Des Rätsels Lösung

von KBRC87
OneshotHumor, Krimi / P16
Kate Beckett Richard Castle
15.06.2019
28.07.2019
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Geheimnis um Pi

Captain Kate Beckett saß in ihrem Büro und erledigte wie üblich Unmengen von Papierkram, als ihr Handy klingelte. Sie schmunzelte, als sie das Bild ihres Ehemanns als Anrufer ID erblickte.

„Hey, Babe“, meldete sie sich. „Das ging ja schnell.“

Der Schriftsteller hatte diesen Morgen ein Meeting bei seinem Verlag Black Pawn gehabt und war deshalb nicht wie gewohnt mit Kate zusammen ins Revier gefahren.

„Ja, es mussten nur ein paar Verträge neu unterschrieben werden“, erwiderte Rick. „Irgendwas wegen Datenschutz. Habe nicht so genau zugehört.“

Kate lachte kurz auf. „Nur gut, dass ich mir sicher bin, dass Gina dich nicht über den Tisch ziehen will.“

„Woher willst du das wissen?“, fragte Rick. „Ich traue meiner Ex-Frau keine zehn Zentimeter weit über den Weg.“

„Du weißt schon, dass Gina und ich uns bei Gelegenheit über dich austauschen“, meinte Kate geheimnisvoll.

„Ja, ich weiß“, grummelte er. „Und das gefällt mir nach wie vor überhaupt nicht!“

Wieder lachte Kate. „Kommst du heute noch ins Revier?“, fragte sie dann hoffnungsvoll. Mit Rick in ihrer Nähe machte die Arbeit einfach viel mehr Spaß.

„Das kommt drauf an, ob es einen interessanten Fall zu bearbeiten gibt“, antwortete Rick.

„Den gibt es in der Tat“, erklärte Kate. „Wir haben einen Mordfall, der mit Pi zu tun hat.“

„Ach du Scheiße“, schrie Rick ins Telefon. „Ich dachte, den Kerl wäre ich endgültig los. Ist er der Mörder? Oh Gott, ist er tot? Alexis wird schockiert sein.“

Erst jetzt verstand Kate, wen Castle meinte. „Nein, Babe, ganz ruhig. Es geht nicht um den Ex-Freund deiner Tochter, sondern um die Zahl Pi.“

„Ah, oh, okay. Das klingt interessant. Bin auf dem Weg.“

Kate rollte nur schmunzelnd mit den Augen, als ihr Ehemann ohne Abschiedsgruß auflegte.

~~~


„Dir auch einen guten Morgen, Castle“, meinte Ryan, während der Schriftsteller direkt zum Mordfallbrett ging, ohne den Detective weiter zu beachten.

„Ja, ja“, murmelte Rick abgelenkt. „Morgen. Was haben wir hier?“

Mit schnellem Blick scannte Rick die Aufzeichnungen, die Esposito und Ryan bisher erstellt hatten. Das Opfer war ein weißer Mann, Connor Dechart, 22 Jahre alt, der mit einem einzigen Stich ins Herz getötet worden war. Das Jagdmesser hatte am Tatort gelegen, aber die darauf gefundenen Fingerabdrücke waren in keiner Datenbank verzeichnet. Es gab keine Zeugen für den Mord und bisher noch kein erkennbares Motiv. Der einzige Hinweis, den sie hatten, war die Zahl, die sich das Mordopfer mit einem Filzstift, den er noch in der Hand hielt, als man ihn fand, vermutlich kurz vor seinem Tod selbst auf den linken Unterarm geschrieben hatte.

3,14157215 … Espo hatte dahinter „Pi“ ans Mordfallbrett geschrieben.

Castle runzelte die Stirn, denn irgendwie kam ihm die Zahl falsch vor. Er versuchte sich an die genaue Reihenfolge der Nachkommastellen der Kreiszahl zu erinnern. Schließlich hatte er während seiner Schulzeit mal zusätzlich einen Mathematik Leistungskurs belegt, um ein Mädchen zu beeindrucken. Natürlich hatte das nicht funktioniert, aber irgendwas musste doch hängengeblieben sein. Er war der Meinung, dass da irgendwo relativ weit vorne eine 9 vorkam.

Nachdem der Schriftsteller eine Zeitlang auf die Zahl gestarrt hatte, nahm er einen roten Stift, kringelte schwungvoll die 7 und die hintere 1 ein und schrieb darunter 9 und 8.

„So lautet die Zahl Pi richtig“, meinte Castle triumphierend und drehte sich zu Ryan um. „Stimmt es oder habe ich recht?“

Ryan nahm sein Handy und tippte darauf herum. „Nicht ganz. Die 8 muss eine 6 sein“, korrigierte er. „Woher weißt du so was immer? Mir wäre das im Leben nicht aufgefallen. Pi ist zwar Allgemeinbildung, aber mehr als 3,1415 hätte ich nicht gewusst.“

„Tja, manche haben halt etwas mehr Allgemeinbildung als andere.“ Rick tätschelte Ryan tröstend die Schulter, nachdem er die falsche Zahl geändert hatte.

„Quatschkopf“, meinte Beckett, die aus ihrem Büro gekommen war, als sie Castles Gespräche mit Ryan gehört hatte. Sie gab ihrem Ehemann lächelnd einen Kuss auf die Wange. „Aber wenn das nicht die Zahl Pi ist, was hat sie dann zu bedeuten?“

„Auch wenn es Pi wäre, wüssten wir nicht, wie das mit dem Fall zusammenhängt“, meinte Rick.

„Touché“, sagten Ryan und Beckett gleichzeitig.

„Da kann ich vielleicht helfen“, bemerkte Detective Esposito, der auf seine Kollegen zukam. „Ich habe mit den Eltern von Connor gesprochen, bei denen er auch wohnte. Sie sagen, dass er Mathematik studierte und Mitglied im Pi Club war. Darüber hinaus hatte er keine weiteren Freunde, von denen sie wüssten.“

„Das ist merkwürdig“, wunderte sich Castle. „Wenn Connor ein Mathe Nerd war, hätte er die Zahl Pi eigentlich richtig aufschreiben können.“

„Vielleicht sind die falschen Ziffern ein Hinweis auf den Mörder“, mutmaßte Beckett. „Castle, du kannst das ja mal recherchieren, während Ryan und Espo sich weiter um Conners Umfeld und seine Finanzen kümmern.“

„Wird gemacht, Captain“, sagten alle drei Männer gleichzeitig.

~~~


Rick googelte sich die Finger wund nach Bedeutungen der Zahlen 7, 1 und 71, aber er fand nur irgendwelche wagen mystischen, religiösen und spirituellen Auswertungen, die in keiner Weise irgendwie in Verbindung mit dem Fall zu stehen schienen. Zumal diese Artikel je nach Gemütslage alles zu bieten hatten. Insbesondere die Zahl 7 hatte diverse Bedeutungen. So stand die 7 zum Beispiel einerseits für Selbstsicherheit und Durchhaltevermögen, war aber andererseits in China eine Unglückszahl.

„War unser Opfer chinesischer Abstammung“, fragte Castle hoffnungsvoll in die Runde.

„Ich glaube nicht“, antwortete Esposito und blätterte in der Akte. „Nö, definitiv nicht.“

„Schade, wäre vielleicht ein Anhaltspunkt gewesen“, sagte Castle. „Dann muss ich meine Recherche in andere Richtungen lenken. Habt ihr denn schon etwas gefunden?“

Aber auch die Befragung von Connors Kommilitonen und der Mitglieder des Pi Clubs sowie die Überprüfung seiner Telefon- und Finanzunterlagen hatte keine Auffälligkeiten oder Hinweise zum Täter gebracht. Mittlerweile war es später Nachmittag und sie hatten nichts gefunden, was sie der Lösung des Falls näherbringen würde.

Als Captain Beckett von einer Besprechung im Polizeihauptquartier wiederkam, saßen ihre beiden besten Detectives und ihr brillanter Ehemann niedergeschlagen auf ihren Plätzen.

„Na Jungs, noch keine Verdächtigen?“, fragte sie mitfühlend, denn sie wusste genau, wie frustrierend es war, wenn man in einem Mordfall feststeckte. „Zeigt mal, was ihr bisher habt.“

Kate ging zum Mordfallbrett und überflog die Notizen, die Castle, Ryan und Esposito bisher gemacht hatten.

„Hm …“, meinte sie nach ein paar Minuten. „Das Opfer wurde doch in der East 17th Street in der Nähe des Hotel 17 gefunden, oder? Vielleicht ist das der Hinweis, nach dem wir suchen.“

Castle sprang auf und stand nach zwei großen Schritten neben seiner Frau. Er blickte auf die Fotos vom Tatort, das Hotel war im Hintergrund eindeutig zu erkennen.

„Warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen?“, fragte er und schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn. „An die Zahl 17 habe ich überhaupt nicht gedacht.“

„Ja, echt, Castle“, murrte Esposito. „Warum ist dir das nicht eingefallen?“

„Los kommt“, befahl Ryan, während er sich seine Jacke schnappte und Richtung Aufzug ging. „Wir schauen uns das Hotel mal näher an.“

~~~


Nachdem Rick, Kevin und Javier das Personal des Hotels befragt hatten, stellte sich schnell heraus, dass Connor dort öfter den Dauergast aus Zimmer 71 besuchte und immer für ein paar Stunden bei ihm blieb. Kaum hatten sie sich Michael Chase als Polizisten vorgestellt, brach dieser zusammen und gestand, Connor getötet zu haben. Es sei aber nicht mit Absicht passiert, denn eigentlich hatte Michael Connor heiraten wollen.

„Aber Connor wollte seine Homosexualität strikt geheim halten, insbesondere vor seinen Eltern, was ihm ja auch gut gelang. Er kommunizierte nur über eine Prepaid-SIM-Karte mit mir und traf mich nie außerhalb des Hotels“, erklärte Michael unter Tränen. „Ich wollte jedoch mehr und versuchte ihn zu überzeugen, sich zu outen. Aber er wollte das partout nicht. Und so kam es zum Streit.“

Michael brach wieder in Tränen aus und schluchze unkontrolliert. Die Jungs gaben ihm ein paar Minuten Zeit, bevor sie ihn weitersprechen ließen.

„Ich war so wütend ... und enttäuscht … und das Messer lag vom letzten Angelausflug noch auf dem Tisch. Es tut mir so leid“, sagte Michael leise. „Connor lief raus und sagte, es wäre aus mit uns und da bin ich völlig ausgerastet. Ich griff das Messer und lief hinter ihm her. Als ich ihn eingeholt hatte, sah er mich so kalt und abweisend an, dass ich zugestochen habe.“

Unaufhaltsam liefen Michael die Tränen über das Gesicht. Castle sah einen gebrochenen Mann und hatte fast Mitleid mit ihm. Verbrechen aus Liebe waren immer schwer zu verstehen, im Nachhinein oftmals auch für die Täter.

„Ich bereute es sofort“, erklärte Michael weiter. „Aber Connor sackte leblos zusammen und ich konnte nur noch flüchten.“

„Connor war aber nicht sofort tot“, sagte Esposito. „Er schrieb noch einen Hinweis auf seinen Arm, der uns zu Ihnen geführt hat. Sie hätten ihren Freund also vielleicht noch retten können.“

Michael sah fassungslos auf und brach dann endgültig zusammen.

~~~


Später am Abend lag Rick dicht an seine nackte Frau gekuschelt im Bett und während sich sein Herzschlag langsam wieder normalisierte, fiel ihm der Mordfall wieder ein.

„Ich kann nicht glauben, dass du mit einem Blick auf die Zahlen die Verbindung zu dem Hotel hergestellt hast“, flüsterte er und knabberte dabei leicht an Kates Ohrläppchen. „Ich habe zwar gleich erkannt, dass mit der Zahl auf Connors Arm etwas nicht stimmte, aber auf die Idee, die 7 und die 1 andersherum zusammenzusetzen, bin ich nicht gekommen.“

Kate drehte sich um, damit sie ihn ansehen konnte. „Ach, Babe, dafür sind wir doch ein Team. Wir ergänzen uns eben perfekt.“

„Wie wahr!“, stimmte Rick zu und ließ seine Hände über ihren Körper wandern. „Und das nicht nur im Revier.“

„Was noch zu beweisen wäre“, sagte Kate neckend.

Das ließ sich Rick natürlich nicht zweimal sagen …


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AN: Dieser kleine Beitrag ist Teil des Wettbewerbs von Mufterling, bei dem ein Rätsel (3,14157215... Irgendwas stimmt hier nicht) vorgegeben wird und die Lösung in einem Oneshot verarbeitet werden soll.

Ich hoffe es hat euch gefallen!
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