Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Des Rätsels Lösung

von KBRC87
OneshotHumor, Krimi / P16 / Gen
Kate Beckett Richard Castle
15.06.2019
28.07.2019
4
5.187
3
Alle Kapitel
22 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
30.06.2019 1.121
 
Ungelöst

„Nein, Beckett“, sagte Castle bestimmend. „Sie dürfen den Fall nicht aufgeben!“

„Sie haben Captain Montgomery gehört“, antwortete der Detective und fing an, die Bilder vom Mordfallbrett zu nehmen und in einen Karton zu legen. „Nach vier Monaten ist der Fall kälter als ein toter Fisch.“

Der Schriftsteller war an die Kiste herangetreten und wollte die Fotos wieder herausnehmen, ließ sie aber schnell fallen, als Beckett ihm auf die Hand schlug. „Castle“, schimpfte Kate. „Was soll der Mist? Ich muss hier meine Arbeit erledigen.“

„Aua!“, stöhnte Rick und rieb sich theatralisch den Handrücken. „Ihre Arbeit wäre es, diesen Fall zu lösen.“ Er wusste sofort, dass seine Ansage ungerecht war und wich Becketts direktem Blick aus, weil dieser ihn ansonsten vermutlich getötet hätte. „Entschuldigung! Natürlich haben Sie alles daran gesetzt, den Fall zu lösen“, meinte der Schriftsteller beschwichtigend. „Und trotzdem wollen Sie jetzt aufhören! Das ist so deprimierend“, jammerte er. „Wir haben doch bisher alle Fälle irgendwie gelöst.“

„Von wollen kann hier keine Rede sein“, verteidigte sich Beckett. „Aber wie lange sind Sie jetzt hier?“, fragte sie rhetorisch. „Knapp zwei Jahre!“

„Oh, oh, Detective“, sagte Castle schmunzelnd. „Ich wusste gar nicht, dass Sie da Buch führen.“

Kate blickte ihn augenrollend an, was dem Schriftsteller ein noch breiteres Grinsen entlockte.

„Eigentlich müssten Sie mittlerweile mitbekommen haben, dass es immer wieder Mordfälle gibt, die ungelöst bleiben“, meinte Beckett. „Und auch Sie können daran nichts ändern.“

„Was ich sehr schade finde“, entgegnete Rick. „Trotzdem bin ich der Meinung, dass wir in diesem Fall zu schnell aufgegeben haben.“

„Vielleicht“, sagte Beckett nachdenklich, machte sich jedoch wieder daran, die Unterlagen zu archivieren. „Allerdings haben wir auch genug andere Fälle.“ Sie deute mit dem Kopf auf die beiden weiteren Mordfalltafeln, die im Großraumbüro standen.

Castle nickte. „Das stimmt. Aber dieser Mordfall war schon sehr mysteriös, mit den Leichenteilen, die wochenweise auftauchten, uns aber dennoch nicht die Identität des Opfers enthüllten und uns noch weniger einen Täter lieferten.“ Rick schaute nachdenklich auf das halbleere Mordfallbrett. „Ich fühle mich doch ein wenig als Versager, dass ich nicht mehr zur Auflösung beitragen konnte, bevor der Fall nun für immer geschlossen wird.“

„Sie sind kein Versager, Castle“, meinte Beckett tröstend. „Jedenfalls meistens“, schob sie schmunzelnd hinterher.

Rick hob die Augenbrauen und schaute seine Partnerin gespielt verletzt an. Beckett lächelte und ging zu ihrem Schreibtisch.

„Ich wollte Ihnen das sowieso schon geben“, meinte sie geheimnisvoll und schrieb etwas auf einen Zettel. „Das ist ein Rätsel, das ich letztens beim Friseur in einer Zeitschrift gesehen habe. Wenn Sie es lösen, bis ich mit der Archivierung des Falls fertig bin, sind Sie definitiv kein Versager.“

Castle nahm den Zettel und überflog den Text.
Knochen und Kopf: 111-3
Rippe und Leber: 103-4
Hand und Ohr: 70-7
Seele und Meer: ?

Natürlich wusste Rick, dass Beckett ihn mit der Aufgabe eigentlich nur loswerden wollte, damit sie in Ruhe arbeiten konnte, aber einem guten Rätsel hatte er noch nie widerstehen können. „Also gut“, sagte er, nahm sich einen Stift und ging Richtung Pausenraum. „Bis gleich.“

~~~


Eine knappe Stunde später hatte Detective Beckett die Archivierung abgeschlossen und ihr fiel auf, dass Castle noch nicht wieder aufgetaucht war. Da sie sich sowieso einen Kaffee holen wollte, ging sie in den Pausenraum und sah Castle am Tisch sitzen, vertieft in das Rätsel.

„Hey“, sprach sie ihn an und Rick blickte hoch. „Schon was herausgefunden?“

„Teilweise“, antwortete er. „Das ist ganz schön knifflig. Wissen Sie die Lösung?“

„Ja“, antwortete Beckett knapp. Sie musste ihm ja nicht erzählen, dass die Zeitschrift, in der die Lösung stand, auch beim Friseur verfügbar gewesen war. Sie schaute auf den Zettel und sah, dass Castle die jeweils ersten Zahlen 11, 10 und 7 eingekringelt und mit „Anzahl Buchstaben“ markiert hatte. Die Zahlen nach dem Bindestrich hatte er mit „Quersumme“ beschriftet.

„So weit, so gut“, lobte Kate. „Brauchen Sie für die fehlenden Zahlen einen Tipp?“

„Eigentlich ja“, antwortete Castle. „Aber dann habe ich das Rätsel ja nicht alleine gelöst und bin doch ein Versager.“

„Das meiste haben Sie ja alleine herausgefunden und ich werde es niemanden sagen, dass Sie ein kleiner Versager sind“, meinte Beckett schmunzelnd. Sie zeigte auf die noch nicht von Rick markierten Zahlen. „Was ist einmal, dreimal und keinmal vorhanden?“

Castle blickte wieder auf den Zettel und schlug sich nach ein paar Momenten mit der flachen Hand vor den Kopf. „Na klar!“, rief er. „Das ist die Anzahl des in den Wörtern vorkommenden Buchstabens E.“

Er schrieb die Lösung auf den Zettel und schob ihn Beckett hin. 95-14. „Bravo!“ Kate schlug Rick anerkennend auf die Schulter, nahm ihren gefüllten Kaffeebecher und ging zurück ins Großraumbüro. „Dann kann ich ja jetzt beruhigt weiterarbeiten.“

Castle folgte seiner Partnerin und blieb vor dem jetzt komplett wieder weißen Mordfallbrett stehen.

„Der Fall wird nicht in Vergessenheit geraten, weder von Ihnen, noch von mir oder von der Polizei allgemein“, erklärte Beckett. „Alle unsere gewonnenen Erkenntnisse sind in den entsprechenden Datenbanken eingepflegt worden. Und sobald es irgendwelche Treffer hinsichtlich Identität, DNA oder Vorgehensweise gibt, wird der Fall sofort wieder aufgerollt.“

Rick zuckte mit den Schultern. „Vermutlich war das Mordopfer ein CIA-Agent, der bei einem Einsatz von der russischen Mafia getötet und zerstückelt wurde, um deren Drogengeschäfte nicht weiter zu gefährden“, spekulierte Castle. „Wahrscheinlich hat die CIA den Fall längst gelöst, ohne uns darüber zu informieren.“ Er blickte noch einmal auf den geschlossenen Karton, der noch auf Becketts Schreibtisch stand und wandte sich dann dem nächsten Mordfallbrett zu. „Was haben wir denn hier bisher?“

Beckett bewunderte den Schriftsteller für seine Fähigkeit, eine Sache mit einer verrückten Theorie für sich abzuschließen oder sich mit einem Rätsel ablenken zu lassen, um sich dann unbefangen einem neuen Fall widmen zu können. Sie würde auch gerne über solche Bewältigungsmechanismen verfügen können, was sie ihm aber natürlich nicht sagen würde, sein Ego war schon groß genug.

~~~


Später brachte Kate den vorschriftsmäßig beschrifteten Karton mit den Unterlagen des Falls, der nun auf Befehl des Captains vorerst auf Eis gelegt war, ins Archiv im Keller des Reviers. Obwohl sie nun nicht mehr ständig auf die Fotos am Mordfallbrett schauen würde, so hatten sich die Bilder der Leichenteile doch in ihrem Gedächtnis eingebrannt und Beckett wusste aus langjähriger Erfahrung, dass es noch eine Zeit lang dauern würde, bis sie ihr schlechtes Gewissen gegenüber des Mordopfers soweit in den Griff bekam, dass sie nicht mehr vor jedem Einschlafen an den Mordfall denken musste.

Seit Castle ihr Partner war, klappte es mit ihrer Verarbeitung ungelöster Fälle besser, aber auch das würde sie ihm nicht erzählen … noch nicht.


--x--x--


AN: Das war mein Beitrag zu Teil Nr. 2 des Wettbewerbs von Mufterling, bei dem das Rätsel diesmal im Text zu lesen war.

Wenn es euch gefallen hat (oder auch nicht) lasst ein Review da!
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast