No Featherbed For Me

von Annerie
GeschichteDrama, Romanze / P16
Aegon Targaryen Arya Stark Gendry Renly Baratheon Sansa Stark
19.06.2019
24.09.2019
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Kapitel 1: Die Beinahe-Prinzessin - Teil 2



*




Der einzige Grund, warum ihr Vater ihr erlaubt hatte an dem Morgen auszureiten, als der König in Winterfell eintraf, war ihr Versprechen, zeitig genug zurück zu sein um zu baden und sich angemessen zu kleiden. Und Arya hatte wirklich vorgehabt, dieses Versprechen einzuhalten.
Aber dann verlor ihr Pferd ein Eisen und sie. Als Arya wieder auf die Füße kam, unverletzt aber mit schmerzenden Gliedern, wusste sie, dass die Rückkehr nach Winterfell für sie und ihr Pferd deutlich länger dauern würde.
Sie trug eine alte Reithose von Bran und ein Hemd, welches sie von Jon gestohlen hatte, bevor er zur Mauer aufgebrochen war. Beides hing viel zu groß an ihrem schmalen Körper hinab, ihr langes Haar war wild durcheinander, der Wind und der Sturz hatten Strähnen aus ihrem Zopf gelöst und aufgrund ihrer Landung im Dreck war ihre Kleidung komplett verschmutzt.
Als Arya zur Burg zurückkehrte wusste sie bereits, dass ihre Mutter und Septa Mordane ihr die Haut von den Knochen schrubben würden und eine Belehrung darüber folgen würde, wie undamenhaft sie sich verhielt.
Das letzte Mal, als sowas passiert war, hatte Catelyn ihr gedroht ihr Pferd zu verkaufen und sie zu den schweigenden Schwestern zu schicken. Arya war sich sicher, ihre Mutter würde sie niemals zu den Schwestern schicken, aber sie traute ihr durchaus zu, ihr ihr Pferd zu nehmen.

Es war ungewöhnlich warm und der Schweiß bahnte sich bereits seinen Weg über ihren Rücken, als Arya nicht widerstehen konnte, kurz vor Winterfell an einem der Teiche halt zu machen und in das Wasser zu waten um ihr Pferd trinken zu lassen und sich selbst etwas abzukühlen.
Die Sonne sagte ihr, dass es bereits weit nach Mittag war und Arya versuchte sich zu beeilen, in der Hoffnung, dass die Prozession des Königs nicht schnell genug vorankommen würde, um vor ihr in Winterfell einzutreffen.
Ihre Hüfte schmerzte stärker als alles andere und Arya wusste, am nächsten Morgen würde sie einen riesigen blauen Fleck bekommen.
Die Schwellung war nur gering, zwang Arya jedoch dazu den größten Teil ihres Gewichts auf ihr rechten Bein zu verlagern und ließ sie schließlich mehr nach Hause humpeln als laufen.
Als sie schließlich beinahe über einen Felsen stolperte, war sie sich sicher, dass die Götter sie dafür bestraften, gegen den Willen ihrer Mutter ausgeritten zu sein.

Arya erkannte die Banner der Baratheons, als sie den letzten Hügel vor Winterfell schließlich erklomm und sie wusste, sie steckte in größeren Schwierigkeiten als jemals zuvor.
Die Zügel ihres Pferdes fest umklammert versuchte sie, den Hof mit so viel Würde wie möglich zu überqueren während ihre Hüfte vor Schmerzen schrie aufgrund der Anstrengung des Gewaltmarsches. Der ganze Hof war voller Menschen und Pferd und Arya konnte sehen, wie die Mitglieder der Königsgarde sie argwöhnisch musterten als sie in Richtung Stall stolperte, weder ihre Familie noch die des Königs in Sicht.

„Götter!“, rief Harwin, als Arya mit ihrem Pferd durch das Stalltor trat. „Was ist mit dir passiert?“
„Sie hat ein Eisen verloren.“, grunzte Arya und drückte ihm ihre Zügel in die Hand. „Wo ist Maester Luwin?“
„In seiner Kammer schätze ich. Deine Mutter hat Reiter nach dir ausgeschickt.“
Arya stöhnte leise, als sie auf die Burg zuzuhumpeln begann und bei jedem Schritt traten ihr Tränen in die Augen.
Sie musste unbedingt Maester Luwin sehen; als sie im letzten Jahr vom Baum gestürzt war, hatte er ihr etwas gegeben um die Schmerzen in ihrem Handgelenk zu linden. Genau sowas brauchte sie jetzt, zumindest bis die Schwellung abgeklungen war.
Die Kammer von Maester Luwin war so hoch oben, aber wenn ihre hohe Mutter sehen würde, wie schwer sie verletzt war, würde sie Arya nie mehr alleine ausreiten lassen.

„Brauchst du Hilfe?“ Die Frage veranlasste Arya dazu, sich so gut sie konnte zu dem Jungen umzudrehen, der sie ihr gestellt hatte und ihm ins Gesicht zu blicken.
Er schien so alt zu sein wie Robb, vielleicht um die zehn-und-acht, hatte aber deutlich breitere Schultern als ihr Bruder. Sein Haar war schwarz, stand wild in alle Richtungen ab, und seine Augen leuchteten blau.
Arya wusste, er musste mit dem Hof des Königs gekommen sein, aber dem Schmutz auf seiner Hose nach und dem offenen Mantel nahm sie an, er wäre ein Gehilfe oder der Sohn eines Lords aus Königsmund.
„Ich muss weiter nach oben in der Burg um Maester Luwin zu sehen“, gab sie schließlich preis.
„Maester Luwin ist in der großen Halle mit Lord Stark. Ich kann ihn holen-“
„Nein!“, unterbrach sie ihn und verlagerte ihr Gewicht auf ihr gesundes Bein, während sie sich an der Wand abstützte. „Was ist mit meinen Brüdern?“
„Deine Brüder?“, wiederholte er ihre Worte verwirrt, bevor die Erkenntnis in seinen Augen aufleuchtete.
Du bist Lady Arya?“
Bei dem Gebrauch ihres Titel sah sie ihn irritiert an. „Ja, und ich möchte meine Brüder sehen. Sind sie hier?“
„Dein Bruder Robb ist beim König, deine jüngeren Brüder sind bei den Prinzen während die Männer deines Vaters das Land nach dir durchkämmen. Aber ich könnte deine Schwester holen.“
„Oh sieben Höllen, nein!“, stöhnte Arya, was den Jungen zum Lachen brachte und Schalk in seinen Augen aufblitzen ließ. Mit einem Seufzer verschränkte sie die Arme vor der Brust.
„Kann ich dir vertrauen, dass du ein Geheimnis bewahrst?“
„Auf die Ehre meiner Familie“, schwor er.
„Könntest du mir in meine Gemächer helfen und keiner Menschenseele etwas davon erzählen?“
Als er sie zweifelnd ansah, fügte sie hinzu: „Ich belohne dich für dein Schweigen.“
„Und was hat Mylady sich als Belohnung gedacht?“
Arya tat so, als hätte sie den spöttischen Unterton in seiner tiefen Stimme nicht wahrgenommen.„Ich habe ein paar Silberdrachen gewonnen, ich könnte dich bezahlen.“
„Wie kann eine Lady Silberdrachen gewinnen?“
„Im Cyvasse.“
Als sie das letzte Mal nach Winterfell gekommen waren, hatte sie von einem der Karstarks eine ganze Geldbörse gewonnen und Arya hatte keine einzige Münze ausgegeben. Sie hielt sie lieber in den Händen, starrte sie an und freute sich darüber, jemanden besiegt zu haben.
„Ich könnte sie dir geben.“
„Ich brauche kein Geld, Lady Arya.“ Er bückte sich leicht und legte ihren Arm um seine Schultern. Arya seufzte erleichtert, als das Gewicht auf ihrem linken Bein verringert wurde und ließ sich von dem Jungen die Treppe hinaufhelfen, der ihr Gewicht nicht einmal im Geringsten zu bemerken schien.
„Wie hast du dich verletzt?“
„Ich bin von meinem Pferd gestürzt.“
„Wirklich? Dein Bruder hat geschworen du bist die beste Reiterin die er kennt.“
„Nun, sie hat ein Eisen verloren.“ Arya war außerordentlich stolz auf ihre Reitkunst und ließ sich nicht von einem dummen Südstaatler verspotten. „Und ich bin die beste Reiterin die er kennt, ich bin besser als alle meine Brüder.“
„Vielleicht kannst du es mir beweisen, wenn es dir besser geht.“
Arya öffnete den Mund um zu antworten, als sie bei dem Versuch auf die nächste Stufe zu springen stolperte. Sie wäre hart auf den steinernen Treppen gelandet, wenn der südländische Junge sie nicht im letzten Moment aufgefangen hätte. Sie schnappte nach Luft, als er sie wie Jon einst auf seine Arme hob und sie schließlich die Stufen nach oben trug, als würde sie nicht mehr wiegen als eine Feder.
„Du bist ein ganz schön stures Mädchen.“
„Ich weiß“, spottete sie. „So nennt mich jeder.“
Der Junge lächelte zu ihr hinab, etwas in seinen Augen, was sie nicht deuten konnte.
„Ich habe nicht gesagt, dass es etwas schlechtes ist.“
Arya spürte, wie ihr Magen nervös flatterte, verwirrt über dieses unbekannte Gefühl. Dann zeigte sie auf ihre Tür. „Das sind meine Gemächer. Du kannst nicht mit herein kommen.“ Sie wartete, bis der Junge sie auf die Füße stellte und lehnte sich schließlich an die Tür.
„Danke. Ich werde mit dir ausreiten, wenn es mir bessergeht. Ich bezahle meine Schulden.“
Das Lächeln des Jungen wurde zu einem Grinsen.
„Ich vertraue niemanden, der es nicht tut.“
Er senkte sich, als würde er das Knie beugen wollen. „Wir sehen uns, Lady Arya.“

*




Erst später, als Maester Luwin ihre Hüfte behandelte und ihre Mutter sie über ihr gefährliches Verhalten belehrte, bemerkte Arya, dass sie den Jungen nicht nach seinem Namen gefragt hatte. Sie schwor sich, beim Abendessen nach ihm zu suchen, und schaffte es, still zu sitzen, während ihre Mutter ihre Haare zu einer komplizierten Hochsteckfrisur aus Zöpfen arrangierte. Sie protestierte nicht einmal, als sie in das am wenigsten beliebte Kleid geschnürt wurde. Arya war stur, aber nicht dumm.

Maester Luwin erklärte ihr, sie sollte mindestens einen Tag kein Gewicht auf ihrem Bein tragen und Hodor wurde dazu aufgefordert, sie zum Fest des Königs in den Speisesaal zu tragen. Arya hasste es, wie ein Krüppel getragen zu werden, und Bran sah sie mit Mitleid in den Augen an, als sie vor den König und die Königin gebracht wurde, um sich zu entschuldigen, dass sie zu deren Ankunft nicht da war. König Robert lachte bellend und sein großer Bauch wackelte.
„Sieht so aus, als hättest du auch etwas von dem wilden Wolfsblut in dir, nicht wahr, Ned?“
Ihr Vater lächelte gelassen, aber Arya war sich sicher, dass er das Ganze nicht so entspannt sah wie sein bester Freund.
Robert war grade dabei ihr eine Frage zu stellen, als sie die Prinzen und die Prinzessin den Speisesaal betreten sah. Aryas Augen weiteten sich, als sie den Jungen erkannte, der sie erst kurz zuvor die Stufen nach oben getragen hatte. Seine schmutzigen, ungepflegten Kleider waren gegen welche in Farben der Baratheons ersetzt und er lächelte sie mit Belustigung in seinen strahlenden Augen an und Arya wünschte sich, nicht von Hodor gehalten zu werden, weil sie Prinz Gendry Baratheon zu gern ins Gesicht schlagen wollte.
Dummer Prinz‘, knurrte Arya. ‚Er ist ein dummer Prinz, der mir einen Streich gespielt hat.‘
Arya weigerte sich für den Rest des Abends zum großen Tisch hinauf zu sehen.



*




„Er ist so gutaussehend!“, schwärmte Sansa, als ihre Mutter ihr nachsichtig von ihrem Platz am Fenster aus zulächelte.
Arya beobachtete, wie ihre ältere Schwester ihr Essen auf dem Teller hin und her schob ohne auch nur einen Bissen zu nehmen und biss sich selbst buchstäblich auf die Zunge um nichts ungehaltenes zu sagen.
„Ist er nicht gutaussehend, Mutter?“
„Er sieht genau aus wie sein Vater als junger Mann“, erwiderte diese.
„Und er ist so freundlich.“ Sansas Stimme war so verträumt und sanft, wie Arya sie noch niemals zuvor gehört hatte. „Er hat letzte Nacht mit so vielen Mädchen getanzt, auch mit niederer geborenen, aber er sagt ich wäre die Beste.“
Arya verdrehte die Augen und schob sich ein Stück Speck in den Mund um sich daran zu hindern etwas zu antworten.
„Ich bin jetzt zehn-und-sechs, Mutter. Und jeder weiß, dass Prinz Gendry noch nicht versprochen ist. Wenn Vater zum König spricht-“
„Wenn König Robert seinen Sohn mit dir verheiraten möchte, dann wird er es deinem Vater sicher zuerst sagen“, unterbrach Catelyn sie schließlich sanft. „Aber setz deine Hoffnungen nicht zu hoch an. Königin Cersei sagt, er wird wahrscheinlich Margaery Tyrell von Rosengarten heiraten.“
Sansa senkte ihren Kopf bevor sie zischte: „Aber Vater ist der älteste Freund von König Robert und er wird wollen, dass Gendrys Königin eine treue Freundin ist!“
Arya konnte sich schließlich nicht mehr zurückhalten.
„Du bist keine treue Freundin, du kennst ihn ja nicht einmal. Wen interessiert es, wenn er mit all den Mädchen tanzt? Nach allem was wir wissen könnte er den dümmste Mann in den sieben Königslanden sein!“
Sansas Augen sahen ihre Schwester hasserfüllt an.
„Er ist nicht der dümmste Mann in den sieben Königslanden. Er wird König sein. Und sogar Robb sagt, er ist ein guter Mann. Du bist hier die einzige Dumme.“
„Mädchen!“, züchtigte Catelyn ihre streitenden Töchter.
Sansa schloss sofort den Mund, wie immer gehorsam, Arya hingegen spürte die schrecklichen Worte schwer auf ihrer Zunge liegen. Sie hat den dummen Prinz verdient. Sollen sie doch heiraten und hundert Kinder haben, jedes von ihnen dümmer als das vorherige.

Arya hoffte, Gendry Baratheon würde Sansa weit, weit wegbringen und sie würden keinen der beiden jemals wiedersehen müssen.
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