Wer zu früh feiert, hat es wenigstens noch getan

OneshotHumor / P16
1. DCI Tom Barnaby Cully Barnaby Dr. George Bullard DS Gavin Troy Joyce Barnaby
14.06.2019
14.02.2020
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Barnaby und Troy stiegen in den Dienstwagen. So konnten Cully  und Joyce später mit der Familienkutsche nach Hause fahren.

„Nach Morton Shallows also!“, bestimmte Barnaby unnötigerweise, denn Troy hatte den Wagen schon gewendet und verließ den Parkplatz des Restaurants in eben diese Richtung. Wo sollte er in dieser Situation auch sonst hinfahren?

„Mrs. B. wirkte eben nicht sonderlich glücklich. Ich hätte gedacht, dass man ein solches Restaurant nur in besonders wohligen Momenten aufsucht“, bemerkte Troy.
„Sie können sicher sein, dass Mrs. B. vollkommen glücklich war, bevor Sie hereingeplatzt sind, Troy. Sie haben unter besonderen Umständen diese Wirkung auf Joyce. Das müsste Ihnen doch schon aufgefallen sein.“
Troy dachte nach.
„Sie meinen immer dann, wenn ich Ihnen die Nachricht von einem neuen Fall oder einem weiteren Toten überbringe. Hat sie sich denn in all den Jahren noch nicht daran gewöhnt, Sir?“
„Nein, Troy, das hat sie nicht. Und das finde ich gut. Es ist schön, dass sie noch immer nicht zu den Abgebrühten gehört.
So, und nun lassen wir meine Familie, widmen wir uns dem neuen alten Fall. Erzählen Sie, Troy.“

Und Troy berichtete. Arthur Henley war Buchhändler und im Mordfall „Anna Hurst“ ein wichtiger Zeuge. Nun lag er wohl mit eingeschlagenem Schädel in seiner Buchhandlung in Morton Shallows. Eine Nachbarin hatte sich über das Licht im Laden gewundert. Mr Henley war wohl öfter noch nach Ladenschluss in seinem Geschäft, doch um diese Uhrzeit war das ungewöhnlich. Mrs Gordon fand die Tür unverschlossen und trat vorsichtig ein, wobei sie nach Mr Henley rief. Schließlich stieß sie auf die hinter dem Verkaufstresen liegende Leiche des Inhabers und rief die Polizei.
„Mrs Gordon ist noch vor Ort. Sie ist sehr resolut und hat wohl kein Problem damit eine Leiche aufzufinden. Das ist alles, was ich bisher sagen kann“, beendete Troy den Kurzbericht.
„Sehr gut, Troy. Dann werden wir uns diese resolute Dame gleich vornehmen.“ Nun, es konnte sich immer noch um einen Unfall handeln. Der DCI gab die Hoffnung nicht so schnell auf.

Troy bog von der A34 ab. Nach kurzer Zeit erreichten sie Morton Shallows. Die Hauptstraße war vom Blaulicht der Einsatzfahrzeuge hell erleuchtet. Dr. George Bullard und seine Mannschaft waren auch schon da, um Arthur Henleys Leiche zu beschauen und anschließend in die Gerichtsmedizin in Causton zu bringen.

Tom wollte mit seinem Sergeant gerade zu George, um sich von ihm über die Ergebnisse der ersten Untersuchungen in Kenntnis setzen zu lassen. Einer der Constablers sprach sie jedoch an und führte sie in die kleine Teeküche der Buchhandlung, in der eine ältere Dame auf einem Stuhl saß.
„Das ist Detective Sergeant Troy, ich bin Detective Chief Inspector Barnaby. Ich vermute, Sie sind Mrs Gordon? Sie haben den bedauernswerten Mr Henley gefunden?“, eröffnete Tom das Gespräch.
„Ja. Und ich habe schon ganz andere Dinge erlebt, müssen Sie wissen. Nun, ich habe schon öfter zu Arthur, also Mr Henley, gesagt, er solle nicht so spät abends noch arbeiten. Irgendwann würde das ein böses Ende nehmen. Wie Recht ich doch hatte, auch wenn ich nicht an Mord und Totschlag gedacht habe.“
„Wie kommen Sie denn darauf, dass es sich um ein Verbrechen handelt, Mrs Gordon?“
„Na was soll es denn sonst sein, bei all dem Blut und dem vielen Gehirn, das hier zu sehen ist. Ich wusste gar nicht, dass ein Buchhändler so viel Hirn haben kann, ich meine natürlich, ein Mensch“, verbesserte sich Mrs Gordon sofort.
Tom hob die Augenbrauen und warf einen kurzen Blick auf seinen DS. Troy war seiner Meinung, dass Mrs Gordon sehr taktlos war und eindeutig nicht zu den Nichtabgebrühten zählte.
„Ich habe gehört, Sie haben den Laden betreten, weil es diesmal außergewöhnlich spät war, und noch Licht brannte. Um welche Uhrzeit war das denn?“
„Ja, ich stand um halb Acht vor Arthurs Geschäft. Die Turmuhr schlug gerade zweimal.“
„Und wann ging Mr Henley sonst nach Hause?“
„Arthur verließ sein Geschäft meistens gegen halb Sieben. Aber nach Hause ging er dann noch nicht. Er ging dann in den Pub. Hat dort eine Kleinigkeit gegessen und sein Feierabendbier getrunken. Er hätte ja auch bei mir zu Abend essen können. Aber er wollte das nicht. 'Felicia, ein Mann braucht seine Freiheit', sagte er.“
Mrs Gordon seufzte. Nun gut. Man sah ja, wohin die Freiheit einen Mann bringen konnte. Bei ihr hatte es heute Hackbraten mit Bratkartoffeln gegeben. Das wäre sicher bekömmlicher gewesen, ihr ging es ja auch ganz gut.
„Ist Ihnen denn noch etwas Besonderes aufgefallen, etwas Verdächtiges? Kunden kurz vor Ladenschluss, ein Streit, irgendetwas?“
„Nein, da fällt mir jetzt nichts ein. Ich kann mir auch nicht vorstellen, mit wem Arthur Streit haben sollte. Er war der friedlichste Mensch, den ich kenne.“
„Vielen Dank, Mrs Gordon. Sie können jetzt nach Hause gehen. Brauchen Sie Hilfe?“
„Oh nein, haben Sie vielen Dank. Es ist ja nur das Haus nebenan. Auf Wiedersehen.“

Endlich konnte sich Barnaby zum Fundort der Leiche begeben.
„George, was können Sie uns denn berichten? Gibt es schon Erkenntnisse?“
„Nun ja, Tom. Die Todesursache dürfte offensichtlich sein. Ein Schlag mit einem stumpfen Gegenstand würde ich meinen. Genaueres nach der Obduktion, im Laufe des Vormittags. Der Auffindeort scheint auch der Tatort zu sein. Keine Schleifspuren. Keine Blutspuren im Raum, außer hier, hinten am Verkaufstisch und hier am Boden, wo das Opfer liegt.“ Dr. Bullard deutete vor sich.
„Könnte es nicht sein, dass Mr Henley nur von der Leiter dort gestürzt ist, mit dem Kopf an die Theke?“, fragte Tom der Vollständigkeit halber.
„Nein, da muss ich dieser zartfühlenden Dame durchaus Recht geben. Die Leiter steht erstens in der falschen Richtung und zweitens erscheint mir diese Verletzung zu einem solchen Ablauf auch nicht passend. Eher scheint der Täter neben dem Opfer – etwa hier - gestanden und kräftig zugeschlagen zu haben. Allerdings leg ich mich vor der Obduktion nicht fest.“
„Könnte es auch eine Täterin gewesen sein?“, warf Troy ein.
„Das ist nicht auszuschließen. Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen. Ich würde gerne den Abtransport veranlassen.“

Dr. Bullard verabschiedete sich, während Troy wieder zu seinem DCI stieß.
„Troy, was haben wir denn nun?“
„Wir haben einen Mord mit geständigem Täter und einen ermordeten Zeugen dazu, Sir.“
„Ja, Troy. Und ich frage mich, weshalb sich jemand die Mühe macht und dieses Risiko eingeht, falls die Tat mit dem ersten Mord in Zusammenhang steht. Hat man das Tatwerkzeug gefunden? Was sagt denn die Spurensicherung?“
„Die Kasse wurde aufgebrochen und ist leer. Fingerabdrücke finden sich zu Hauf, Kleiderfasern und Haare ebenfalls. Das muss alles erst untersucht werden. Nichts, was nicht hierher gehört, insbesondere kein Mordwerkzeug.“

„Also gut. Dann lassen Sie uns aufbrechen und morgen mit der Befragung der Nachbarn beginnen. Vielleicht hat ja jemand anders was gesehen oder gehört, das Mrs Gordons Aufmerksamkeit entgangen ist.“
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