Geschichte: Fanfiction / Prominente / Musik / K-Pop / EXO / Siren

Siren

GeschichteRomanze, Fantasy / P18 Slash
Lu Han Oh Sehun
18.06.2019
25.08.2019
6
26182
1
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"Ich habe keine Lust mehr", seufzte ich und legte den Kopf auf der überaus einladend wirkenden Tischplatte ab. Chanyeol neben mir brummte, während unser Streber Jongin uns nur mit einem Kopfschütteln beobachtete. Unser Dozent faselte seit über einer Stunde irgendetwas von Sirenen und ich hatte nicht den Hauch einer Ahnung, was das mit Biologie zu tun haben sollte. Diese Viecher waren immerhin eine Erfindung altgriechischer Bürger, die an irgendetwas glauben wollten.

"Sirenen sind Halbgötter und leben oft in den unendlichen Weiten des Meeres", erklärte unser Dozent, was mich nicht im Entferntesten interessierte. Das würde ich in meinem Leben nie wieder brauchen, wozu also das alles lernen? Das sah mein bester Freund scheinbar genauso, denn er gähnte nur und tat es mir gleich, den Kopf auf die Tischplatte zu legen. Unseren Dozenten interessierte es nicht, ob wir zuhörten oder nicht. Es war unser Studium, lautete seine Devise.

"Aber nicht immer, denn es gibt heutzutage auch viele Sirenen, die an Land leben. Deswegen muss man bei schönen Menschen, also so schön, dass sie eigentlich keine Menschen sein können...", plapperte er weiter und so langsam driftete ich ab. Immerhin gab es keine Sirenen, also musste ich dem Geschwafel eines Gläubigen nicht zuhören.

"Ihr seid so hoffnungslos, wisst ihr das eigentlich?", zischte Jongin kopfschüttelnd und machte sich wieder an seine Notizen.

"Sei's drum", brummte Chanyeol und legte seine Wange auf die kühle Holzplatte ab, "Ganz ehrlich, wen interessiert das?"

"Mich", erwiderte Jongin leicht hochnäsig und mit hochgerecktem Kinn, worüber wir nur lachen konnten.

"Du bist sowieso ein Sonderfall", entgegnete ich immer noch lachend. Chanyeol hatte seine liebe Mühe, sein Lachen leise zu halten, was ihm jedoch nicht sonderlich gelang. Daraufhin bat der Dozent mit einem Mörderblick in unsere Richtung um Ruhe, sodass er seinen Unterricht fortsetzen konnte. Ich legte meinen Kopf wieder auf die Tischplatte und wartete einfach auf das Ende der Vorlesung, was Chanyeol mir gleichtat, während Jongin nur resigniert aufseufzte. Er hatte es schon lange aufgegeben, uns zu sagen, dass wir doch zuhören sollten. Wir bekamen nach der Vorlesung immer seine Notizen, damit wir wenigstens irgendetwas von dem, was besprochen wurde, wussten. Jongin hatte einfach ein zu weiches Herz, um uns in der nächsten Stunde unvorbereitet zu lassen. Auf einmal wurde ein Zettel zu mir geschoben und ich blickte zu Chanyeol, der mich nur abwartend anstarrte. Also öffnete ich den gefalteten Zettel, so albern es auch war, dass er nicht einfach sagte, was er wollte.

~Heute mit Jongin zusammen im Park joggen?~
Ich hob eine Augenbraue.

"Hast du ihn schon gefragt?", zischte ich, brauchte jedoch keine Antwort mehr bei der unbekümmerten Miene, die er zog.

"Nö, aber der hat sowieso nichts besseres zu tun als zu lernen. Die Zeit wird er opfern können", entgegnete er als müsste er sich vor seiner Mutter rechtfertigen. Traurigerweise stimmte diese Aussage jedoch, da Jongin sogar mit dem Tanzen aufgehört hatte, weil es ihm neben der Schule zu stressig wurde. Seitdem versuchten wir ihn immer wieder zu überreden, wieder anzufangen, denn er war echt talentiert. Doch so talentiert er auch war, er war dreimal sturer und so hatten wir es bis zu diesem Tag nicht geschafft, ihn wieder dazu zu bringen.

"Von mir aus klar, jetzt musst du das nur noch mit Jongin abklären", entgegnete ich und zuckte mit den Schultern. Chanyeol seufzte auf und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. Mit einem verzweifelten Blick in meine Richtung bat er mich, das zu übernehmen, doch ich schüttelte grinsend den Kopf. Er wollte joggen gehen also sollte er auch unseren lernwütigen Bären fragen. Bär nannten wir ihn, weil er einen sehr bequemen Lebensstil pflegte, aber wenn man ihn reizte, sollte man lieber schnell das Weite suchen. Und ihn vom Lernen abzuhalten kam einem Brand in seiner Wohnung gleich. Leidend blickte er mich noch einmal an, bevor er sich Jongin zuwandte. Obwohl ich kein Wort verstand, richtete ich meine Aufmerksamkeit auf die Beiden, denn vielleicht würde in Kürze sowas wie der dritte Weltkrieg ausbrechen und ich musste als Streitschlichter fungieren. Jongin nickte jedoch überraschenderweise sehr schnell, nachdem Chanyeol ihm alles erklärt hatte und sagte etwas zu ihm, was ich nicht verstand. Mit einem breiten Grinsen drehte sich Yoda, aka mein bester Freund, wieder zu mir um und zeigte begeistert mit beiden Daumen nach oben. Er war schon einfach zufrieden zu stellen.

"Er kommt mit", sagte er glücklich als wäre das das Weltbewegendste, was er jemals erlebt hatte. Ich grinste nur. Wie konnte man sich so über die Tatsache, dass der beste Freund mit zum Joggen kam, freuen? Tatsächlich taten wir das nicht selten, wenn gleich mit sehr viel Überzeungskraft.


-♡-


Im Park warteten wir nur auf einen: Jongin. Gelangweilt starrte ich durch die Gegend oder auf mein Handy, um etwas zu tun zu haben. Chanyeol sah sich die ganze Zeit um und trippelte von einem Fuß auf den anderen. Ihm behagten die Blicke, die uns von einigen Mädchen zugeworfen wurden, überhaupt nicht. Mich störte das da weniger. Es interessierte mich einfach nicht. Sollten sie doch gucken.

"Wo bleibt der denn?", maulte Chanyeol irgendwann und ich vermutete, dass er es nicht aushielt, angestarrt zu werden. Unbeteiligt zuckte ich mit den Schultern und starrte wieder mein Handy nieder. Ich wusste nicht, was ich damit überhaupt wollte, außer mich in irgendeiner Weise beschäftigen.

"Endlich", brummte der Größere neben mir mit deutlicher Erleichterung in der Stimme. In Entfernung konnte ich unseren Streber-besten Freund erkennen, als ich aufblickte. Hechelnd kam er neben uns zum Stehen als wäre er den ganzen Weg von zuhause bis in den Park gesprintet.

"Sorry, ich musste noch etwas noch fertig machen", entschuldigte er sich außer Atem und stützte die Hände auf den Kien ab. Chanyeol und ich sahen uns an und einigten uns stumm darauf, dass Jongin verrückt war. Ich kramte die Box heraus und verband mein Handy mit ihr. Das erste Lied, was aus den Lautsprechern, die ich natürlich vorher nicht auf Lautstärke überprüft hatte, ertönte, war Hobgoblin von CLC. Und das natürlich auf voller Lautstärke, sodass uns alle möglichen Leute blöd anstarrten. Chanyeol und Jongin kriegten sich gar nicht mehr ein vor Lachen, als ich panisch versuchte, den Regler etwas herunterzudrehen und mich peinlich berührt umzusehen.

"Bestes Lied für so eine Einstellung", bemerkte Jongin amüsiert, während ich die Lautstärke endlich verringern konnte. Seufzend stopfte ich das Elektrogerät in meine Hosentasche. Sofort konnte ich das Wummern an meinem Bein spüren, was zwar so etwas unangenehm war, mir aber beim Joggen extrem half. So konnte ich besser im Takt der Musik bleiben und war schneller.

"Wieso hast du eigentlich sofort zugesagt?", wollte ich neugierig wissen. Normalerweise hätte er abgesagt, weshalb es mich umso mehr wunderte, dass er gekommen war. Etwas nervös und beschämt zugleich kratzte er sich am Hinterkopf und sah weg.

"Ich sollte mal wieder was für meine Figur tun", war seine mehr gemurmelte als gesagte Antwort, woraufhin Chanyeol und ich uns geschockte Blicke zuwarfen. Jongin und er MUSSTE WIEDER WAS FÜR SEINE FIGUR TUN? Der musste gar nichts für einen perfekten Körper tun, denn den besaß er schon. Doch ich vermutete, dass er jemandem gefallen wollte.
Der Größte von uns hatte den gleichen Gedanken.

"Spucks aus, wer hat dir den Kopf verdreht?", fragte er neugierig und rückte etwas näher an ihn heran mit einem fiesen Grinsen im Gesicht. Eine leichte Röte hatte sich auf seine Wangen gelegt und er mied konstant unseren Blick, was an sich schon etwas süß aussah.

"Komm schon, wer ist es?", forderte ich ihn auch auf. Sein Blick verriet, dass er sich sehr eingeengt fühlte. Mit einem genervten Blick antwortete er:
"Das geht dich nichts an."

"Aha, also haben wir nicht unrecht", kicherte Chanyeol und stieß ihm neckisch in die Seite. Wissend grinsten wir uns an, während unser Bär sich startklar macht, um sofort losjoggen zu können.



Während wir liefen, fiel mir auf, dass Jongin tatsächlich keine so gute Kondition wie Chanyeol und ich hatte, was wohl hauptsächlich daran lag, dass er ständig zuhause hockte und lernte. Er sah schon sehr angestrengt aus, als es mir noch gut ging, aber es war auch lange her, dass er uns das letzte Mal beim Joggen Gesellshaft geleistet hatte. Sonst waren Chanyeol und ich immer alleine joggen gegangen. Es war sicher, dass er irgendjemandem gefallen wollte. Nur wollte er uns bestimmt nicht fragen, denn das wäre zu auffällig gewesen. Jongin war nicht dumm, das war klar. Mittlerweile waren wir an einem kleinen See angekommen. Ich hielt Chanyeol und Jongin an den Ärmeln ihres T-Shirts fest, damit sie stehenblieben und nickte mit dem Kopf zu der glatten, dunklen Oberfläche hinüber.

"Aber wir haben keine Schwimmsachen", murmelte Jongin schwach, obwohl er wusste, dass dieses Argument weder Chanyeol noch mich davon abhalten würde, ins Wasser zu springen.

"Wir haben aber kurze Sporthosen an, Nini, oder willst du mir sagen, dass du nicht mit Sportklamotten schwimmen gehen willst, weil deine Mutter das nicht erlaubt?", neckte ich ihn und bekam einen beleidigten  Blick, sowie eine herausgestreckte Zunge zu sehen. Als wäre er fünf. Mir war klar, dass das nicht sein eigentliches Problem war, aber darauf wollte ich gar nicht erst eingehen. Jongin hatte ein Problem damit, vor Menschen zu viel nackte Haut zu zeigen. Um diesen See herum saßen immer mal wieder vereinzelt ein paar Menschen, die das schöne Wetter genossen, picknickten oder schwimmen gingen. Es war wirklich ein schöner Tag: keine Wolke, die die Sonne bedecken konnte, strahlend blauer Himmel, ungefähr dreißig Grad im Schatten und eine leichte Brise, die für Abkühlung sorgte. Viel Abkühlung war das aber auch nicht, zumindest wenn man joggte. Da war das kühle Wasser vor uns wie eine Einladung auf eine Hausparty.

"Stell dich nicht so an, nur wegen den paar Menschen", meinte Chanyeol, der ebenso wie ich den wirklichen Grund für seine Ausflüchte erkannt hatte. Das interessierte uns nur nicht so wirklich. Er würde nicht entkommen können, dafür würde ich sorgen. Immerhin konnte er nicht immer vor seinen Problem davonlaufen, das würde sie nur schlinmer machen.

Ich lief gefolgt von Chanyeol die letzten Meter zum Wasser hinab und zog dabei mein T-Shirt aus, was mein bester Freund mir gleichtat. Ich sah zurück und bemerkte, dass Jongin sich nicht von der Stelle gerührt hatte, die Arme ineinander verschränkte und misstrauisch zu uns hinunterstarrte. Er hatte uns nie verraten, weshalb er sein Shirt nicht ausziehen wollte, aber er bekam ziemliche Panikattacken, wenn er das tun sollte. Immer, wenn wir ihn darauf angesprochen hatten, war er ausgewichen. Wir hatten ihn auch noch nie oberkörperfrei gesehen

"Du musst dich doch nicht ausziehen, wenn du nicht willst, aber du kannst doch trotzdem mit schwimmen gehen", schlug Chanyeol ihm einen Kompromiss vor. Skeptisch blickte Jongin an sich hinab auf das weiße T-Shirt, was er trug. Schwimmen gehen war mit ihm immer ein Kampf, aber dann trug er wenigstens ein schwarzes T-Shirt, was nicht so wie weiße T-Shirts durchsichtig wurde, wenn es nass wurde.

"Bitte, Nini", bat ich ihn bettelnd und sah ihn mit großen Hundeaugen an. Ja, manchmal merkte man mir doch an, dass ich der Jüngste von uns dreien war. Er sah zweifelnd an sich runter und verkrampfte seine Hände in dem Stoff. Es war ihm deutlich anzusehen, dass es ihm leidtat und doch schien er nichts daran ändern zu wollen. Also resignierte ich. Wenn er nicht wollte, dann konnten wir ihn nicht zwingen.

"Jong, das ist doch so viel zu heiß", versuchte Chanyeol es, doch hatte keinerlei Erfolg damit. Jongin blieb eisern und mied dabei unsere Blicke als hätte er irgendetwas zu verbergen. Ich fragte mich nur, was...

"Ich pass' auf eure Sachen auf", bot er an und das war auch sein letztes Wort. Er würde seine Meinung nicht ändern. Jongin war da knallhart. Das schien auch Chanyeol einzusehen, als er sich auf dem Gras niederließ und uns hinterher sah, wie wir uns letztendlich umdrehten, die Blicke der Menschen ignorierten und zum Wasser hinabliefen.

Es war eisig, als ich einen Fuß in den See streckte und das war perfekt für unsere vom Joggen erhitzten, verschwitzten Körper. Also watete ich hinein, während Chanyeol am Anfang stehenblieb. Was das anging war er eine echte Memme. Sand, Blätter und kleine Stöckchen umspielten bereits meine Waden, als unser großer Tollpatsch noch knöcheltief im Wasser hin- und hertapste, von einem Fuß auf den anderen. Ein Kind ganz in der Nähe von ihm spritzte so sehr herum, dass das Wasser meterweit um es geschleudert wurde und alle einen großen Bogen um es machten. Chanyeol sprang erschreckt zur Seite, stolperte fast über etwas, das unter der Wasseroberfläche verborgen lag und wäre fast hingefallen, hätte er sich nicht an dem Gras hinter festgehalten, um sein Gleichgewicht wiederzufinden. Unterdessen stand ich im Wasser und hielt mir den Bauch vor Lachen. Er warf mir einen Blick zu, der selbst Löwen eingeschüchtert hätte, doch mich beeindruckte der wenig und ich lachte nur noch mehr.

"Ja, lach' du nur und amüsier' dich auf meine Kosten", schnaubte er wütend und trappste hin und her wie ein Nilpferd, das seine Orientierung verloren hatte. Vorsichtig trapste er ein paar Schritte weiter rein, sprang dann jedoch wieder wie von der Tarantel gestochen zurück. Was er da tat, trug nicht wirklich dazu bei, dass ich mich beruhigte und ich verlor sogar vor Lachen fast das Gleichgewicht, weil ich in eine Mulde getreten war. Jongin beobachtete uns vom Ufer weit entfernt vom Wasser mit einem sehnsüchtigen Blick. Es interessierte mich wirklich, was ihn davon abhielt, zu uns zu kommen.

"Es ist kalt", jammerte der Braunhaarige und schmollte mich an. Kaum zu glauben, dass er der Ältere war. Mit einem gespielt mitleidigen Blick spritzte ich Wasser in seine Richtung und konnte belustigt feststellen, wie er mit wedelnden Armen als wäre er eine Ente aus dem Wasser sprang und ein paar Meter den Hang hochlief. Kichernd ließ ich mich mit ausgestreckten nach hinten ins Wasser fallen. Das letzte, was ich dabei sah, war Chanyeols absolut geschocktes Gesicht.

"Bist du verrückt?", rief er mir zu und stapfte wieder bis zum Knöchel ins Wasser. Uns wurden schon sehr amüsierte Blicke zugeworfen. Scheinbar waren wir die Hauptattraktion des Sees. Auch das Kind hatte aufgehört zu pantschen und starrte uns an, als wären wir der spannendste Kinofilm.

"Yeol, komm' einfach rein oder genießt du die Aufmerksamkeit?", stichelte ich und sonnte mich darin, ihn in eine Zwickmühle gebracht zu haben. Erneut warf er mir Killerblicke zu, rang sich jedoch dazu durch, etwas tiefer ins Wasser zu watscheln, aber das auch nur bis zur Mitte des Unterschenkels. Dann blieb er wieder stehen und zog die Beine im Wechsel aus dem Wasser. Als ob das wirklich kalt wäre...
Ohne ihn vorzuwarnen ging ich lässig auf ihn zu, bis ich dann nah genug war, um locker sein Handgelenk zu greifen und ihn mit einem kräftigen Ruck aus dem Gleichgewicht zu bringen. Er stolperte, ruderte mit den Armen und kurz darauf hörte man nur noch ein Platschen und mein bester Freund lag im Wasser. Irgendwo konnte ich einen Jubelruf hören und grinste. Prustend holte er Luft, nachdem er direkt wieder aufgesprungen war. Danach kam er mir bedrohlich nah.

"Du bist so ein Idiot, Oh Sehun, wegen dir friere ich mir hier den Arsch ab!"; maulte er mich an und schubste mich, sodass ich selbst im Wasser landete. Das machte mir jedoch bichts aus, sondern sprang einfach wieder auf und schüttelte mir wir ein Hund spritzend das Wasser aus den Haaren.

"Was hätte ich denn tun sollen? Das hätte noch Jahre gedauert, bis du ins Wasser gekommen wärst, du Memme", entgegnete ich ihm frech und kurz darauf lag ich wieder unter der Oberfläche. Als ich wieder auftauchte, grinste Chanyeol überlegen. Zu ihm konnte ich das sagen, obwohl er älter war, denn er wusste, dass das nicht ernst gemeint war. Immerhin kannten wir uns seit dem Sandkasten und waren auch nach dem Kindergarten in die gleiche Grundschule und auf das gleiche Gymnasium gegangen. Auch unsere Eltern waren gut miteinander befreundet, was wohl auch ein Faktor für unseren Zusammenhalt war.

"Du bist ganz schön vorlaut, deinem Hyung gegenüber", meinte er hochnäsig und baute sich vor mir auf. Er pellte sich ganz schön einen auf die zwei Zentimeter, die er größer war als ich. Dafür hatte ich aber etwas breitere Schultern als er, obwohl seine auch nicht schmal waren. Ich hatte einfach recht breite Schultern. Schamlos spritzte ich ihm Wasser ins Gesicht, woraufhin er die Augen zusammenkniff, mit den Händen übers Gesicht fuhr, um das Wasser abzuputzen und darauf die doppelte Wasserladung zurück zu spritzen.

Das Ganze artete irgendwann in eine Wasserschlacht aus, vor der sogar das Planschkind floh. Irgendwann lagen wir erschöpft mit dem Rücken ans Ufer gelehnt im Wasser und sahen ein paar niedlichen ca. sechsjährigen Mädchen zu, die pinke Badeanzüge mit Prinzessinnen oder blaue mit den Figuren von "Frozen" und die mit kleinen Meerjungfrauen aus Plastik spielten. Jongin war zu der Stelle gekommen, an der wir im Wasser saßen und ließ vom trockenen Gras aus wenigstens die Beine ins Wasser baumeln.

"Also... 'n Eis wär' jetzt geil", bemerkte Chanyeol gedankenverloren auf den See hinaus blickend. Seine Augen suchten die Enten, die normalerweise auf dem See umherschwammen, aber vor all den Menschen geflüchtet waren und irgendwo weiter hinten auf dem Wasser trieben.

"Ich hab' vorhin, als ihr schwimmen wart, einen Eiswagen gesehen, soll ich uns welches holen?", schlug Jongin vor und zog schon die Beine aus dem Wasser. Zum Abtrocknen benutzte er ganz dreist mein T-Shirt, woraufhin ich ihm empört schnaubend einen Klaps auf den Arm gab. Davon zuckte er kaum merklich zusammen, doch das bemerkte man, wenn man ihn genügend beobachtete. So viele Fragen füllten meinen Kopf...

"Das schmeißt du doch eh später in die Wäsche", war seine unverschämte Bemerkung darauf und grinste mich kackendreist an. Ich wolöte darauf schon etwas erwidern und hatte auch gerade den Mund gelffnet, als Chanyeol mich glatt unterbrach:

"Bring mir ein Erdbeereis und Sehun Straciatela mit!"

Daraufhin bewarf er ihn mit seiner Tasche, die er überflüssigerweise mitgenommen hatte, was aber, wie ich bemerkte, doch nicht so überflüssig war, denn so konnte er unser Eis bezahlen. An Geld hatte ich bicht mehr gedacht. Da konnte man sehen, wie weit mein Denken reichte. Jongin lief ohne ein weiteres Wort davon, um uns brav unser Eis zu holen.

Chanyeol rückte etwas näher an mich heran und murmelte:
"Ich habe Jongin nicht nur wegen dem Eis weggeschickt. Findest du es nicht auch seltsam, dass er nie schwimmen gehen will? Und uns noch nie seinen Oberkörper gezeigt hat?"

Unruhig wühlte ich in dem Sand neben mir herum und starrte stur auf die kleinen Mädchen. Ja, es war merkwürdig, aber was konnten wir dagegen tun?

"Natürlich... wir sind Jahre befreundet, das müsste nicht das Problem sein...", antwortete ich zögerlich und fragte mich, worauf er eigentlich hinauswollte. Ja, Jongins Verschlossenheit war an dieser Stelle sehr fragwürdig, aber wieso sprach er das gerade dort an? Immerhin kam das nicht von jetzt auf gleich. Es war von Anfang an so gewesen, dass Jongin uns seinen Oberkörper nicht zeigen wollte.

"Genau, ich mache mir Sorgen, Sehun. Vielleicht hat er irgendein Trauma, dass er uns das nicht zeigen kann und vielleicht ist es ihm einfach zu unangenehm darüber zu reden und sagt es uns deswegen nicht?", riet mein Sandkastenfreund und sah dabei ehrlich bekümmert aus. Er hatte die Angewohnheit, die abgedrehtesten Theorien aufzustellen und sich dann verrückt zu machen. Doch das Traurige daran war, dass das nicht einmal an den Haaren herbeigezogen war. Welchen logischen Grund gäbe es denn sonst für seine körperliche und auch geistige Distanz? Er hatte uns nie viel von sich erzählt, nicht einmal, als wir noch in der Grundschule waren und man sich alles erzählte.

"Ich weiß es nicht, aber ganz abwegig ist es nicht", gab ich zu, nahm einen Stein vom Ufer und ließ ihn konzentriert über das Wasser hüpfen, um etwas zu tun zu haben und ihm nicht in die Augen sehen zu müssen.

"Worüber redet ihr?", ertönte auf einmal Jongins Stimme hinter uns und das hatte mich so überrascht, dass ich heftig zusammenzuckte und mich erschrocken zu ihm umdrehte. Innerlich betete ich, dass er nichts von unserem Gespräch mitgekriegt hatte, doch es schien nicht so, denn er lächelte stolz und hielt uns unser Eis hin. Sofort langten wir danach und begannen, fleißig daran zu lecken, denn wegen der Hitze war schon fast die Hälfte weggeschmolzen.

"Über unseren Dozenten", antwortete Chanyeol ihm auf die Frage schlagfertig, sah ihm dabei jedoch nicht in die Augen, sondern suchte wieder nach den Enten, die wieder etwas näher gekommen waren, da es sich mittlerweile etwas geleert hatte.

"Wegen den Sirenen?", ging Jongin auf ihn ein. Er hatte diese Ausrede tatsächlich geschluckt, aber Chanyeol hatte sie so belanglos dahergesagt, dass einem gar nicht in den Sinn kam, er würde lügen.

"Ja, weil er daran glaubt. Und du scheinbar auch", stimmte ich ihm zu und zeigte anklagend mit dem Finger auf ihn. Er kicherte nur, antwortete jedoch nicht, sondern kümmerte sich eher um sein Schokoladeneis. Das sollte ich auch mal tun, denn so langsam schmolz es mir über die Hand.

"Du glaubst echt daran", stellte Chanyeol wie vom Schlag getroffen fest. Jongin zuckte nur mit den Schultern und nickte dann unbekümmert. Fassungslos wanderte der Blick unseres Tollpatschs zu mir und ich hob nur die Schultern. Er sollte ruhig an das glauben, was er wollte, solange ich da nicht dran glauben musste...



Während dieser Diskussion bemerkten die drei gar nicht die Augen, die auf ihnen agen und sie beobachteten. Auch bekamen sie die gemurmelten Sätze nicht mit, denn sie waren zu sehr mit ihrem Gespräch beschäftigt, als mit ihrem Umfeld.

"Ihr gehört bald nur mir..."


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So, ich habe mich entschieden, das Kapitel heute hochzuladen, dafür kommt aber die nächsten zwei Wochen nichts, seid mir nicht böse!^^

Viel Spaß damit, R&R :*

Dann bin ich jetzt gleich in Österreich, bye!^^

See you in two weeks!
화이팅!
Pei~