen dich, sie machen dich für Sommerhall verantwortlich, denken, du wolltest den Thron stehlen und sie aus allem heraushalten. Möchtest du die Gerüchte wirklich befeuern, indem du ihre Sitze entfernen und sie zum Planen zurück nach Rosengarten schickst?“
„Lass sie planen“, sagte Rhaenys abweisend. „Sollen sie doch zwanzigtausend Männer in die Weite schicken und ich werde Balerion den Rest erledigen lassen.“
„Rhaenys, damit macht man keine Scherze“, fiel Arya ihrer Tochter ins Wort. „Hat es nicht schon genug Todesfälle gegeben, ohne dass du damit gedroht hast deinen Drachen loszulassen?“
„Wir werden uns nicht vor diesen verdammten Tyrells verneigen!“
„Dann verneige dich vor dem gesunden Menschenverstand“, bat Alysanne. „Ich möchte mit niemandem in den Krieg ziehen und ich möchte niemanden von euch verlieren. Ist es nicht schlimm genug, dass wir bereits Vater und die Zwillinge, Großmutter Ashara, Rolly und Haldon verloren haben? Ich kann es nicht ertragen, Rhaenys, und ich wünsche mir, dass du nicht mehr davon sprichst.“
Es war eine geschickte Manipulation und Arya hatte keinen Zweifel daran, dass es eine darstellte. Sofort entschuldigte sich Rhaenys und ihr Gesicht wurde weicher, als Arya es seit ihrer Rückkehr gesehen hatte. Aemon griff nach Alysannes Hand und bedeckte sie mit seiner eigenen. Arya glaubte, Alysanne meinte, was sie sagte. Keiner von ihnen wollte einen anderen begraben. Aber die Art und Weise, wie sie sicherstellte, dass ihre Stimme zitterte, wie sie flehend zu Aemon sah, um Unterstützung zu erhalten, war absolut meisterhaft. Obwohl Arya die Dynamik der Kämpfe ihrer Kinder nicht verstand, wusste sie, dass Alysanne immer die zerbrechlichste von ihnen zu sein schien und alle bemühten sich, sie zu beschützen. Wenn Arya das wusste, wusste Alysanne es zweifellos auch, und wie könnte sie einen Kampf besser niederschlagen, den sie nicht wollte?
Aber selbst als Arya die Art und Weise bewunderte, wie Alysanne die Situation entschärfte, konnte sie nicht anders, als den Schmerz und die Eifersucht in Rhaenys Gesicht zu bemerken, als Aemon Alysanne versicherte, dass niemandem jemals etwas zustoßen würde, solange er König war.
Arya entging auch nicht der Zorn und die Eifersucht auf Brandons Gesicht.
Die Zusammenstellung des Rates dauerte viel länger, als Arya sich vorgestellt hatte: unzählige Namen wurden vorgeschlagen und umgehend abgelehnt. Sogar Bran, dessen Geduld immer unendlich zu sein schien, sah aus, als wolle er irgendwo anders sein und als der kleine Rat endlich feststand, wollte Arya jubeln. Sie hatte das Gefühl, wieder neun Jahre alt zu sein, völlig gelangweilt in Septa Mordanes Stickerei-Kurs zu sitzen mit dem Gefühl in der Brust, sich schnellstens aus dem stickigen Raum zu befreien.
„Wartet! Wir haben noch keinen Lord Kommandanten bestimmt.“
Es war bereits schwer genug gewesen, eine vollständige Königsgarde zu erstellen. Es schien jetzt so wenige Ritter zu geben, die für ihre Fähigkeiten bekannt waren. Es gab weder Loras Tyrell noch Barristan Selmy oder Jaime Lannister. Sowohl der Sommer als auch der Frieden brachten Männer hervor, die die Insignien des Rittertums genossen, ohne ein wirkliches Talent dafür zu haben, und es machte es umso schwerer, zu entscheiden, wer mit einem weißen Umhang geehrt werden sollte.
„Warum nicht Brandon?“, schlug Aemon vor und die Kammer verstummte augenblicklich. „Das ist es, was du immer gewollt hast, nicht wahr? Wir haben früher davon gesprochen, als du jung warst. Ich wäre König und du wärst der Lord Kommandant.“
„Aber er ist der Lord von Sturmkap“, unterbrach Arya ihn. „Renly hat keine Erben hinterlassen.“
„Es gibt ungefähr ein Dutzend Baratheons“, sagte Aemon vernünftig. „Roberts Kindern und Enkelkindern. Sogar Stannis Baratheons Tochter hat ein oder zwei Kinder. Sturmkap würde mit Sicherheit nicht leer stehen.“
„Er ist nicht einmal ein Ritter. Und er kann die Gelübde nicht ablegen, weil er nicht zu den Sieben betet.“ Arya drehte sich zu Brandon um, der plötzlich genauso jung aussah wie er tatsächlich erst war. „Renly hat dich zu seinem Erben ernannt. Das war eine große Ehre.“
„Größer als Lord Kommandant der Königsgarde zu sein?“, fragte Rhaenys skeptisch. „Es sollte immer so sein. Erinnerst du dich nicht, Brandon, als wir auf Drachenstein lebten und du sagtest, du würdest uns beschützen, wenn wir unsere Throne besteigen?“
„Das ist lange her“, fuhr Arya fort, Übelkeit regte sich in ihrem Bauch. „Und die Dinge sind jetzt anders. Brandon, du wolltest Lord der Sturmlande sein. Du… das ist es, was du wolltest.“
Brandon sah sie schließlich an und es bedurfte alles in Arya, um nicht zu ihm zu gehen, um ihn zu trösten, als wäre er wieder klein. „Ich möchte mein Rudel beschützen. Ich wollte schon immer einen weißen Umhang tragen.“
Aemon und Rhaenys grinsten beide. Aemon stand auf, um seinen Bruder zu umarmen. Der Anblick hätte Arya glücklich machen sollen. Alles, was sie wollte, war, dass ihre Söhne wieder Freunde waren, die Streitigkeiten beiseitelegten, um wieder eine Familie zu sein. Aber sie hatte nie den weißen Umhang für Brandon gewollt, so wie sie nie die Krone für Aemon gewollt hatte. Die Rote Festung war ein gefährlicher Ort für diejenigen, die dort Macht ausüben wollten.
Alysanne schloss sich der Umarmung nicht an. Als die Besprechung endgültig unterbrochen wurde und Bran sich Aemon, Rhaenys und Brandon anschloss, um zu besprechen, was als nächstes kommen würde, trat Arya an ihre jüngste Tochter heran und gab zu: „Ich weiß nicht, was gerade passiert ist.“
Die Bitterkeit in Alysannes Gesicht erschreckte Arya. „Die Leute mögen Brandon, sie flüstern darüber, wie gut das Leben unter Robert war. Wer weiß, was ein Mann in den Sturmlanden planen kann, vorallem wenn er wütend ist. Das war keine Ehre. Das waren die beiden, die vorhatten, Brandon in der Nähe zu halten, damit sie ihn beobachten konnten.“
„Das glaube ich nicht-“
„Du glaubst, was du glauben willst“, unterbrach Alysanne und schockierte Arya mit der Härte in ihrer Stimme. „So wie du es immer getan hast. Du hast keine Ahnung, wozu Rhaenys in der Lage ist. Du wolltest es nie sehen.“
„Was sehen?“
„Sehen wer wir wirklich sind, Mutter. Du hast deine Vorstellungen gehabt, seit wir klein waren und du erwartest, dass wir uns so verhalten.“ Alysanne schlang die Arme um sich und seufzte. „Du kannst keine Drachen zu Wölfen erziehen.“
„Ist es das, was du bist, Aly? Ein Drache?“
Alysanne sah sie mit ihren grauen Stark-Augen an und sagte: „Es ist das, was ich sein muss für das, was als nächstes kommt.“

Schon als sie klein war, schien Alysanne in Rätseln zu sprechen, aber zum ersten Mal fragte sich Arya, ob vielleicht nicht etwas Böses auf sie zukam.

*




Er sah aus wie ein kleiner, aufgeregter Junge.
Es war alles, woran Arya denken konnte, als sie Brandons Zimmer betrat, um ihn in seiner allerbesten Kleidung vor dem Spiegelglas stehen zu sehen. Der weiße Mantel würde ihm bei der Zeremonie gegeben werden. Aemon zahlte ein kleines Vermögen für die Herstellung weißer Rüstungen für die neue Königsgarde und Arya fragte sich, ob sie ihren jüngsten Sohn nur noch so sehen würde: immer in der weißen Rüstung, die sie noch mit Männern wie Jaime Lannister und Meryn Trant verband. Sie kümmerte sich weder vor noch nach der Königin um die Königsgarde, aber sie erkannte, dass es der Wunsch vieler Jungen war, eines der weißen Schwerter zu werden. Die Götter wussten, dass Brandon nur davon gesprochen hatte, als er in Winterfell mit seinen Cousins spielte.
„Das ist ein feines Hemd“, kommentierte Arya, als sie neben ihn trat und den Ärmel des mit Schwarz und Gold bestickten weißen Leinens berührte. „Hat Alysanne es für dich gemacht?“
„Tante Sansa. Sie sagte, es ist wie das, was mein - mein Vater trug, als er zum König ernannt wurde.“ Brandon errötete, als er an seinem Kragen zog und Arya fragte beinahe, ob er Gendry freier als seinen Vater bezeichnen wolle. Es war sicherlich kein Geheimnis, aber die tatsächliche Anerkennung seiner Herkunft fehlte Brandon immer noch. Sie dachte an Jon Schnee an der Mauer, der immer etwas zu seiner Abstammung hatte herausfinden wollen, und sie begann sich zu fragen, ob ein Fluch auf den Frauen der Starks lag.
Arya dachte an den kleinen Aeron und das still geborene Baby und fragte sich, wie oft Sansa davon geträumt hatte, so etwas für ihre eigenen Söhne zu tun. Sie erinnerte sich daran, dass Brandon nach seiner Geburt zu jedem in Winterfell gehörte, wie wohl er sich fühlte. Arya hatte keine Ahnung gehabt, dass es ihr etwas ausmachen würde, wenn Sansa freundliche Dinge für ihren Sohn tun wollte. Es gab eine Zeit, in der Arya nicht glaubte, dass sie und Sansa überhaupt die Möglichkeit hätten, Freunde zu sein, geschweige denn, dass ihre Schwester dem Bastardsohn ihres Mannes und ihrer Schwester ein Geschenk machte.
„Die Ladys des Hofes werden heute weinen, wenn du geschworen hast, niemals eine Frau zu nehmen.“ Arya strich ihm abwesend über die Schultern. „Bist du sicher, dass du verstehst, was du heute schwörst?“
„Mutter-“
„Den weißen Umhang anlegen bedeutet, du gibst Sturmkap ab. Du wirst niemals eine Frau oder eigene Kinder haben-“
„Ich bin kein grüner Junge, der blind ins Verderben läuft. Ich habe Frauen gekannt-“
„Mit einer Frau gelegen zu haben ist nicht dasselbe. Du verstehst nicht, was du aufgibst“, unterbrach sie. „Dein Onkel Jon hat auf die harte Tour gelernt, dass es schwierig sein kann, ein unzerbrechliches Gelübde in einem so jungen Alter abzulegen.“
„Ich werde es nicht bereuen“, beharrte Brandon bei aller Arroganz der Jugend. „Aemon hat mich gebeten, Lord Kommandant zu sein, Mutter. Jeder Mann in den Sieben Reichen, und er vertraut mir am meisten. Wie könnte ich das ablehnen?“
Als sie noch klein waren, überraschte es Arya nie, dass Brandon Rhaenys oder Aemon hinterherlief, mit einer unverhohlenen Heldenverehrung im Gesicht. Damals wollte Brandon nur einbezogen werden, es schien, als hätte sich nichts geändert. Sie wünschte, sie könnte glücklich sein. Brandon wollte mit seinen Geschwistern zusammen sein, dachte, dass seine Geschwister ihm diese Ehre erweisen wollten, aber Alysannes Worte klangen immer noch in ihrem Kopf. Wie gut kannte sie ihre Kinder wirklich? Hatte jede Mutter eine solche Blindheit?
„Freu dich für mich“, forderte Brandon sie auf und nahm ihre Hände in seine. „Renly würde verstehen, warum ich diese Wahl treffe.“
‚Renly würde dir sagen, dass es ein fruchtloser Kampf ist, das Lob eines Königs zu verdienen, besonders wenn er dein Bruder ist.‘ Arya streckte die Hand aus und strich ihm eine verirrte Haarsträhne glatt, die immer aufrecht zu stehen schien. „Du wirst ein wunderbarer Lord Kommandant sein.“
Brandon lächelte und drückte seine Lippen auf ihre Stirn. „Du ärgerst dich zu viel, Mutter.“
Bevor sie antworten konnte, hörte Arya, wie sich die Kammertür öffnete. Sie drehte sich um und sah Alysanne in der Tür stehen, ihr Gesicht sah fast so unglücklich aus wie das von Arya. Ihr silbernes Haar war heute ungebunden und fiel in sanften Wellen über ihre Schultern. In Kombination mit dem blassen Blau ihres Kleides sah Alysanne aus wie eine der Prinzessinnen in den Geschichten, die Daena vor dem Schlafengehen zu hören pflegte. Aber es war nicht Alysannes Aussehen, das Arya innehalten ließ. Es war die Art, wie Brandon seine Schwester ansah.
„Wir sehen uns in der Septe“, sagte Arya und drückte ihrem jüngsten Sohn einen Kuss auf die Wange. Als sie an Alysanne vorbeiging, strich ihre Tochter mit den Fingern über Aryas Handgelenk und Arya wusste in diesem Moment, dass Alysanne alles tun würde, um Brandon von dieser Entscheidung abzubringen.
Was auch immer Alysanne sagte, es hatte keine Konsequenzen. Arya saß mit ihren Töchtern auf beiden Seiten in der ersten Reihe des Großen Septe, als Aemon den weißen Umhang um Brandons Schultern wickelte. Sie konnte nicht widerstehen, über ihre Schulter zu blicken und zu sehen, wie Gendry neben Sansa stolz strahlte, deren Gesicht zwischen Stolz und Trauer gefangen zu sein schien. Als Aemon Brandon Baratheon zum Lord Kommandanten erklärte und die Septe in Beifall ausbrach, sah Gendry Arya an. Für einen Moment starrten sie sich nur an, bevor Gendry seinen Kopf neigte und Arya perfekt verstand. Die Vergangenheit war nun Vergangenheit, mit diesem Moment die Schuld fortgewischt.
Der Applaus ging weiter. Arya wollte sich umdrehen, hielt aber inne, als Alysanne eine Haarsträhne hinter ihr Ohr steckte und sie einen leuchtend roten Fleck hinter ihrem Ohr entdeckte. In diesem Moment sah Arya den Schimmer von Tränen in ihren Augen, das Zittern ihres Kinns, und Arya erkannte, dass Alysanne recht hatte.
Sie kannte ihre Kinder nicht.

*




„Kennst du deine Kinder?“Sansa sah von ihrer Stickerei auf, ein verwirrtes, amüsiertes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. „Natürlich, ich bin mit ihnen verwandt.“
„Nein, das meine ich nicht. Kennst du sie? Kennst du ihre tiefsten Geheimnisse?“
„Worüber sprichst du, Arya? Geht es wieder um diese Gerüchte? Ich habe dir gesagt, ich kann mir nicht vorstellen, dass Rhaenys-“
„Nein, nicht Rhaenys.“ Arya seufzte, sie wollte ihre Stimme fest klingen lassen, ängstlich, wie Sansa reagieren würde. Stattdessen fragte sie: „Kennst du die heimlichen Verehrer deiner Töchter? Die Jungs, die sie geküsst haben, die Liebesbeziehungen, die sie hatten?“
„Ich weiß nicht. Ich hörte das Gerücht, dass Rose eine Art Affäre mit einem der Marbrand-Jungen hatte, aber wenn sie es tat, war sie auf wundersame Weise diskret. Elinor war so ordentlich, dass ich weiß, dass sie als Jungfrau zu ihrem Ehebett ging. Und Alisa, sie ist so emotional, ich kann mir nicht vorstellen, dass sie in der Lage ist, ein Geheimnis lange zu bewahren. Warum? Glaubst du, eines deiner Mädchen hat eine Liebesbeziehung?“
„Ich weiß, dass Rhaenys keine Jungfrau ist. Rhaego hat das schon vor Jahren erledigt. Ashara erwähnte, dass Alysanne einen Flirt mit einem von Myrcellas Söhnen hatte, aber ich-“ Arya ärgerte sich, ihre Zunge verhedderte sich. „Ich dachte, das Leben würde mit zunehmendem Alter einfacher, aber ich schwöre, es ist jetzt schwieriger.“
Sansa lachte. „Mutter hat mir einmal erzählt, dass sie dir wünscht, dass du erwachsen wirst und dich über deine Kinder ärgerst. Als du weg warst, hat sie wohl tausend Kerzen angezündet, damit du sicher zurückkommst. Je kleiner sie sind, desto mehr kann man reparieren. Ein geschnittenes Knie, ein verletztes Gefühl, sie können mit einer Umarmung und einem Kuss besänftigt werden. Aber jetzt ... Wie kann ich Elinor dazu bringen, sich als Witwe besser zu fühlen? Wie überzeuge ich Rose, um zu heiraten? Wie kann ich Alisa davon überzeugen, dass Gendry und ich ihre Schwestern nicht bevorzugen?“
„Du und Gendry bevorzugt ihre Schwester.“
„Tun wir nicht!“, argumentierte Sansa und sah Arya mit der gleichen Verärgerung an, die sie hatte, als sie in Winterfell waren. „Mein Punkt ist, dass, sobald sie ihre eigenen Entscheidungen treffen können, ihre eigenen Fehler machen, dann beginnt alles außer Kontrolle zu geraten.“
„Es fühlt sich nicht so an, als hätte ich es jemals unter Kontrolle gehabt.“
„Oh, Arya, ich hätte getötet, um halb so viel Kontrolle über mein Leben zu haben wie du.“
„Hast du die Gerüchte über Aemons… Hochzeitsvorstellungen gehört?“
„Dass er Rhaenys nach Targaryens Art heiraten will? Ja. Die meisten am Hof erwarten die Ankündigung jeden Tag.“
„Ich habe sie nicht so großgezogen. Ihnen wurde nicht beigebracht, dass es richtig war. Sie wurden nicht wie die alten Targaryens erzogen. Ich habe sie wie Starks erzogen. Wie können sie diese Wahl treffen?“
„Vielleicht liegt es ihnen im Blut. Sie weckten Drachen aus Stein, Arya. Der Targaryen in ihnen ist mit Sicherheit stärker als der Stark.“
„Es ekelt mich an. Götter, selbst die Vorstellung davon ...“ Arya stand auf und ging aufgeregt auf und ab. „Und ich denke, es ist schlimmer als ich denke. Ich glaube, ich habe für alles ein Auge zugedrückt, habe mich so in das Drama zwischen mir und Aegon verrannt, dass ich nicht einmal realisierte, was unter meiner Nase vorging.“
„Arya, ich weiß, dass du es ablehnst, Ratschläge von irgendjemandem anzunehmen, geschweige denn von mir, aber manchmal ist die einzige Antwort auf das Problem zu erkennen, dass es keine Antworten gibt.“„Es gibt keine Antworten? Das ist der Ratschlag, den du mir gibst?“Sansa grinste, als sie ihre Stickerei aufhob. „Ich habe nicht gesagt, dass es ein guter Rat ist.“
Manchmal mochte Arya ihre Schwester mehr, als sie noch keinen Sinn für Humor hatte.

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