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Dämmerung

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Lulu Rikku Yuna
18.06.2019
18.06.2019
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“Yuni!! Du bist WAS!?” Rikku brachte ihre Verwunderung so laut zum Ausdruck, dass Yuna für einen Augenblick fürchtete, das komplette Luftschiff würde sie hören,sodass Wakka und Lulu gleich vor ihrer Nase auftauchen würden, um sich ebenfalls in das Gespräch zu mischen. Dabei hatte sie doch noch eine ganze Weile gewartet, bis sie sich zurückgezogen hatte um es Rikku unter vier Augen zu sagen. Inzwischen hatte sie zumindest aufgehört zu weinen, aber als sie es Rikku gesagt hatte, waren ihr die Tränen wieder in die Augen gestiegen. Sie hatte nicht den leisesten Plan, wie sie das allein schaffen sollte. Während all den Jahren in denen [Sin] spira beherrscht hatte, war es nichts ungewöhnliches gewesen, so früh Kinder zu bekommen. Nicht einmal verheiratet zu sein, war da eher das Problem. Auch war es nichts ungewöhnliches, dass ein Kind mit nur einem Elternteil aufwuchs weil das andere verstorben war. Aber nur weil es nichts ungewöhnliches war, hieß das nicht, dass Yuna sich das für ihr Kind wünschte. Und noch weniger jetzt, wo doch eigentlich ewiger Frieden angebrochen war.

“Aber doch hoffentlich nicht von diesem schmierigen Typen dem wir, mehrmals, den Hintern versohlt haben, oder?”, Yuna musste tatsächlich einen Moment darüber nachdenken, wen Rikku eigentlich meinte, so absurd war auch nur der Gedanke für sie. “Was? Du meinst du nicht etwa Meister Seymour? Nein! Natürlich nicht! Es ist...von ihm.” Ihre Stimme senkte sich wieder, und sie sah zu Boden. Ihre Hand ruhte über ihrem Bauch. Auf der einen Seite war sie froh, dass alles gut gegangen war. Dass sie [Sin] besiegt hatten ohne, dass Wesen unter ihrem Herzen, dass noch kaum mehr als ein Zellhaufen war, nichts passiert war. Aber auf der anderen Seite machte sie die ganze Situation so unendlich traurig. Sie musste an seinen Blick denken, als sie ihm sagte, dass sie ihn liebte. Und wie er drein geschaut hatte, als würde es ihn schockieren. Was hatte er erwartet? Dass sie so weit mit ihm gegangen wäre, wenn sie keine Gefühle für ihn hatte? Wohl kaum.

“Na zum glück! Ein Kind von dem Typen wäre ja das letzte!” Yuna schaute zu ihrer Cousine auf und musste lachen. “Wenn es von ihm gewesen wäre, hättest du gesagt, dass das völlig okay ist, und ich das schon hin kriege. Das ein Kind nicht wie sein Vater sein muss, und dass man das ja an dir sieht.

“Natürlich! Aber jetzt darf ich doch wohl froh sein, dass meine Cousine kein Kind von einem Irren bekommt, der Spira zerstören und uns alle töten wollte!” Yuna wusste nicht mal, wie Rikku je auf die Idee gekommen war, sie könnte Seymour so nahe gekommen sein. So lang waren sie jetzt wirklich nicht allein gewesen. Außerdem wurde ihr allein bei dem Gedanken übel. Der Kuss den er ihr aufgedrückt hatte war schlimm genug gewesen.

“Sondern vom Sohn von [Sin]. Viel besser!” Und noch viel besser, von jemanden der ebenso...tot war wie Seymour. Auch wenn sie das nicht wahrhaben wollte. Sie war sich sicher, dass Tidus noch irgendwo da draußen sein musste. Auch wenn es ihn eigentlich nie gegeben hatte? Sie hatte das alles noch nicht ganz verstanden. Er hatte sich ja auch keine Zeit genommen es ihr zu erklären. Und jetzt war er nicht mehr hier.

“Von dem bezwinger von [Sin]! Der sich gegen ihn gestellt hat, obwohl es sein Vater war. Und nicht nur das. Jekkt war vielleicht zum Schluss [Sin], aber er hat sich sehr lange so gut es ging dagegen zu wehr gesetzt! Dein Baby kann stolz auf seine Familie sein! Besonders auf seine Mutter! Du wirst das ganz toll machen!”, na immerhin war Rikku zuversichtlich.

“Ich...Ich weiß nicht wie. So ganz allein.”, Yuna senkte ihren Blick.

“Du bist doch gar nicht allein! Du hast doch mich! Wakka und Lulu! Und Khimari! Wir stehen alle hinter dir! Auch wenn ich mir vermutlich nicht mehr vorstellen kann wie hart es für dich sein muss...das das kleine seinen Vater nie kennenlernen wird.”, das war nicht das, was Yuna hören wollte. Sie wollte daran glauben. Sie war noch nicht bereit es jetzt schon zu akzeptieren.

“Aber sag mal, wann ist das bitte passiert? Wir hatten doch gar keine Zeit für sowas?” Yuna wurde bei der Frage rot. Darüber wollte sie eigentlich noch viel weniger reden.

“Ähm… Nach...nachdem wir im Wald von Macalania waren, haben wir doch noch eine Ruhepause gemacht. Da sind...wir…”

“Ihr seid euch ein wenig näher gekommen. Verstehe. Hast...du’s ihm gesagt, bevor er…”

“Ja.”, sie fiel Rikku ins Wort, wollte nicht, dass sie es aussprach.

“Wie hat er reagiert?” Rikku war neugierig. Yuna konnte das verstehen, aber es begeisterte sie nicht unbedingt. Aufeinmal konnte sie auch die andere seite verstehen - die jenigen die von Rikkus Neugierde schnell genervt waren.

“Er war nicht besonders begeistert.”, es war eine untertreibung. Es war das erste, und auch zum glück einzige mal gewesen, dass sie sich gestritten hatten. Und es hatte eine Weile gedauert, bis sich die Wogen wieder geglättet hatten. “Ich wusste es schon, als wir in Zanarkand angekommen waren. Als wir alle noch dachten, dass ich sterben würde. Er war wütend weil...ich...habe ihm gesagt ich könnte nicht schwanger werden, weil ich genau wusste, dass er sonst nie so weit gegangen wäre. Weil es eben doch hätte sein können, dass wir keinen Weg finden. Wir haben uns ziemlich gestritten.”, erklärte sie, und allein die Erinnerung daran schmerzte. Sie war froh, dass sich die Wogen wieder geglättet hatten. Es wäre noch viel schlimmer gewesen, wenn er gegangen wäre, ohne dass sie sich wieder vertragen hätten.

“Ich kann ihn verstehen. Er hat sich eben Sorgen gemacht. Aber jetzt verstehe ich auch, warum du deine Meinung geändert hast. Du hättest immer noch dein eigenes Leben für das Wohl von Spira gegeben. Aber nicht das deines Kindes.”, Yuna nickte. Sie wollte weder das Leben eines Freundes geben noch das ihres Kindes. Es sollte Leben. In einer Welt, in der [Sin] nur noch eine Gruselgeschichte war.

“Ja. Rikku, ich habe Angst. Dass ich es nicht schaffe. Und überhaupt,was soll ich dem Kind denn irgendwann erzählen, was aus seinem Vater geworden ist?”, das war schon allein deswegen nicht so leicht, weil sie es ja selbst nicht verstand.

“Na die Wahrheit. Er hat sein Leben gegeben um uns alle zu retten.”
“Also das was ich eigentlich hätte tun sollen.”
“Ja! Nur… dass [Sin] jetzt nicht mehr wieder kommt.”,

Yuna versuchte zu lächeln. Aber so leicht wie Rikku es da stellte war es nicht. Sie war auf diese Reise gegangen, in dem Wissen dass sie, und nur sie sterben würde. Sattdessen hatte sie alles verloren, was sie auf der Reise gewonnen hatte. Ihre Bestia hatte sie Opfern müssen. Der Freund ihres Vaters...und ihren...eigenen. Den Vater ihres ungeborenen Kindes. Yuna hatte mehr verloren, als sie gewonnen hatte. Es fühlte sich schon reichlich unfair an.

“Wann willst du es den anderen sagen?”, Rikku holte sie wieder aus ihren Gedanken zurück. Und Yuna seufzte. “Ich weiß es nicht. Ich habe angst, dass sie mich dafür verurteilen…”.

“Ach, schwachsinn! Werden sie mit sicherheit nicht! Naja, vielleicht wird Lulu ein bisschen schimpfen! Aber sie wird dich sicher unterstüzen! Wie immer!”, vermutlich hatte Rikku recht. Yuna nahm sich vor, es den anderen bald zusagen. Grade Khimari würde sie wohl eher beschützen wollen, als dass er böse wäre.

Aber jetzt brauchte Yuna erst einmal ein wenig Ruhe. Das wusste auch Rikku, also ließ sie ihre Cousine allein.

Kaum allein, brach Yuna auch schon wieder in Tränen aus.

Hormone machten die Sache nicht leichter.


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Nach ihrer Rede in Luca, kehrten sie nach Besaid zurück, wo sie als Helden empfangen wurden. Niemand hier hatte damit gerechnet, Yuna noch einmal wieder zu sehen. Aber jetzt war sie zurück! Und sie hatte Spira den ewigen frieden gebracht! Alle freuten sich und feierten noch immer. Aber Yuna bat sie um ein wenig Ruhe. Rikku war mit Brüderchen und ihrem Onkel bereits wieder abgeflogen. Sie hatten so einiges zu erledigen. Aber sie hatte Yuna versprochen wiederzukommen “bevor man sie durch die Gegend rollen musste”

Jetzt saßen sie in Wakkas Haus. Yuna saß auf seinem Bett, und hielt ihre Hände vor ihren Bauch. Lulu warf ihr immer wieder Blicke zu, als würde sie bereits etwas ahnen. Wakka schien eher verwundert, was die ganze Sache hier sollte. Er wollte lieber mit seinen Jungs feiern. Blitzball! Jetzt wo sie die Welt gerettet hatten schien er sich gar nicht mehr so sicher zu sein, ob er wirklich damit aufhören sollte.

“Du möchtest uns etwas sagen?”, Lulu sah zu ihr, und nickte ihr zu. Yuna seuftzte leise. Sie wollte eigentlich nicht. Aber sie musste. Und vielleicht wollte sie doch, zumindest ein bisschen. Denn sonst müsste sie jetzt ganz allein damit klar kommen, und das wollte sie noch weniger als sie es eigentlich so lang wie es ging für sich behalten wollte.

“Ich bin schwanger.” Es verließ schneller ihre Lippen als sie gedacht hätte. Und Wakka, der darauf absolut nicht vorbereitet war, fiel beinahe von dem kleinen Hocker, auf dem er saß.

“Waaaas?” Vermutlich brach für Wakka grade eine Welt zusammen. Für ihn war doch Yuna immer so etwas wie seine kleine unschuldige Schwester. Jetzt der Tatsache entgegen blicken zu müssen, dass sie nicht mehr ganz so unschuldig war, schien für ihn schwer zu sein.

“Ich muss sagen, dass ich nicht überrascht bin. Ich habe es schon seit ein paar Tagen vermutet. Glücklich macht es mich trotzdem nicht unbedingt.”, Yuna hatte von Lulu auch nicht erwartet, dass es sie glücklich machen würde. Es erfüllte Yuna ja auch nicht gerade mit Freude.

“Es enttäuscht mich, dass ihr ein solches Risiko eingegangen seit. Es wird euch wohl beiden bewusst gewesen sein, dass es passieren kann.”

“Ja, natürlich. Aber es ist nicht seine Schuld. Ich habe ihn angelogen, und gesagt...es könnte während der Pilgerreise nichts passieren.”, und er hatte es ihr geglaubt. Warum sollte er auch nicht? Er hatte faktisch keine Ahnung von den regeln dieser Welt. Erst rest nicht von spirituellen Dingen.

“Jetzt bin ich tatsächlich etwas enttäuscht von dir. Aber das bringt uns nicht weiter, und es ändert nichts mehr. Wir werden dich auf jeden Fall unterstützen.”, Yuna hatte mit einer deutlich längeren Moralprädigt gerechnet, aber Lulu hatte recht. Es brachte nichts über vergossene Milch zu weinen.

“Khimari wird Yuna und Yuna Baby beschützen!”,

“Genau! Wir stehen immer hinter dir!”, stimmte Wakka den anderen zu. Und Yuna traten schon wieder die Tränen in die Augen. Sie warf sich Lulu in die Arme, und Wakka kam zu den beiden um sie beide zu umarmen. Und schließlich gestellte sich Khimari zu dieser Gruppenumarmung dazu.

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In der folgenden Zeit musste Yuna lernen und zugeben, wie wenig Ahnung sie doch eigentlich von solchen Dingen hatte. Wie wenig Ahnung vom Leben - und noch dazu nicht wirklich einen Plan.

Und trotzdem fand sie nicht viel Ruhe. Aus ganz Spira kamen Menschen um sie zu sehen. Zuerst freute sie sich sehr darüber. Sie fühlte sich geehrt, und hatte Freude daran den Menschen zu helfen. Aber irgendwann machte ihr etwas einen Strich durch die Rechnung. Schwangerschaftsübelkeit. Etwas, von dem sie bis es eintrat gehofft und geglaubt hatte, es würde sich dabei nur um ein Klischee handeln.

“Du bleibst hier.”, Lulu legte ihr eine Hand auf den Rücken. Bei der Berührung zuckte sie zusammen, und drehte sich zu ihr um.

“Aber…”

“Jetzt wo ich dein Gesicht gesehen habe, bleibst du erst recht hier.”, Yuna sah ziemlich erbärmlich aus.  Das war auch kein Wunder, sie hatte sich die halbe Nacht übergeben, statt zu schlafen.

“Ich kann die Leute doch nicht enttäuschen!”,

“Natürlich kannst du. Ganz besonders wenn es um deine Gesundheit geht. Und um die deines Kindes. Ich weiß, du fühlst dich nicht wohl damit, aber du solltest es bald verkünden. Dann lässt man dich hoffentlich in Ruhe. Yuna, in den ersten drei Monaten ist das Risiko einer Fehlgeburt hoch. Du solltest dich also ausruhen.”, das Mädchen das kaum mehr war als eben das, ein Mädchen, ließ sich von Lulu zurück in die Polster des Bettes drücken. Yuna wohnte im Moment bei Lulu. Aber wohl nicht mehr lange… Lulu würde bald zu Wakka ziehen, und dann könnte Yuna allein hier leben. Aber natürlich würde sie ihre Ziehschwester immer weiter untersützen, und im Moment war es ihr auch deutlich wichtiger bei ihr zu sein. Die schwangere junge Frau brauchte jede unterstüzung. Besonders um daran erinnert zu werden, dass sie nicht nur für sich selbst Sorge trug.

“Du hast ja recht.” Yuna senkte ihren Kopf auf das Kissen zurück.

“Mach dir keine zu großen Sorgen. Sie werden es gut aufnehmen.”

“Und wenn jemand Fragen stellt?”

“Oh, sie werden Fragen stellen. Aber du bist nicht verpflichtet ihnen zu antworten.”

Yunas Sorge wurde dadurch nicht gerade kleiner. Aber Lulu hatte tatsächlich recht. Lange würde sie es nicht mehr aushalten, das dauernd jemand irgendetwas mit ihr besprechen wollte. Erst recht jetzt nicht mehr, wo ihr andauernd schlecht war. Und das lag nicht nur an den Ansichten mancher Menschen, die sie sprechen wollten.

Wakka und Lulu taten alles, was in ihrer Macht stand um so viel Stress wie möglich von ihren Schultern zu nehmen. Sie beantworteten Fragen über den Sieg gegen [Sin], sie entschuldigten Yuna wenn sie es nicht schaffte zu einem “Termin” zu erscheinen, und sie lehnten weitere Termine ab.

Khirmari war inzwischen auf den Berg Gagazet zurück gekehrt. Er war jetzt der älteste der Ronzo, und jemand musste die Führung übernehmen.Seymour hatte die meisten der Ronzokinder verschont, aber er hatte sie beinahe alle als Waisen zurück gelassen.

Die Tatsache, dass ihr eigenes Kind schon als Haibwaise auf die Welt kommen würde, stimmte Yuna wieder unendlich traurig. Im Moment war es schwer ihre Emotionen zu beherrschen. An diesem Tag weinte sie wieder viel. Nach dem Abendessen brach sie wieder in Tränen aus, und Lulu nahm sie in den Arm.

“Ich vermisse ihn so sehr. Und ich habe solche...Angst.”, Lulu sagte nichts. Ihr fiel nicht ein, was sie hätte sagen können. Sie konnte sich nicht einmal vorstellen, welchen  Schmerz Yuna durchleben musste. Sie wusste zwar wie es war, einen geliebten Menschen zu verlieren, aber den Vater des eigenen ungeborenen Kindes zu verlieren, war noch einmal etwas ganz anderes. Sie taten alle was sie konnten um für Yuna da zusein. Aber Tidus würden sie ja doch nicht ersetzen können.

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Die Zeit zog dahin. Manche Tage fühlten sich zu kurz an, andere zogen sich fast unendlich dahin. Yuna brauchte Zeit, sehr viel Zeit für sich. Aber von Tag zu Tag ging es ihr besser, und sie versuchte sich wieder mehr auf ihr Leben zu konzentrieren. Sie hatte ein ganzes Leben gewonnen. War nicht gestorben. Und hatte sogar noch ein weiteres Leben erschaffen.

Es war Zeit nach vorn zu sehen. In die Zukunft, und die Vergangenheit langsam hinter sich zu lassen. Sie würde ihn nie vergessen. Das funktionierte nicht, schon allein deswegen nicht, weil sie sein Kind zur Welt bringen würde. Yuna fühlte sich nicht wohl damit, es öffentlich zu machen. Den Grund dafür zu bennenen, warum sie plötzlich doch nicht mehr mit Rat und Tat zur Seite stand. Aber die Gerüchte wurden Lauter. Absurde Dinge wurden über sie erzählt. Es hieß sie sei von [Sin] vergiftet und schwer krank. Andere behaupteten, ihr seien die Menschen von Spira einfach egal geworden. Und weil sie keine Gerüchte mehr hören könnte, ließ sie schließlich Lulu und Wakka im Dorf verkünden, was mit ihr los war. Und so sprach es sich schließlich rum, und die Gerüchte...wurden nur schlimmer.

Wer mochte der Vater des Kindes sein? Wakka? Jemand aus dem Dorf? Oder der Junge, der sein Leben ließ? Tidus… Vielleicht auch Meister Auron, der ebenfalls verstorben war? Oder gar Seymour? Die meisten Leute, und das brachte die eigentlich überwundene Übelkeit schließlich doch wieder zurück, schienen davon auszugehen, dass es das Kind von Seymour sein musste… Immerhin hatte es offiziell eine Heirat gegeben. Also blieb ihr nichts anderes übrig, als die Wahrheit nocheinmal zu verkünden, wenn sie nicht wollte, dass jeder glaubte sie würde das Kind desjenigen in sich tragen, der sie alle töten wollte. Besonders die Ronzo wurden durch dieses Gerücht sehr unruhig. Aber Khimari hielt sie bei Laune, und schließlich beruhigten sich auch diese Gerüchte wieder. Aber Yuna musste lernen, dass die Leute immer irgendwas zu erzählen hatten, wenn man bekannt war. Berühmtheit war ein Laster. Sie verstand erst jetzt, was Tidus damit gemeint hatte, auch wenn für ihn die Berühmtheit seines Vaters eine Last gewesen war.

Sie dachte immer noch oft über ihn nach. Über ihn, und ob er jetzt wohl mit Sir Jekkt im Abyssum Blitzball spielen würde. Der Gedanke ließ sie jedes mal Lächeln.Sie hatten doch noch zueinander gefunden.Tidus hatte seinen Hass heraus gebrüllt, und damit abschließen können. Denn eigentlich liebte er seinen Vater doch sehr, und dieser liebte Ihn.Jekkt hatte vermutlich immer nur versucht, Tidus über sich hinaus wachsen zu lassen. Und das war ihm auch gelungen.

Yuna stellte sich vor, wie sie mit Auron und ihrem Vater zusammen noch immer Abenteuer erlebten, und das Abyssum aufmischen. Immerhin musste er nicht allein sein. Es gelang ihr schließlich frieden darin zu finden.

Inzwischen hatte sie die ersten drei Monate endlich hinter sich gebracht. Die Gefahr einer Fehlgeburt sank rapide. Lulu ließ ihr wieder mehr Freiraum, und schließlich führte sie auch wieder Gespräche, aber sie merkte schnell, dass es nicht das war, was sie von ihrem Leben wollte. Sie hatte Spira den frieden gebracht. Jetzt wollte sie ihren eigenen finden. Noch hatte sie allerdings keine Ahnung, was sie von ihrem Leben wirklich wollte. Sie wollte sich keiner politischen oder religiösen Gruppe anschließen. Sie wollte...Spaß im Leben haben. Sie wusste, dass das nicht so einfach werden würde. Immerhin hätte sie bald eine sehr große Verantwortung zu erfüllen. Das war es, was ihr leben bald für sie bereit halten würde. Sie würde eine Mutter sein.

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“Wie willst du ihn nennen?”, fragte Lulu sie mit einem Lächeln. Inzwischen war Lulu wirklich zu Wakka gezogen, und das Haus gehörte nun Yuna. Aber sie besuchte sie trotzdem immer noch oft.

Yuna hatte gerade erfahren, dass sie einen Jungen bekam. Da lag die Frage nach einem Namen sehr nahe. Tatsächlich hatte sie sich schon gedanken dazu gemacht.

“Ich denke, ich werde ihn Ciaran nennen.”, erklärte sie ruhig.

“Dämmerung.”,

“Ja.” Yuna lächelte.

Yuna bedeutete Nacht.
Tidus bedeutete Tag.

Ciaran. Dämmerung.

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Die Zeit ging dahin. Solange es ihr möglich war, half Yuna den Menschen die kamen um sie nach ihrer Meinung zu fragen. Ihr Bauch wuchs, sowie das Baby wuchs. Sie hatte keine leichte Schwangerschaft. Die Übelkeit kam leider irgendwann wieder, und mit ihr die Erschöpfung. Geschwollene Füße, Schwindelattacken, Kopfschmerzen, und Sodbrennen. Ab dem siebten Monat wünschte sie sich eigentlich nur noch, dass es einfach vorbei ging. Sie lag fast nur noch in ihrem Bett. Selbst die Hochzeit von Wakka und Lulu hätte sie fast verpasst, aber an diesem Tag hatte sie sich in den Kopf gesetzt, dass ihr Körper zur Abwechslung mal wieder ihr zu gehorchen hatte, und nicht andersherum.

Es war eine schöne Feier. Lulu und Wakka sahen so unendlich glücklich aus. Lulu heiratete in einem schwarzen Hochzeitskleid, und nichts hätte besser zu ihr gepasst. So war sie nun einmal, und jeder im Dorf wusste das. Wakka in einem Anzug zu sehen war allerdings sehr ungewohnt. Sie hatten einen schönen und Sorgenfreien Tag. Sie hatten so viel Spaß, dass Yuna gar keine Zeit hatte sich Sorgen um ihre Zukunft zu machen, oder um traurig zu sein. Als sie allerdings Abends wieder allein in ihrem Bett lag, da kam die Traurigkeit wieder. Der Wunsch, ebenfalls jemanden zu haben, den sie heiraten konnte. Aus Liebe.

Rikku, die ebenfalls zur Hochzeit eingeladen war, und bei Yuna übernachtete, kam einige Stunden später ebenfalls zurück. Yuna war noch wach, also unterhielten sie sich eine Weile.

“Vielleicht solltest du dir jemanden suchen! Jemand neuen, meine ich. Du bist ziemlich beliebt!” Rikku meinte es nur gut. Sie wollte ihre Cousine nicht traurig sehen. Und sie wollte auch nicht, dass sie für Ewig allein blieb. Aber Yunas Herz lag in Fesseln. Es gehörte voll und ganz dem Vater ihres Kindes.

“Ich möchte aber niemand Neuen finden. Ich...möchte ihn wieder finden!”, sie hatte die Hoffnung noch immer nicht aufgegeben. Wenn sie gekonnt hätte, wäre sie vermutlich schon längst losgezogen um ihn zu finden. Aber sie hatte ja noch nicht einmal einen Anhaltspunkt.

“Verstehe...Ich werde dir helfen!”, Rikku war aufgesprungen, und hampelte jetzt aufgeregt durch die Gegend.

“Wie sollst du das denn machen?”, Yuna war skeptisch. Auch wusste sie nicht, ob sie diese Hilfe überhaupt wollte. Nicht Rikku sollte Tidus finden.  Sie wollte das tun. Wobei, im Moment wäre es ihr auch recht wenn ihn einfach jemand zurück bringen würde.

“Ich werde mich überall umhören! Brücherchen und Dad bauen gerade ein neues Luftschiff! Die Celcius! Wir werden damit viel herum kommen!”, Rikku schien so überzeugt davon, dass sie etwas finden konnte. Und auch Yuna wollte es glauben. Aber sie hatte Angst, wie so oft. Angst enttäuscht zu werden. Angst das es nichts von ihm zu finden gab.

Sie hatte oft darübernachgedacht, das Abyssum zu besuchen. Aber sie hatte es doch nie getan. Denn ihn dort zu finden würde bedeuten, zuzugeben, dass er tot war. Sie wusste nicht einmal, warum es ihr so schwer fiel. Er war vor ihren Augen verschwunden. Ebenso wie Auron.

Aber niemand hatte ihn gesendet. Er war kein Leibloser, aber was war er dann? Wirklich ein Traum? Oder war er nach der Erfüllung seiner Aufgabe einfach nur in sein Zanarkand zurückgeschickt worden? Dann müsste es ihn doch immer noch irgendwo geben. Er musste noch irgendwo sein.

Yuna lächelte.

“In Ordnung! Wir werden ihn finden!”

“Wir, Yuni?”

“Ja! Sobald der kleine auf der Welt ist...werde ich dir helfen sobald ich kann!”, sie wusste noch nicht wie. Aber eigentlich sprach doch nichts dagegen ihn mitzunehmen. Spira war jetzt eine sicherere Welt. Natürlich, es gab immer noch Monster. Aber die gab es auch auf der Insel. Auf einem Luftschiff wäre er sogar noch am sichersten.

“Super! Vielleicht könnten wir dann ja auch nach...Auron suchen…”

“Was hast du gesagt?”

“Ach, nichts! Ich sagte nur, dass wir ihn ganz bestimmt finden! Und jetzt leg dich wieder hin! Wir wollen doch nicht, dass Mama zu wenig schlaf bekommt!”

“Mama” bekam in dieser Nacht trotzdem nicht viel schlaf.Auf der einen Seite, weil ihr ungeborenes besonders aufgeregt strampelte, als hätte er verstanden was seine Mutter und Großcousine für einen Plan ausgeheckt hatten, und außerdem weil ihre Gedanken sich genau um diesen Plan drehten. Nun wünschte sie sich nur noch mehr, dass ihre Schwangerschaft endlich ein Ende nahm.

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Sie nahm ein Ende. Und in der Nacht in der es plötzlich soweit war, wünschte sich Yuna nun doch es würde einfach noch eine Weile dauern. Eine ganze, ganze Weile. Sie hatte so viel Angst vor der Zeit gehabt, wenn das Baby da war, dass sie sich keine Gedanken darüber gemacht hatte, wie die Geburt ihres Kindes eigentlich von statten gehen würden. Sie ging zu Wakka und Lulu herüber, die sie in das Zelt des Heilers brachten.

Yuna hatte glück. Wenn auch die letzten Monate alles andere als angenehm und leicht gewesen waren und sich für sie ewig angefühlt hatten, so schien sich das wenigstens mit einer leichten Geburt zu entschädigen. Die Schmerzen die sie dabei hatte würde sie dennoch nicht so schnell vergessen - dachte sie jedenfalls. Aber dieser Gedanke verabschiedete sich auch schon wieder, als ihr ihr Sohn auf die Brust gelegt wurde. Als sie zwei blaue Augen entgegen blickten, hatte sie sich ein zweites mal in ihrem Leben Hals über Kopf verliebt.

Einige Tage später stellte sie im Rahmen einer kleinen Feier dem ganzen Dorf ihren Sohn vor. Alle freuten sich, und versprachen gut auf den neuen Bewohner aufzupassen.

“Da wird man glatt neidisch. Vielleicht bekomme ich Wakka ja doch noch überzeugt.”, Lulu lachte, und setzte sich neben Yuna, die auf einem Baumstamm in der nähe des Lagerfeuers saß, und Ciaran im Arm hatte, der gerade eingeschlafen war.

“Er hat bestimmt nur Angst als Vater etwas falsch zu machen. Das kann ich verstehen.”, sie hatte immer noch Angst. Und so schnell würde sich daran wohl auch nichts ändern. Es war eine so große und wichtige Aufgabe. Wenn man versagte hatte man keine zweite Chance. Und es ging dabei immerhin um ein Leben. Um das Leben eines Wesens, dass man vom ersten Augenblick, vom ersten Atmemzug liebte. Sie hatte erst Angst gehabt, ihren Sohn nicht lieben zu können. Aber zumindest diese Angst hatte sich sehr schnell in Luft aufgelöst.

“Du wirst es schaffen. Du wirst dem kleinen eine tolle Mutter sein.”, sie hatten diese Unterhaltung oft geführt. Aber es war das erste mal, seit er auf der Welt war.

“Eine andere Wahl habe ich sowieso nicht. Ich muss es schaffen.”, und sie wollte immer noch den Vater des kleinen finden. Aber so einfach würde es nicht werden. Das war ihr klar. Und so schnell würde es auch nicht funktionieren. Der kleine brauchte sie rund um die Uhr. Es würde noch eine ganze Weile dauern, bis sie wirklich zu ihrer Suche aufbrechen konnte. Aber Rikku hatte sowieso noch keinen Anhaltspunkt, keinen Hinweis gefunden. Sie würde warten, bis es an der Zeit war.

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Es sollte noch 1.5 Jahre dauern. Yunas Baby war zu einem Kleinkind geworden. Ihr Sohn war jetzt 19 Monate alt. Konnte schon laufen, und seine Sprachfähigkeit entwickelte sich. Er war längst nicht mehr 24 Stunden von der Aufmerksamkeit seiner Mutter abhängig. Er beschäftigte sich oft mit sich selbst, und er besuchte gerne Wakka und Lulu. Wobei es besonders Lulu war, die Freude an dem kleinen hatte.

Aber auch Wakka nahm die Gelegenheiten gerne an. “Zum üben!”, sagte er einmal selbst. Denn es würde nicht mehr lange dauern, bis er Vater wurde. Lulu war hochschwanger, auch wenn man es ihr nicht ansah. Jedenfalls hatte man es Yuna deutlich mehr angesehen - jedenfalls kam es ihr so vor.

Sie nutzte die freie Zeit, wenn mal niemand ihre Meinung hören wollte, und ihre Freunde sich um ihren Sohn kümmerten, um Tauchen zu Üben. Erst hatte sie nicht geglaubt, dass sie es je schaffen würde. Aber inzwischen war sie richtig gut darin geworden. Sie schaffte es immer länger. Inzwischen waren es 2 Minuten und 41 Sekunden. Es war nicht viel. Aber es reichte. Es erinnerte sie an Tidus, und sie fühlte sich im Wasser irgendwie noch mehr mit ihm verbunden. Nicht, dass sie nicht immer das Gefühl hatte, dass er bei ihr war. In ihrem Herzen war er das auch in jeder einzelnen Sekunde.

Und jetzt noch mehr. Ciaran sah aus wie sein Vater. Und er begeisterte sich jetzt schon für Blitzball. Er liebte das Wasser. Er ähnelte seinem Vater eigentlich fast schon zu sehr, so dass es beinahe unheimlich war.

Yuna baumelte mit den Beinen im Wasser, als sie plötzlich angetippt wurde. “Hey, Yuni! Hast du den kleinen schon wieder beim armen Wakka abgesetzt? Du Rabenmutter!”, Rikku meinte das natürlich nicht ernst, und Yuna wusste das. Trotzdem sah sie schuldbewusst zu Boden.So war sie nun mal.

“Ich brauchte ein wenig Ruhe…”, andere Mütter konnten ihre Kinder ja immerhin mal für ein paar Minuten ihrem Vater anvertrauen. Sie hatte dieses Glück leider nicht.

“Die wirst du nach dem was ich dir zeigen will wahrscheinlich sowieso nicht mehr finden. Khimari hat auf dem berg Gagazet etwas gefunden, dass dich sicher brennend interessiert.”,

Yunas Herz setzte einen Schlag aus, und schlug dann doppelt so schnell. Fast als wolle es den Schlag den es verpasst hatte wieder aufholen, würde es aber nicht schaffen.

Und als Rikku ihr die Aufzeichnung zeichte, wurde es nicht besser. Im Gegenteil…

“Na, was sagst du? Sieht doch aus wie er, oder?”

“J..ja...das...das tut es… Aber...wo ist er da? Und was...ist passiert?”, wenn er es auf der Aufzeichnung war, dann...brauchte er Hilfe.

“Das werden wir heraus finden, sobald du Startklar bist!”,

“Sobald ich was…?”

“DU hast doch gesagt, dass WIR Tidus finden werden!”

“Ja, schon...Aber...was ist mit…”

“Du wolltest ihn doch mitnehmen!”

“Aber er ist doch noch so klein…”

“Willst du Ciris Papa jetzt finden, oder nicht?”

“Natürlich will ich!”

“Na dann, worauf wartest du noch? Geh ihn holen! Wir haben sogar so eine Art Kinderzimmer im Luftschiff eingerichtet!”

Wenige Stunden später flogen sie über Spira. Yuna hatte Ciri abgeholt, und sie waren verschwunden, ohne noch etwas zu sagen. Und als der kleine Fragte, erklärte sie ihm, dass sie jetzt seinen Vater suchen würden.
 
 
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