Time of our Lives 2

GeschichteHumor, Freundschaft / P16
Dr. Jasmin Jonas Franziska "Franzi" Jung Frauke Prinz Henning Storm Mattes Seeler Melanie Hansen
12.06.2019
12.06.2019
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Meine Lieben/Nudeln/Kinners/wie auch immer ihr euch angesprochen fühlen möchtet:
Es geht in die nächste Runde.

Für die Neuen:
F: Muss man Teil 1 lesen?
A: Nein, aber es schadet auch nichts. Wenn ihr also mal 3, 4, 5 Stunden übrig habt…

F: Worum geht es?
A: In Teil 1 haben wir die Charaktere aus der Serie durch Schulalltag und ihr Leben in der neunten Klasse begleitet, wobei der Fokus auf Melanie, Mattes, Franzi und Henning lag. In Teil 2 geht es weiter mit der zehnten Klasse und allerlei persönlicher Schicksale, die mit dazu beitragen, dass die alle so sind, wie man es Donnerstags um 19:25 Uhr im ZDF sieht.

F: Wie oft kommen Kapitel?
A: Einmal im Monat, vielleicht auch öfter. Entweder schaut ihr am Monatsende mal vorbei, oder ihr stellt euch einen Alert ein, zugespammt werdet ihr nicht, vertraut mir… Unter 2.500 Wörtern Kapitellänge veröffentliche ich in der Regel nichts, das braucht dann aber auch seine Zeit.

Für alle:
F: Weshalb eine neue Geschichte?
A: Im Rahmen der Entwicklung der Figuren werde ich einige Themen ansprechen, die mich eine Einstufung als P16 als angebracht erachten lassen. Gleichzeitig möchte ich den vorrangig sehr lockeren Teil 1 nicht unnötig hochstufen, auch wenn keine Triggerwarnungen nötig sein werden.

F: Also wird jetzt alles düster und dramatisch?
A: Nein, auf keinen Fall. Das Leben ist doch auch nicht schwarz-weiß. De Grundton der Geschichte bleibt, allerdings wird um manchen Brei nicht mehr herumgeredet.  Es wird aber auch nichts ausgeschlachtet oder übermäßig grafisch dargestellt. Die Charaktere kommen jetzt in das Alter, in dem man das ein oder andere ausprobiert und das ein oder andere durchmacht, nicht alles muss schlecht enden. Am Ende wächst man immer an den Herausforderungen, die man durchlebt und ich werfe in der Regel auch nichts völlig verantwortungslos durch die Gegend. Schaut einfach mal rein, wahrscheinlich klingt es hier dramatischer als es wird. Ich breche hier keine Charaktere, nicht in dieser Geschichte und nie so.

Dann mal los.




Wie immer am ersten Schultag war das letzte Schuljahr lange genug her, um den ausgeruhten, frisch aus den Ferien kommenden Schülern so etwas wie Motivation und Freude für das kommende Jahr mitzugeben. Die Zehnte Klasse war besonders aufregend, da die Schüler Prüfungen für den mittleren Schulabschluss ablegen würden. Auch wenn die meisten der Gymnasiasten das Abitur anstrebten, eine große, die erste richtig große Prüfung und vor allem der erste Meilenstein war das allemal. Zudem kamen ja noch die neue Schülerin und der Referendar… und so begab es sich, dass an jenem Donnerstag um 8:00 Uhr morgens 19 Paar Augen gebannt nach vorn starrten.

Im ersten Block gab es eine Klassenleiterstunde, in der die Schwerpunktfächer gewählt, die Leihbücher verteilt und organisatorische Angelegenheiten besprochen wurden, bevor der normale Unterricht – in diesem Fall die zweite Fremdsprache und Physik – losging.

Zwei Minuten nach Acht betrat Frau Arlt Raum 55 C, im Schlepptau ein zierliches blondes Mädchen. „Das ist aber kein Referendar,“ flüsterte Mattes Melanie ins Ohr. Die nickte. „Guten Morgen ihr Lieben, ich hoffe, ihr seid gut durch die Ferien gekommen,“ begrüßte Frau Arlt ihre Klasse. „Der Sitzplan hat sich nicht geändert, wer von euch nicht da sitzt, wo er hingehört, kann das gleich mal ändern.“ Gemurre machte sich breit, während unfreiwillig zurückgetauscht wurde, wie jedes Jahr. „Wie ihr bestimmt schon gesehen habt, stehe ich nicht allein hier vorne. Vor den Ferien habe ich ja bereits angekündigt, dass Anna uns verlassen und dafür eine neue Mitschülerin kommen wird. Liebe 10B, das ist Elke Kuhlmann, eure neue Mitschülerin. Liebe Elke, willkommen in unserer Klasse. Neben Nils ist ein Platz frei, da kannst du dich hinsetzen.“ Während Elke in der ersten Reihe zwischen Nils und Boje Platz nahm, begann die Klasse zu tuscheln. „Alle mal herhören!“ rief Frau Arlt, um wieder Ruhe in den Laden zu bringen, „Ich erspare Elke jetzt, sich vor euch allen vorzustellen, aber seid nett zu ihr. Um eine weite Ankündigung zu machen, wo ich schon dabei bin: dieses Schuljahr erwartet euch noch jemand Neues. Ich bekomme einen Referendar, Herrn Nolte, und der wird euch dieses Schuljahr in Deutsch unterrichten. Bevor ihr jetzt denkt: Haha, dann muss ich nicht mehr aufpassen: Ich bin immer noch da und sitze öfter hinten, als euch lieb sein wird. Herr Nolte lernt ihr nächste Deutschstunde kennen, verhaltet euch anständig.“ Erneut brandete aufgeregtes Getuschel auf.

„Weiter im Programm, beruhigt euch mal wieder. Weiter im Programm: ihr legt mir jetzt alle die Schwerpunktzettel auf den Tisch, während ich mit ein paar starken Jungs die Bücher holen gehe. „Henning, Boje, Hans, Taaarik du auch, Kai, ihr kommt mit. Auf, auf!“ Mit den fünf Jugendlichen im Schlepptau zog die Lehrerin von dannen. Franzi nutzte die Zeit, um sich Elke vorzustellen, vielleicht mochte sie ja auch Pferde?

„Was hast du für Schwerpunkte gewählt?“ fragte Mattes seine Sitznachbarin. „Theater, Musik und Psycho, und du?“ antwortete Melanie. „Theater und Psycho habe ich auch, aber als drittes Politik. Vielleicht sehen wir uns ja trotzdem,“ meinte Mattes zwinkernd, „wie findest du eigentlich den neuen Stundenplan?“ „Joa, ist und bleibt halt Schule. Aber er ist weniger chaotisch als letztes Jahr, das hat was. A und B Woche sind nicht mehr zwei völlig verschiedene Welten.“

In diesem Moment kehrte Frau Arlt mit ihren Bücherträgern zurück. Die Lehrbücher wurden verteilt und der Block war schneller rum als erwartet. In der Pause bewegte sich die Hälfte der 10B zum Französischraum und die andere zum Spanischraum. Melanie hoffte, dass Nils die Pause mit ihr verbringen würde, aber er sah sie nur entschuldigend an und verschwand. Dabei war Anna doch gar nicht mehr in der Stadt?  Naja, bestimmt wollte er nur etwas Zeit ins Land gehen lassen, damit es nicht wie ein nahtloser Übergang zwischen Anna und ihr wirkte. Das war doch nur zu ihrem Besten.

So blieb Melanie nichts anderes übrig, als sich zu ihren Freunden zu gesellen. Mattes stand bereits mit Franzi auf dem Hof und grinste Melanie an, als sie dazustieß. „Tschuldigung, kenn ich Sie?“ fragte er scherzhaft, und dann etwas ernster: „Wieso bist du nicht bei Nils oder Nils bei dir oder so?“ Natürlich musste er fragen… „Kein Bock,“ meinte Melanie knapp und schulterzuckend. „Du oder er?“ setzte Mattes nach, Melanie sparte sich die Antwort. Ihr Kumpel verstand den Wink, als Franzi einen Kommentar abgeben wollte, warf Mattes ihr einen Blick zu, der sagte: „lass es lieber.“

„Henning, wie läufts bei dir denn so?“ versuchte Melanie, die Aufmerksamkeit von sich abzulenken. „Im Gesamtbild durchwachsen,“ erwiderte er, so kurz wie möglich. Dahinter verbarg sich viel, sehr viel. So viel, dass er es versäumt hatte, einfach zu sagen: „Mit Jasmin? Alles super.“. Dafür war einfach viel zu viel in seinem Kopf. Über die Ferien war seine Mutter von ihren Eltern zurückgekommen und wollte natürlich auch, dass ihr Sohnemann zurück in die Wohnung der Familie Storm zog. Richard hätte sich so aufrichtig entschuldigt, das würde doch jetzt alles gut werden. Er hätte das doch nie so gemeint und es würde nie wieder vorkommen. Er wäre nur so besorgt um das Wohl seiner Familie, dass es ihn manchmal überkam, aber das hätte er jetzt im Griff. Wäre es nicht alles so furchtbar traurig, hätte Henning gelacht. Was hielt seine Mutter nur da? Wie konnte sie diesen Mann… lieben? Was war denn da überhaupt liebenswert? Natürlich würde sein Vater jetzt wieder „nett“ sein, erstmal. Das konnte er, wenn er wollte. Musste er ja auch, wie sonst hätte seine Mutter sich jemals auf ihn eingelassen?

Manchmal erzählte seine Mutter von früher, wie schön alles war. Henning fiel es schwer zu glauben, dass es sich dabei um denselben Richard Storm handelte, der jetzt wütete. Aber dann, dann kam immer die Aussage, er hätte doch recht, sie hätte sich gehen lassen, sie sei eine schlechte Frau und Mutter und er habe jedes Recht, sie dafür zu schlagen, es sei verständlich. Henning drehte sich dann jedes Mal der Magen um. Und wenn seine Mutter sagte, er täte das aus Liebe und weil er das beste für sie wollte, wenn sie die Worte seines Vaters, die er ihr manchmal so oft aufsagte wie ein Christ das Vater unser, wenn wie diese Worte wiederholte, bis sie selbst daran glaubte, dann wollte er einfach nur noch schreien. Wie konnte sie nur so denken? Sie meinte ja sogar, es sei nicht fair von ihr gewesen, selbstsüchtig abzuhauen und ihn im Stich zu lassen! Henning wusste einfach nicht, wie er sie davon überzeugen sollte, dass das ganz und gar die falschen Gedanken waren, in denen sie sich da festgefahren hatte. Er wollte auch niemanden um Hilfe fragen, das waren ja Familienangelegenheiten, die nicht unbedingt die Runde machen mussten. Selbst abhauen und seine Mutter allein lassen kam überhaupt nicht in Frage! Und Jasmin, was sollte er der sagen, wenn sie seine Familie kennen lernen wollte??

Als wäre sein Leben eine Folge „Auf Streife“, in der die Leute nie länger als 30 Sekunden brauchten, um an Einsatzort aufzukreuzen, tauchte just in diesem Moment seine Freundin hinter Henning auf. „Na,“ fragte Jasmin in die Runde, „was für Schwerpunkte habt ihr gewählt?“ Henning hätte nicht dankbarer über diese Ablenkung sein können, denn jetzt wurde über Schule geredet, jeder konnte mitreden und sein Leben rückte wieder fernab jeglicher Beachtung. Und das Jasmin neben ihm stand und ihre Hände auf seinen Schultern hatte war auch ganz nett. Eigentlich war ihm ja herzlich egal, wer was gewählt hatte, sobald die Liste ausgehängt wurde, würde er es ja eh erfahren. Oder spätestens, wenn man sich in einem der Fächer sah. Mit Melanie und Mattes würde er ja sowieso wieder in Theater enden, Überraschung. Aber alles, was weit weg von seinen persönlichen Problemen war, war ihm recht.

„Was denkt ihr eigentlich, wie der Referendar so ist?“ stellte Frauke die Tratschfrage, die ihr seit einer gefühlten Ewigkeit auf der Zunge brannte. „Naja, hoffentlich erträglich,“ brummte Henning. Man hätte ihn genauso gut fragen können, ob man sich die Nägel Magenta oder Fuchsia anpinseln sollte, die Antwort wäre identisch gewesen. „Frau… wie hieß die aus dem Vorbereitungsraum nochmal?“ unterbrach Mattes seinen Gedanken. „Reuter,“ half Jasmin ihm aus. „Ja genau die, die meinte doch, der ist auch aspirierender Sportlehrer, also tippe ich mal auf einen schlanken, dynamischen und sportlichen Kerl irgendwas zwischen Mitte und Ende 20. Der Fokus bei Lehrern liegt jetzt ja bei Anleitung zum Selbstlernen und motiviert sind Einsteiger auch immer, also wird er uns fürchterlich viele Gruppenprojekte machen lassen. Mehr fällt mir jetzt spontan nicht ein,“ gab Mattes jetzt eine überraschend konstruktive Antwort. Die anderen würdigten sie mit anerkennendem Nicken. „Glaubt ihr, er ist süß?“ bohrte Frauke weiter. Melanie seufzte und rollte mit den Augen. „Also wirklich Frauke, dafür ist der nicht hier. Mal abgesehen davon, dass der safe über 10 Jahre älter als wir ist, ist sein Job doch, uns was beizubringen, und solange er das gut macht und nicht nach Biotonne mufft, ist doch alles Bestens.“„Ja, aber wenn er dabei noch gut aussieht?“„Dann schaust du ihn ganz intensiv an, aber achtest Null auf was er sagt“„Ach Melanie, sprichst du etwa aus Erfahrung?“Melanie zwinkerte ihrer Mitschülerin, wahrscheinlich schon Freundin, verschwörerisch zu und bedankte sich innerlich bei der Schulglocke, die in diesem Moment das Ende der Pause verkündete.

Im Treppenhaus traf sie zufällig auf Nils. Zu gern würde sie ihn fragen, weshalb er ihr aus dem Weg ging, aber nicht, dass er sich dann verletzt fühlte und mit ihr Schluss machte… Also lächelte sie ihren Freund an, nur damit der einen Gang zulegte. Als würden sie sich gar nicht kennen. Innerlich frustriert setzte Melanie sich an ihren Platz und verbrachte die Zeit bis zum Vorklingeln damit, aus dem Fenster zu starren. Als sie um 9:59 Uhr nochmal auf ihr Handy sah, erblickte sie eine Nachricht von Nils:

„Hey, hast du heute Nachmittag Zeit? <3“

Ach Mensch, er war doch echt süß und das auch noch an ihrem einzigen freien Werktag. Noch bevor sie antworten konnte, knallte ihre Lehrerin jedoch ihre Tasche auf den Tisch und es läutete zur Stunde. Während die erste Französischstunde des Jahres auf sie einprasselte, fasste Melanie den Entschluss, Nils einfach nach der Stunde von Angesicht zu Angesicht zu antworten. Bloß weil er sie nicht ansprechen konnte, musste sie ja nicht zurückschweigen. Noch bevor Melanie diese Gedanken vertiefen konnte, wurde sie allerdings an die Tafel gerufen.

Einige Räume weiter blinzelte Mattes müde seinen Spanischlehrer an, der gleich mit Grammatik um sich schlug. Grammatik, von der er zugab, sie selbst nicht ganz zu verstehen und das System nicht zu sehen, die Schüler sie aber wohl oder übel lernen müssten. Na, das konnte ja ein grandioses Jahr werden. Immerhin durften sie die Sitzordnung ändern und so saßen er und Franzi dieses Jahr nebeneinander. Ein Blick auf Mattes Sitznachbarin verriet ihm allerdings, dass ihre Begeisterung sich ebenfalls in engeren Grenzen hielt, als Legehennen in Käfighaltung Platz zur Verfügung stand: sie zeichnete ihr Reitbeteiligungspferd Zecke. Zumindest vermutete Mattes das, er sah nur Pferd. „Das wird ein langes Jahr,“ flüsterte er ihr zu. Franzi nickte. „Mattes, ¿Quieres decir algo?“ fragte ihn sein Lehrer auch noch. Da ihn gefühlt sämtliche Sprachkenntnisse über den Sommer verlassen hatten, schüttelte er nur stumm den Kopf. Franzi grinste ihn an.

Nach dem Unterricht packte Melanie rasch zusammen und passte Nils so ab, dass sie mit ihm gemeinsam zu Physik ging. „Klar habe ich Zeit,“ sagte sie. Für einen Augenblick guckte Nils sie so an, als hätte sie soeben „Klasse! Lass uns Föten sezieren und ihr Blut an unsere Körper schmieren!“ durch das Schulgebäude geschrien. Dann sagte er leise: „Okay, super.“ Was war nur mit ihm los??

„Boah ey, Spanisch war ja mal mega ätzend!“ beschwerte sich Mattes, als er seine Sachen neben Melanie an seinen Platz im Physikraum warf. Mitleidig tätschelte seine Freundin ihm die Schulter. „N’aww, armes Mattes“ sagte sie. „Wow, so empathisch, danke,“ entgegnete er sarkastisch. Sie grinste ihn an. „Wenn du Empathie willst, frag Henning.“ „Was, gehen wir essen?“ fragte der, aus allen Wolken fallend. „Das auch,“ sagte Mattes, der sich das Lachen kaum verkneifen konnte.

Dem Wetter im Spätsommer entsprechend, stand Kartoffelsuppe mit Bockwurst auf dem Speiseplan. Immerhin konnte man bei Kartoffelsuppe anscheinend so wenig falsch machen, dass sogar die Schulspeisung das passabel hinbekam. Unter dem strafenden Blick der Mensaangestellten schoben die Jugendlichen zwei Tische zusammen, damit sie zu sechst an einem Tisch essen konnten. „Ich finde ja,“ meinte Frauke und hob ihren Löffel, „man sollte immer bei dem bleiben, was man kann. Und ich ess lieber drei Tage die Woche Kartoffelsuppe, als nur einmal wieder diese komischen Dinkel-Grünkern Ecken.“ Melanie, Mattes und Henning grinsten sich an, irgendwie fing ihre Freundschaft ja mit dieser kulinarischen Gräultat an. „Hab ich was falsches gesagt?“ fragte Frauke irritiert. „Nee nee, eher im Gegenteil,“ beschwichtigte Mattes sie und aß selbst etwas von seinem stückigen Kartoffelwasser. Nein, GUT war die Suppe nicht, aber durchaus essbar.

„Du sag mal Mattes,“ sprach Franzi ihn an, „wäre es nicht eigentlich billiger, selbst zu kochen?“ „Mh, lass mal überlegen… ja. Packung Spaghetti: 35 Cent. Passierte Tomaten: 39. Dazu noch ein paar Gewürze, Betrag ist vernachlässigbar, eine Zwiebel, so 30 ct?, halbe Packung Schafskäse 1€ und – wir mögen ja Käse, auch nochmal ne halbe Packung Gouda 1€. Macht grob drei, durch 6 sind 50 Cent. Trotz Schafskäse,“ rechnete er nebenbei. „Schafskäse? Auf Spaghetti??“ fragte Henning ungläubig. „Ja Digga, das ist voll lecker,“ sagte Mattes etwas enthusiastisch und biss prompt auf seinen Löffel. In Franzis Kopf ratterte es langsam. Im Moment bezahlte ihre Mutter pro Kind 3€ pro Tag fürs Schulessen. Fünf Tage die Woche, 38 Wochen im Jahr. Das waren 15 mal 38… 450… 80…40… 570€. Also 1140€. Wenn man jetzt den Preis dritteln könnte, würden sie 760€ im Jahr sparen. Das wären so grob 60€ mehr im Monat. Das könnte sie die Reitbeteiligung vielleicht behalten?

„Warum hören wir dann nicht mit Schulessen auf und schmeißen jeder… keine Ahnung, nen Euro pro Tag oder so zusammen und kochen gemeinsam? Ober abwechselnd? Das wär doch mega cool!“ rief sie aufgeregt. „Und kalt,“ maulte Henning. „Ja komm Diggi, du isst hier doch eh nüscht. Ich find deine Idee super, Franzi,“ pflichtete Mattes ihr bei. Franzi strahlte. „Boah, dann können wir ja richtig viel zusammen machen!“ stellte Frauke begeistert fest. „Und Kochen ist eh für vieles gut,“ befand Jasmin. „Ja, an sich klingt das ja super, aber wo wollen wir das machen? Meine Eltern wären da gar keine Fans von,“ warf Melanie ein. „Also meine hätten da absolut kein Problem mit,“ sagten Frauke, Franzi und Jasmin gleichzeitig. „Na dann ist es ja beschlossen,“ stellte Mattes fest, „ab nächsten Monat wird Essen gekündigt und wir machen uns was Gescheites. Er hob seine Wasserflasche. Die anderem taten es ihm gleich und stießen an. Der dumpfe Klang von Plastik und einer einzelnen Glasflasche ertönte. Franzi schrieb ihrer Mutter aufgeregt eine SMS.

„Okay Moment, ich muss dich kurz ausbremsen, Mattes,“ Jasmin zog ein Notizbuch aus der Jackentasche, „noch ist mir das zu chaotisch. Wir müssen noch ein bisschen was klären. Erstens: was ist der Einsatz pro Person? Zweitens: Für wie viele Leute kochen wir. Drittens: Wie oft pro Woche? Viertens: Wie entscheiden wir, was es gibt?“ „Also: zu erstens würde ich vorschlagen: ein Euro pro Nase und Tag, was am Ende des Schuljahres noch übrig ist, wird gesechstelt und ausgeschüttet. Zu zweitens denke ich mal wir alle,“ begann Mattes. „Und meine kleine Schwester,“ unterbrach Franzi ihn. „Also sieben Personen,“ fuhr Mattes fort, „zu Drittens: wir können uns wohl kaum täglich treffen. Ich weiß ja nicht, wie viele Tupperdosen ihr alle habt, aber ich würde erstmal vorschlagen, uns einmal am Wochenende und einmal in der Woche zu treffen, das müssen ja nicht immer alle sein. Und dann je nachdem so zwei, vielleicht drei einfache Gerichte zu kochen und einzutuppern. Also, dass meinetwegen wir uns einen Plan machen und alle unsere Dosen beschriften und die dann immer denen mitgeben, die den Tag dran sind. Und zu viertens würde ich vorschlagen, dass wir ein Dokument machen, das wir alle bearbeiten können, wo wir alle eintragen können, worauf wir Lust haben und abstimmen.“ Jasmin sah ihn anerkennend an. „Eins muss man dir lassen, Mattes Seeler: Antworten hast du. Was sagen die anderen?“ Da denen auf die Schnelle nichts einfiel, wurde Mattes Vorschlag erstmal so hingenommen.

Im Physikunterricht wurde dann allerdings per Gruppenchat emsig weiterdiskutiert, während Frau Bräutigam begann, von Kernphysik zu erzählen. Arbeitspläne und „Hobbyverpflichtungen“ wurden zusammengewürfelt und Sonntag und Mittwoch als Kochtage etabliert. Mittwochs würden Frauke, Jasmin und Henning und sonntags Mattes, Melanie und Franzi den Löffel schwingen – je nach Verfügbarkeit. Der Mathematik halber gingen pro Woche 21€ an das Sonntagsteam und 14€ an das Mittwochsteam. Natürlich konnte man auch tauschen etc., aber Hauptsache niemand stand alleine da. Damit stand der Plan.

Plötzlich wurden die Teenager gezwungen, doch ihrer Lehrerin die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Grund war deren Ankündigung, dass im Laufe des Schuljahres jeder einen Vortrag zu einem Thema halten sollte, was mit Radioaktivität zu tun hatte und dass die Themen bis nächste Stunde vorliegen sollten. Und nein, keine Partner oder Gruppenarbeiten. Jeder allein, 15 Minuten lang. Na super. Melanie wusste absolut nicht, was sie damit anfangen sollte. Sie rannte ja nicht mit einem Geigerzähler in der Hand rum in ihrer Freizeit…

Das Klingeln kam keine Sekunde zu früh, das stand fest. Mattes stand neben Melanie und wartete, dass sie mit dem Zusammenpacken fertig war. Als sie das bemerkte sah sie auf. „Du musst nicht warten, ich bin verabredet,“ sagte sie. Er verstand: Nils. „Alles klar, wenn einer fragt waren wir zusammen lernen. Viel Spaß,“ verabschiedete er sich. Sie verabschiedete sich noch von ihren anderen Freunden vor der Schule, bis Nils irgendwann auf sie zukam. Sie schoben ihre Fahrräder schweigend nebeneinander her. „Warum gehst du mir in der Schule aus dem Weg?“ fragte Melanie irgendwann. Nils seufzte. „Mel, es ist zu deinem Besten. Und zu meinem. Guck mal, ich war zwei Jahre mit Anna zusammen, die meisten wissen nicht mal, dass wir Schluss gemacht haben, glaube ich. Die Leute erwarten doch zumindest, dass ich meine Zeit der Beziehung nachtrauere, denkst du nicht? Und wenn ich das nicht mache, stehen wir beide unehrenhaft da. Ich liebe dich, aber es ist zu früh, das zu zeigen.“

Hm, beinahe einleuchtend. „Und? Trauerst du der Beziehung nach?“ wollte Melanie wissen. Nils schien darüber nachzudenken, was er antwortete. „Zwei Jahre sind schon eine lange Zeit, gerade in unserem Alter,“ sagte er schließlich. Aber nicht mehr als das. „Und??“ hakte Melanie nach. „Ach Mensch Mel, das ist doch völlig egal. Die Vergangenheit ist ein abgeschlossener Prozess, lamentieren bringt doch nichts. Ich bin jetzt doch mit dir zusammen, müssen wir ausgerechnet über Anna reden?“ Oh, okay. Naja, immerhin schien er sich ja voll und ganz auf sie konzentrieren zu wollen.

Unvermittelt hielt Nils an. „… du bist jetzt aber nicht böse, oder?“ fragte er seine Freundin. Noch bevor Melanie antworten konnte, hatte er sie geküsst. Sie strahlte über das ganze Gesicht. „Nö, sollte ich?“ fragte sie. „Ach was. In einem Monat oder so können wir das auch gern offiziell machen, aber da muss halt eine sichtbare Zäsur entstehen, verstehst du? Ich mach doch nur, was ich für das Beste halte. Ich will nicht, dass die Leute sonst was von dir denken. Dass du mich Anna ausgespannt hast oder so. Das ist der einzige Grund.“ „Das ist voll lieb von dir,“ befand Melanie, überglücklich, so einen tollen Freund zu haben, der sich so um sie sorgte. „Nur das Beste für meine Mel,“ sagte er sanft und küsste sie erneut.

Er schob sein Fahrrad ein Stückchen weiter und die beiden redeten über Gott und die Welt und alles andere, über das man so reden könnte. Etwa fünf Minuten später waren sie gerade beim Wetter angekommen, als Nils erneut anhielt. „Das Wetter ist echt wunderschön heute, fast so schön wie du,“ befand er, als er seinen Rucksack absetzte und darin umherkramte, bis er eine Schachtel Zigaretten zutage förderte. Sein Finger wanderte kurz darin umher, bis er sich eine herausnahm und in den Mundwinkel steckte. Dann sah er Melanie kurz an, schüttelte die Schachtel kurz und hielt sie seiner Freundin schließlich hin. „Hey Mel,“ fragte er und sah ihr direkt in die Augen, „du auch?“



Uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuund dabei belasse ich es dann mal für das erste Kapitel von Teil 2. Einige von euch haben vielleicht lange gewartet, andere denken sich „ach Mensch, es geht ja weiter“ und wieder andere „…wat?“

Naja, ich hoffe, dass sich einige von euch als wiederkehrende Leser finden werden ^-^

Als grobe Faustidee denke ich mal, dass für jede Schulwoche circa ein Kapitel bei rumkommen wird. Und das alle 2-4 Wochen. Ich sag euch nämlich mal kurz, wie meine nächsten Monate aussehen:

Juni: lernen, Probeklausuren, Besuch
Juli: lernen, Abschlussklausuren
August: Hausarbeit
September: den ganzen Stoff für Strafrecht für das dritte Semester reinkloppen, damit ich in die große Übung kann

Also im August komm ich safe nicht zum Schreiben, meine letzte Hausarbeit bestand darin, drei Wochen lang 5 Stunden zu schlafen, 12 Stunden in der Bib zu sitzen, einen Liter Kaffee pro Tag zu trinken und besorgniserregend wenig zu essen, sieben Tage die Woche. Danach waren Schlaf-, Hunger- und Zeitgefühl für eine Weile weg. Alles war Helene Fischer, aber das Ergebnis hat sich sehen lassen. In der Zeit war mich eine Freundin besuchen, weil sie bei sich zu Hause nie die Motivation hatte in die Bib zu gehen und ich dann halt meinte: „Komm mal mit zu uns Juristen, die Bib ist dein Gefängnis, yolo.“ Musste sie leiden? Vielleicht. Habe ich sie eines Morgens mit den Worten: „Ich hab geträumt, du und [einer meiner AG Leiter] haben in der Bib Mensch ärger dich nicht aus Scheibenkäse gespielt und ihr habt das voll ernst genommen“ geweckt? Vielleicht. Hat sie ihr Lernpensum geschafft? Ja.

Übrigens ist der Referendar wirklich die einzige Figur, für die ich mal aufgeschrieben habe, wer und wie er eigentlich ist. Character development und ich sind nicht so dicke, deswegen schreibe ich seit sieben Jahren vorrangig Fanfics.

Der Stundenplan  ist übrigens so ziemlich mein( ursprünglich)er aus der zehnten Klasse, vom 22.08.2014 um genau zu sein. Ein Fach, nämlich Recht, hab ich rausgekürzt, weil das super selten ist in Deutschland (außerhalb von Bayern) und ich das schonungslos missbrauchen würde :DD Aber ich musste ein bisschen lächeln, als ich den wieder gefunden habe, Freitag frühs hatten besagte Freundin aus dem vorvorherigen Absatz und ich nämlich zusammen Recht und danach Geschichte am anderen Ende der Schule und wir hatten auch beinahe benachbarte Schließfächer und auf dem Weg von Recht zum Schließfach haben wir uns mit dem BGB in der Hand so richtig cool und erwachsen gefühlt und wir hatten SO HART das Gefühl, jetzt so richtig krass juristisch bewandert zu sein, siehe „Kannst du mir gemäß §598 BGB dein Geodreieck leihen?“ Gute alte Zeiten. Ich hab letztens Mal ein Gutachten von damals gefunden und… ich wusste nichts. Und das werde ich in ein paar Jahren auch über mich jetzt sagen.

Naja, genug der Nostalgie, in ein paar Wochen geht es hier weiter.

Ich hoffe alle von euch, die dieses Jahr Abi gemacht haben, sind mit ihren Noten zufrieden und alle anderen mit ihren Leistungen natürlich auch.

Ich hab übrigens auch noch Stundenplan, Grundriss der Schule etc. hier rumliegen, leider machen die die Formatierung nicht mit, wenn ihr aber Interesse habt, kann ich das Dokument sicher mal über einen Dropboxlink oder so teilen :)
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