Die Puppe

von Eol
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
Legolas Saruman Thorin Eichenschild Thranduil
15.06.2019
05.08.2019
21
34615
13
Alle Kapitel
60 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
„WAS?“ Thranduil sprang aus dem Bett und sah Feanor entsetzt an.
Der Mafioso drehte sich zu ihm und nickte.
„Legolas‘ Mutter war 15, als sie schwanger von ihm wurde. Er sagte, sie hätte ihn mit ihrem Alter belogen, er hat geglaubt, sie sei 18. Als sie schwanger wurde von ihm, hat er ihr wahres Alter erfahren und er musste verhindern, dass das Ganze öffentlich wird. Also hat er die Familie bestochen und ihr das Kind nach der Geburt weggenommen. Den Rest kennst du ja offenbar.“, sagte er.
Thranduil konnte nicht glauben, was er da hörte.
Es war schlimm genug, was Saruman getan hatte, doch dass er so etwas seinem eigenen Sohn antat, war unbegreiflich.
„Was wirst du jetzt tun? Wirst du es ihm sagen?“, fragte Feanor und holte Thranduil so aus seiner Erstarrung.
„Ich…ich weiß es nicht. Ich…wie kann ein Mensch so etwas tun?“, fragte Thranduil sein Gegenüber, erhoffte sich von Feanor eine klare Antwort auf diese Frage.
„Ich weiß es nicht. Ich bin ja bestimmt nicht zimperlich, wenn es um meine Feinde geht, doch so etwas ist nicht zu verstehen. Also versuch es gar nicht erst.“ Feanor drehte sich wieder zum Fenster.
„Saruman ist tot.“, sagte er beinahe beiläufig.
„Tot?“, fragte Thranduil nach.
„Ja. Ich konnte ihn nicht am Leben lassen. Nicht nach dem, was er getan hat. Das bedeutet aber auch, dass dein Legolas nun theoretisch einen Anspruch auf das Erbe hat. Zumindest einen Teilanspruch.“, entgegnete Feanor. „Was irgendwie immer noch fast 100 Millionen Dollar wären.“ Er sah wieder zu Thranduil. „Vorausgesetzt, du sagst es ihm.“
Thranduil zog die Augenbrauen zusammen. „Was…ist mit Saruman passiert?“, fragte er.
„Mach dir darum keinen Kopf. Pack deine Sache und verschwinde aus New York, ich kümmere mich um den Rest.“
Feanor trat auf Thranduil zu. „Und damit sind wir fast quitt.“
„Fast?“
„Ich will nur noch eine Sache von dir und dann will ich dich nie wiedersehen.“, entgegnete Feanor geheimnisvoll.
Thranduils Herz ging an zu rasen. Feanor hatte gerade ohne mit der Wimper zu zucken einen Mann getötet und jetzt war er ihm so nah, dass er seinen Atem in seinem Gesicht spüren konnte.
„Und…was…was wäre das?“, stotterte er nervös.
Feanor antwortete nicht, stattdessen legte er eine Hand in Thranduils Nacken und zog ihn nah zu sich.
„Einen Kuss.“ Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, versiegelte er Thranduils Lippen mit seinen.
Thranduil war wie erstarrt. Was geschah hier gerade?
„Du solltest schon etwas mitmachen, sonst ist das hier echt langweilig.“, hauchte Feanor gegen Thranduils Lippen.
„Ich…“ Weiter kam Thranduil mit seinem Protest nicht, denn Feanor intensivierte den Kuss. Schließlich gab er seinen Widerstand auf und ließ sich darauf ein. Feanor konnte furchteinflößend sein, doch jetzt gerade war er einfach nur ein normaler Mann.
Als der Kuss endete, waren Thranduils Wangen leicht gerötet.
Das erste Mal seit fünf Jahren, seit sein Vater gestorben war, hatte er wieder zugelassen, dass ihm jemand körperlich nah kam und er merkte erst jetzt, wie sehr ihm das gefehlt hatte.
„Wieso…“, fragte er außer Atem.
„Du bist ein sehr schöner Mann und das wollte ich mir nicht entgehen lassen.“, entgegnete Feanor und ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Sieh es als Bezahlung dafür, dass ich dich aus allem, was jetzt wegen Saruman geschieht, heraushalte. Und jetzt pack deine Sachen und verschwinde aus New York. Fahr nach Hause zu dem Kleinen, sag ihm, was du erfahren hast oder lass es bleiben. Aber vergiss Saruman.“
Thranduil starrte sein Gegenüber mit offenem Mund an, dann drehte er sich um und begann, seine Sachen in die Reisetasche zu stopfen.
Er spürte, dass Feanor ihn dabei beobachtete, doch was sollte er sagen? Alles, was in den letzten Tagen geschehen war, war so surreal, dass er es selbst kaum verstand.

Als Thranduil mit dem Packen fertig war, ging er zur Tür der Suite, blieb dort jedoch noch einmal stehen und sah sich um.
In dem Wohnbereich war nichts davon zu erkennen, was hier geschehen war, dass jemand ermordet worden war.
„Thranduil!“
Feanor war ihm gefolgt und lehnte nun lässig am Rahmen der Schlafzimmertür.
„Wenn du nochmal irgendwelche Rachegefühle verspürst, komm nicht zu mir. Ok?“, sagte er und zwinkerte ihm zu.
Thranduil schluckte hart, dann nickte er leicht. „Also dann…danke.“ Thranduil rang sich ein kleines Lächeln ab, dann verließ er die Suite.


Legolas betrat das Wohnzimmer der Wohnung, die Thorin zwar schon eine Weile besaß, aber in den letzten Jahren selten genutzt hatte. Nun war er froh, sie behalten zu haben.
Es duftete nach Kaffee, gebratenem Speck, Eiern, doch Appetit hatte er nicht. Ihn bedrückte etwas, doch er wusste nicht, wie er es Thorin mitteilen sollte. Er wollte ihn nicht vor den Kopf stoßen, undankbar erscheinen oder den Mann, der ihn einfach so bei sich aufgenommen hatte, gar verärgern.
„Guten Morgen! Na wie hast du geschlafen?“, fragte Thorin, obwohl er die Antwort eigentlich kannte. Er hatte das verzweifelte Weinen des Teenagers in der Nacht gehört.
„Guten Morgen. Gut, danke. Und Sie…du?“, fragte Legolas höflich.
Thorin lächelte etwas gequält. „Gut.“, log er, genauso wie Legolas, denn er hatte fast die ganze Nacht wach gelegen, hatte sich Sorgen um Thranduil gemacht.
„Also…wollen wir heute mal sehen, ob wir deine Mutter ausfindig machen können? Ich habe einen Bekannten bei der Polizei…du kennst ihn, er hat…“
„Nein.“, unterbrach Legolas den anderen Mann.
„Nein?“, fragte Thorin nach.
„Ich…ich möchte nicht wissen, wer…wer sie ist.“, sagte Legolas leise. Es war ihm unangenehm zu widersprechen, womöglich erwartete er eine Bestrafung, denn er zog den Kopf ein.
„Oh…ok. Gut. Es ist deine Entscheidung. Wenn du es nicht wissen möchtest, lassen wir das.“, entgegnete Thorin. Er überlegte kurz, dann hätte er plötzlich eine Idee.
„Hey, was hältst du davon, wenn wir stattdessen in den Zoo gehen.“, sagte er.
Legolas sah sein Gegenüber unsicher an. „Ja? Ich…war noch nie in einem Zoo.“, sagte er leise.
„Na dann wird es Zeit. Aber jetzt lass uns erstmal frühstücken.“

Nach dem ausgiebigen Frühstück machten sie sich auf den Weg.
Obwohl sie schon seit einer Woche wieder in LA waren, hatte Thorin es noch nicht gewagt, sein eigenes Auto von Thranduils Grundstück zu holen. Doch das wollten sie jetzt, bevor sie zum Zoo fuhren, noch schnell erledigen.
Den Leihwagen, den er sich in Dallas genommen hatte, gaben sie in einer Filiale der Verleihfirma ab und fuhren mit dem Taxi zu Thranduils Anwesen.
Als sie dort ankamen, trauten sie ihren Augen nicht.
Vor dem Haus stand Thranduils Ford Mustang.
„Er ist wieder da.“, sagte Thorin und sah zu Legolas.
Der Teenager starrte das Auto an, als hätte er so etwas noch nie in seinem Leben gesehen.
„Willst du ihn sehen?“, fragte Thorin vorsichtig.
„Er hat uns weggeschickt.“, entgegnete Legolas traurig.
Thorin überlegte kurz, dann nahm er Legolas‘ Hand und sie gingen langsam auf das Haus zu.
Kaum hatten sie die drei Stufen zur Haustür genommen, wurde die Tür geöffnet.
Thranduil sah müde aus, seine Haare waren zerzaust und er trug nur eine seiner dünnen Kung-Fu-Hosen, in denen immer schlief.
„Thranduil!“, sagte Thorin.
„Oh…“ Thranduil schien überrascht zu sein, die Beiden zu sehen.
„Was macht ihr denn hier?“, fragte er.
„Wir wollten nur schnell mein Auto…“
Thorin konnte den Satz nicht beenden, denn mit einem Mal riss sich Legolas los und ohne zu zögern fiel er Thranduil um den Hals.
Erschrocken sahen sich die beiden Männer an, dann legte Thranduil vorsichtig seine Arme um den schmalen Körper des Teenagers und hielt ihn fest.
„Ich hab Sie vermisst.“, schluchzte Legolas.
„Ich hab euch auch vermisst.“, entgegnete Thranduil leise und sah kurz zu Thorin, zwinkerte ihm zu.
Für einen Moment standen sie regungslos da, dann löste Thranduil die Umarmung.
„Kommt rein.“, sagte er und ließ die Beiden ins Haus.
Thorin steuerte sofort die Küche an, um Kaffee zu machen, während Legolas und Thranduil auf die Terrasse gingen.
„Wie geht’s dir?“, fragte Thranduil und betrachtete den hübschen Teenager.
Legolas zuckte nur mit den Schultern.
Schweigend saßen sie nebeneinander auf der großen Hollywood-Schaukel, die auf der Terrasse stand, bis Thorin mit dem Kaffee zu ihnen stieß.
„Seit wann bist du wieder da?“, fragte er, während er seinem ehemaligen Boss eine Tasse reichte.
„Seit heute Nacht.“, entgegnete Thranduil und nippte an dem Kaffee.
„Was ist mit Saruman?“ Thorin wollte es endlich wissen, er wollte endlich wissen, was geschehen war.
„Siehst du keine Nachrichten?“, fragte Thranduil erstaunt.
Bereits einen Tag nach den Geschehnissen in New York hatte man Sarumans Leiche in einem heruntergekommenen Haus in der Bronx gefunden, einem Haus, das dafür bekannt war, dass man dort schnell und günstig schwulen Sex bekam.
„Doch, aber ich möchte wissen, was passiert ist.“, sagte Thorin streng.
Legolas hatte die Beiden beobachtet, hatte sich aus der Unterhaltung heraushalten wollen, doch auch er brauchte Antworten. „Ist er tot?“, fragte er.
„Ja, ist er.“ Thranduil lächelte leicht, auch wenn ihm dieses Lächeln nicht leicht fiel. „Du bist frei, Legolas.“

Tbc.
Review schreiben