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Wer zu früh feiert, hat es wenigstens noch getan

GeschichteHumor / P16 / Gen
1. DCI Tom Barnaby Cully Barnaby Dr. George Bullard DS Gavin Troy Joyce Barnaby
14.06.2019
08.05.2021
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14.06.2019 1.164
 
Joyce fragte sich, was mit Tom los war. So früh kam er ohnehin selten nach Hause und dann auch noch so gut gelaunt. Sie hatten doch einen Fall! Man wusste ja inzwischen, wie er da war.
Und dennoch: Fröhlich pfeifend betrat Detective Chief Inspector Tom Barnaby sein Wohnzimmer, wo Joyce in ihrem Lesesessel am Fenster saß und im aktuellen Monatsjournal der Midsomer Archaeological Society gelesen hatte.

„Tom, da bist du ja schon. Hast du gewusst, dass sie in Badger‘s Drift auch ein römisch-keltisches Schlachtfeld vermuten? Sie haben dort bei Bauarbeiten einen römischen Helm ausgegraben.“
„Nein, Joyce. Bisher war mir solches nicht bekannt. Ich hoffe, dass sie dort nicht noch anderes ausgraben. In Badger‘s Drift kann man ja nie allzu sicher sein.“
„Ach Tom. Hier geht es um Archäologie. Die neuesten Erkenntnisse zur Geschichte unserer schönen Grafschaft Midsomer. Übrigens habe ich noch nicht gekocht.“
„Gut Joyce. Ich hatte ohnehin vor, dich einzuladen. Mach dich fein, wir gehen aus.“
„Hab ich was vergessen? Geburtstag, Namenstag, Hochzeitstag ist es nicht. Was sonst, Tom?“
„Keine Sorge, nichts derartiges liegt vor. Es tut also nicht Not, sich wegen Vergesslichkeit zu schämen. Ich brauche doch keinen besonderen Grund, um dich mal auszuführen, aber ich erzähle es dir dann. Beeile dich, ich habe den Tisch um Sieben reserviert und wir müssen ein Stück fahren. Wo ist eigentlich Cully?“
„Sie hat ein Vorsprechen in Brighton. Schreib ihr doch einen Zettel wo wir sind, falls sie rechtzeitig zurück kommt.“

Joyce ging verwundert nach oben und zog sich bedächtig um. Wie gut, dass sie erst beim Friseur gewesen war. Sorgfältig machte sie sich zu recht.

Sie fuhren los und hielten schließlich vor einem Restaurant, in dem Joyce noch nie gewesen war. Sie hatte aber davon gelesen. Was war nur in Tom gefahren? Er ging zwar gerne mal auswärts essen, aber freiwillig, ganz ohne Druck ging er normalerweise nicht mit ihr in ein schickes Restaurant. Das passte nicht zu ihrem sparsamen Mann. Und dies hier war besonders exklusiv. Sie hatte erst letzthin darüber gelesen, dass es vom Midsomer Knower of Restaurants mit fünf Schneckenhäusern ausgezeichnet worden war. Das war das höchste Lob, das der Knower bisher nur Restaurants außerhalb von Midsomer gegeben hatte.

„Tom, bist du sicher, dass du hier reserviert hast?“, fragte Joyce daher, ohne auszusteigen. „Das wird dich ein Vermögen kosten.“
„Joyce, ich bin mir vollkommen sicher, dass du und ich dies heute verdienen. Lass uns reingehen.“

Joyce sagte nichts mehr. Inzwischen war es beste Dinnerzeit und sie hatten beide richtig Appetit.
Tom wählte als Aperitif zwei Gläser Champagner. Danach wollte er nur noch alkoholfreie Getränke zu sich nehmen, da er ja noch fahren musste.
Die Karte war sehr interessant und Joyce suchte lange, bis sie etwas fand, das sie probieren wollte. Tom bestellte sich einfach ein Steak, wie er es gerne mochte.

Endlich konnte Tom erzählen, was ihn zu dieser außergewöhnlichen Einladung veranlasst hatte.
„Du weißt ja, Joyce, dass ich wieder einen Fall hatte. Stell dir vor, der Fall ist schon gelöst. Wir haben einen geständigen Täter, alles passt zusammen. Troy hat die Fakten der Spurensicherung mit den Aussagen noch einmal akribisch verglichen. Es ist alles hieb- und stichfest. Es fehlt uns nur noch das Motiv. Das wollte uns der Täter partout nicht geben. Aber wir kommen schon noch dahinter. Aber das Beste an dem Fall ist ja, dass es tatsächlich nur einen Toten gab. Joyce, überleg doch mal. In all den Jahren, in denen ich als Detective Chief Inspector bei der Causton CID ermittle, hatten wir das noch nicht. Nicht einen Fall mit nur einem Toten. Ist das nicht sagenhaft?“
Joyce fand das Lokal für den Anlass nun doch angemessen. So komplex wie Toms Fälle immer waren, war es ja nicht verwunderlich, dass der ersten Leiche immer noch weitere folgten. Das war nicht Toms Schuld. Aber es war doch immer eine Belastung. Man konnte schon mal feiern, dass ein Fall anders ausging. Doch konnte er sicher sein?
„Ach Tom, ich freu mich ja so für dich. Aber, da du bisher nur einen Toten hast, bist du wirklich sicher, dass der Fall schon abgeschlossen ist? Ich fürchte, diese Fallabschlussfeier zum jetzigen Zeitpunkt ist doch etwas zu gewagt.“
„Ach Joyce, das siehst du zu schwarz. Ich sag doch, alles ist x-mal durchgekaut. Der Täter ist in Gewahrsam und da kann gar nichts mehr schiefgehen.“
„Wenn du meinst.“ Joyce war immer noch skeptisch. Doch sie wollte Tom nicht mit ihren Bedenken die Laune verderben. Diesen Abend würden sie genießen. Und sollte sich morgen etwas anderes ergeben, dann war es wie immer ja nicht Toms Schuld.

Das Steak kam und das Bäckeoffe. Joyce hatte sich wie empfohlen einen Elsässer Riesling dazu bestellt und ließ sich bereits das erste Glas schmecken, als Troy und Cully zur Tür herein kamen.
„Sir, ich muss Sie sprechen.“
“Troy, Sie erscheinen mir ein wenig hektisch für den Feierabend. Was gibt es denn so Dringendes?“

Cully umarmte derweil ihre Mutter zur Begrüßung und schenkte ihr ein frohes Lächeln. Das Vorsprechen war demnach erfolgreich verlaufen und Cully hatte also mal wieder für zwei Wochen ein Engagement. Das war ja schön. Cully setzte sich.

Aber wieso war Troy hier?

„Sir, wir haben eine Leiche. In Morton Shallows.“
„In Morton Shallows?“
„Ja Sir, leider Sir.“
„Nun denn, nach dem Fall ist vor dem Fall. Ein bisschen Zeit zwischen den Fällen wäre halt auch nicht schlecht gewesen.“
„Oh Sir, ich fürchte, dass es kein neuer Fall ist. Der Tote ist Henley, der Buchhändler.“
„Was? Sie haben recht, Troy. Das wäre schon ein zu großer Zufall. Das ist kein neuer Fall. Das ist immer noch der alte Fall und dies ist die zweite Leiche.“
„So ist es wohl, Sir.“

Tom sah Joyce an.
„Ich bedaure, Joyce. Ich habe mich zu früh gefreut. Wir müssen die Feier einstellen. Natürlich könnt du und Cully hier noch unsere Reste vertilgen. Und dann nach Hause fahren. Ich muss mit Troy. Bis später, meine Lieben.“

„Was meinte Dad denn damit, ihr müsst die Feier einstellen?“, fragte Cully, während sie für sich sich ein Weinglas orderte und Toms nahezu geleerten Teller abräumen ließ.
„Ach, er war der Meinung, dass er es endlich geschafft hätte, einen Fall mit nur einem Toten zu lösen. Deshalb sind wir hier, zur Feier dieses Rekordes. Ich hab ja von Anfang an gezweifelt. Tom und nur eine Leiche, das gabs ja noch nie. Da konnte ja irgendwas nicht stimmen.“
„Ja schade für Dad. Aber wir haben doch was zu feiern. Immerhin hatte ich vollen Erfolg beim Vorsprechen. Das ist doch auch etwas.“
„Ja, da hast du recht, Cully. Das ist wunderbar.“


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Geneigte Leserinnen und Leser,

vielen Dank für Euer Interesse. Ich versuche nun, die Geschichte dieses Falls komplett aufzubereiten. Wer darauf keine Lust hat, möge gleich auf das letzte Kapitel "Jetzt ist wirklich Schluss" klicken. Alle anderen können zu Kapitel Zwei und Drei gehen, müssen sich aber für die Fortsetzung mit Geduld wappnen und werden am Ende vielleicht enttäuscht. Aber auch hier sei das allerletzte Kapitel ein kleiner Trost

FFi
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