Die Puppe

von Eol
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
Legolas Saruman Thorin Eichenschild Thranduil
15.06.2019
05.08.2019
21
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Thranduil erreichte nach etwa 28 Stunden Fahrt New York City.
Er hatte nur zwei kurze Pausen gemacht, um zu tanken und etwas zu essen und dementsprechend war er nun müde.
Wie mit Feanor besprochen nahm er sich eine Suite für zwei Personen im Four Seasons Hotel und bezahlte die Rechnung mit der Kreditkarte, die Saruman ihm gegeben hatte.
Er hatte noch etwa zehn Stunden, bis er sich mit Feanors Kontaktmann treffen würde und diese zehn Stunden wollte er einfach nur schlafen.
Er hatte schnell geduscht und lag nun in dem riesigen Kingsize-Bett, als das Handy, das er von Feanor bekommen hatte, klingelte.
„Fuck!“, fluchte Thranduil laut, bevor er den Anruf annahm.
„Ja?“

Schlagartig setzte sich Thranduil auf.
„Jetzt?“ Mit einem Mal war er hellwach.

„Ok. Ich komme.“
Thranduil legte auf und atmete tief durch. Er schlug die Decke zurück und stand auf. Schnell zog er seinen Anzug und seine schwarzen Lackschuhe an, dann verließ er das Zimmer.
Mit dem Fahrstuhl fuhr er nur zwei Etagen nach unten und betrat den Flur mit den unzähligen Hotelzimmern. Er suchte das Zimmer mit der Nummer 514 und als er es endlich gefunden hatte, klopfte er zaghaft an.
Es dauerte nur wenigen Sekunden, bis die Tür geöffnet wurde.
Er betrat das Zimmer und sah sich um.
„Was machst du hier? Ich dachte, du überlässt das Ganze irgendeinem Kontaktmann von dir?“, fragte er.
Feanor lächelte leicht, doch es lag keine Wärme darin.
„Nachdem du mir erzählt hast, was dieses Schwein mit dem Jungen gemacht hat, habe ich beschlossen, mich selbst darum zu kümmern.“, entgegnete Feanor.
Thranduil musterte sein Gegenüber und nickte.
„Ok, es ist deine Entscheidung. Also…wie wird das hier laufen?“, fragte er und betrachte die drei Männer, die ebenfalls in dem Zimmer waren. Sie trugen schwarze Anzüge und sie waren bewaffnet, die Holster zeichneten sich unter ihren Jacketts deutlich ab.
„Ich verrate dir jetzt mal ein kleines Geheimnis, Thranduil.“ Feanor stand auf, ging zum Fester und sah nach draußen. „Dieses Hotel gehört mir. Alle, die hier arbeiten, gehören mir.“
Er drehte sich zu Thranduil um.
„Die Suite, die du gebucht hast, ist schalldicht. Dorthin werden wir Saruman bringen. Und dann kannst du ihm deine Fragen stellen.“
Thranduil starrte den Mann fassungslos an. Er wusste, dass Feanor einflussreich war, schließlich war er den Kopf einer der größten Mafia-Organisationen der USA. Doch wie einflussreich Feanor wirklich war, wurde ihm erst jetzt klar. Und mit diesem Mann hatte er sich eingelassen.
„Was ist? Bist du schockiert? Du hast nichts zu befürchten. Ich tue das, weil ich Schweine wie Saruman abgrundtief hasse. Ich kenne diesen Jungen, für den du das hier tust, nicht und ich will ihn auch nicht kennenlernen…“
„Ich tue das nicht für ihn. Ich…“
„Doch, tust du.“, unterbrach Feanor Thranduils kläglichen Widerspruchsversuch. „Aber ist auch egal. Jetzt ruf ihn an und sag ihm, dass du ihm den Jungen übergeben willst. Wenn er sich weigert herzukommen, droh ihm.“
Thranduil zog die Augenbrauen zusammen. Was hatte Feanor nur vor?
„Na los!“ Feanor wurde ungeduldig, das sah man ihm nur allzu deutlich an.
Thranduil atmete tief durch, dann holte er sein eigenes Handy heraus und suchte in der Anruferliste die passende Nummer.
Es dauerte ein paar Sekunden, dann wurde abgenommen.
„Thranduil!“, sagte die Männerstimme kalt.
„Ich hab ihn. Wir sind im Four Seasons. Kommen Sie in die Holiday-Suite und bringen Sie das Geld mit.“ Thranduil versuchte so kühl und arrogant zu wirken, wie es ging. Doch Feanors Anwesenheit und die Unwissenheit darüber, was geschehen würde, machte ihn nervös.
„Wieso bringen Sie ihn nicht einfach her?“, fragte Saruman.
„Wieso bringe ich ihn nicht einfach zur Polizei?“, entgegnete Thranduil und er musste sich ein Schmunzeln verkneifen, als Feanor einen Daumen nach oben hielt.
„Also gut. Ich bin in einer Stunde da. Ich will, dass er ordentlich aussieht, haben Sie mich verstanden?“, schnauzte Saruman. Dass er von der Idee nicht angetan war, war nur allzu deutlich zu hören.
„Das wird er, keine Sorge.“ Damit legte Thranduil auf und stieß die Luft aus.
„Gut gemacht. Und jetzt gehen wir in dein Zimmer und bereiten alles für die Ankunft dieses Schweins vor.“, lachte Feanor.

Thorin sah kurz hinüber zum Beifahrersitz. Legolas war vor etwa einer Stunde eingeschlafen und hatte sich seitdem nicht mehr gerührt.
Vorsichtig berührte er ihn an der Schulter, was den Jungen aufschrecken ließ.
„Hey, ganz ruhig. Ich wollte nur wissen, ob du Hunger hast.“, sagte Thorin.
Legolas atmete hektisch und er brauchte einen Moment, um sich wieder zu beruhigen.
„Wo…“, stammelte er.
„Wir brauchen noch ne Weile bis LA, aber ich hab mal ne Pause nötig. Wollen wir irgendwo was essen?“, fragte Thorin.
Legolas nickte und glättete sich mit den Händen die Haare.
Sie musste noch etwa zehn Meilen fahren, dann tauchte am Horizont ein Rastplatz am Highway auf.
Thorin fuhr die Abfahrt entlang und parkte den Leihwagen, den er in Dallas gemietet hatte.
„Na komm, wir essen was und dann fahren wir weiter.“, sagte er und gemeinsam betraten sie das Diner, um etwas zu essen.
Legolas aß einen Burger, dazu Süßkartoffel-Fritten und zum Dessert einen selbstgemachten Apfelkuchen.
Alles, was er aß, bestaunte er, er genoss jeden Bissen, ließ sich das Essen förmlich auf der Zunge zergehen.
Thorin beobachtete ihn heimlich dabei. „Sag mal, du hast noch nie sowas gegessen, oder?“, fragte er schließlich.
Legolas schluckte den letzten Bissen des Apfelkuchens herunter und schüttelte den Kopf. „Es gab immer nur einfache Sachen, außer wenn besondere Kunden da waren. Aber da durfte ich nie mitessen.“, sagte er beschämt.
„Sie haben dich zusehen lassen?“, fragte Thorin entsetzt.
„Ja, meistens. Aber manchmal musste ich neben dem Kunden knien und er hat mich gefüttert.“, erklärte Legolas fast so, als sei es das Normalste der Welt. Und für ihn war es das auch gewesen.
„Was? Wie…wie einen…“ Thorin spürte, wie ihm die Zornesröte ins Gesicht stieg. Man hatte Legolas nicht nur in einem goldenen Käfig gehalten, man hatte ihn auch wie ein Tier behandelt.
Legolas hatte den Kopf gesenkt. „Bitte entschuldigen Sie. Ich wollte nicht, dass Sie sich meinetwegen unwohl fühlen.“, sagte er leise.
Thorin hob eine Augenbraue, dann beugte er sich etwas über den Tisch.
„Du bist mit Sicherheit nicht derjenige, der sich entschuldigen sollte. Aber was hältst du davon, wenn du mich endlich duzt?“, sagte er.
Legolas hob den Blick und sah sein Gegenüber ungläubig an. „Geht das denn?“
„Natürlich.“ Thorin musste schmunzeln. Er wusste, was Legolas erlebt hatte und doch war der Junge hin und wieder einfach bezaubernd. Er erinnerte ihn an Thranduil, als dieser noch ein Teenager gewesen war.
Natürlich konnte man Thranduils Jugend nicht mit der von Legolas vergleichen, doch sie Beide hatten dieses warme, freundliche Wesen, auch wenn Thranduil sich nach dem Tod seines Vaters stark verändert hatte. Erst seit sie diesem Jungen begegnet waren, war der alte, warmherzige Thranduil wieder zum Vorschein gekommen. Bis jetzt.
Thorin spürte, wie sein Herz schwer wurde, wenn er an Thranduil dachte. Was hatte er nur vor? Thranduil konnte sehr impulsiv sein und Thorin betete innerlich, dass Feanor ihn nicht in seine dunkle Welt zog.

Bis nach Los Angeles hatten sie noch gut acht Stunden Fahrt vor sich und so beschloss Thorin, dass es doch besser war, sich für die Nacht ein Zimmer in einem Motel zu nehmen.
Jetzt lag Legolas in seinem Bett, aber schlafen konnte er nicht. Er war traurig und seine Gedanke drehten sich nur um eine Sache.
„Kannst du nicht schlafen?“, fragte Thorin von seinem Bett aus.
„Nein.“, entgegnete Legolas leise.
„Ist es wegen Thranduil?“
Legolas nickte.
„Ich mache mir auch Sorgen um ihn.“, gab Thorin zu. „Aber er wird nichts Unüberlegtes tun.“
„Wird er…zurückkommen?“, fragte Legolas vorsichtig.
Thorin schwieg, er dachte an Thranduil, an das, was in den letzten fünf Jahren alles geschehen war.
„Ich weiß es nicht.“, sagte er schließlich. Denn genau das entsprach der Wahrheit. Er wusste es schlicht und ergreifend nicht.

Tbc.
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