No Featherbed For Me

von Annerie
GeschichteDrama, Romanze / P16
Aegon Targaryen Arya Stark Gendry Renly Baratheon Sansa Stark
19.06.2019
24.09.2019
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Kapitel 11: Die Königin-Mutter – Teil 1

Die Krönung von König Aemon Targaryen, dem Ersten Seines Namens, war eine düstere Angelegenheit. So viele Häuser hatten in Sommerhall geliebte Menschen verloren und Arya bestand darauf, dass die Zeremonie klein und ohne die Opulenz war, an die das Reich gewöhnt war. Rhaenys versuchte sie zu bekämpfen, aber Alysanne stimmte zu und brachte Aemon dazu, die Weisheit von Aryas Worten zu erkennen. Arya stand in der großen Septe von Baelor in ihrem schwarzen Kleid, das mit grauen Trauerfarben gezeichnet war, bedeutend für eine Frau, die ihre Kinder, ihren Ehemann und die Menschen, die sie liebte, verloren hatte.
Als sie ihren Sohn anblickte fragte sie sich ob alle Mütter sich so fühlten wie sie in diesem Moment, als sie ihren ältesten Sohn an das Reich übergab.
Als Alysannes Hand in ihre schlüpfte drückte Arya sie fest. In den Wochen seit dem Feuer hatte sie so wenig von ihrer Tochter gesehen, die an Elias Bett blieb, während diese am Rande von Leben und Tod schwankte. Das arme Mädchen hatte fast ständig Schmerzen, Mohnblumensaft hielt sie vom Schreien ab. Die Maester waren sich immer noch nicht sicher, ob sie eine Infektion überstehen würde und Alysanne blieb an ihrem Bett und hielt stets ihre gesunde Hand. Die Tyrells wollten sie zurück nach Rosengarten bringen, ihre zerstörte Prinzessin, aber die Maester bestanden darauf, dass sie warteten, bis sie geheilt war. Arya besuchte Elia ein Paar mal. Sie kam dem am nächsten, was einst ein Elternteil für das junge Mädchen war, nachdem sie nun als Waise aufwachsen musste, aber Arya bezweifelte, dass sie überhaupt den vollen Umfang dessen verstand, was geschehen war.
Rhaenys stand schweigend auf Aryas anderer Seite, Brandon auf der anderen Seite von Alysanne. Als der Hohe Septon die Krone auf Aemons Kopf setzte, biss sich Arya auf die Zunge, um nicht aus Protest zu schreien. Er sah Aegon so ähnlich, sah aus wie jeder König des Hauses Targaryen, aber Arya wusste, dass Aemon dies niemals wollte. Aemon kümmerte sich so wenig um Macht und Arya konnte nie verstehen, warum jemand eine Krone für sein Kind haben wollte. Sie dachte an Rhaenys schneidende Worte, die sie ihr einst an den Kopf warf. Wie konnte sie Kinder mit einem mächtigen Mann haben, obwohl sie nichts für Macht übrighatte? Arya fragte sich, wie lange die Entscheidungen, die sie mit kindlicher Impulsivität traf, ihre Kinder beeinflussen würden.
„Er wird ein guter König sein“, murmelte Arya um sich selbst zu trösten und erkannte aus dem Augenwinkel, dass Alysanne nickte.
Als die Krone auf Aegons Kopf gesetzt wurde, brach die Septe in Beifall aus, aber Arya konnte diese Wendung nicht bejubeln. Wie konnte sich eine Frau darüber freuen, wenn eine solche Last auf die Schultern ihres Sohnes gelegt wurde?

Die Große Halle war in Targaryenfarben geschmückt, die Aromen so vieler Gänge erfüllten die Luft. Aryas Magen knurrte und sie versuchte sich an die letzte volle Mahlzeit zu erinnern, die sie seit dem Feuer gegessen hatte. Seit dieser schrecklichen Nacht versuchte Arya sich vorwärts zu bewegen, versuchte alles außer still zu sitzen und darüber nachzudenken, was passiert war. Es gab keine Körper zu begraben, keine Knochen zu segnen. Das war für Arya das Schwierigste zu akzeptieren: dass sie sich nicht von ihren Babys, von Ashara, Renly und Aegon verabschieden konnte.
Es war eine eigentümliche Sache, nach so langer Zeit wieder Witwe zu sein. Arya wusste, dass die meisten dachten, sie und Aegon hassten sich am Ende, aber so war es nicht. Das Leben wäre für sie beide viel einfacher gewesen, wenn Hass jemals eine Emotion gewesen wäre, die sie dem anderen gegenüber empfunden hätten. Der Zeitpunkt und die Umstände waren nie ganz richtig, aber als Arya ihren Platz am großen Banketttisch einnahm, sah sie ihre Kinder an und wusste, dass es an ihrer letzten Ehe mit Sicherheit nichts zu bereuen gab. Aegon Targaryen war ein guter Mann, und obwohl sie sich nicht sicher war, wie sehr sie an die Sieben glaubte, hoffte sie, dass Daena und Daeron bei ihrem Vater waren.
Ein Kloß stieg scharf in ihrem Hals auf während Tränen in ihren Augen brannten. Sie leerte ihre Weinschale und bedeutete einem Diener, sie wieder aufzufüllen. Sie blickte in die Mitte des Tisches. Aemon saß in der Ehrenposition und sah bereits jetzt von seiner neuen Rolle beschwert aus. Rhaenys war zu seiner Rechten, Alysanne zu seiner Linken. Arya glaubte nicht, dass sie Rhaenys jemals zuvor so schön gesehen hatte. Ihr leuchtend rotes Kleid war eine perfekte Ergänzung zu ihrer dunklen Farbe. Ihr Lächeln war echt, das Lächeln, an das sich Arya erinnerte, als sie noch ein Mädchen war, und wenn es etwas Gutes gab, das aus dieser ganzen Affäre herauskam, hoffte sie, dass Rhaenys glücklich sein würde.
Im Gegensatz zu Rhaenys trug Alysanne ein himmelfarbenes Kleid, ihr silbernes Haar mit Onyx- und Saphir-Kämmen zu einer filigranen Zopfkrone verwoben. Alysanne war noch nie so schön gewesen wie ihre ältere Schwester. Zu viele der Stark-Züge gaben Alysanne ein schlichteres Aussehen als Rhaenys, genauso wie sie Arya schlichter machten als Sansa. Aber obwohl Alysanne niemals als große Schönheit angekündigt werden würde, hatte sie etwas Angenehmeres an sich, was das Auge auf sich zog. Arya glaubte es war ihr Lächeln, immer so offen und einladend, und heute war keine Ausnahme. Sie sah zu, wie Alysanne ihren Kopf zu Brandon neigte und beide flüsterten, bevor sie in lautes, ausgelassenes Lachen ausbrachen, das Rhaenys zum Zischen brachte. Es gab jetzt eine klare Trennung zwischen ihren Kindern und Arya wusste nicht, wie sie es reparieren sollte. Solange Rhaenys und Aemon ihren törichten Heiratsplan einhielten war Arya sich nicht sicher, ob es einen Weg gab. Brandon schien überzeugt zu sein, dass eine solche Ehe Rhaenys die Art von Macht verleihen würde, die sie immer wollte, und wie Alysanne Arya gestand, schien Rhaenys kein gutes Gespür für Macht zu haben.
Ihre Familie füllte einen Tisch in ihrer Nähe, einen Ehrenplatz. Arya zwang sich, nicht auf den Tisch der Targaryens zu schauen, der leer stand. Daenerys entschied sich, nicht an den Feierlichkeiten des Tages teilzunehmen und Arya konnte es ihr mit Sicherheit nicht vorwerfen. Sie blieb bei Elinor, beide in ihrem tiefen Kummer versunken. Arya wusste, dass ihre Nichte Rhaegos Tod nicht gut vertrug. Trotz all der Wut, die ihre Verlobung verursachte, liebte Elinor Rhaego wirklich. Arya fragte sich, ob Rhaenys um Rhaego trauerte, ob sie auf dieselbe Art um eine verlorene Liebe trauerte. Es war nun so schwer sie zu verstehen und Arya hasste es, wie unfähig sie sich jetzt mit ihren Kindern fühlte. Obwohl sie sich nie als erfolgreiche Mutter sah glaubte sie immer ihre Kinder besser zu verstehen, als ihre Eltern sie je verstanden hatten. Jetzt, wo sie älter war, jetzt, wo sie es waren, war Arya so beständig ratlos, dass der Drang, sich bei Ned und Catelyn zu entschuldigen, nahezu konstant war.
Ihre Eltern waren nicht zur Krönung gekommen und hatten ihr Bedauern durch einen Raben gesandt. Ned war krank, seine Arthritis hielt ihn nahezu vollständig an einen Rollstuhl gebunden und es war ihm unmöglich die Reise anzutreten. Arya verspürte immer noch einen Anflug von Panik, wenn ein Rabe aus Winterfell eintraf. Sie fürchtete, er würde die Nachricht bringen, dass ihr Vater verstorben war. Obwohl Arya bereits so alt war glaubte sie nicht, bereit zu sein, in einer Welt ohne Ned Stark zu leben. An seine Stelle traten Robb, Jeyne und ihre Jungen. Robbs Bart war jetzt ganz grau und es erschreckte Arya, als sie ihn sah. Sie wusste nicht warum. Sowohl sie als auch Sansa beklagten sich über die Linien in ihren Gesichtern und das Silber, das ihren Weg in ihre Haare fand. Sogar Bran und Rickon zeigten langsam ihr Alter und Arya fragte sich, wann sie alle alt geworden waren.
‚Dies ist nicht mehr unsere Zeit‘, erkannte sie, als die Musiker zu spielen begannen. ‚Unsere Tage sind vergangen und jetzt gehört die Welt unseren Kindern.‘
„Sie sind noch nicht bereit“, murmelte Arya laut, aber niemand hörte es. Manchmal glaubte sie, die Leute hätten vor Jahren aufgehört, sie zu hören.
Sie wartete darauf, dass Aemon aufstand und mit dem Tanz begann, aber ihr schüchterner Sohn blieb hartnäckig auf seinem Platz und sprach mit den Lords und Ladys, die kamen um ihren Segen darzubringen. Arya beugte sich zu Rhaenys und forderte sie auf, Aemon zu ermutigen, seine Pflicht zu erfüllen, aber Rhaenys winkte ab und bestand darauf, dass Aemon seine Zeit für den Beginn selbst festlegen würde. Mit einem gereizten Schmunzeln sah Arya zum anderen Ende des Tisches und beobachtete, dass Alysanne und Brandon bereits aufstanden. Brandon führte seine ältere Schwester zur Tanzfläche. Alysanne sah in Brandons Armen geradezu kindlich aus, aber beide bewegten sich mit einer Grazie, von der Arya sicher war, dass sie nichts von ihr geerbt hatten. Brandon flüsterte Alysanne etwas zu, was ihr Gesicht in einem Lächeln erblühen ließ und Arya starrte einen Moment auf das Bild, das sie abgaben.
Die Tanzfläche begann sich mit anderen Paaren zu füllen und Arya verlor ihre Kinder im Gedränge aus den Augen. Sie stand auf und ging auf ihre Geschwister zu, in der Hoffnung, in diesem Wahnsinn einen Sinn zu finden.

*




Gendry fand sie in der folgenden Nacht in der Bibliothek. Ihre Fackel brannte hell in der Dunkelheit. Arya saß in einem der hochlehnigen Stühle, auf dem Tisch eines der großen, ledergebundenen Bücher, die die Geschichte der Sieben Königreiche von lange vor ihr erzählten. Dort stand auf der weitläufigen Liste der Monarchen Aemons Name, den der Großmeister kürzlich eingegeben hatte. Sie fuhr mit den Fingern über die Rundungen der Buchstaben und als Gendry neben ihr saß, wanderte ihr Blick zu den Namen über Aemons, zu den kurzen Daten, die die Regentschaft von Gendry Baratheon, dem Ersten seines Namens, wiedergaben.
„Hast du es jemals vermisst, nicht mehr König zu sein?“
„Ich war nur für vierzehn Tage König und währenddessen tobte Krieg. Es war keine besonders angenehme Zeit für eine Herrschaft.“
Gibt es denn eine angenehme Zeit?“
„Mein Vater schien es sehr angenehm zu finden. Natürlich hat er die Entscheidungen Jon Arryn und deinem Vater überlassen, während er sich betrunken hat und herumhurte. Wahrscheinlich hat es seine Wahrnehmung beeinflusst.“
„Ich wollte nie, dass Aemon König wird.“ Arya schloss das Buch und blickt auf. „Er ist nicht dafür gemacht. Das war er nie.“„Er kann es lernen. Du kannst es ihm beibringen.“
„Was weiß ich schon darüber wie es ist König zu sein?“
„Du warst jahrelang mit einem verheiratet.“ Gendry zuckte die Achseln. „Niemand weiß wirklich, wie man einer ist, Arya. Alle sind durcheinander und hoffen, dass ihre Berater es besser wissen als sie.“
„Und wenn sie es nicht wissen?“„Dann betest du für Frieden.“Sie schnaubte. „Frieden. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Es fühlt sich so an, als wäre ich schon immer in irgendeiner Weise im Krieg gewesen.“
„Kriege, die du selbst erschaffen hast.“ Er lächelte ironisch über ihren beleidigten Gesichtsausdruck. „Wir sind zu alt für falsche Höflichkeiten, nicht wahr? Es gab eine Zeit, in der du mich gejagt hättest, wenn ich es nur versucht hätte.“
„Stimmt.“ Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und strich sich geistesabwesend eine Haarsträhne aus den Augen. „Ich habe heute darüber nachgedacht, dass wir nicht mehr jung sind.“
„Wir sind schon lange nicht mehr jung. Ich glaube, ich habe vergessen, wie es sich anfühlt.“
„Siehst du jemals deine Mädchen an und fragst dich, was du alles falsch gemacht hast?“
Sein Seufzer war tief und müde. „Ich möchte glauben, dass ich nichts falsch gemacht habe, dass sie sich immer glücklich und sicher, von mir geliebt gefühlt haben. Aber ich ... ich frage mich, ob es richtig war, Elinor mit Rhaego zu verheiraten, warum ich Rose nicht die Freiheit gewährte, die sie wollte, ob Alisa durch die Zeit, die sie mit meiner Mutter verbrachte, so unangenehm geworden ist. Es ist jedoch ein gefährliches Spiel, Arya, darüber nachzudenken, was hätte sein können.“
Beinahe wollte sie ihn darauf hinweisen, wie seltsam es war, ihn sagen zu hören, wie gefährlich es war, mit was-wäre-wenn-Gedanken zu spielen. Götter, Brandon war Beweis genug dafür, dass es nicht nur das ‚Wenn‘ gewesen war. Arya hatte das Gefühl, als hätten sie und Gendry fast so lange versucht, die Geschichte umzuschreiben, wie sie sich gekannt hatten, und alles, was dabei herauskam war andere zu verletzen.
Aber statt ihn darauf hinzuweisen, sagte sie: „Etwas Furchtbares wird geschehen. Ich kann es fühlen.“
„Weil Aemon König ist?“
„Weil Rhaenys Königin sein will.“ Aryas Augen begann zu brennen. „Und ich weiß nicht, was geschehen wird, wenn sie so viel Macht hat.“
„Du denkst sie wird die Macht missbrauchen?“
„Ich denke, viele Menschen haben sich als Feinde meiner Kinder herausgezeichnet und Rhaenys vergisst ihre Feinde nicht.“
Sie wischte sich schnell eine Träne von der Wange. „Aber am Meisten fürchte ich, was die Sieben Königslande tun werden.“
„Was meinst du?“„Die Menschen hatten immer schon Angst vor meinen Kindern. Und nun der Unfall mit dem Feuer. Hörst du sie Flüstern?“
Gendry nickte, genau so, wie Arya es erwartet hatte. Obwohl die Worte mit gedämpften Stimmen ausgetauscht wurden, hörte Arya sie alle: Prinzessin Rhaenys gab der kleinen Olenna das Ei, wissend, dass der verrückte Viserys versuchen würde, es auszubrüten. Der Unfall war ein Komplott, um den Rest der Thronfolge zu eliminieren. Der Eiserne Thron war leer, damit ihre Kinder ihn übernehmen konnten. Sie wollte es bestimmt nicht glauben. Immerhin konnte Arya immer noch den Schock und Unglauben in Rhaenys Augen sehen, als Sommerhall brannte, als sie bemerkte, dass ihre Geschwister, ihr Vater, die Männer und Frauen, mit denen sie aufgewachsen war, tot waren. Aber es gab auch den nagenden Zweifel in ihrem Bauch, den ständigen Aufruhr, der Arya dazu veranlasste, sich zu fragen, warum Rhaenys um die Welt reisen würde, um ein Drachenei zu beschaffen, dass sie einem kleinen Mädchen gab, das sie nie als wahre Schwester betrachtete.
„Aber ich weiß, dass es Lügen sind. Kein Kind von dir würde ein Königsmörder sein.“
Arya wollte Trost in seinen Worten finden, befürchtete jedoch, dass Trost von nun an der Vergangenheit angehörte.

*




Elia Targaryens Zimmer stank nach Tod. Arya beschuldigte den Maester, den die Tyrells aus Rosengarten mitgebracht hatten. Er weigerte sich, irgendjemandem zu erlauben, die Fenster ihrer Kammer zu öffnen, aus Angst, Krankheiten hereinzulassen. Wenn die Verbrennungen sich entzündeten, erklärte der alte Mann, würde das für Jessas verbleibende Tochter mit Sicherheit den Tod bedeuten. Arya wusste nichts von Verbrennungen oder Heilung, aber sie bezweifelte, dass es irgendjemandem in einem dunklen Raum mit einem so üblen Gestank besser gehen konnte.
Es gab immer einen Tyrell an Elias Seite, als ob sie dachten, dass Arya oder eines ihrer Kinder dem armen Mädchen etwas antun würden. Arya kämpfte nicht dagegen an. Sie kannte die Paranoia in ihrem eigenen Herzen, den Drang, nachts ihr Bett zu verlassen, um sicherzugehen, dass ihre Kinder noch sicher und am Leben waren. Mit Jessa und Olenna verloren die Tyrells nicht nur ihre königlichen Hoffnungen, sondern auch ihre Töchter. Margaery verbrachte die meiste Zeit mit ihrer Großnichte und heute war keine Ausnahme. Als Arya in das düstere Zimmer trat, sah sie Margaery neben dem Bett sitzend, eine Stickerei auf ihrem Schoß.
Margaery Tyrell war noch immer so schön wie vor all den Jahren, als sie und Sansa darum kämpften, Gendrys Braut zu werden. Obwohl sie ein paar Fältchen um den Mund und ein paar Silberfäden im Haar hatte, konnte Margaery leicht als jemand gelten, der viel jünger als sie war, und als sie ihren Blick auf Arya richtete, sah sie, dass die Tyrell-Intelligenz dort hell brannte.
„Euer Gnaden“, begrüße Margaerys sie mit einem leichten Nicken des Kopfes.
„Lady Baratheon.“ Arya ging zum Fußende des Bettes und sah auf ihre verletzte Stieftochter hinunter. Die Maester ließen sie keine Decken haben und der Eiter sickerte aus den Verbrennungen durch die Seidenhüllen. Es war so viel von ihrem Körper in Seide gehüllt, dass der Anblick schrecklich war. Wenn Elia das überleben würde, wäre mehr als die Hälfte ihres Körpers mit dicken Narben bedeckt. Arya erinnerte sich schwach an den Mann, der Joffrey gedient hatte, den sie den Hund nannten, und zum ersten Mal dachte sie darüber nach, wie der Mann diese schrecklichen Zeichnungen verdient hatte.
„Wie geht es ihr heute?“
Margaery versuchte zu lächeln, aber auch eine höfische Täuschungskünstlerin konnte den wahren Schmerz in ihrem Herzen nicht verbergen. „An ihrem Bein breitet sich eine Infektion aus. Die Maester glauben, dass sie es möglicherweise entfernen müssen.“
Eine Welle Übelkeit stieg in Arya auf. „Sie entfernen ihr Bein? Ist sie stark genug, das zu überstehen?“
„Nein“, stellte Margaery sachlich fest und starrte auf Elias noch vorhandene Gestalt. Fast rund um die Uhr bekam sie Mohnblumensaft um die Schmerzen zu ertragen. Arya konnte sich nicht einmal an das letzte Mal erinnern, als Elia wach war. „Mein Vater hat den Hohen Septon gebeten, die Riten über sie zu sprechen.“
„Sieben Höllen“, hauchte Arya und ihre Kehle wurde eng. Ganz gleich, wie sie sich Jessa Tyrell gegenüber fühlte, Arya wünschte sich niemals, dass deren Tochter krank wurden. Olenna und Elia liebten Daena und Daeron, waren immer deren perfekte Schwestern und sie bezweifelte, dass jemand Mädchen mit süßeren Temperamenten finden konnte. Sie konnte sich noch erinnern, als sie zum ersten Mal nach Königsmund zurückkehrten, wie Alysanne es liebte, Jessas Mädchen die ältere, klügere Schwester zu spielen, wie Arya lachte, während Olenna und Elia versuchten, alles, was Alysanne tat, nachzuahmen. Selbst als Alysanne von Sternfall zurückkehrte, beeilten sie sich ihre große Schwester zu treffen und baten sie darum, ihre Haare nach dornischer Art zu flechten. Sie baten Aegon, ihnen Kleider wie die von Alysanne zu kaufen. Zum ersten Mal seit dem Brand dachte Arya wirklich darüber nach, was es für Jessas Töchter bedeutete zu sterben.
„Es wäre ein leichter Tod für sie gewesen, mit ihrer Schwester umzukommen“, bot Margaery an und strich eine Haarsträhne von Elias makelloser Seite. „Das hier ist für niemanden eine Möglichkeit zu leben, geschweige denn für ein Kind.“
„Ich verstehe nicht“, begann Arya, bevor sie verstummte.
Es gab so viel, was sie nicht verstand, am allerwenigsten, wie sie ihren Satz beenden konnte.
Drei Tage und Nächte lang wartete Arya darauf, dass Elia aufgrund ihrer Verletzungen ums Leben kam, wartete auf das Läuten der Glocken, das den Tod eines Mitglieds der königlichen Familie verkündete. Und doch, nach drei Tagen des Wartens, kam Alysanne zum Frühstück und verkündete, dass die Infektion von Elias Bein zurückgegangen war und der Tyrell Maester dachte, sie könnte doch leben.

Was für ein Leben Elia erwartete, war eine andere Sache.



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