Geschichte: Fanfiction / Bücher / Bis(s) / Black Sky

Black Sky

GeschichteRomanze, Thriller / P18
Edward Anthony Masen Cullen Isabella "Bella" Marie Swan
17.06.2019
15.07.2019
25
50888
12
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Bella


Stark sein!

Jetzt!

Jetzt ist der verdammte Moment gekommen, in dem ich beweisen muss, was in mir steckt. Jetzt muss ich zeigen, dass ich eine waschechte Swan bin, dass die Gene meines Vaters in mir stecken. Nicht nur auf meinem Gesicht erkennbar, sondern in jeder Faser meiner selbst.

Ich werde nicht brechen!

Dieser Bastard hat Leon getötet, Leon, der mir wie ein Bruder war, den ich geliebt habe, der mir so oft Kraft spendete, wenn ich glaubte, an meinem Schicksal zu zerbrechen.

Niemals!

Niemals werde ich brechen.

Ja, ich war dumm, für ein paar grauenhafte – wirklich grauenhafte – Sekunden glaubte ich tatsächlich, was Edward sagte, ich glaubte, er hätte mich verraten, ich glaubte, es wäre ihm egal.

Ein paar Sekunden.

Ein paar tödliche Sekunden.

Aber sie gingen vorbei, dann sah ich die Warnung in seinen Augen, sah die Qual darin, die Sorge, den Schmerz, als könnte er spüren, was mir gerade angetan wurde, als gäbe es eine mentale Verbindung, als wären wir eins. Ein System. Ein Körper. Ein Geist.

Und er gibt mir so viel Kraft, so viel zu der, die ich schon besitze. Ich wachse über mich hinaus, ich kann Dinge ertragen, die ich nicht für möglich gehalten hätte, und ich ahne, worauf das hinausläuft, auch wenn mein Geist noch immer ein wenig den Entwicklungen hinterherläuft. Es zu denken, gesagt zu bekommen, dass jener Mann, der dir in den letzten zehn Jahren ein Vater war, in Wahrheit das Monster ist, das dir nach dem Leben trachtet, ist das eine, es zu live zu sehen, zu spüren, zu hören, ist noch einmal etwas ganz anderes, und das Ganze dann auch noch zu begreifen, wirklich zu verinnerlichen, besonders, in einer solchen Stresssituation, ist noch mal was ganz anderes.

Er will mich demütigen.

Will meinen Körper verletzen.

Ihn möglicherweise schänden.

Ihn verstümmeln.

All das weiß ich und ich habe es akzeptiert, auch wenn ich mir einen echt besseren Tod vorstellen kann. Aber für Edward kann ich es ertragen, so lange ich seine Augen vor mir habe, solange ich mich in ihnen vergessen kann, in diesen stahlblauen, einzigartigen Augen, werde ich das irgendwie schaffen.

Ich bin bereit, für ihn zu sterben.

Kaum gedacht, weiß ich, dass es die Wahrheit ist, dass es nicht nur so dahingedacht wurde, sondern dass es stimmt. Bevor er stirbt, werde ich gehen. Bevor ihm etwas angetan wird, müssen sie an mir vorbei. Bevor er auch nur einen Kratzer abbekommt, werde ich alles auf mich nehmen.

Ich kann es und ich werde es tun.

Für ihn.

Nur.

Für.

Ihn.

Wow!

Das hätte ich ja auch nicht gedacht.

Nur ich sehe, dass er die Nerven verliert.

Ich sehe, dass sein Blick immer enger wird, immer dunkler, immer glasiger, sehe, wie sich ein Sturm in ihnen zusammenbraut.

Ich sehe den Muskel unter seiner Haut wild vor sich hin pochen, die Panik, das Entsetzen in seinen Augen. Nicht ich drohe zu verlieren, sondern er, und das darf nicht geschehen. Egal, welche Information sie aus ihm herauspressen wollen, sie ist so wichtig, dass sie ihn mit mir erpressen, um sie zu bekommen.

Dass Aro überhaupt davon ausgeht, dies zu können, verwirrt mich irgendwie.

Er kann nichts von uns wissen. Er kann nicht wissen, wie Edward zu mir steht, ich wusste es bis vor Kurzem ja auch nicht.

Er hat gepokert, aber mein Onkel war schon immer ein Zocker, nicht wahr? Er riskiert immer alles, setzt immer alles auf eine Karte, bei ihm heißt es Sieg oder Tod – so war es seit jeher.

Die Stelle, wo er mich mit seiner Zigarre verbrannt hat, schmerzt, sie schmerzt wie die Hölle, mein Gesicht muss angeschwollen sein, dort, ich habe Schwierigkeiten, durch die Nase Luft zu holen, und meine Lippen scheinen inzwischen doppelt so dick zu sein. Der Schnitt an meinem Bauch pocht, das Herz schlägt schnell und hektisch in meiner Brust, als wolle es kurz vor meinem Tod noch jede Menge Schläge bewältigen, und ich schließe ergeben die Augen, versuche, dem Schmerz zu entfliehen, besonders aber meiner Angst, die leider nicht einfach verschwunden ist. Ich versuche mich mental in die Lüfte zu erheben, versuche, diese fleischliche, so verräterische, verletzliche Hülle zu verlassen und mich nur auf meine mentale Stärke zu besinnen. Doch sobald die visuelle Verbindung gekappt ist, fühle ich meine Kraft schwinden und ich reiße sie hastig wieder auf, treffe sofort auf seinen Blick und bin zu Hause.

Gib mir Kraft!, sende ich ihm. Hilf mir, das hier mit Würde zu überstehen. Hilf mir, klarzukommen. Hilf mir, damit ich ihm keine Show liefere. Ich will nicht schreiend sterben. Bitte! Hilf mir!

Im Augenwinkel sehe ich, wie Aro den Gürtel aus seiner Hose zieht. Er nimmt ihn wie eine Peitsche in eine Hand, mit der Schnalle nach oben und ich kann ein Stöhnen nicht unterdrücken.

Ein Stöhnen, das unüberhörbar ist.

Scheiße!

Grinsend zeigt Aro den Kopf zur Seite, entblößt dabei jede Menge weißer, sehr, sehr weißer Zähne. »Wo wollen wir es denn als Erstes versuchen? Hier?« Die Schnalle gleitet über meine nackten Brüste und ich zucke zurück, die Ketten, an denen meine Handgelenke befestigt sind, klirren, doch mein Blick verharrt in Edwards, dessen Augen groß sind, vor Terror. Vor Wut. Vor Schmerz.

Kaum merklich schüttele ich den Kopf.

Nicht!

Er presst die Kiefer zusammen, der Muskel spielt irrer. Auch sein Oberkörper ist nackt, ich sehe den Schweiß glänzen, sehe, dass er hektisch atmet, dass er kurz vor dem Durchdrehen ist, und bete zum lieben Gott, dass er sich unter Kontrolle behält. Sonst ist alles verloren.

Sonst hat Aro gewonnen, und dieser Bastard darf nicht gewinnen!

»Oder besser hier?« Das kalte Ding streicht weiter über meinen Bauch, zwischen meine Beine, berührt die zarte Haut, und ein kalter Schauder huscht über meinen Körper, lässt mich frösteln, sorgt dafür, dass ich innerlich nach Luft schnappe.

Mit verengten Augen starre ich in Cyans, konzentriere mich nur auf ihn, lebe nur für ihn, atme nur für ihn, denke nur für ihn.

»Nein, das behalten wir uns für später vor«, entscheidet mein irrer Onkel. Ehrlich, er MUSS irre sein, kein normaler Mensch würde so etwas bringen. Kein normaler Mensch würde so etwas bei der Person bringen, der er in den letzten Jahren ein Vater gewesen ist.

Fast lässig, fast vergnügt läuft er um mich herum, lässt sich Zeit begutachtet mich und bleibt direkt hinter mir stehen. »Wow, vielleicht den Prachtarsch?«

Leicht lässt er die Schnalle auf meinen Hintern klatschen und ich zucke zusammen, ich kann es einfach  nicht verhindern. Genau wie die Gänsehaut, die sich schlagartig auf meinem Körper ausbreitet. Was für ein widerliches Arschloch!

»Nein, mit dem beschäftigen wir uns auch später. Wow, so viel Fläche, um sich mal gründlich daran abzuarbeiten. Da fällt die Entscheidung wirklich nicht leicht. Wirklich nicht. Hmmmm … Aber der Rücken. Der Rücken ist perfekt! Noch.« Ich höre ihn lachen, verkeile die Kiefer ineinander, versuche mich zu wappnen, versuche, mich auf den Schmerz zuzubereiten, versuche stark zu sein, stärker als stark, versuche mit meiner mentalen Kraft alle körperlichen Schmerzen zu überwinden. Aber als der Ledergürtel dann mit einem dumpfen Pfeifen durch die Luft schwirrt und das Metall auf meine Haut trifft, als tausend lautlose Schreie geboren aus unerträglichen Schmerzen gleichzeitig aufheulen, weiß ich, dass nichts mich darauf hätte vorbereiten können und dass ich gegen diese Folter machtlos bin. Meinen Lippen entkommt kein Schrei, aber ungewollte Tränen schießen in meine Augen, sie laufen sofort über und ich sehe Edward nur noch verschwommen. Aber was ich sehe, reicht.

»NEIN!«, brüllt er, kämpft gegen seine Ketten, bäumt sich auf, schaut mich wild an, in Panik, die Augen weit aufgerissen, der Schock, der eigene Schmerz so tief. Heftig schüttele ich wieder den Kopf. Diesmal ist mir egal, ob die anderen, ob Aro es sieht.

Er hat es gesehen.

Und er lacht.

Er lacht vergnügt, sogar ein wenig anerkennend, während die Tränen an meinen Wangen hinablaufen. »Siehst du denn nicht, sie sagt, du sollst dich nicht aufregen. Yeah, sie ist aus hartem Eisen, die kleine Bella. Und ich habe sie geschmiedet. Über viele Stunden lang. Ich kenne jede ihrer Schwächen, ich weiß genau, wer sie ist. Und heute werde ich sie brechen. Wenn ich es mir recht überlege, wäre es glatte Verschwendung gewesen, sie einfach so zu töten. Was für ein Spaß wäre mir entgangen.«

Wieder peitscht der Gürtel durch die Luft, wieder trifft das Metall auf meine Haut, und diesmal schreie ich, ich schreie, weil ich nicht anders kann, weil es irgendwo rausmuss, weil ich sonst innerlich verglühen würde. Ich schreie unartikuliert, die Tränen laufen mein Gesicht hinab, das Blut meinen Rücken, aber im nächsten Moment brülle ich ihn an. »NEIN! Egal, was sie tun, sag es ihnen nicht. SAG ES NICHT, Edward!«

Die pure Qual steht in seinem Blick, während mein Onkel hinter mir gluckst.

»Echter Swan-Stahl, die Kleine kriegt man nicht so schnell gebrochen. Aber am Ende ist sie auch nur eine Fotze.«

Und der nächste Schlag trifft mich.

Und der nächste.

Und ich schreie.

Ich schreie, bis ich heiser bin.

Ich schreie, bis mein Hals schmerzt.

Ich schreie, bis ich das Bewusstsein verliere.







Kaltes Wasser.

Eisiges Wasser in meinem Gesicht.

Es dringt mir in die Nase, es dringt mir in den Mund – war er offen?

Und ich werde keuchend wach, sehe mich wirr um, sehe nur Schemen, unklares Flirren. Ich blinzele die Feuchtigkeit aus meinen Augen, blinzele noch einmal und erkenne Aro, direkt vor mir. Er ist mir so nah, dass mir sein saurer Atem in die Nase steigt, und jetzt spüre ich auch die Schmerzen, die Schmerzen, die meinen Körper foltern, der eine einzige wunde Stelle zu sein scheint, der zu brennen scheint, der kurz vor dem Verglühen scheint.

Gott!

»Da ist sie ja wieder!«, freut Aro sich, tritt einen Schritt zurück, sodass ich wieder blaue Augen sehen kann.

Augen, in dem unbeschreibliche Angst lebt.

So übermenschlich, so überdimensioniert, dass sie mich ins Schleudern bringt. Noch vor ein paar Stunden glaubte ich, Edward wäre überhaupt nicht fähig, sich zu fürchten.

»Weißt du, du hast für meinen Geschmack einfach noch zu viel an«, verkündet Aro gerade. Damit schneidet er mein Höschen auf, es fällt, und es ist mir egal.

Mein Rücken brennt, als hätte ihn jemand mit Benzin übergossen und mein Atem geht flach und hektisch, nur so kann ich verhindern, dauerhaft zu schreien oder wieder in Ohnmacht zu fallen. Er greift mir zwischen die Beine, und ein Ekelschauder arbeitet sich über meinen massakrierten Rücken. Aber ich zucke nicht, ich weiche nicht, ich starre nur in die stahlblauen Augen.

Starre hinein.

Lebe nur für sie.

Tanke in ihnen neue Kraft.

»Fuck, du hast auch genug von deiner Mutter«, bemerkt mein irrer Onkel gerade. »Genug, um dich zu ficken. Eigentlich wollte ich sie immer ficken, aber … dazu kam es ja nicht mehr. Warum nicht jetzt nachholen, was ich schon so lange will? Und danach kommen alle anderen dran. Jeder Einzelne. Hey, vielleicht lade ich noch ein paar Jungs ein, vorbeizukommen, um ihn unverbindlich in dich reinzustecken. In deine Fotze und deinen Arsch, ich wollte schon immer mal sehen, wie es aussieht, wenn einer von vorn und einer von hinten fickt. Gleichzeitig.«

Ich blinzele und wende den Blick lange genug von Edward ab, um ihm ein »Fick dich!«, entgegen zu speien.

Aro grinst amüsiert. »Ich werde dich ficken, Baby. Ich werde dich so lange nageln, bis du deinen abgefuckten Namen nicht mehr buchstabieren kannst. Und er wird dabei zusehen.« Sein Kinn ruckt in Edwards Richtung.

Als er seine Hose öffnet, kriecht saure Übelkeit in mir hoch, aber ich konzentriere mich nur auf Edward. Nur auf ihn. Immer nur auf ihn.

Ich liebe dich, sende ich ihm mental, als Aro zwei von den anderen Männern heranruft, die links und rechts meine Beine packen, sie spreizen, dafür sorgen, dass der fette Kerl dazwischen treten kann. Ich spüre ihn an mir, beiße die Zähne zusammen, versuche, mich irgendwie zu wappnen, irgendwie zu atmen, irgendwie zu überstehen, was jetzt kommt, und höre ein lautes, fast hysterisches: »STOPP! Nimm deinen verwanzten Schwanz von ihr und ich sage es!«

Geschlagen schließe ich die Augen, kann mein Stöhnen nicht länger zurückhalten.

Oh nein!

Nein, nein, nein, nein, nein!

Mein Onkel tritt einen Schritt zurück, und ich merke erst jetzt wie angespannt ich war, als ich vor Erleichterung in mich zusammensacke. Gott …

»Ich höre!«, meint Aro unbeteiligt und schließt seine Hose.

Edward ist nun sichtlich außer sich, die reine Mordlust steht ihm ins Gesicht geschrieben und er knurrt, wobei er kaum die Kiefer auseinander nimmt: »Geh von ihr weg! Sofort!«

Mein Onkel lacht. Er lacht herzlich und denkbar amüsiert. »Denkst du wirklich, du kannst mir irgendwas befehlen?«

»Wenn du irgendwas erfahren willst, dann bewegst du sofort deinen fetten Arsch von ihr!« Edwards Blick ist stahlhart.

Aro verdreht die Augen und hebt die Hände. Er geht zwei Schritte zurück. »Ist das weit genug? Es tut mir wirklich leid, wenn ich deine Gefühle verletzt habe, aber du wolltest es ja nicht anders.«

Edward geht auf das Geplänkel nicht ein. Sein Blick ist noch immer stahlhart, eingedenk der Tatsache, dass er genau wie ich, noch immer an den Ketten hängt, ist das wirklich eine Glanzleistung. »Ihr wird nichts passieren! Du wirst sie nicht anfassen, schwöre mir das!«

Aros Hände sind noch immer entwaffnend erhoben. »Natürlich, oh weiser und edler Rächer. Solange du brav bist und mir die Knarre und das Video lieferst, wird sie hier hängen und ihr wird es total gut gehen, nicht wahr, Schätzchen?« Er tätschelt meinen Hintern, als wäre ich ein Pferd.

»Fass. Sie. Nicht. An.« Sogar ich erschauere, als Edward das heraus presst und sein Blick noch einmal an Intensität zu nimmt. »Du wirst sie losmachen, ihr etwas zum Anziehen geben und ihr einen Arzt besorgen!«

»Vielleicht noch ein Stück Kuchen und ein bisschen Kaffee?«, fragt Aro ironisch.

Edward schnaubt auf. »Dann knall sie ab, knall mich ab und die Knarre geht an die Cops.« Er grinst ein diabolisches Grinsen. »Und du bekommst die Giftspritze. Wie du willst, ganz deine Entscheidung.«

Mein Onkel nickt einem seiner Männer zu – Henry hat er ihn, glaube ich, genannt. Er tritt vor Edward, holt aus und gibt ihm einen heftigen Hieb in den Magen. Jetzt ist es an mir, mich zu beherrschen, mich zu kontrollieren, nicht durchzudrehen, nicht zu schreien. Ich kann fast fühlen, wie die steinharte Faust einrastet. Edward keucht, sein Kopf kippt nach vorn, für einen Moment verliere ich den Kontakt zu seinen Augen, dann ist er wieder da und ich sehe, dass er lacht. Er lacht!

Als Nächstes bekommt er einen Hieb ins Gesicht, sein Kopf wird zur Seite geschleudert. Ein Wimmern entkommt meinen Lippen, als er Blut spuckt. Doch sobald es geht, schaut er mich wieder an.

Nicht mehr warnend, sondern zuversichtlich, immer noch grinsend. Er zwinkert mir sogar zu.

Gott, dieser kranke Mann zwinkert mir zu.

Unwillkürlich muss ich auch lächeln, obwohl ich fühle, wie mir die Kräfte schwinden, obwohl ich schwer verletzt bin, obwohl mein Rücken eine einzige kochende, brodelnde Fläche ist. Obwohl alles schmerzt, mein gesamter Körper, obwohl ich höchstwahrscheinlich längst mit dem Tod ringe.

Ich muss einfach grinsen.

»Du magst es wohl nicht, wenn man ein paar kleine Forderungen stellt«, stellt er fest und bekommt noch mal eine ins Gesicht. Jetzt knirscht es und eine Blutfontäne schießt aus seiner Nase.

»SCHEISSE STOPP!«, brülle ich, weil ich mich total vergesse und das nicht mit ansehen kann. Keiner schenkt mir Beachtung.

»Nicht wirklich«, meint Aro nonchalant fest und wedelt mit zwei Fingern.

Edward bekommt noch eine in den Magen und dann drei präzise Boxhiebe in die Seite. Er beißt die Zähne aufeinander, und sein Gesicht ist blutüberströmt, als er den Kopf wieder nach vorn fallen lässt. Henry packt seine Haare, hebt ihn hoch und verpasst ihm noch eine. »War das schon alles?«, fragt Edward ihn schon ein bisschen schleppend und spuckt wieder Blut zur Seite aus. »An deiner Technik musst du wirklich noch arbeiten, Henry, ich habe dir schon tausendmal gesagt …« Er kommt nicht weiter, weil er wieder eine bekommt.

»BITTE! HÖRT AUF!«, brülle ich, aber wieder hört keiner auf mich. »BITTE!« Das Letzte kommt nur noch im Flüsterton, weil mich die Kräfte verlassen, weil ich nicht mehr kann, weil ich meine, am eigenen, total zerschundenen Leib zu spüren, wie er misshandelt wird. Die Tränen laufen wieder, ich kann, ich will, ich werde sie nicht aufhalten. Alles was ich will, ist, dass sie endlich damit aufhören.

Bitte!

Bitte, lieber, lieber Gott!

Bitte, tu etwas!

Tu es schnell!

Aber natürlich hilft kein Gott, das hat er noch nie und wird es auch nie tun. Manchmal glaube ich, dass Gott ein sadistischer Bastard ist, der seine helle Freude daran hat, zuzusehen, wie sich seine Schöpfung gegenseitig quält, foltert und tötet.

Edward wird nach dem nächsten monströsen Schlag ohnmächtig, ich hoffe zumindest, dass er das ist. Auch er wird mit einem Eimer kaltem Wasser überschüttet und seine schweren Lider flattern auf.

Aro – der bald tote Bastard – tritt an ihn heran und packt sein schönes Gesicht, das gerade anfängt zuzulaufen. »Bist du jetzt bereit, mir zu geben, was ich will?«

»Klar, Sir!«, lallt Edward und spuckt einen weiteren Klumpen Blut aus. »Allzeit bereit!«

Mein Onkel verdreht die Augen, tritt zurück und wedelt mit der Hand. Edward wird von den Ketten befreit und mit einem Mal ist er gar nicht mehr so wacklig auf den Beinen und fertig. Sobald seine Füße den Boden berühren, packt er Henry mit einer Hand unter dem Kinn mit dem anderen am Hinterkopf, sagt zu mir: »Sieh weg!«, aber ich starre nur auf seine schönen Hände, die mir so viele schöne Stunden bereitet haben, als sie Henrys Kopf mit einem präzisen Ruck zur Seite drehen und dessen Genick mit einem Knacken bricht.

»SCHEISSE!«, flucht Aro, da hat Edward sich schon den nächsten seiner Männer gepackt – und ich fühle kaltes Eisen an der Schläfe. Edward erstarrt, den Blick auf die Waffe an meinem Kopf gerichtet. Sein riesiger Körper, an dem jeder Muskel gespannt ist, ist mit Schweiß, Blut und dreckigen Schlieren bedeckt, sein Gesicht ein blutiges Chaos, sein Haar klitschnass, von dem kalten Wasser, mit dem man ihn aus seiner Ohnmacht geholt hat, einzelne Perlen tropfen unentwegt auf die nackte Haut seines Oberkörpers, der ebenfalls blutverschmiert ist, und an dem sich etliche, tiefviolette Hämatome gebildet haben. Er regt sich nicht mehr, scheint erstarrt, in der Bewegung.

»Okay, das reicht jetzt!«, befiehlt mein Onkel und drückt seine Waffe stärker gegen meinen Kopf. »Oder du machst weiter und ihr Hirn ist Geschichte!« Edwards Wangenmuskel spielt, aber er lässt die Hände sinken. Diese tödlichen, mit Blut besudelten Hände, und der Kerl, den er sich gerade vornehmen wollte, stolpert einen Schritt nach vorn. Im Gesicht noch immer der Terror im Angesicht seines Todes – der leider nicht eingetreten ist.

»Ich wollte mich nur auch ein bisschen amüsieren!«, meint Edward und hebt die Hände. Mein Onkel ist zum Bersten gespannt, er weiß ganz genau, wozu dieser Mann fähig ist, und wird ihn nicht noch einmal unterschätzen. Diese Chance ist vertan. Er nickt einem seiner Männer zu, und der fesselt Edwards Hände ruckartig hinter dessen Rücken.

»Auf die Knie mit ihm!«

Sie treten ihm in die Kniekehlen und er sinkt nach vorn, den Kopf gesenkt.

Mit Angst in den Augen starre ich auf ihn hinab.

Auf den Mann, den ich liebe.

Der alles riskiert und verloren hat.

Nein, gib nicht auf, bitte, gib nicht!

Bitte!