Die Puppe

von Eol
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
Legolas Saruman Thorin Eichenschild Thranduil
15.06.2019
05.08.2019
21
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„Thranduil, kommen Sie herein.“
Der alte Mann mit den langen, schneeweißen Haaren trat beiseite und ließ seine Gast in sein Büro.
Der Angesprochene ging direkt auf die lange Fensterfront zu und sah hinaus.
„Schicker Ausblick!“, sagte er, doch anerkennend klang es nicht.
„Ich hab lange für das hier gearbeitet…“
„Und einen Deal mit dem Teufel gemacht.“, beendete der Gast den Satz.
Der Mann mit den weißen Haaren sagte nichts dazu, stattdessen ging er zu einem großen Schrank aus einem hellen Edelholz und öffnete eine der Türen.
Er nahm eine Karaffe mit einer leicht bräunlichen Flüssigkeit und zwei Gläser heraus und stellte sie auf seinen Schreibtisch.
Mit einem leisen Klick fiel die Schranktür wieder zu und der Gast drehte sich herum.
„Also…was wollen Sie von mir?“, fragte er kühl und beobachtete seinen Gastgeber dabei, wie er die Flüssigkeit in die Gläser schüttete.
„Ich haben einen etwas delikaten Auftrag.“, sagte der Mann mit den weißen Haaren und reichte seinem Gegenüber eines der Gläser.
„Treffen wir uns deshalb mitten in der Nacht in Ihrem Büro?“, fragte der Gast und roch an der Flüssigkeit, bevor er das Glas an die Lippen setzte und es in einem Zug leerte.
„Um ehrlich zu sein, ja.“ Der Weißhaarige lachte kurz, dann wurde er wieder ernst. „Ich habe gehört, Sie seien der Beste, wenn es darum geht, etwas zu finden. Und genau das sollen Sie tun.“
Der Gast seufzte leise, doch dann nickte er leicht.
„Also, Saruman, was ist es, das ich für Sie finden soll?“, fragte er.
„Eine Puppe. Genauer gesagt…meine Puppe.“, sagte der Gastgeber.
„Eine…Puppe?“, jetzt konnte sich Thranduil das Lachen nicht verkneifen.
„Nun…es ist nicht wirklich eine Puppe. Vielmehr…ist es das.“ Saruman zog ein Foto aus seiner Jackettasche und reichte sie seinem Gast.
Der betrachtete es kurz, dann steckte er das Foto ein.
„Sie sind ein perverser, alter Mann. Aber es ist mir egal, solange Sie mich bezahlen. Sie kennen meinen Preis?“, fragte Thranduil.
„Eine Million im Voraus, eine weitere Million, wenn der Auftrag erfüllt ist, Spesen exklusive.“, entgegnete Saruman kalt, bevor er einen großen Briefumschlag aus einer Schublade seines Schreibtisches holte und ihn seinem Gast reichte. „Es ist auch eine Kreditkarte darin, die Sie nur für ihre zusätzliche Ausgaben zu verwenden haben.“, sagte er streng. „Außerdem finden Sie darin Informationen über die Puppe.“
Thranduil antwortete nicht, öffnete stattdessen den Umschlag und zählte das Geld. Dann steckte er die Kreditkarte ein und verschloss den Umschlag wieder.
„Ich melde mich, sobald ich weiß, wo sich ihr Spielzeug aufhält.“, sagte er und ging zur Tür. Doch bevor er sie öffnete, drehte er sich noch einmal zu seinem Auftraggeber um.
„Wie ist Ihnen Ihre Puppe eigentlich abhanden gekommen?“, fragte er.
„Das geht Sie, ehrlich gesagt, nichts an. Bringen Sie sie einfach zu mir zurück.“, entgegnete Saruman und sein Tonfall machte deutlich, dass das Thema damit beendet war.
„Und bevor Sie nun gehen, muss ich Sie noch einmal eindringlich warnen, Thranduil. Sie werden diesen Auftrag absolut diskret behandeln, anderenfalls wird dies Ihr letzter Auftrag sein.“, warnte Saruman.
„Selbstverständlich!“ Thranduil nickte und verließ das Büro.

Sobald Thranduil das Gebäude verlassen hatte, zog er sein Jackett aus.
Es war kurz vor Mitternacht, doch es war so drückend warm, dass man kaum atmen konnte. Seit Wochen lag diese Hitze über New York und quälte die Menschen in dieser riesigen Stadt.
Thranduil stieg in seinen 67er Ford Mustang und legte den Umschlag mit dem Geld und den Informationen, sowieso sein Jackett auf den Beifahrersitz. Dann lockerte er seine Krawatte und öffnete sein Hemd etwas.
Er hasste diese Aufmachung, doch gerade zu Beginn seiner „Karriere“ hatte er die bittere Lektion lernen müssen, dass Kleider nun einmal Leute machten. Man hatte ihn um viel Geld betrogen, weil man ihn nicht ernst genommen hatte und seit diesem Tag gehörten der schwarze, maßgeschneiderte Anzug, das weiße Hemd, die schwarze, schmale Krawatte und die schwarzen Schuhe auf Lackleder zu seiner Ausstattung.
Nur von seinen Ford Mustang, den er von seinem Vater geerbt hatte, hatte er sich nicht trennen wollen.

Thranduil betrat die Hotelsuite und und kaum hatte er die Tür hinter sich geschlossen, kam jemand auf ihn zugeeilt.
„Thranduil, wie lief es?“
Thranduil reichte dem Mann, der gut einen Kopf kleiner war als er selbst, sein Jackett.
„Ich habe den Auftrag angenommen.“, sagte Thranduil, durchquerte den riesigen Wohnbereich der Suite und ließ sich auf das Sofa fallen.
Der Mann hängte das Jackett ordentlich auf einen Bügel und strich es glatt, bevor er sich an Thranduil wandte.
„Hast du nicht gesagt, du gehst nur hin, um ihn abblitzen zu lassen?“
Thranduil seufzte leise. „Sieh mal in meine rechte Jacketttasche.“, sagte er. Er legte den Kopf auf die Rückenlehne der Couch und schloss die Augen.
Der Mann tat, was ihm gesagt wurde und er zog das Foto heraus, das Thranduil zuvor von seinem Auftraggeber bekommen hatte.
„Oh. Du…sollst seinen Sohn finden?“, fragte der Mann, während er das Foto betrachtete.
„Ich glaube kaum, dass das sein Sohn ist. Oder würdest du deinen Sohn Puppe nennen?“, fragte Thranduil, ihn die Augen zu öffnen.
„Puppe? Das ist aber ein merkwürdiger…oh…“ In diesem Moment schien dem anderen Mann etwas bewusst zu werden und er ließ die Hand mit dem Foto sinken. „Thranduil, was hat das zu bedeuten?“
Thranduil antwortete zunächst nicht. Seit Tagen hatte er Kopfschmerzen, die Hitze machte ihm selbst hier, in der klimatisierten Hotelsuite zu schaffen. Doch schließlich hob er den Kopf und sah den anderen Mann an. „Das werde ich herausfinden. Und wenn ich es herausgefunden habe, werde ich Saruman zerstören.“
Der Mann betrachtete Thranduil, dann ging er zu ihm und blieb vor ihm stehen.
Bevor er etwas sagen konnte, hob Thranduil eine Hand.
„Thorin, ich weiß, was du jetzt sagen willst. Lass es einfach.“, sagte er sichtlich genervt.
Der andere Mann, Thorin, kniff die Lippen zusammen. Er kannte Thranduil schon viele Jahre und er wusste, dass er sich von seinem Vorhaben nicht abbringen lassen würde. Auch, wenn es ihn vielleicht irgendwann zerstörte.
„Geh duschen und wenn du fertig bist, steht dein Tee bereit. Wir werden morgen früh mit der Recherche anfangen, für heute hast du offensichtlich genug.“, sagte er.
Thranduil betrachtete ihn noch kurz, dann legte sich ein Lächeln auf sein Gesicht. „Was wäre ich nur ohne dich?“, fragte er und erhob sich.
„Am Arsch. Und jetzt geh.“, lachte Thorin.

Thranduil schlief bis in den späten Vormittag und als er aufwachte, fühlte er sich wirklich erholt.
Als er den Wohnbereich der Suite betrat, duftete es herrlich nach Kaffee und frischen Croissants. Thorin hatte das Frühstück beim Zimmerservice bestellt und nun den großen Konferenztisch der Suite dafür vorbereitet.
Thranduil setzte sich an den Tisch und ließ sich von seinem Begleiter den Kaffee einschenken.
„Ich war so frei, schon mal etwas zu recherchieren.“, sagte Thorin und reichte Thranduil eines der Croissants.
„Lass mich raten! Der Junge ist unsichtbar.“, mutmaßte Thranduil.
„Genau so ist es. Keine Kreditkarte, keine Sozialversicherungsnummer., entgegnete Thorin. „Bei den Informationen standen nur sein Name und wo und wann er geboren wurde. Es gibt keinen Hinweis, wer seine Eltern sind, noch wann und wie er bei Saruman gelandet ist. Ich vermute aber, dass er den Jungen adoptiert hat.“
„Hm.“, machte Thranduil. „Das wohl eher nicht. Saruman ist verheiratet und hat zwei Töchter. Wenn er den Jungen adoptiert hätte, würde er nicht so ein Geheimnis daraus machen.“
„Stimmt. Das hab ich nicht bedacht.“, stimmte Thorin zu.
Schweigend aßen sie ihr Frühstück, bis Thranduil etwas einfiel. „Wo wurde er geboren?“, fragte er.
„In LA.“
„Gut, da fangen wir an. Buch uns einen Flug und dann packe. Ich muss ein paar Telefonate führen.“ Thranduil stand auf und ließ seinen Begleiter allein an dem großen Tisch zurück.
Thorin sah ihn hinterher und seufzte leise. „Hoffentlich wird das hier nicht dein letzter Auftrag. Dein Vater würde mich umbringen, wenn dir etwas zustoßen würde.“, murmelte er und machte sich schließlich daran, Thranduils Anweisungen auszuführen.

Tbc.
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