Old Habits Die Hard

von Kura Sayo
OneshotAllgemein / P12
Dazai Osamu Ryurou Hirotsu
19.06.2019
19.06.2019
1
1531
7
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Hat Kura es sich zum Ziel gemacht FF.de mit BSD Fanfiction zu überfluten? Definitiv.
Also habt viel Spaß mit dieser kurzen Geburtstags-FF.

================================================================================

Für Dazai war der 19. Juni ein gewöhnlicher Tag, wie jeder andere. Es gab absolut nichts besonderes an ihm, nichts das es wert wäre gefeiert zu werden. Wenn überhaupt, was es ein Tag den er aus dem Kalender streichen wollte. Ein Tag der lediglich markierte, dass er ein weiteres Jahr in dieser sinnlosen Welt überlebt hatte. Eine spöttische Erinnerung daran, dass all seine Versuche seinem Leben ein Ende zu setzen, fehlgeschlagen waren.

Am liebsten hätte Dazai sich den ganzen Tag über in seinem Wohnheim eingeschlossen, Sake getrunken und sich seinen düsteren Gedanken hingegeben. Doch seit er sich der Agentur angeschlossen hatte, war es nicht mehr ganz so einfach, an diesem Tag zu verschwinden. Verdammt sei Ranpo und sein feiner Spürsinn.

Aus einem ihm undefinierbaren Grund bestanden seine Kollegen darauf jeden Geburtstag gebührend zu feiern. Dazais natürlich mit eingeschlossen. Würde er versuchen sich aus der Affäre zu ziehen, in dem er einfach nicht auf der Arbeit erschien, würde Kunikida ihn suchen kommen. Außerdem wollte er ihre Beiden jüngsten Mitglieder, Atsushi und Kyouka, nicht enttäuschen. Es war Dazais erster Geburtstag, seitdem die Zwei beigetreten waren und besonders der Weiße Tiger hatte gewirkt, als würde er sich sehr auf diesen Tag freuen.

Gerade deswegen war er auch nicht sehr überrascht, als er das gemütliche Büro betrat und von bunten Dekorationen und Glückwünschen begrüßt wurde. Die Deko war dabei eindeutig Atsushis Werk gewesen und für einen winzigen Moment huschte ein ehrliches Lächeln über Dazais Lippen. Sein neuer Schüler hatte wirklich ein Herz aus Gold und manchmal fragte er sich, ob jemand wie er an dessen Händen literweise Blut klebte, ein solch reines Wesen überhaupt unterrichten durfte.

Seine Kameraden ließen ihm keine Zeit etwas zu erwidern, als hätten sie Sorge er würde auf dem Absatz kehrt machen und sie mit ihrer Party allein lassen. Diese Sorge war tatsächlich berechtigt, denn Dazai hatte genau dies während seines ersten Geburtstages bei den wehrhaften Detektiven getan.

Nun hatte er aber kaum eine andere Wahl als sich an seinen Schreibtisch zu setzen, auf welchem bereits ein Teller mit einem köstlich aussehenden Geburtstagskuchen stand. Selbst an Kerzen hatten sie gedacht, je eine für jedes seiner Lebensjahre. Dazai konnte sich bei diesem Anblick einen Kommentar nicht verkneifen. „23 Kerzen für 23 Jahre in denen ich es nicht geschafft habe dieser Welt Lebewohl zu sagen. Denkt ihr die 24 wird meine Glückszahl?“

Kunikida wirkte für einen Moment mehr als bereit ihm dafür auf den Hinterkopf zu schlagen, ließ es dann aber sein. Vermutlich war das sein Geschenk an das Geburtstagskind.

„Blas die Kerzen aus und wünsch dir etwas, Dazai-san!“, erinnerte Atsushi ihn, als könnte er diesen kindlichen Brauch anderenfalls vergessen.

Dazai wiedersprach diesem Vorschlag nicht. Er blies die Kerzen aus, alle auf einmal, ohne sich etwas dabei zu wünschen. Wünsche erfüllten sich nie, schon gar nicht für jemanden wie ihn. Es wäre nur eine Verschwendung von Worten und Gedanken.

Er dachte daran ein paar Bissen des Kuchens zu essen und sich zu bedanken, besonders bei Kenji dessen Familie einen Korb voller Obst und Gemüse gesendet hatte, nur für Dazai. Es war das einzige Geschenk das er bekam, vermutlich da niemand sagen konnte über welches Geschenk Dazai sich freuen würde, aber er brauchte nicht mehr. Eigentlich brauchte er gar keine Geschenke.

Schließlich, als niemand weiter auf ihn achtete, schlich er sich heimlich davon. Er ließ das Büro und seine Kollegen hinter sich, vergrub die Hände in den Taschen seines beigefarbenen Trenchcoats und wanderte durch die Straßen Yokohamas, ein Ziel deutlich vor Augen.

Das Licht im Lupin war schummrig und es roch nach Alkohol und Zigaretten. Der Barkeeper hinter der Theke hatte sich in all den Jahren nicht geändert und stellte wortlos ein Glas Whiskey vor Dazai ab, kaum dass sich dieser gesetzt hatte. Fragend blickte er auf den leeren Barhocker zur Rechten des braunhaarigen Mannes, verzichtete allerdings darauf auch dort ein Glas abzustellen, als Dazai leicht den Kopf schüttelte. Heute wollte er einfach nur still und allein trinken und verspürte keinen Drang sich mit seinem alten Freund zu unterhalten.

Die Stille, nur gelegentlich unterbrochen durch das Klingen seines Glases wenn er es aufnahm und anschließend wieder abstellte, sorgte dafür dass sich Dazai in die tiefsten Winkel seines Kopfes zurück ziehen konnte. Nicht immer war dies etwas Gutes. Er hatte die Angewohnheit zu viel nachzudenken, zu viel zu interpretieren und sich in seinen Gedanken zu verrennen. Doch heute gab es nur eine Frage, welcher er stumm nachgehen wollte.

Warum feierte man einen Tag an dem man geboren worden war? Womöglich lautete die richtige Antwort darauf, weil das Leben ein Geschenk ist und man am Tag seiner Geburt dankbar dafür sein sollte, dass es einem gegeben wurde.

Auf Dazai traf diese Denkweise nicht zu. Für ihn war das Leben kein Geschenk, viel mehr eine Bürde die ihm aufgezwungen worden war. Er hatte nicht darum gebeten, geboren zu werden.

Seine Kindheit war keine fröhliche gewesen. Er hatte weder Kindergarten noch Schule jemals besucht, keine Freunde zum Spielen gehabt, seine Mutter war früh gestorben und über seinen Vater wollte er lieber gar nicht nachdenken. Täte er das, würde er sich nur an das Gefühl des warmen Blutes auf seiner Haut erinnern und an die Schwere der Pistole in seinen kleinen, zitternden Händen.

Hatte er nicht gerade noch beschlossen nicht an den Mann zu denken? Und doch tat er es. Der Mann hatte seine Mutter umgebracht und Dazai selbst hatte nichts anderes von ihm gekannt als Beleidigungen und Prügel. An jenem schicksalhaften Tag vor etwa acht Jahren hatte sein Vater beschlossen auch Dazai zu töten. Doch der Junge mit den Augen die mehr tot als lebendig waren, hatte das Blatt gewendet.

Danach hatte er zum ersten Mal versucht sich das Leben zu nehmen. Er hatte sich zur nächsten Brücke geschleppt, den Schmerz der Prellungen und Brüche die er seinem Vater zu verdanken hatte ignorierend und sich von dort in das kalte Flusswasser gestürzt.

Als er wieder aufgewacht war hatte er sich in Mori Ougais Obhut befunden, unglücklicherweise noch am Leben.

Leise Schritte und das Geräusch des Stuhls auf seiner linken Seite welcher über die hölzernen Dielen kratzte, ließ ihn in die Realität zurückkehren. Für einen Augenblick wollte er seinen Drink leeren, das Geld auf die Theke werfen und einfach gehen. Dann überlegte er es sich aber anders und blickte in Richtung des Neuankömmlings. Es war nicht wie er befürchtet hatte Ango.

„Hirotsu-san?“, murmelte Dazai den Namen des Älteren, seine Stimme unnatürlich laut in der Stille der Bar.

Hirotsu zündete sich in aller Ruhe seine Zigarette an und nahm einen tiefen Zug. Er stieß den Rauch aus, darauf achtend dass dieser nicht in die Richtung des Jüngeren wehte. „Solltest du nicht in der Agentur sein und mit deinen Kollegen feiern, Dazai-san?“

Dazai kicherte. „Ich mag keine Partys, zu viel Trubel und Lärm. Aber das solltest du wissen, Hirotsu-san.“, erwiderte Dazai, sein Kinn auf einen Arm stützend.

Hirotsu nickte langsam. Er hatte die Augen geschlossen, erinnerte sich zurück an einen schlaksigen Teenager in einem übergroßen, schwarzen Mantel, das Gesicht halb hinter weißen Bandagen verborgen. Elise hatte Partys geliebt, tat es immer noch und hatte natürlich darauf bestanden auch für den viel zu jungen Unterboss eine Geburtstagsfeier zu veranstalten. Dazai war niemals zu einer von ihnen erschienen.

Er hatte sich zurückgezogen, entweder um Nachforschungen für eine neue Mission anzustellen oder um hier im Lupin mit seinen Freunden Oda Sakunosuke und Sakaguchi Ango zu trinken.

„Manche Dinge ändern sich wohl nie…“, stellte Hirotsu fest, den Kopf ein Stück in den Nacken gelegt. Dazai wandte sich wieder seinem Getränk zu, leerte es mit einem weiteren Schluck und sah dem Barkeeper beim Nachschenken zu.

Er blickte erst wieder zu Hirotsu  als er hörte wie der grauhaarige Mafioso etwas vor sich auf der Theke ablegte. Es war Dazais alte Spielkonsole, zusammen mit dem Ladekabel. Dazai hatte sie in seinen Räumen zurück gelassen als er die Mafia verlassen hatte. Hirotsu hatte sie all die Jahre über für ihn aufbewahrt?

Dazai nahm sie in die Hände, drehte sie hin und her. Es war eindeutig seine Konsole. Das erkannte er an den Schrammen auf der Rückseite. Er hatte sie während einem Streit mit Chibikko fallen gelassen.

Hirotsu hatte recht, manche Dinge änderten sich wirklich nie. Der ältere Mann war es gewesen, der ihm die Konsole damals zu seinen 16 Geburtstagen geschenkt hatte. Als wollte er dem Teenager zumindest ein klein wenig Normalität ermöglichen. Es war nostalgisch, dass er sie ihm jetzt Jahre später erneut schenkte.

Für eine Weile saßen sie schweigend da, Hirotsu rauchend und Dazai noch immer die Spielkonsole mit seinen Blicken studierend. Dann erhob Hirotsu sich, seine Hand striff über Dazais Schulter als er an dem Jüngeren vorbei ging. Es war eine vertraute Geste, die ein Gefühl der Wärme hinterließ.

„Happy Birthday, Dazai Osamu-san!“
Review schreiben