Die Puppe

von Eol
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
Legolas Saruman Thorin Eichenschild Thranduil
15.06.2019
16.07.2019
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Nervös lief Thranduil in dem Wohnbereich der Suite auf und ab, während Feanor scheinbar die Ruhe selbst war. Er saß in einem Sessel, hatte die Fingerspitzen beider Hände aneinander gelegt und beobachtete Thranduil.
„Würde es deiner Nervosität helfen, wenn du mir einen bläst?“, fragte er amüsiert.
Sofort blieb Thranduil stehen und sah sein Gegenüber entsetzt an.
„Das war ein Scherz. Entspann dich!“, lachte Feanor.
Thranduil schnaufte verächtlich. „Du bist nicht besonders witzig.“, sagte er genervt.
„Ach nein? Hm, meine Leute lachen immer, wenn ich einen Scherz mache.“, entgegnete Feanor nachdenklich.
„Wahrscheinlich weil sie Angst vor dir haben.“ Jetzt musste Thranduil schmunzeln.
„Ja, womöglich hast du Recht.“ Feanor stand auf und trat auf Thranduil zu. „Und? Schaffst du das? Oder willst du im Schlafzimmer warten, bis ich mit dieser Ratte fertig bin?“, fragte er und er klang beinahe besorgt.
„Nein, ich…ich schaffe das. Ich muss es wissen. Und ich muss wissen, wieso er meinen Vater…“ Thranduil spürte, wie sich ihm die Kehle zuschnürte bei dem Gedanken an seinen Vater. Auch fünf Jahre später vermisste er ihn noch immer fürchterlich.
Als konnte Feanor seine Gedanken lesen, legte er ihm eine Hand an die Wange. „Der Schmerz wird irgendwann besser werden. Nach dem heutigen Tag wirst du deine Antworten haben und dann kannst du nach vorne sehen.“, sagte er.
Thranduil stutzte. Diese zärtliche Geste von Feanor überraschte ihn, doch er traute sich nicht, sich aus der Berührung zu befreien. Feanor war furchteinflößend, auch wenn er gerade wie ein normaler Mann wirkte.
„Ähm, Boss, er ist da.“, sagte einer der drei Männer, die offenbar Feanors Bodyguards waren. Er hielt seinem Boss ein Handy entgegen.
Feanor nahm es ihm ab und drehte Thranduil den Rücken zu, während er telefonierte.

„Ok. Alles wie besprochen. Lasst ihn nicht aus den Augen.“, sagte er kühl und legte auf. Dann drehte er sich wieder zu Thranduil. „Es wird ernst. Setz dich da hin und sei still. Du wirst nichts sagen und du wirst nicht eingreifen. Solltest du dich nicht daran halten, wird einer meiner Männer dich sofort ko schlagen. Kapiert?“, fragte er und deutete auf den Sessel, in dem er gerade noch gesessen hatte.
Thranduil nickte und tat, was man ihm gesagt hatte.

Saruman betrat die Hotellobby und sah sich um. Es waren nicht viele Gäste dort, doch die, die dort herumstanden, waren augenscheinlich gut betucht.
Er schritt auf den Rezeptionstresen zu und räusperte sich.
„Guten Tag und willkommen im Four Seasons. Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“, fragte ein junger Mann in einer typischen Hoteluniform.
„Ich bin mit jemandem in der Holiday-Suite verabredet.“, sagte Saruman kühl.
„Ah, dann sind Sie Mr.Saruman, Mr. Miller hat Sie als seinen Gast angekündigt. Herzlich willkommen. Mit dem Fahrstuhl gelangen Sie direkt in die siebente Etage.“ Der Mann deutete mit ausgestrecktem Arm auf die Fahrstühle.
Saruman zog eine Augenbraue hoch. Miller? War das Thranduils Nachname? Er kannte ihn nicht, hatte sich nie wirklich dafür interessiert.
„Danke. Eine Frage noch…wieviele Personen haben in der Suite eingecheckt?“, fragte er.
„Zwei. Mr. Miller und sein Neffe. Ein hübscher, blonder, junger Mann.“, entgegnete der Mann.
Saruman nickte, dann ging er auf die Fahrstühle zu.
Er musste etwa eine Minute warten, bis sich die Türen zu einem der Lifte öffneten.
Entgegen seiner Erwartung war er nicht allein in dem Fahrstuhl.
Ein Hotelangestellter mit einem silbernen Servierwagen, auf dem sich Essen befand, stand bereits dort. Auch er schien in die oberste Etage zu wollen.
Saruman beachtete ihn nicht, sah stattdessen auf sein Smartphone.
Als der Fahrstuhl anhielt, stieg er aus und lief den Flur entlang.
Der Mann mit dem Servierwagen folgte ihm mit etwas Abstand.
Vor der Suite blieb Saruman stehen und sah sich um.
Der Kellner war nur noch etwa zwei Meter von ihm entfernt und er beschloss, ihn erst einmal vorbeigehen zu lassen, bevor er klopfte.
Es dauerte einen Moment, dann wurde die Tür der Suite geöffnet.
Und dann ging alles ganz schnell.
Saruman spürte einen heftigen Schlag im Nacken, bevor er bewusstlos zusammensackte.

Als Saruman zu sich kam, konnte er sich nicht bewegen. Auch seine Sicht war eingeschränkt, genau genommen sah er gar nichts.
Er stöhnte kurz schmerzerfüllt, sein Schädel brummte fürchterlich durch den Schlag.
„Thranduil…was soll dieser Mist?“, fragte er schließlich und seine Wut über diese Situation war ihm deutlich anzuhören.
Er hörte Schritte, die näher kamen, dann legte sich eine Hand um seinen Hals.
„Thranduil hat gerade noch Pause. Zuerst reden wir miteinander.“, sagte die kalte Männerstimme.
„Wer…wer sind Sie?“, keuchte Saruman, dem langsam die Luft ausging.
„Das tut nichts zur Sache. Aber ich verrate Ihnen ein Geheimnis über mich. Menschen wie Sie verabscheue ich wirklich zu tiefst. Ich weiß nicht, wer Ihnen erlaubt hat, Menschen so zu behandeln, wie Sie es mit diesem Jungen getan haben.“ Feanor war wütend und er kostete ihn sichtlich Mühe, Saruman nicht einfach zu erwürgen.
„Wovon…reden…Sie?“, krächzte Saruman.
Feanor ließ ihn los, nur um ihm im nächsten Augenblick eine kräftige Ohrfeige zu geben.
„Ich rede von Ihrer Puppe, Sie mieses Stück Scheiße.“, fauchte Feanor.

Thranduil betrachtete das Geschehen von seinem Sessel aus. Einer der Bodyguards stand neben ihm, hatte ihm eine Hand auf die Schulter gelegt.
Als Feanor zuschlug, zuckte Thranduil zusammen. Sarumans erstickter Aufschrei jagte ihm eine Gänsehaut über den Rücken und ihm wurde bewusst, dass dies nur der Anfang war.
Er wartete, was nun geschehen würde, als Feanor ihn zu sich winkte.
Der Bodyguard ließ ihn los und Thranduil stand auf. Er trat neben Feanor und sah ihn fragend an.
Feanor sagte nichts, nickte stattdessen einem der Bodyguards zu, der dem Gefesselten, man hatte Saruman auf einen Stuhl gesetzt und ihm die Beine und die Arme mit Kabelbindern daran gefesselt, den schwarzen Sack, durch den Saruman nichts sehen konnte, vom Kopf zog.
Saruman keuchte kurz, das helle Licht blendete ihn, doch als er Thranduil erkannte, fasste er sich jedoch schnell wieder.
„Sie…“, knurrte er wütend.
Thranduil betrachtete ihn einen Moment lang, dann trat er richtig vor ihn und sah auf ihn hinunter.
„Wie fühlt sich das an, so vollkommen hilflos zu sein? Irgendwelchen fremden Menschen vollkommen ausgeliefert zu sein, ohne zu wissen, wie man dieser Situation entkommen kann?“, fragte er kalt.
Sarumans Augen verengten sich zu Schlitzen. „Wo ist er?“, knurrte er.
„In Sicherheit. Was man von ihnen nicht behaupten kann, Sie perverses, ekelhaftes Stück Dreck. Wissen Sie…“ Thranduil hockte sich vor den Gefesselten. „Wissen Sie, wie lange ich jeden Drecksjob annehmen musste, bis Sie endlich auf mich aufmerksam wurden?“, fragte er.
„Was…soll das nun wieder heißen?“ Saruman verstand nicht, worauf sein Gegenüber hinaus wollte.
„Sie haben keine Ahnung, wer ich bin, oder? Wer ich wirklich bin…“ Ein kaltes Lächeln legte sich auf Thranduils Gesicht.
„Sollte ich das wissen?“, fragte Saruman.
„Ja, das sollten Sie.“ Thranduil erhob sich wieder. „Vor fünf Jahren haben Sie die Firma Oropherion corp. in den Ruin und dessen Gründer in den Tod getrieben.“, erklärte er.
„Und?“, fragte Saruman kaltschnäuzig.
„Ich verrate Ihnen jetzt, wer ich wirklich bin. Miller…ist der Mädchenname meiner Mutter. Mein richtiger Name lautet Thranduil Oropherion. Der Mann, den Sie ruiniert haben, um Ihren größten Konkurrenten für chirurgische Implantate aus dem Weg zu räumen, war mein Vater.“
„WAS?“ Jetzt endlich schien Saruman zu begreifen, wen er dort vor sich hatte.
„Sie haben das Lebenswerk meines Vaters zerstört, um den Markt mit Ihren billigen, nutzlosen Implantaten zu überschwemmen. Sie haben nicht nur meinen Vater auf dem Gewissen, sondern auch das Leben von 53 Menschen, die durch Ihre billigen Implantate gestorben sind.
Eigentlich wollte ich nur, dass Sie auf mich aufmerksam wurden, so dass ich Ihnen nahe kommen und Ihnen das Handwerk legen konnte, aber dann wurde mir bewusst, was für ein perverser, alter Sack Sie wirklich sind. Also, Saruman, warum? Warum haben Sie diesen Jungen gefangen gehalten, ihn gequält, ihn an Ihre Geschäftspartner verkauft wie ein Stück Vieh? Sagen Sie es mir!“
Saruman sah sein Gegenüber emotionslos an, dann fing er plötzlich an zu lachen.
Für einen Moment war Thranduil durch diesen Ausbruch irritiert, bis Feanor hinter den Gefangenen trat und ihm ein langes Messer an den Hals hielt.
„Ich an Ihrer Stelle würde die Fragen beantworten.“, flüsterte er dem Gefangenen ins Ohr, doch Saruman reagierte nicht, auch wenn das Lachen verstummte.
„Sagen Sie es mir!“, forderte Thranduil noch einmal. „Wieso dieser Junge? Wieso haben Sie alle Spuren zu ihm so sauber verwischt? Wieso existiert dieser Junge eigentlich gar nicht? Was steckt dahinter?“
Saruman schnaufte verächtlich, doch als Feanor ihm die Spitze der Klinge leicht in den Hals bohrte, stöhnte er auf. „Antworte, du Schwein. Ansonsten lass ich meine Männer mal ein bisschen Spaß mit dir haben. Und glaub mir, die wissen genau, wie sie ihre Antworten bekommen.“, sagte er leise.
Saruman schluckte hart, doch er antwortete nicht.
Für einen Moment schien Feanor zu überlegen, was er nun tun sollte, dann hob er den Kopf und sah Thranduil an.
„Geh ins Schlafzimmer!“, sagte er streng.
„Was? Nein!“, protestierte Thranduil.
„Du wirst deine Antworten bekommen, aber du solltest das, was jetzt passiert, nicht sehen. Also geh!“, entgegnete Feanor und nickte einem der Bodyguards zu.
Thranduil wollte widersprechen, doch der Mann, der ihn zuvor schon auf den Sessel gedrückt hatte, legte ihm erneut eine Hand auf die Schulter und schob ihn von dem Gefangenen weg.
„Bitte…ich muss es wissen…“, flehte Thranduil.
„Du wirst alles erfahren!“, beteuerte Feanor erneut, dann wurde Thranduil in das Schlafzimmer geschoben und die Tür geschlossen.
Der Bodyguard, der ihn die ganze Zeit bewachte, blieb bei ihm, versperrte ihm den Weg raus aus diesem Zimmer.
Thranduil setzte sich auf das Bett und seufzte leise. Er war hundemüde, doch er war zu aufgeregt, um schlafen zu können.
Was geschah jetzt nur dort draußen?
Beim ersten Schrei zuckte Thranduil zusammen.
„Was…“
„Ich tippe auf den Mittelfinger.“, sagte der Bodyguard kühl.
„Was meinen Sie damit?“, fragte Thranduil nervös.
Der Mann hob seine rechte Hand und deutete auf den Fingernagel seines Mittelfingers.
„Oh Gott…“ Thranduil schlug sich eine Hand vor den Mund. Allein der Gedanke, was Feanor mit Saruman anstellte, bereitete ihm Übelkeit.
„Er wird ihn zum Reden bringen und dann kriegen Sie Ihre Antworten.“, sagte der Bodyguard.
Thranduil nickte leicht, dann ließ er seine Hand sinken und sah sich um. Auf dem Nachttisch lag die Fernbedienung zu dem Fernseher, der gegenüber vom Bett an der Wand hing.
Er schaltete den Fernseher ein und legte sich hin. Den Mann, der an der Tür stand, beachtete er nicht. Er wollte nur diese Geräusche nicht mehr hören.

Eine leichte Berührung an seiner Schulter ließ Thranduil aufschrecken.
„Hey…ich bin’s.“ Feanor saß auf der Bettkante und grinste.
„Was…wo ist…“ Thranduils Kopf war noch zu träge, um einen klaren Gedanken fassen zu können.
„Setz dich hin, ich muss dir was sagen.“, sagte Feanor und das Grinsen verschwand langsam aus seinem Gesicht.
Thranduil tat, was ihm gesagt wurde. „Also…was…was er gesagt?“, fragte er unruhig.
„Zunächst einmal war die Sache mit deinem Vater nichts persönliches. Er wollte einfach nur ein Konkurrenten aus dem Weg räumen.“, erklärte Feanor gelassen.
„Einfach nur? Er hat ihn in den Tod getrieben, er hat mir mein Erbe genommen…“
„Thranduil, ich weiß, dass das beschissen ist und ich kann auch nachfühlen, was du empfindest. Aber…“
„Nein, Hör auf, ich will das nicht hören. Ich…ertrag das nicht.“ Thranduil presste sich die Hände auf die Ohren und zum ersten Mal seit fünf Jahren weinte er wirklich. Er weinte um seinen Vater, der wichtigsten Person in seinem Leben.
Feanor betrachtete ihn, ließ ihm die Zeit, die er gerade brauchte. Als Thranduil sich endlich wieder beruhigte, reichte er ihm ein Taschentuch.
„Geht’s wieder?“, fragte er.
Thranduil nickte. „Was…hat er über Legolas gesagt? Wer ist sein Vater?“ Er hatte sich zwar wieder etwas gefangen, doch dass sein Vater nur ein Bauernopfern gewesen sein sollte, brach ihm fast das Herz.
Feanor sah kurz zu dem Bodyguard, der an der Tür stand und schickte ihn mit einer kaum merklichen Kopfbewegung aus dem Zimmer.
Als sie allein waren, stand Feanor auf und ging zum Fenster. „Ich weiß jetzt, warum Saruman das alles getan hat. Willst du es wissen?“, fragte er.
„Ja!“, entgegnete Thranduil entschlossen.
„Dass Saruman pervers ist, weißt du ja, wie pervers, ist Dir noch nicht einmal annähernd bewusst. Willst du wissen, wer der Vater des Jungen ist?“ Feanor sah über seine Schulter zu Thranduil.
„Ja!“
„Er! Er war Legolas‘ Vater!“

Tbc.

———
So, jetzt wisst ihr es. :P
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