Dive [Brooklyn 99]

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
15.06.2019
02.10.2019
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11.07.2019 973
 
„Du hast die ganze Zeit mit Jake zusammen …“, ich finde kaum Worte, geschweige denn Luft. Ich dachte, ich würde explodieren, aber die Enttäuschung wiegt schwerer. Die ganze Zeit über hat Rosa Benson ebenfalls beschattet. Und mir nichts gesagt. Nicht nur, dass sie spätestens gestern Abend reinen Tisch hätte machen müssen, nein, sie hat ihr Leben aufs Spiel gesetzt und darüber nur mit Jake geredet, nicht mit mir. Und er hatte unzählige Gelegenheiten, mich einzuweihen. Er hätte es mir sagen müssen.

„Benson weiß, dass Sie ihn beschattet haben?“, eröffnet Terry die nächste Diskussion, während die erste gar nicht erst anfangen wird. Es ist ein Kollateralschaden.

„Er hat Schläger geschickt. Es gab keine Handgreiflichkeit, die er beenden wollte“, sage ich.
„Stimmt das, Peralta?“, fragt Terry, der vor Wut beinahe überschäumt. Gestern saßen wir noch zusammen, heute zerbricht alles.

„Natürlich stimmt das!“, schreie ich, „verdammt nochmal. Ich führe das Verhör nicht weiter. Machen Sie das. Ich bin raus.“

„Amy. Sie machen das“, weist Terry Amy an, die verschreckt hinter ihm steht.

„Ivy, bitte“, Rosa macht einen Schritt auf mich zu, „wir wollten niemanden unnötig in Gefahr bringen.“

„Sie haben sich in Gefahr gebracht!“, brüllt Terry sie an. Dann ist es totenstill. Unangenehm still.

„Wir haben einen Fehler gemacht“, sagt Jake, der die ganze Zeit über geschwiegen hat. Das ist seine Entschuldigung? Danke auch.

„Ihr könnt mich beide mal. Komm heute nicht nach Hause“, sage ich in ihre Richtung, „komm nicht mehr nach Hause.“

Ich sehe ihn nicht mehr an, weil ich weiß, sein Blick könnte mich schwach werden lassen.
Ich weine den ganzen Weg. Die Nachbarskinder sind überrascht, dass ich viel früher als sonst und verheult nach Hause komme und ihnen dennoch den vollen Lohn plus ein kleines Extra zahle.

„Geht es Ihnen gut?“, fragt Max, der kleine Junge.

„Mir geht’s gut“, ich lächle ihn an, „war ein stressiger Tag auf der Arbeit.“

„Soll ich Ihnen was vom Take Away an der Ecke holen? Das hilft unserer Mum immer nach einem harten Tag“, sagt er.

„Danke, aber ich werde mich jetzt ins Bett legen und ein wenig schlafen“, sage ich, „ihr könnt morgen wieder mit den Hunden gehen.“

Sie verabschieden sich, zögerlich zwar, aber ich muss mich wirklich nicht von zwei Kindern pflegen lassen. Ich nehme mir vor, ihnen beim nächsten Mal etwas Besonderes zu schenken. Die Hilfsbereitschaft muss belohnt werden. Und hefte eine Notiz an den Kühlschrank: Max und Hannah Geschenk.

Mitten in der Nacht werde ich von einem lauten Knall geweckt. Die Hunde bellen und springen gegen die geschlossene Schlafzimmertür. Ich taste reflexartig nach Jake. Seine Bettseite ist leer. Auf meinem Handy zwanzig Anrufe in Abwesenheit. Ein Haufen SMSen. Ich lasse die Hunde unter eine Bettdecke kriechen und schleiche durch meine eigene Wohnung als sei es eine fremde.

Das Küchenfenster ist zersplittert. Überall liegt Glas. Und vor dem Kühlschrank ein großer runder Stein. Ich renne zurück ins Schlafzimmer, schließe die Tür ab und rufe die erste Person an, die mir in den Sinn kommt und die keine Fragen stellen wird.

„Hey“, sage ich.

„Hey Süße, was gibt’s?“, fragt Gina unbekümmert, „brauchst du einen Drink nach allem, was heute passiert ist?

„Kannst du herkommen?“, schniefe ich, „bitte. Jemand … ich bin hier nicht mehr sicher.“

Und das nehme ich Jake sehr übel. Ich liebe diese Wohnung. Ich habe mir hier Kinder vorgestellt. Das ist unser Zuhause.

Gina braucht nur eine halbe Stunde. Wenigstens haben wir an der Tür einen kleinen Monitor, damit wir sehen können, wer kommt. Sie hat eine XXL-Tafel Vollmilchschokolade dabei.

„Wie lief es heute noch so?“, frage ich, als wir die Scherben zusammengefegt und ein großes Stück Pappe vor das Loch im Fenster geklebt haben.

„Sie haben ihm den Deal vorgeschlagen. Er hat ihn nicht angenommen“, sagt Gina bedauernd, „er sagt, die Beweise könnten manipuliert sein. Er hat Holt regelrecht herausgefordert.“

„Verdammt!“, ich raufe mir die Haare, „scheiße, was machen wir jetzt?“

„Sie wollen es über Carter probieren. Wenn sie ihn drankriegen, wird er Benson vielleicht mit reinziehen. Für den richtigen Deal.“

„Scheiße!“

„Ich kümmere mich um die Fenster“, sagt sie, „ich habe Kontakte.“

„Danke.“

Ich wünschte, das Fenster wäre das einzige Problem. Aber es fängt gerade erst an. Ein Fenster einzuschlagen ist ein kleiner Auftakt für das, was uns noch erwartet, aber ich versuche, mir keine Horrorszenarien aufzumalen und bei der Sache zu bleiben. Es bringt nichts, in Panik zu verfallen.

“Dafür bin ich da. Ich bin mehr als nur Holts rechte Hand. Ich halte das 99. zusammen.“
Ich lache auf.

„Das tust du. Und gerade jetzt wird diese Superkraft dringend benötigt.“

Wir legen uns in das riesige King Size Bett und schauen einen Film. Die Hunde drücken sich ängstlich an mich. Es sind diese Dinge, die mich am wütendsten machen. Das meine Hunde sich fürchten, dass meine Nachbarkinder sich Sorgen um mich machen, … Sie hätten Holt erzählen müssen, dass Benson Bescheid weiß. Ich hätte das tun sollen, anstatt in den Raum zu gehen und eine Befragung durchzuführen. Wobei „durchführen“ sehr hoch gegriffen ist. Ich habe mich ab der ersten Sekunde unprofessionell verhalten. Ich bin auf seine Provokationen eingestiegen als sei das mein erster Tag im Dienst.

„Eure Beziehung macht ganz schön was mit“, sagt Gina, „ich will Jake nicht verteidigen, aber er hätte dich sicher eingeweiht, wäre es ungefährlich gewesen.“

„Ungefährlich? Gina, er wurde brutal zusammengeschlagen und wir werden offensichtlich bedroht. Es war nie ungefährlich und wir haben so oft darüber gesprochen.“

„Es tut ihnen wirklich leid“, sagt sie.

„Sollst du mir das ausrichten?“

„Charles wollte nicht, dass Jake bei ihm übernachtet, weil er auf deiner Seite ist.“

„Aha“, mache ich dumpf, „er kann ja bei Rosa übernachten und die nächste geheime Observation planen.“

„Das werden sie wohl nie wieder tun“, sagt Gina optimistisch.

„Ich hoffe, wir kommen alle heil aus der Sache raus“, sage ich.

„Das 99. hält zusammen.“

„Ja“, sage ich, „dachte ich auch.“
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