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Iron Soul

Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy / P18 / Gen
OC (Own Character) Rowan
16.06.2019
16.06.2019
6
11.902
 
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Das erste was ich sah war ein grüner, großer Hügel, so mächtig und überwältigend, dass ich wie benommen den Kopf in den Nacken legte, um mir einen besseren Blick zu beschaffen. Dichte, meterhohe Dornenhecken säumten den schmalen Pfad, der sich geradewegs auf jenes eindrucksvolle Ungetüm zuschlängelte und warfen lange Schatten auf den sandigen Boden. Während ich mich noch fragte, warum alles so irrational vertraut wirkte... ging auf den Hügel zu, doch anstatt ihn zu besteigen teilten sich die Dornenbüsche, welche direkt vor dem Saum der Erhebung endeten mit einem leisen Rascheln, welches mir eine Gänsehaut über die Arme kriechen ließ. Sie gaben eine Art Tor frei, welches aus einem unerkennbaren Material gefertigt worden war und sich nun leise knarrend vor mir öffnete, wie um mir den Eintritt zu gewähren.
Der Hügel verschluckte mich in seinem Inneren. Doch anstatt mich in tintiger Dunkelheit vorzufinden, blinzelte ich verdutzt in helles Sonnenlicht. Ich stand am Rande eines prunkvollen Innenhofes, welcher eine Mischung aus sowohl marmornen Säulen und hellen Durchgängen, als auch einer schattigen Waldlichtung entsprach, die sich zur Mitte des Hofes ausstreckte. Aus einem Brunnen auf der vor mir liegenden, saftig grünen Wiese schmückte ein marmorner Brunnen die Lichtung, aus dem kristallklares Wasser sprudelte. Sommerliche Düfte, die ich nicht ganz einordnen konnten, mich jedoch an eine Mischung aus Lavendel und reife Äpfel erinnerte, erfüllten die Luft. Samtweiche Stimmen ließen die Lichtung und Gänge zum Leben erwecken. Außerdem bemerkte ich viele eigenartige Wesen, die ich nie zuvor in meinem Leben gesehen hatte, aber die mir erneut irgendwie...so seltsam bekannt vorkamen. Sie tanzten und tratschten und sangen, doch am meisten jedoch erregten sie meine Aufmerksamkeit. Die zwei Gestalten, die im Schatten einer mächtigen, prunkvollen Eiche standen und..-piep piep piep piep-

Ich fuhr aus dem Schlaf hoch und nahm verwirrt meine Umgebung war. Ich war in ein meinem spärlich eingerichteten Zimmer und von meinem Nachttisch her drang das schrille Piepen meines Weckers. Stöhnend ließ ich mich zurück in meine Kissen sinken. Natürlich. Heute war der erste Schultag nach den Sommerferien. Mist! Ich versuchte mich an meinen Traum zu erinnern, doch alles was ich erhaschte waren verschwommene Erinnerungsfetzen. Egal, schließlich war es nur ein Traum. Während ich mich innerlich auf den heutigen Tag vorbereitete konnte ich jedoch das beklemmende Gefühl nicht abschütteln, dass dieser Traum eigenartig gewesen war, doch je mehr ich mich darauf konzentrierte, desto verschwommer wurden die letzten Bilder des Traums. Das Schuljahr fing schon einmal vielversprechend an: Verrückte Träume, die wohl auf ihre seltsame Art und Weise meinen innerlichen Zustand des Grauens angesichts des Schulbesuchs widerspiegelten. Ich vergrub gerade frustriert den Kopf unter meinem Kissen, als die strenge Stimme meiner Mutter nach oben schallte, die sie in Peto hatte, wenn ich kurz davor war meinen Bus zu verpassen. "Lia! Du kommst zu spät zur Schule wenn du jetzt nicht aufstehst!" Ach ja, wie sehr ich die Ferien jetzt schon vermisste. Irgendwie schaffte ich es schließlich mich aus dem Bett zu hieven, wahrlos irgendwelche Klamotten vom Stapel neben meinem Bett zu fischen und saß 5 Minuten später fertig angezogen Müsli mampfend am Küchentisch. Während meine Mutter geschäftig hin und her wuselte ließ ich meinen Blick durch unsere mit Birkenholz ausgekleidete Küche schweifen und ließ meine Augen letztendlich auf meiner Mutter ruhen. Ihre kinnlangen, hellblonden Haare waren in einem praktischen Bob geschnitten und sie trug schlichte Kleidung, in der sie wie immer eine super Figur machte. Sie beschwerte sich zwar immer, viel zu dünn zu sein, und wünschte sich ständig ihre Figur gegen meine eintauschen zu können, aber im Gegensatz zu ihr war ich nicht so versessen darauf etwas.. weiblicher zu sein. Völlig in meine Gedanken versunken, bekam ich nur nebenbei mit, wie meine kleine Schwester Lynn hereintapste.
"Schatz,was machst du denn schon hier?" Meine Mutter ließ sofort das Sandwich liegen, welches sie gerade dabei war zu machen und hastete eilig zu meiner Schwester. Diese stützte sich mit einem ihrer viel zu dünnen Arme am Türrahmen ab und hatte eine trotzige Miene aufgesetzt. Ich seufzte innerlich. Obwohl meine kleine Schwester schon seit einigen Wochen die Chemotherapie über sich ergehen ließ und bereits zu schwach war, um alleine zum nächsten Supermarkt zu laufen, hatte sie die gesamten Sommerferien darauf bestanden, in die Schule zu gehen. Was natürlich vollkommen außer Frage stand, doch Lynns eiserner Wille ließ sich schlicht nicht brechen. Lynn, die meiner Mom wie ein Ei dem anderen glich, einschließlich den lindgrünen Augen, welche uns nun vorwurfsvoll anstarrten. Aber seit wir die Diagnose bekommen hatten, passte Mum noch mehr auf Lynn auf, als sie es vorher schon getan hatte, sorgsam darauf bedacht, dass der Krebs auf keinen Fall durch irgendetwas zusätzlich voranschreiten würde.Keinerlei zusätzliche körperliche Belastungen, kein Stress. Verständlicherweise, denn bei Lynns Anblick bekam ich jedes Mal einen Frosch im Hals vor lauter Sorgen: Ihre ohnehin schon schmale Statur hatte sich durch den Krebs zu abgemagert entwickelt, und ihre langen blonden Haare waren brüchig geworden. Es war nur eine Frage der Zeit bis der Haarausfall beginnen würde. Ich hatte Lynns Haare immer beneidet, denn im Gegensatz zu meinen tiefschwarzen Haaren mit vereinzelten hellen Strähnen, die mir glatt bis auf Brusthöhe fielen, waren mir Lynns dicke Locken immer schöner erschienen. Zusätzlich hatte ich noch die haselnussbraunen Augen und den blassen Teint meines Vaters geerbt.
Wir bekamen ihn leider nur selten zu Gesicht, da er immerzu auf Geschäftsreisen war, was ich auch für Lynn irgendwie traurig fand, da keiner wusste, wie lange sie tatsächlich kämpfen konnte. Während man meiner Mutter die zahlreichen Sorgen um Lynn langsam in Form der ersten Falten und grauen Haaren ansah, hatte mein Vater sich erstaunlich gut gehalten und sah jedes Mal, wenn er von einer seiner Reisen zurückkehrte makellos aus. Er war einfach ein Mann, dem man sein Alter nicht ansah.
"Lia mein Schatz, dein Essen liegt auf der Anrichte neben dem Kühlschrank", rief Mum mir noch zu, bevor sie mit meiner Schwester im Schlepptau die Treppe hochging. Seufzend packte ich die Lunchbox in meine Schultasche und verließ das Haus, gedanklich immer noch bei meiner kleinen Schwester. Im Nachhinein fand ich es aberwitzig, wie sehr Lynn mit mir zur Schule wollte. Sie war acht und somit eigentlich schon alt genug, aber meine Mom bevorzugte es, sie zu Hause zu unterrichten. Insbesondere den Umständen entsprechend. Ich hatte sie auch schon oft darum gebeten, aber sie kam mir immer wieder mit dem Argument: Geh zur Schule, zu deinen Freunden. Freunde war gut gesagt, wenn überhaupt dann Maggie. Sie war die einzige, die mich zu verstehen schien und die, genauso wie ich, ständig seltsame Wesen sah. Jap, ich war ein absoluter Freak. Einmal hatte mich sogar mitten im Unterricht eine kleine Elfe gefragt, ob ich denn wüsste, wo der nächste Steig war. Selbstverständlich hatte ich kein Wort verstanden und sie wild fuchtelnd verscheucht, woraufhin mich die ganze Klasse irritiert angestarrt hatte. Und da gab es noch etwas seltsames an mir: Kurz darauf hatten sich alle wieder abgewandt, als ob nichts gewesen wäre. Als ich eine Klassenkameradin später darauf angesprochen hatte, schien sie es einfach vergessen zu haben. Manche vergaßen sogar, dass ich überhaupt existierte, eigentlich fast alle außer Maggie. Sie war sehr schüchtern und uns verband hauptsächlich die Liebe zum Lesen und unser unheimliches Talent, seltsame Wesen zu sehen. Nicht einmal eine Psychologin, welche ich in der Hoffnung, sie könne mir eine Diagnose stellen und Medikamente verschreiben, aufgesucht hatte, schien mir helfen zu können. Im Gegenteil, selbst sie schien alles, was ich ihr wiederwillig erzählt hatte, nach Sekundenbruchteilen wieder vergessen zu haben. Also blieb Maggie, und die Erklärung das wir wohl beide an einem noch unentdeckten psychischen Krankheitsbild litten.
Ein plötzliches Knacken riss mich aus meinen Gedanken. Es kam aus dem Wald zu meiner rechten, ganz aus der Nähe. Verdammt! Wenn man vom Teufel sprach! Ich hatte heute weder Zeit, noch Nerven mich mit komischen Wesen meiner unerklärlichen Halluzinationen auseinanderzusetzen und war eh schon zu spät dran. Vorsichtig wich ich zurück und war gerade dabei einen großen Bogen zu machen als auf einmal ohne Vorwarnung ein junger Mann, den ich auf mein Alter schätzen würde, aus den Büschen hervorkam. Ich quiekte erschrocken auf und machte einen Satz zurück. Seine roten Haare waren verwuschelt, so als ob er gerade mit der Hand durchgefahren wäre, und betonten seine markanten, fast unnatürlich scharfen Gesichtszüge. Na super, das hatte mir gerade noch gefehlt. Ein mehr oder weniger attraktiver Typ, der neu an der Schule war und nach dem Weg fragen wollte. Ich schnaubte entnervt. Und wieso zur Hölle schlich er sich mir an, nur um mir im nächsten Gestrüpp aufzulauern? Ich wollte es lieber gar nicht wissen. Skeptisch beäugte ich ihn, rückte den Riemen meines Rucksacks zurecht und räusperte mich.
Erst dadurch schien er mich zu bemerken und wandte sich zu mir um. Und in diesem Moment sah ich sie: seine elegant zugespitzten Ohren. Mir entfuhr ein Keuchen, was mir einen verwunderten Blick von ihm einbrachte und ich tat das was ich in diesem Moment für das einzig Richtige hielt - ich rannte, rannte so schnell ich konnte, bis ich außer Atem bei der Bushaltestelle ankam. Eine weitere Halluzination. Super.

Maggie wartete schon auf mich. Als sie mich kommen sah, völlig verschwitzt und außer Puste runzelte sie zwar verwirrt die Stirn, stellte jedoch keine Fragen. Dankbar lächelte ich sie an und stieg in den bereits wartenden Bus, froh dem unheimlichen Mann meiner Imagination, der so offensichtlich nicht normal war, entkommen zu sein. Obwohl ich den ganzen Schultag über an ihn denken musste, verlor ich Maggie gegenüber kein Wort. Warum genau war mir auch nicht klar, doch eine kleine Stimme flüsterte mir eindringlich zu, dass was auch immer dieser Tag an sich hatte, er großen Trubel mit sich bringen würde.
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