Broken Chains

GeschichteAllgemein / P16
Mahiru Shirota Sleepy Ash / Kuro Tsubaki
16.06.2019
16.06.2019
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Es war dunkel, die Sonne war gerade am Horizont verschwunden, hatte den Himmel nur Minuten zuvor noch in wunderschöne Rottöne getränkt. Mahiru und Kuro wollten gerade nach Hause zurückkehren nach einer mehr oder weniger erfolgreichen Jagd auf Djinn, als plötzlich dieser Vampir vor ihnen stand. Mahiru hatte ihn noch nie gesehen, doch ging er davon aus dass es einer von Tsubakis Leuten war, waren die meisten anderen Abkömmlinge ihnen doch friedlich gesinnt. Ihr Gegenüber wirkte ausländisch, hatte zerzauste, schwarze Haare und trug eine eine ebenfalls schwarze Fedora, die jedoch so schief war dass Mahiru sich sicher war dass es nur einer kleinen Bewegung bedarfte bis sie herunterfallen würde. Gierig starrten ihn schmale, rote Augen an und er konnte förmlich den Hunger in ihnen sehen. Speichel rann wie bei einem wilden Tier der Geifer über seine dünnen Lippen und tropfte vor ihm zu Boden. Mahiru wandte seinen Blick zu seinem Partner, welcher nur leise seufzte. ,,Kuro!” Mahirus Stimme klang fordernd, wie immer. DerBlauhaarige war müde. Er war immer müde. So schrecklich müde. Seine Glieder waren so schwer, jede Bewegung war ein Kampf. Und seine Augen brannten so schrecklich doll, er wünschte sich nichts mehr als sich einfach hinzulegen und die Augen zu schließen. Es war als wäre jede Stunde die er wach verbrachte Folter, jede Minute ein weiterer Riss in seiner bereits so von tiefen Rissen durchzogenen Psyche. Es war nur eine Frage der Zeit bis sie gänzlich zerbrechen würde. Träge reagierte er auf Mahirus ihm entgegen gestreckte Hand, vergrub seine spitzen Zähne nur für wenige Sekunden in Mahirus Handgelenk. Das ihm mittlerweile so bekannte Ziehen kündigte unangenehm das Erscheinen der Kette an. Es schmerzte, war zu viel für ihn. Diese Schmerzen die die Übelkeit in ihm hochkommen ließen und seinen ganzen Körper zum Erzittern brachten. Mahiru hatte es nie bemerkt. Vielleicht hatte er es aber auch bemerkt und es war ihm einfach nur egal. Der Gedanke war quälender als der eigentliche Schmerz, in diesem Zustand war es wie Gift für ihn das ihn ganz langsam auffraß. Er war nicht schwach, war nicht faul, es war die stetige Qual, die ihn mürbe machte und in dieses Bild drängte. Er hatte es sich nicht ausgesucht, so zu sein. Mit einem heftigen Ruck an der Kette riss Mahiru ihn aus seinen trübsinnigen Gedanken und in die nicht weniger trübsinnige Realität. Es tat so weh. Wieso tat es nur so schrecklich weh? War er alleine damit? Noch nie hatte er seine Geschwister schreien gehört wenn ihre Eves an der Kette zogen, noch nie ihre Gesichter in Schmerzen verzerrt gesehen wenn sie zwischen ihnen erschien. Er sah entschuldigend zu Mahiru, zu mindestens versuchte er es, dann sprang er vor. Er griff an, schlug mit scharfen Krallen nach dem Abkömmling welcher jedoch ohne Schwierigkeiten auswich. Nach einigen Fehlschlägen hielt der Servamp der Trägheit inne und schnappte nach Luft, schwer hob und senkte sich die Brust immer wieder. Er konnte nicht mehr. ,,Komm schon Kuro! Sei nicht so faul!” Er konnte es nicht mehr hören. Er konnte es einfach nicht mehr hören. ,,Jetzt sei doch endlich still!!!” Seine Stimme war so laut, nicht weniger ungewohnt für den Servamp selbst als für seinen Eve. Er zitterte, wie er jetzt erst spürte. Sein ganzer Körper zitterte und er gab auf, ließ sich zu Boden sinken und gab seinem Körper die Pause die er brauchte. ,,Steh auf! Was ist denn los? Jetzt komm schon, Faulpelz!“ immer wieder rief Mahiru ihm mit lauter Stimme zu und klang dabei so erwartend. Erwartungen, Erwartungen, er sollte endlich aufhören so viel von ihm zu erwarten. Wie sollte er seine Erwartungen erfüllen, wenn er nicht einmal seine eigenen erfüllen konnte? Ihm genervt zu rufend ruckte sein Eve immer und immer wieder an der Kette, doch war Kuro einfach zu müde, zu erschöpft um sich zu wehren. Er spürte einen letzten, schmerzhaften Ruck, dann plötzlich... Nichts. Es war als wäre er plötzlich an einem anderen Ort, in einem weißen Raum völlig isoliert von der Welt. Weg war der stechende Schmerz in seinem Nacken, weg war das Geschrei seines Eves, selbst der angreifende und bis eben noch heftig fluchende Abkömmling war verstummt. Er drehte schwerfällig den pochenden Kopf und als er erblickte was der Grund für die plötzliche Stille war hörte sein Herz einen Moment lang auf zu schlagen. Die blau leuchtende Kette, war zersprungen, nutzlos lagen die einzelnen Kettenglieder am Boden. Seine Hand wanderte zu seinem Nacken als er seinen nicht minder geschockten Eve anstarrte, in seinen roten Augen blanke Panik. Da war noch das Glied der Kette welches in seinem Nacken verankert war, noch immer ebenso tief in sein Fleisch gegraben wie zuvor, doch fehlte der Rest der Kette. Er griff nach einem der Kettenglieder, eigentlich doch aus einem nicht zu zerstörendem Material, doch jetzt war es so zerbrechlich in seinen Händen, zerfiel noch bevor er irgendeine Art von Druck ausübte in Stücke. Sein Eve starrte ebenfalls auf die kaputte Kette, ungläubig, ängstlich, verstand er doch nicht was gerade geschah. Sein Körper war schwer, so schwer… Kuro fragte sich, ob sein Eve sich nun auch fühlte wie er, so schwach, so müde… Er sah Mahiru stumm an. ,,••••?“ Er bewegte zittrig die Lippen, formte einen Namen welchen Kuro doch schon so oft von ihm gehört hatte, doch war dort kein Ton, kein Klang. Seine Hand wanderte zu dem Glöckchen was um seinen Hals hing, umklammerte es ganz fest als hätte er Angst man würde es ihm wegnehmen. Es war beängstigend, war er doch innerhalb weniger Sekunden ein Niemand geworden, ein Haustier ohne Besitzer, ein Sklave ohne Herren. Sein Name war fort und mit ihm auch ein Teil seiner Identität, und es war so schrecklich beängstigend. Auch sein Eve hatte Angst, das roch er mehr als deutlich. Er wollte zu ihm gehen, ihn trösten, wie er es schon so oft getan hatte, doch fühlte es sich falsch an. Ihr Vertrauen und damit auch ihr Vertrag war gebrochen, es hätte ja doch alles keinen Sinn mehr. Er fragte sich ob es seine Schuld war, was er getan hatte dass Mahiru ihm nicht mehr vertraute. Ob er dachte dass er ein Monster war? Eine Bestie, ein wildes Tier? Er verwandelte sich und sah noch einmal zu seinem Eve. Dieser lag am Boden, die braunen Augen in Panik wild und ohne Fokus hin und her  zuckend, die Hand ausgestreckt zu dem Kater und eine wilde Hoffnung in seinem Gesichtsausdruck als dieser einen Schritt näher kam. ,,••••...“ Er wirkte so klein, so schwach, so hilflos.. Dann sträubte Kuro das schwarze Fell, fauchte und rannte in die genau andere Richtung. Er stolperte beinahe über seine eigenen Pfoten, hatte er doch eigentlich gar nicht mehr die Kraft dazu so schnell zu rennen, doch er musste einfach hier weg. Weg, weg, weg, einfach nur weg. Ohne es wirklich mitzubekommen sprang er von Müllcontainer zu Müllcontainer und zwängte sich durch jedes noch so kleine Loch in der Hoffnung an einen anderen Ort zu kommen. Seine Pfoten taten schon weh, aufgeschürft vom harten und rauen Asphalt, sicherlich blutig, doch er rannte weiter. Welche Wahl hatte er schon? Er fiel hin, seine Schnauze schlug hart gegen den Boden, doch er rannte weiter sobald er es geschafft hatte sich aufzurappeln.

Er rannte und rannte und rannte, bis er plötzlich gegen etwas, nein, jemanden gegen knallte. Er hob den Kopf, sah hinauf zu diesem jemand der da vor ihm stand. Traditionelle, japanische Kleidung, ein schwarzer Yukata und ein weißer Haori, dazu hohe Getas die bei jedem Schritt auf dem Asphalt klackten. Hinter einer getönten Sonnenbrille blitzen neugierig rote Augen hervor. Sein kleiner Bruder, die Schwermut. ,,Tsubaki..“ Kuros Stimme war so leise, so heiser. Vielleicht war er einfach zu müde, doch er meinte  für einen Moment lang Sorge in Tsubakis Augen funkeln zu sehen als dieser sich herunter beugte und dem Kater einen Moment lang sanft über den Kopf streichelte bevor er ihn auf den Arm nahm, ihn dicht am Körper hielt trotz des nassen, kalten Fells. ,,Jetzt ist alles gut.." Tsubakis Stimme war sanft, auch wenn die typische Heiserkeit noch immer deutlich mit klang. Sanft fuhr die zierliche Hand durch das vom Regen verklebte Fell, immer und immer wieder und er wehrte sich nicht, nein, genoss es und ließ sich brav mittragen von dem der doch eigentlich sein Feind sein sollte, jetzt aber so viel vertrauter wirkte als sein eigener Eve. Leise schnurrend drückte er den Kopf an die Hand Tsubakis und als er sich so an ihn schmiegte und mit Streicheleinheiten verwöhnt wurde bemerkte er, wie sehr ihm diese Zuneigung, diese Liebe, doch gefehlt hatte. Es war ihm egal wo Tsubaki ihn hin brachte, war ihm egal ob er ihn umbringen würde wenn sie ankämen, in diesem Moment war die Welt für ihn wieder in Ordnung und er fühlte sich zum ersten Mal seit langem wieder Wohl. Er öffnete die Augen erst wieder, als das stetige Klacken von Holz auf Asphalt was so beruhigend auf ihn gewirkt hatte abrupt stoppte und sie scheinbar irgendwo angekommen waren. Es war eine Wohnung, wie er vermutete, recht groß und geräumig und oh so schön warm. Keine nervigen Staubsaugergeräusche, kein meckernder Mahiru, nur die leise Musik eines Films die aus dem Fernseher drang. Auf einem Sofa saßen zwei Männer, einer mit langen, roten Haaren, Higan, der Stärkste von Tsubakis Abkömmlingen und zudem der, der seinen kleinen Bruder entführt hatte, einer mit langen, pinken Haaren, den er als den Zauberkünstler erkannte der ihn und Mahiru damals attackiert hatte. Auf dem Schoß Higans saß ein junges Mädchen mit kurzen, leicht violett gefärbten Haaren, der Blick apathisch, fast schon etwas unheimlich. Der Pinkhaarige fuhr mit einem Aufschrei hoch als er Tsubaki und dessen kleinen, plüschigen Passagier bemerkte. ,,Hääääää?!” Sein kleiner Bruder lachte und kam näher um seinen Freund mit einer Umarmung zu begrüßen, während der sich der Servamp der Trägheit auf seine Schulter rettete um nicht erdrückt zu werden.. ,,Was macht denn das kleine Katerlein bei dir?” Der Zauberkünstler legte den Kopf schief und hinter einer gestreiften Brille funkelten verwirrt rote Augen hervor. ,,Hab ihn aufgelesen. War ganz alleine auf der Straße. Armes Ding.” Tsubaki strich ihm erneut durchs Fell, wischte die durch das nasse Fell ebenfalls nasse Hand stetig wieder an seinem Yukata ab. ,,Aber wo ist denn sein Eve?” Es war der Rothaarige, der sich jetzt in das Gespräch einbrachte. ,,Es gibt ein Entfernungslimit, nicht?” Tsubaki strich Kuro vorsichtig das von Schlamm dreckige, nasse Fell aus dem Nacken und offenbarte das einzelne Kettenglied welches noch immer in seinem Genick verankert war. Er fuhr mit einem Finger um die schmerzende Haut um die im Fleisch verschwindenden Teile des Gliedes und spürte wie das Tier auf seinem Arm sich verkrampfte. ,,Ganz ruhig..“ Beruhigte er sanft. ,,Die Kette scheint gebrochen zu sein. Ich verstehe auch nicht, wie es passiert sein könnte, aber das ist die einzige Idee die ich habe.” Er streichelte den Kater sanft, welcher sich belebt von der Wärme in Tsubakis Armen räkelte. ,,Aber genug nachgedacht, lass uns uns erstmal um Nii-San kümmern.“
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