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Des Rätsels Lösung

von KBRC87
OneshotHumor, Krimi / P16 / Gen
Kate Beckett Richard Castle
15.06.2019
28.07.2019
4
5.187
3
Alle Kapitel
22 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
13.07.2019 1.822
 
AN: Das ist mein Beitrag zu Teil 3 des Rätsel-Wettbewerbs.
Der Oneshot ist eine Fortsetzung des vorherigen Oneshots „Ungelöst“.

Viel Spaß beim Lesen!


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Entblößt

„Beckett“, rief Captain Montgomery von der Tür seines Büros aus. „Kommen Sie mal kurz zu mir rein!“

Die drei Detectives blickten von ihren Schreibtischen hoch und Ryan und Esposito sahen Beckett fragend an. Sie zuckte mit den Schultern und ging zum Büro ihres Vorgesetzten.

Die Tür war offen und so klopfte Kate an den Türrahmen. „Was gibt es, Sir?“

Der Captain winkte Beckett herein. „Erinnern Sie sich noch an den Fall mit den Leichenteilen, den wir vor vier Wochen zu den Akten gelegt haben?“

„Natürlich!“, antwortete Kate und nahm das Foto, das der Captain ihr hinhielt.

„Es ist ein neuer Körperteil aufgetaucht“, erklärte Montgomery. „Im Moment liegt die Zuständigkeit für den Fall noch beim 9. Revier, aber da sich bereits herausgestellt hat, dass es sich um das gleiche Opfer handelt, wird es keine Probleme geben, den Fall wieder an uns zu übertragen.“

„Castle wird froh sein, dass es neue Hinweise gibt“, meinte Beckett. „Er war doch sehr geknickt, dass wir den Fall ungelöst abbrechen mussten.“

„Das habe ich wohl gemerkt“, bestätigte der Captain schmunzelnd. „Ich weiß allerdings nicht, ob uns dieser Körperteil mehr verrät als die anderen.“

Beckett schaute noch mal auf das Bild und nickte. „Zumindest ist es bisher das größte Stück der Leiche … und das persönlichste. Ich werde die alten Unterlagen zu dem Fall wieder aus dem Archiv holen lassen.“

„Machen Sie das!“, sagte der Captain bestimmt und damit war sie entlassen.

Gerade als Kate das Foto an eine unbenutzte, weiße Tafel geheftet hatte, erschien Castle mit zwei Kaffeebechern.

„Guten Morgen, Detectives!“, grüßte der Schriftsteller, gab Beckett einen der Becher und gesellte sich zu Ryan und Esposito, die nun ebenfalls das neue Foto betrachteten. „Hui, der Typ ist … oder besser war ja ordentlich bestückt“, sagte Rick bewundernd und nippte an seinem Kaffee. Das Foto zeigte den abgetrennten Unterleib eines Mannes vom Bauchnabel abwärts. Die Beine waren zwar ebenfalls abgetrennt worden, aber der Penis war noch in seiner vollen Pracht vorhanden.

„Na ja“, bemerkte Espo mit gerunzelter Stirn sofort. „Man soll nicht von sich auf andere schließen. Meiner ist da definitiv ebenbürtig, wenn nicht sogar ...“

„Jungs, stopp!“, unterbrach Beckett ihren Kollegen. „Wenn ihr eure besten Stücke vergleichen wollt, könnt ihr das nachher in der Pause auf der Toilette machen.“ Ryan wurde tatsächlich etwas rot, aber Castle und Espo grinsten nur.

„Es handelt sich hier um ein weiteres Teil der Leiche, die wir letztens nicht identifizieren konnten“, erklärte Kate und zeigte erst auf Esposito und dann auf Ryan. „Wir brauchen die Unterlagen aus dem Archiv und ich muss wissen, wann das 9. Revier uns den Teil der Leiche überstellt.“

Bevor die beiden Detectives die Befehle ihrer Kollegin ausführen konnten, zückte Castle sein Smartphone, öffnete eine App und hielt es dicht über das Glied auf dem Foto.

„Castle, was soll das?“, fragte Kate bestürzt. „Wollen Sie etwa ein Foto machen? Das ist sogar für Ihre Verhältnisse etwas pervers.“

„Wo denken Sie hin, Beckett“, antwortete Castle gespielt beleidigt und hielt ihr das Handy hin. „Das ist eine Lupe. Schauen Sie mal.“ Er vergrößerte wieder einen Ausschnitt des Bildes. „Könnte das an der Unterseite des Penis nicht ein Tattoo sein?“

~~~

Später am Nachmittag bestätigte die Gerichtsmedizinerin Dr. Lanie Parish, dass es tatsächlich eine Tätowierung gab. Castle war so aufgeregt über die Tatsache, dass es noch Dinge auf dieser Welt gab, die er bisher nicht live gesehen hatte, dass er ungeduldig vor dem Aufzug hin und her wippte.

„Ich wusste gar nicht, dass Sie zu der Sorte Mann gehören, die beim Anblick anderer männlicher Genitalien in Ekstase geraten“, sagte Beckett schmunzelnd, als sie in perfektem Timing genau in dem Moment neben ihn trat, als sich die Aufzugtüren öffneten.

„Eigentlich müssten Sie mich mittlerweile besser kennen, Beckett“, antwortete Castle mit einem breiten Grinsen. „Wenn es um weibliche, tätowierte Genitalien ginge, wäre ich genauso entzückt.“

Das Augenrollen als Antwort seiner Partnerin, überraschte Rick nicht. „Wollen Sie nicht auch wissen, um was für ein Tattoo es sich handelt und ob wir damit endlich die Identität des Opfers ermitteln können?“

„Natürlich möchte ich das wissen“, antwortete Kate. „Aber wenn ich mich auch wie ein Neunjähriger auf Zuckerschock verhalten würde, wäre das wohl eher kontraproduktiv.“

„Wer weiß“, murmelte Castle und hielt seiner Partnerin die Tür zur Gerichtsmedizin auf.

Lanie hatte den Unterleib so auf dem Seziertisch platziert, dass das Tattoo sofort gut zu erkennen war.

„Zn x Fe x Pb“, las Castle vor. „Das ist sehr ungewöhnlich.“

„Das sind Elementsymbole“, sagten Kate und Lanie gleichzeitig.

„Hey!“, beschwerte sich Castle. „Normalerweise sagen Beckett und ich so was gemeinsam.“

„Zu spät“, meinte der Detective und zuckte mit den Schultern. „Aber Sie haben recht, die Tätowierung ist ungewöhnlich.“ Sie beugte sich noch weiter über den Teil des Leichnams. „Derjenige, der das gestochen hat, müsste relativ schnell ausfindig zu machen sein. Zumal es sich anscheinend um eine sehr professionelle Arbeit handelt.“

Rick riss erstaunt die Augen auf. „Wie können Sie das erkennen?“

„Tja, Castle, das möchten Sie wohl gerne wissen“, sagte Beckett und ging geheimnisvoll lächelnd davon.

~~~

Wieder zurück im Revier übernahm es Castle, die neuen Erkenntnisse auf das Mordfallbrett zu bringen. Unter die Elementsymbole schrieb er die Zahlen 30, 26 und 82.

„Was soll das denn bedeuten?“, fragte Esposito skeptisch.

„Das sind die zu den Elementsymbolen gehörenden Ordnungszahlen“, erklärte Rick. „Das Periodensystem wurde in der Zeit zwischen 1862 und 1871 im Wechselspiel mehrerer Beteiligter ausgearbeitet und erstmals von Dmitri Mendelejew im Jahr 1869 vorgestellt.“

„Aha“, brummelte Esposito gelangweilt und wandte sich wieder seinem Schreibtisch zu.

„Ihr werdet schon sehen“, bemerkte Castle. „Irgendwann wird mein umfangreiches Wissen, welches ich uneigennützig mit euch teile, einen Fall lösen.“

„Dieser Fall wird eher durch richtige Polizeiarbeit gelöst“, behauptete Beckett und drückte dem Schriftsteller einen Zettel in die Hand. „Zum Beispiel durch Anrufe bei diesen Tattoostudios.“

~~~

Letztendlich war es Detective Ryan, der den entscheidenden Anruf tätigte und den Künstler ausfindig machte, der das Tattoo gestochen hatte.

Castle und Beckett fuhren zu dem kleinen Laden und befragten den Eigentümer, der anscheinend keine nicht tätowierte Hautstelle am Körper übrig hatte. Er konnte sich gut an das Tattoo erinnern, weil der Typ, dem er es gestochen hatte, und sein Freund sich über die Bezahlung gestritten hatten.

„Anscheinend war das Tattoo Teil einer Wette“, erklärte der Ladenbesitzer. „Allerdings habe ich nicht kapiert, welcher von beiden nun der Gewinner und wer der Verlierer war. Am Ende war es mir egal, denn die beiden haben sich die Rechnung geteilt.“

„Haben sie bar oder mit Kreditkarte bezahlt?“, fragte Beckett hoffnungsvoll.

„Ich glaube mit Kreditkarte“, antwortete der Tätowierer. „Soll ich Ihnen die Unterlagen heraussuchen?“

~~~

Nachdem die Kreditkartengesellschaft die Namen der beiden Männer herausgegeben hatte, ging alles ganz schnell. Der Tote wurde als Peter Holland identifiziert. Der andere Mann hieß Tom Oldfield und war ein Kollege von Peter. Und ein guter Freund, erzählten jedenfalls die anderen Mitarbeiter des Forschungsunternehmens, bei dem Peter und Tom angestellt waren. Das Unternehmen erforschte und entwickelte insbesondere neue Legierungen für die Industrie.

Oldfield gab zu Protokoll, dass er seinen Kollegen als vermisst gemeldet hatte, nachdem Peter vier Tagen nicht zur Arbeit erschienen war. Knapp zwei Wochen zuvor hatte Peter sich das Tattoo machen lassen. Beckett kam das merkwürdig vor, dass jemand solange wartete, um einen guten Freund als vermisst zu melden. Als sie Tom auf die Wette ansprach, antwortete dieser ausweichend und behauptete, die Wette wäre nicht von Bedeutung. Aber Ryan und Esposito hatten von einigen Kollegen von Tom erfahren, dass der Wetteinsatz ein Jahresgehalt war. Und das konnte man sicherlich nicht als bedeutungslos bezeichnen.

„Nachdem die Firma die Neuentwicklung einer Legierung, die unter anderem die Komponenten Zink, Eisen und Blei enthielt, erfolgreich abgeschlossen hatte, gab es eine Feier“, berichtete Ryan und teilte damit seine durch die Befragungen gewonnenen Erkenntnisse. „Auf dieser Party floss Alkohol in Unmengen. Niemand erinnert sich mehr genau, wie es dazu kam, aber irgendwann stand die Wette. Peter und Tom hatten vereinbart, dass derjenige, der sich traute seinen Penis mit den Elementsymbolen tätowieren zu lassen, das Gehalt des jeweils anderen bekam.“

„Verdienten die beiden das Gleiche?“, fragte Castle neugierig.

„Im Wesentlichen ja“, bestätigte Ryan. „Deshalb hätte es keinen Nachteil bedeutet, wenn sich beide getraut hätten. Aber Tom machte einen Rückzieher und wollte aus der Wette aussteigen. Es gab deswegen einen tagelangen Streit zwischen Peter und Tom.“

„Und dann war Peter plötzlich verschwunden“, mutmaßte Beckett.

„Genau“, sagte Esposito. „Und das legt nahe, dass Oldfield seinen Kollegen ermordet hat.“

„Aber wie sollen wir das beweisen?“, fragte Castle skeptisch.

Ryan hielt triumphierend einige Zettel nach oben. „Indem das Labor die teilweise an den vorherigen Leichenteilen gefundene Fremd-DNA mit der von Oldfield verglichen hat. Treffer Nummer eins!“

„Und, Treffer Nummer zwei“, übernahm Espo wieder. „Die sichergestellten Fingerabdrücke an der Mülltonne, in der der Unterleib gefunden worden war, gehören ebenfalls zu Tom Oldfield.“

„Gut gemacht, Jungs“, lobte Beckett. „Das sollte für eine Anklage reichen.“

~~~

Als Tom Oldfield von Detective Beckett mit den Beweisen konfrontiert wurde, legte er ein „Geständnis“ ab. Peter hatte nicht lockergelassen und seinen Gewinn eingefordert. Aber Tom war nicht bereit gewesen, seinem Freund und Kollegen ein ganzes Jahresgehalt abzutreten. Irgendwie kam es zwischen den beiden zu einem Gerangel, als sie noch spät alleine im Labor arbeiteten, Tom schubste Peter, der stolperte und knallte mit dem Kopf an eine Tischkante. Er war sofort tot gewesen. Um alles zu vertuschen, hatte Tom die Leiche zerstückelt und die Teile über die ganze Stadt verteilt.

„Es war ein Unfall“, meinte Oldfield gelassen. „Es wird zu keiner Verurteilung kommen.“

Beckett war sich da nicht sicher, aber es war nicht ihre Aufgabe, dem Festgenommenen das zu sagen.

~~~

Wie immer hatte Castle die ganze Zeit neben ihrem Schreibtisch gesessen, während Beckett den Mordfall mit dem letzten Papierkram endgültig abschloss.

„Vielleicht sollte ich mir auch ein Tattoo zulegen“, überlegte Castle, als Beckett ihre Sachen für den Feierabend zusammenpackte. Er erhob sich von seinem Stuhl und sie gingen gemeinsam Richtung Aufzug.

„Soll ich Sie noch mal in den Laden fahren?“, fragte Beckett schmunzelnd.

„Äh … nein … nicht sofort“, stammelte Rick. „Ich muss da erst noch ein wenig drüber nachdenken.“

„Ja, so ein dauerhaftes Tattoo sollte gut überlegt sein“, bestätigte Beckett.

„Vielleicht können wir uns zusammen eines stechen lassen?“, schlug Castle vor und schaute seine Partnerin erwartungsvoll an.

„Nein, danke.“ Kate schüttelte den Kopf. „Ich habe schon eines!“

Castle blieb geschockt stehen. „Wirklich? Wo? Seit wann? Wie sieht es aus?“

Kate war weitergegangen und in den Aufzug gestiegen. Sie drehte sich zu Rick um, lächelte wissend und kurz bevor sich die Türen zwischen ihnen schlossen, zwinkerte sie ihm zu. Die Antworten auf seine Fragen blieb sie ihm jedoch schuldig.

Gott, diese Frau würde noch seinen Tod bedeuten.


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AN: Das Rätsel lautete diesmal … kniZ x nesiE x ielB … mit Hinweis auf das Periodensystem.

Leider bin ich aus dem Wettbewerb ausgeschieden, da die richtige Lösung des Rätsels die Multiplikation der Ordnungszahlen war, also 63.960. Schade :(
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