Unser größtes Abenteuer

von Tanikka
GeschichteHumor, Parodie / P16
18.06.2019
12.07.2019
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Das Schloss von Sturmrand ist ein atemberaubender Anblick, man könnte fast schon von einer Augenweide sprechen - aber das ist sowieso bei jedem, der noch nie Schloss zu Gesicht bekommen hat, der Fall. Sogar eine Ruine würde da als Augenschmaus gelten. Ritter Gerhard Hartschuh geleitet die Teenager aus Amerika an den Wachen vorbei und verschafft ihnen einige Einblicke ins Innere des gewaltigen Bauwerks.

Sowohl die Küche, den Speisesaal, die Waffenkammer, als auch die Schatzkammer dürfen sie besichtigten.

Währendessen wendet Neo sich fragend an Kelly «Ob das okay ist, dass wir einfach so in der königlichen Schatzkammer herumspazieren?» «Eigentlich macht man Sowas ja nicht.» murmelt Kelly und schlägt Liz auf die Hand, damit sie die Kette fallen lässt, die sie mitgehen lassen wollte. Johnny schaut derweil in einen gigantischen Spiegel, welcher einen goldenen Rahmen besitzt der so hell strahlt, dass Erblindungsgefahr besteht.

«Ja, so nen Spiegel hätte ich auch gerne...Hey, Herr Gerhard!» Augenblicklich dreht sich der Ritter zu ihm herum und fragt, was denn Johnnys Begehr seie. Er zeigt auf den Spiegel und will wissen «kann ich den mitnehmen? Sie können ihn auch gerne auseinanderbauen und mir die Teile in einer Tasche mitgeben. Ich bekomm das Ding schon wieder zusammengebaut!»

«Hahaha. Sie belieben zu scherzen, nicht wahr? Das ist ein königliches Erbstück von Prinzessin Hilda der Achtzehnten, welches ihre Mutter ihr einen Tag, vor ihrem Todestag vermachte. So etwas baut man nicht einfach auseinander und verschenkt es an einen dahergelaufenen Reisenden. Und wenn er der Held wäre, den dieses Königreich verlangt, so würde er garantiert nicht jenen Spiegel vermacht bekommen.»

«Was hat er gesagt? Ich habe nach “königliches Erbstück“ abgeschaltet.» fragt Johnny Kelly, welche den Kopf schüttelt und sich an Neo wendet. «Und ich dachte Liz wäre unmöglich, weil sie was stehlen will. Dabei ist Johnny noch viel unverschämter.» «Weißt du Kells» sagt Neo grinsend «mich würde es nicht wundern, wenn unser Freund den König nach seiner Krone fragen würde.» «Und die will er dann auch in Teilen, wie eine Ikea-Couch?» kommt es plötzlich von der Blauhaarigen. «Ja, vermutlich» antwortet die Dunkelhaarige nur schulterzuckend. Liz beginnt wie eine Verrückte zu kichern, beim Gedanken an eine Ikea-Krone.

«Entschuldigt diese Frage, aber was mag ein Ikea sein?» will der Ritter mit dem abnormal langen Bart wissen. «Ach, nichts!» ruft Neo schnell hinein und fügt hinzu, dass sie jetzt schon gerne den König treffen würden. «Dann lasset mich euch zum Thronsaal geleiten!»

Diesen Satz sagt Gerhard Hartschuh mit so einer Euphorie, dass Neo zu fangirlen beginnt. «Wie ein waschechter Ritter!» kreischt er glücklich. Für den Brünetten ist das die wahrgewordene Phantasie schlechthin, schließlich ist das Mittelalter seine liebste Epoche. «Bleib mal ruhig, Kleiner. Bringt uns nämlich nichts, wenn du hier noch anfängst herumzubrüllen wie eine 13-Jährige auf einem Justin Bieber Konzert.» meint Johnny, woraufhin er einen Hieb von Liz erntet. «Wofür war das?» «Dafür, dass du hier anfängst von Justin Bieber zu reden. Das ist das Mittelalter, also denke jetzt nicht an die Gegenwart! Und denke niemals an JB.»

«Wenn das hier wirklich das Mittelalter ist, wir uns aber darin befinden, dann ist es doch ebenso die Gegenwart?» kommt es von Neo, doch das Fragezeichen am Ende seiner Aussage ist deutlich zu hören. «Hm. Macht eigentlich Sinn.» stimmt Kelly ihm zu. Der Brünette sieht erleichtert aus, er hasst es nämlich, wenn Kelly und er verschiedener Meinung sind. Das endet entweder in einer sehr langen Diskussion, oder sie schweigt ihn an - man kann also nur verlieren.

«Diese Tür führt in den Thronsaal des Königs von Sturmrand. Wenn ihr vor dem erhabenen Heinrich steht, dann benehmt euch bitte.» sagt Gerhard Hartschuh, als sie schlussendlich vor einer Tür halten. Nachdem er diese Worte gesagt hat, verschwindet er irgendwohin.

«Also...klopfen wir jetzt einfach an?» fragt Liz und klopft, ohne die Antwort der anderen zu erwarten. Kelly schlägt sich die Hand gegen die Stirn und gibt ein genervtes Stöhnen von sich. «Wenn du eine Frage stellst, solltest du auch auf die Antwort warten, Lizzie!» brummt Johnny, nur um danach in Gelächter auszubrechen. «Kells, manchmal denke ich, dass wir zwei die einzigen sind, die ihr Gehirn sinnvoll gebrauchen können.» murmelt Neo besorgt, woraufhin Kelly ihm seufzend gesteht, dass sie dieselbe Befürchtung hegt.

«Tretet ein, die Tür ist offen!» brüllt eine Stimme vom Inneren. Die Blauhaarige reißt ebenjene Tür mit einem Ruck auf, sodass sie gegen die Wand knallt. «Mein Gott, Liz!» zischt  Kelly, richtet ihren Blick dann aber nach vorne. Auf einem nicht ganz so prunkvollen Thron sitzt ein Mann mit einem, von Bartstoppeln übersäten Gesicht, einem Hawaii-Hemd, das kaum etwas verdeckt und einer Zigarette im Mund. Neo beginnt zu stammeln während Kelly das ausspricht, was er zu sagen versucht: «Eine Zigarette? Und ein Hawaii-Hemd? Im Mittelalter?»

Tatsächlich sieht der erhabene Heinrich kein Stück aus, wie ein König. Eher wie ein gescheiterter, leicht drogenabhängiger Ballermannstar/Schlagersänger. Und dieser Gedanke verstört Johnny ganz besonders. Denn er hat noch nie einen Typen wie ihn gesehen. Wie geht man mit solchen Leuten um? Gibt es dafür ein Handbuch oder etwas in der Richtung?

«Guten Tag, ihr Lieben. Wie ich sehe, hat der Hofzauberer nicht zu viel versprochen - vier Teenager! Auch wenn ich mich frage, warum ihr nicht fett oder streichholzdünn seid. Ihr kommt ja schließlich aus Amerika, wo es nichts dazwischen gibt und sogar die Minderwertigkeitskomplexe, Minderwertigkeitskomplexe haben!»

Geschockt starren alle Vier den König an. «Woher wissen sie, dass es Amerika gibt? Ich dachte wir sind hier im Mittelalter?» fragt Kelly. «Warum tragen sie ein Hawaii-Hemd?» will Liz wissen. «Sie wissen schon, dass rauchen ungesund ist?» meint Johnny. «Warum sind wir hier? Um uns anzuhören, wie sie mit Klischees um sich werfen?» kommt es von Kelly, welche mehr als nur schlecht gelaunt ist.

«Na, na meine Lieben! Alles der Reihe nach» ruft der König und bittet die Vier sich zu setzen - auf den Boden. «Kommt es nur mir so vor, oder hat dieser König eine lausige Definition von Gastfreundschaft? Nicht mal Stühle hat der...» flüstert Liz dem Schwarzhaarigen zu, welcher nickt und das Ganze mit einem langgezogenen «asozial» kommentiert. «Zunächst einmal: Dies ist nicht wirklich das Mittelalter. Wenn ihr weiter nach Süden gegangen wärt, hättet ihr ein Portal gefunden, welches euch an eine wunderschöne Feriengegend gebracht hätte.»

«Portale?» fragen alle Vier wie aus einem Munde. Das kann doch nicht wahr sein, oder? Das widerspricht jeglicher Logik! «Jup, Portale, meine Lieben! Oder wo denkt ihr, habe ich mein tolles Hemd her? Auch die Zigaretten und meine weiteren, Glücklichmacher beziehe ich von einem Ort, jenseits der Portale.» erzählt der erhabene Heinrich. «Und ich werfe mit Klischees um mich, weil es so unglaublich spaßig ist. Ich habe sogar meinem Ritter befohlen, dass er einen auf altmodisch machen soll! Ein Geniestreich!» Der König bekommt sich nicht mehr ein, Kelly verdreht die Augen.

«Sagen sie uns jetzt auch mal bitte, warum wir hier sind? Ritter Hartschuh meinte, dass wir Helden wären.» bringt Neo hervor. Der König mustert den Brünetten abschätzig und sieht danach zu Kelly. Kichernd verkündet er «ihr zwei werdet mal ein Paar. Ganz sicher, niemand kann meine Meinung ändern und jeder der was anderes behauptet liegt falsch!» «Sag mal, geht's noch? Wir wollen nicht unter ihren Shippingfantasien leiden! Wir wollen wissen, was hier los ist!» schreit Kelly, deren Wangen einen leicht rosafarbenen Ton vorzuweisen haben.

«Wow, sie reagiert schon ein wenig über, kann das sein?» fragt Liz den Schwarzhaarigen neben sich. «Ein wenig? Das ist die Untertreibung des Jahrhunderts, Lizzie.» «Ich schlage vor, du kommst mal zur Sache, Heinrich. Du musst nämlich bald deine Beruhigungstropfen nehmen und deine Tabletten einnehmen. Bis dahin wäre ich hier gerne fertig.» meint eine ominöse Stimme aus dem Nichts. Nach und nach werden Umrisse einer Person sichtbar, ein junger Mann mit langem blonden Haar erscheint vor den Teenagern.

«Wer zur Hölle sind denn sie jetzt?» knurrt Kelly immer noch sichtlich genervt. Beschwichtigend hält der Blonde die Hände vor sich und bittet die Dunkelhaarige einen Gang runter zu schalten. «Ich bin der Hofmagier hier. Mein Name ist Albert Nachtschatten. Ich weiß, dämlicher Name, verklagt meine Eltern.»

Nachdem er das gesagt hat, reicht er jedem einmal die Hand und wirft Neo einen merkwürdigen Blick zu, den dieser nicht deuten kann. «Ihr Name ist wirklich merkwürdig, was bedeutet der denn eigentli-» «-Liz, wage es nicht zu fragen! Sonst zieht sich das hier noch länger, als es das ohnehin schon tut!» unterbricht Johnny die Blauhaarige.

«Ihr seid hier, weil ihr die Auserwählten seid. Und ja, Auserwählte müssen immer Jugendliche sein. Aber ich schweife ab. Ihr sollt uns helfen, einen wichtigen Gegenstand wiederzubeschaffen.» erklärt Albert Nachtschatten, während er mit den Händen gestikuliert, als gäbe es keinen Morgen. «Und was für einen Gegenstand? Etwa ein neues Feuerzeug, für den Kettenraucher, der sich König schimpft?» witzelt Johnny und erntet böse Blicke von allen Seiten. «Würde ich nicht schon auf dem Boden sitzen, würde ich das spätestens jetzt machen.» murmelt er daraufhin und hört dem Blonden weiter zu.

«Ihr müsst den Portalisator zurückbringen. Eine Hexe hat ihn uns geraubt, weswegen wir keine Portale mehr erschaffen können. Und das ist schlecht, denn dadurch gibt es Lieferengpässe und wir können nichts mehr exportieren.» meint der Magier seufzend. «Könnt ihr nicht das Portal im Süden nehmen, das zu dem Ferienort führt und von dort aus, eine mögliche neue Route einschlagen?» schlägt Liz vor, doch Albert schüttelt den Kopf.

«Wenn wir nur an diesen Ort liefern müssten wäre es machbar. Aber diese ganze Welt verlangt unsere Ware! Ohne den Portalisator ist es schlicht und ergreifend unmöglich, all den Anfragen nachzukommen, was dann unserem Königreich schaden und auf unseren Ruf zurückfallen wird!»

«Also...sind wir hier echt in einer anderen Welt?» will Johnny wissen. «Natürlich! In eurer Welt wird man noch in tausend Jahren keinen Portalisator erfunden haben.» sagt der Magier und klingt dabei ekelerregend stolz. Als hätte er das Ding selbst erfunden, was aber nicht der Fall ist. «Was bekommen wir, wenn wir euch den Portali...sator? Portalisator zurückbringen?» fragt Neo nun den König. Dieser nimmt einen weiteren Zug seiner inzwischen zehnten Zigarette und antwortet «Wir schicken euch weiter. Vielleicht kommt ihr dann sogar irgendwann wieder in eure Welt.»

«Warte, wir können nicht zurück?» will Kelly wissen, Schock zeichnet sich auf ihrem Gesicht ab. «Nun, der Pfad von unserer Welt in eure wurde bei eurer Ankunft getrennt. Es dauert eine Weile einen erneuten Pfad zu erschaffen. Dementsprechend könnt ihr ja bis dahin ruhig auch anderen helfen.» brummt der erhabene Heinrich. «Wir wären bereit einen Pfad für euch zu erschaffen, wenn ihr den Portalisator zurückbringt und euch dann weiterschicken lasst. Das ist doch ein gutes Geschäft, oder?» Der Magier sieht die Teenager zuversichtlich an, er nickt, in der Hoffnung, dass sie auch nicken und er sie dann darauf festnageln kann.

«Aber nur, wenn sie sich daran halten. Wir hätten nämlich schon gerne die Gewissheit, dass wir irgendwann auch tatsächlich wieder heim können.» sagt Kelly. «Verständlich. Aber wie gesagt, die Erschaffung des Pfades dauert.» erklärt Albert Nachtschatten. «Wie lange in etwa?» will Neo wissen, er befürchtet bereits, dass ihm die Antwort nicht gefallen wird. «Nun, circa 3 Monate. Aber keine Sorge, in eurer Welt wird keine Zeit vergangen sein.» Zwar hat der Blonde vorgehabt, die Jugendlichen mit dieser Aussage zu beruhigen, doch erzielt er den gegenteiligen Effekt.

«Was? 3 Monate? Wie sollen wir hier so lange überstehen?» kreischt Liz und rüttelt an Johnnys Schultern. «Er sagte circa. CIRCA! Es kann also noch länger dauern, wenn alles schiefläuft!» schreit Neo, während sich Tränen in seinen Augen sammeln. «Ist doch super! Dann können wir hier noch einige Abenteuer erleben, bevor wir zurück in unsere Welt kommen. Seht es positiv, das wird sicher aufregend werden!» sagt Johnny gelassen und die Blicke aller haften an ihm. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich Johnny mal recht gebe, aber vielleicht sollten wir wirklich versuchen, das Positive sehen.» meint Kelly und hofft, dass sie Neo und Liz so vielleicht von deren Panik abbringen kann.

Die Blauhaarige lässt Johnnys Schultern los und entschuldigt sich dafür, ihn durchgeschüttelt zu haben, woraufhin er nur kichert. Auch Neo wischt sich die Tränen aus den Augen und versucht wieder die Fassung zu gewinnen.

«Also gut, Herr Nachtschatten» sagt Kelly und streckt ihre Hand aus «Wir besorgen ihnen ihre Wundermaschine und sie erschaffen uns den Pfad.» «Schön, dass ihr einverstanden seid. Ich werde euch eine Karte geben, die euch zu eurem Zielort führen wird. Proviant werden wir euch auch zur Verfügung stellen. Das wird ein wahres Kinderspiel, für Helden wie euch werden!» Der Hofmagier wirkt viel zu aufgeregt. Irgendwas daran stört Kelly, aber sie lässt sich nichts anmerken.

Hustend meldet sich der König zu Wort «Heute Nacht werdet ihr im Schloss schlafen können. Genießt es, denn in den Tagen darauf heißt es: Unter freiem Himmel zur Ruhe kommen!» «Es klingt, als hätte er eine Zigarette verschluckt.» murmelt Liz, woraufhin alle leicht grinsen.

«Aber gut zu wissen, dass wir hier heute eine Unterkunft haben.» bemerkt Neo. «Ich mache mir Sorgen. Dieser Magiertyp verheimlicht uns was. Möglicherweise bilde ich mir das aber nur ein.» sagt Kelly unsicher. Sie will niemanden beunruhigen, aber empfindet es als wichtig, ihre Bedenken zu äußern. Alle beschließen, das Ganze nicht zu sehr auf die leichte Schulter zu nehmen. Man muss schließlich auf alles gefasst sein.

Als sie in ihren Betten liegen, versprechen sie einander, alles zu tun, um wieder heimkehren zu können, egal was da noch kommen möge. Und sobald sie wieder in ihrer Welt, in Amerika wären, würden sie sich langsam dem Ernst des Lebens widmen müssen.
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