Gefangen

OneshotRomanze / P16 Slash
Hao Asakura Yo Asakura
14.06.2019
14.06.2019
1
2007
 
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„Du kannst nicht entkommen und das weißt du auch, Yoh“, hallte es durch die pechschwarze Höhle. Diese klare Stimme kannte Yoh zu gut, es war die seines Feindes, genauer beschrieben seines Zwillingsbruders, Seki. In jener Nacht wurde er entführt und zwar, als er schlief und den Grund für diese Entführung kannte er auch nicht. Nur Seki selbst kannte ihn. Verzweifelt versuchte sich Yoh von den Handfesseln zu befreien, welche ihn an einen säulenähnlichen Felsen banden.

Erfolglos.

Das Seil war zu dick und so eng an seinen Händen gebunden, dass es ihn beim Versuch der Flucht schmerzte. Dennoch beruhigte sich Yoh wieder bei dem Gedanken, dass Seki eigentlich sein Bruder war und Brüder sich in der Regel nicht an den Kragen wollten, auch wenn es sich bei Yohs Fall um eine Ausnahme handelte.

„Was willst du von mir?“, sprach Yoh mit einem vorsichtigen Ton, während er sich umsah, wobei er nichts außer Fels und Stein erkannte, welche Sicht durch ein Lagerfeuer vor ihm möglich war, und die feuchte Höhlenluft wahrnahm, „Willst du mich etwa umbringen?“ Bei der zweiten Frage konnte man einen kalten und auch einen hasserfüllten Ton in seiner Stimme heraushören. Seki hatte viele Menschen und andere Schamanen, die er für schwach und nutzlos hielt, getötet nur, um seinem Ziel, eine Welt nach seinem Bild zu erschaffen, näher zu kommen. Yoh konnte ihm nie für diese Taten verzeihen und wird es auch niemals.

Er ballte seine Hände zu Fäusten zusammen und versuchte erneut sich selber zu befreien. Wieder erfolglos. In Momenten wie diesen war Yoh auf Amidamarus Hilfe angewiesen, aber Seki hatte seine Entführung gut geplant. Irgendwie hatte er es geschafft Yoh wegzubringen, ohne dass irgendjemand, nicht mal Anna, seine Verlobte die Abwesenheit des jungen Asakura auffiel.

Yoh schluckte.

Das Echo von Schritten einer gewissen Person schallte bis zu Yohs Ohren, worauf er anfängt leicht zu zittern. Es waren nicht nur Sekis Schritte, die ihn erschaudern ließen, sondern auch die Kälte in seiner Umgebung war unter anderem der eigentliche Grund für seine Reaktion.

„Du stellst heute aber viele Fragen. An deiner Stelle würde ich mir das ein oder andere Wort ersparen, die dich vielleicht in Gefahr bringen könnten. Ich könnte dich jederzeit mithilfe von Spirit of Fire zu Asche verbrennen…“, hörte Yoh die Stimme seines Zwillings.

Seki machte eine Redepause.

Aus der Lautstärke von Sekis Aussage wusste Yoh, dass dieser nicht allzu weit von ihm entfernt war und gerade auf ihn zuging.  

Nach einigen Sekunden erkannte Yoh Sekis Silhouette und nach wiederum einigen Sekunden erkannte er ihn klar und deutlich. Yoh wollte aufstehen, konnte es nicht, da er von dem verdammten Felsen nicht wegkam.

Yohs Gegenüber legte sich mit dem Bauch auf den Boden und beobachtete ihn durch die roten Flammen seines Lagerfeuers wie er immer noch nicht aufgegeben hatte, die Handfesseln zu lösen.

Seki lächelte und fuhr fort: „…aber zu deiner Erleichterung: Ich habe heute nicht vor dich zu töten. Ich wollte mich eigentlich nur in Ruhe mit dir unterhalten.“

Dieses selbstsichere Lächeln erwiderte Yoh mit einem kalten Blick, worauf er seufzte, als Seki ihn mit einer gespielten Unschuld schief ansah. Yoh war einfach zu weich. Wenn Seki ihn so ansah, musste er seinen Hass auf ihn für diesen einen Augenblick vergessen. Auch das Gefühl der Erleichterung durchströmte seine Seele. Yoh hatte zunächst die Befürchtung Sekis Anhänger würden seine Freunde attackieren, während Yoh in dieser Höhle festsaß, jedoch war diese Vermutung laut Sekis Aussage nicht der Fall.

„Weißt du was, Seki? Manchmal wünschte ich, dass wir uns anders begegnet wären. Ich würde gerne wissen wie sich brüderliche Liebe anfühlt. Wir hätten sicher schöne Erinnerungen beim gemeinsamen Abhängen oder beim Sternebeobachten in der Nacht gehabt. Ich hätte viel von dir lernen können und wir wären beide… wir wären dann nicht so einsam gewesen. Du magst doch Sterne, oder?“, erzählte Yoh und blickte mit den Gedanken woanders in das Lagerfeuer.

Er wartete auf eine Antwort, jedoch kam keine von Seki. Beide schwiegen. Diese Vorstellung, die Yoh gerade demonstriert hatte, brachte Seki zum Nachdenken. Er erhob sich aus seiner Bauchlage und ging auf Yoh zu, ohne, dass dieser es bemerkte. Yoh schien vergessen zu haben in was für eine Situation er steckte und zu seinem Unglück wollte Seki noch etwas Spaß mit ihm haben, als kleine Rache, dass Yoh ihn durch seine Aussagen leicht ins Gewissen gebissen hatte.
Eigentlich Seki war nicht von Natur aus böse, das stand fest. Es waren die Menschen, die ihn zu dem gemacht hatten, was er jetzt ist. Eifersucht, Habgier und Hass waren Eigenschaften des Menschen, die die Welt vergifteten. Es lag nun an Seki, an dem zukünftigen Schamanenkönig diese Welt zu verändern und von dem Untergang - vom Menschen verursacht - zu bewahren. Daran glaubte Seki und von Yoh zu glauben, er könne Seki verändern, war töricht.

Ein Hauchen in Yohs Hals riss ihn aus seinen Gedanken und er erschrak, weil Seki plötzlich so nah bei ihm war. Seine Pupillen waren geschrumpft und sahen in Sekis verführerisch-teuflischen Augen.

„Hach, Yoh…“, fing Seki an zu reden, nachdem er Yoh aus seiner Sitzposition aufhalf, „ich bin mir sicher wir hätten schöne Momente gehabt, aber ich denke du irrst dich in mir. Die Menschen gehören ausgelöscht. Schwache Schamanen sollen sich dem Willen der Starken beugen. Und du Yoh… du musst stärker werden, damit wir eins werden können…“

„Du musst stärker werden… damit du mir gehören kannst mitsamt Leib und Seele…“, hauchte Seki Yoh noch flüsternd ins Ohr und durchfuhr Yohs Kinn mit seiner warmen Zunge.

Yoh konnte sich durch Sekis hypnotisierenden Worte und dadurch, dass Seki ihn vollkommen im Griff hatte, nicht bewegen. Er hatte ihn unter seiner Kontrolle und war Seki schutzlos ausgeliefert. Er fuhr mit seiner Fingerspitze über Yohs bleiches Gesicht, von der Stirn bis zu seinem Hals und kam ihm anschließend so nahe, dass Sekis nackte Brust die des Seinen berührte. Seki war sich sicher, dass er diesen seiner Meinung nach „brüderlichen“ Moment genoss. Allerdings war er sich nicht sicher, ob Yoh dasselbe empfand, was ihn überhaupt nicht interessierte.

Sekis Aktion brachte Yoh nun komplett aus der Ruhe. Er war es nicht gewohnt, dass jemand ihm so nahekam und die Tatsache, dass es Seki, sein leibeigener Bruder war, machte die Lage nicht besser. Yoh, der normalerweise so gelassen war, überforderte die ganze Situation. Was Seki gerade mit ihm machte, tat an sich nicht weh, aber das Gefühl komplett hilflos zu sein und nicht zu wissen, was ein anderer noch mit einem machen wird, versetzte ihn in Angst und Schrecken. Erst jetzt bemerkte Yoh wie sehr ihm die Höhlenkälte in Kombination mit seiner Ungewissheit zu schaffen machte.

Er zitterte. Natürlich bemerkte Seki es und wusste was er jetzt machen wird. Zärtlich nahm er den Reißverschluss seines Kampfanzugs und zog ihn langsam herunter. „Seki… Was… machst du da…?“, fragte er zögerlich und konnte nur zugucken wie der braunhaarige Zwillingsbruder seinen Oberkörper Stück für Stück offenbarte. Als Seki wie aus dem nichts in Yohs Bauch pustete, richteten sich seine Haare auf. Ihm lief es eiskalt den Rücken herunter. Er versuchte erneut sich zitternd von der Handfessel zu befreien, denn er wusste nicht was Seki als nächstes vorhatte.

Behielt Sekis Aussage, dass er Yoh noch nicht töten wolle, recht? Oder hatte er sich doch kurzfristig umentschieden? Diese Gedanken beschäftigten Yoh. Wenn er sich hier und jetzt auflöste, dann würde Seki die Weltherrschaft an sich reißen. Alle würden leiden! Dies durfte Yoh auf keinen Fall zulassen, aber er konnte sich nicht wehren. Er konnte sich aus eigener Kraft nicht aus Sekis Gefangenschaft befreien. Yoh realisierte nun wie schwach er tatsächlich war. Alles, was er jetzt in der Lage war zu tun, war Seki mit ihm machen zu lassen, was er auch wollte.

Seki schlang seinen Arm um Yohs Schultern und erfüllte seinen Körper mit Wärme. Er drückte Yoh fest an sich, sodass sie sich im Wadenbereich fühlen konnten. „Ist es so besser?“, wollte Seki von dem Jüngeren wissen, wobei er die Frage von Yoh vorher komplett ignorierte. Er spürte wie das Zittern plötzlich stoppte und Yohs Atem wieder normal wurde.

Yoh wollte Sekis Umarmung erwidern, aber es stand nicht in seiner Macht, dies zu tun. Das Seil hielt ihn davon ab.

Seki umfasste sein Kinn vorsichtig mit der anderen Hand und sah den Jüngeren tief in seine braunen Augen, als er ihm mit seinen Lippen immer näherkam. Erst jetzt erfasste Yoh, was Seki die ganze Zeit mit ihm machte. Er spielte nicht nur mit ihm, es war mehr als das und das Seltsame ist, es wurde Yoh mit der Zeit immer weniger ungemütlich. Es gefiel ihm sogar. Für einen Moment dachte Yoh, dies sei wahre brüderliche Liebe, dann leuchtete es ihm ein, dass es was anderes war. Er empfand für Seki langsam eine andere Art von Liebe, die ihm unbekannt war.

Jetzt berührten die warmen Lippen Sekis Yoh und wärmten seine kalten Lippen auf. Ihre Zungen umschlangen sich, wobei Seki diesen kleinen Zungenkampf, sowie auch die ganze Situation eigentlich, dominierte. Es war auch kein Wunder. Yoh küsste jemanden zum ersten Mal so intensiv und wer weiß wie oft Seki sowas in seinen ganzen Leben tat. Seine Zunge war stark, sodass er Yohs Zunge leitete wohin er wollte, selbst ihn diesen Dingen war Seki ihm überlegen. Yoh fühlte Sekis Leidenschaft in seinem Kuss, er fühlte wie diese Leidenschaft zunächst durch seinen Körper und dann durch seine Adern floss und sich auf Yoh übertrug. Sie fühlte sich warm an, fast schon heiß, sie brannte und ließ sein Herz immer schneller schlagen. Aufregung gemeinsam mit den Flammen in seinem Herzen, die Seki entzündet hatte, paralysierten Yohs gesamten Körper erneut.

Wieder schoss es ihm durch den Kopf, dass er ihn jederzeit kontrollieren konnte, wann und wenn er es wollte.

Yoh keuchte auf und löste sich von Seki. Er konnte nicht mehr, das erkannte man an seinen starken Atem. Dennoch hatte Seki sein Ziel dieses Treffens erreicht. Yoh hatte seine Leidenschaft zu spüren bekommen und würde es auch in Zukunft tun.

„Yoh, mein kleiner Bruder… Du hast viel zu lernen. Du musst stärker werden!“, sprach Seki lächelnd zu Yoh, der immer noch erschöpft von dem Zungenkuss war. Jedes einzelne Wort drang wie ein inneres Echo in sein Gehirn ein und stachen in seine Seele wie Giftstacheln eines Rosenkranzes.

Yoh wusste wie die meisten Male nicht, ob Sekis Lächeln richtig war oder, ob hinter diesem Lächeln ein Plan steckt, was er noch alles mit Yoh machen möchte. Bei diesem Mal hatte Yoh das Gefühl, dass es etwas zwischen ein verführerisches und auch liebevolles Lächeln war. Seki stieß Yoh fester an die Wand, sodass Yoh seine Augen zusammenkniff und vor Schmerz aufstöhnte. Er packte ihn am Hals und hob ihn hoch. „Beeil dich, Yoh. Du musst stärker werden, damit du mir gehören kannst!“, wiederholte sich Seki und betrachtete den leidenden Yoh amüsiert.

„Seki… Lass mich bitte los. Es reicht…“, brachte Yoh gerade noch so krächzend aus seinem Mund, welcher von Sekis und seiner eigenen Speichel bekleckst war. Überraschenderweise ließ Seki ihn wirklich los, auch wenn er etwas unsanft auf den kalten Boden landete. Yoh glaubte nicht, dass sein Zwilling seinen Griff löste, weil er ihn darum gebeten hatte, sondern, weil seine Anhänger und Opacho, sein engster Verbündeter ihn sicherlich schon vermissten. Mit zufriedenem Schritt ging er Richtung Ausgang der Höhle. „Also Yoh, wenn wir uns das nächste Mal treffen, möchte ich sehen, dass du stärker geworden bist“, kamen die letzten Worte von Seki ehe er aus Yohs Sichtfeld verschwand.

Yoh sah ihm eine Weile hinterher, bevor er bemerkte, dass Seki ihn bereits aus seiner nervigen Fessel befreit hatte. Seine Worte beschäftigten ihn immer noch.

Er soll stärker werden… für Seki…

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Das ist meine erste Fanfiktion seit langem, ich hoffe es ist einigermaßen lesbar (abgesehen von dem einen oder anderen Fehler die im Text auftauchen xD). Vielen Dank an einen bestimmten Freund, der mir geholfen hat Fehler herauszufiltern^^

LG Hanabi-chan
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