隱藏的王國 - Das verborgene Königreich

von Cedric
OneshotMystery, Fantasy / P12
12.06.2019
12.06.2019
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Nǐ hǎo und Herzlich Willkommen!

Schön, dass du dich in meinen Oneshot verirrt hast! Dies ist ein Beitrag zum Projekt Inspiration durch Bilder Nr. 3 von Mufterling. Ich hatte dieses Bild: 16.

Die Story ist mal was ganz anderes ... Macht euch vielleicht mal im Hintergrund chinesische Entspannungsmusik an. Das ergibt voll die entspannende Aura!

Jetzt will ich aber nicht viel reden, sondern gleich beginnen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen meiner Geschichte!

Cedric ツ

~✶~


隱藏的王國 – Das verborgene Königreich


Wenn die längste Nacht im Jahr einbricht,
Aus geht jedes Feuer, jedes Licht.
Das verborgene Reich wird wieder wahr,
Für zwei Menschen, im tausendsten Jahr.

     Verwundert stand ich an dem Abhang. Wo war diese Brücke hergekommen? Ich lebte schon seit meiner Geburt – seit 17 Jahren – hier, doch dieses Bauwerk war mir noch nie aufgefallen. Es wirkte auch nicht so modern, wie es hier üblich war, in den Vororten von Chonqing, sondern ziemlich alt. Sie erinnerte mich an die alten chinesischen Bauwerke, die ich schon gesehen hatte. Wo die Brücke endete, konnte ich nicht sehen, weil sie im dichten Nebel verschwand.
     Plötzlich hörte ich etwas hinter mir rascheln. Rasch drehte ich mich um und erkannte eine Silhouette, die in der Dämmerung auf mich zu trottete. Als die Person schließlich vor mir stand, konnte ich sehen, dass es sich um einen Jungen handelte – ungefähr in meinem Alter. Wir starrten uns nur an, ohne etwas zu sagen.

Ein Mann und eine Frau sollen gehen,
Die verborgenen Schätze des Königreichs sehen.

     Verlegen räusperte ich mich und sah wieder zu der Brücke. Der Junge schien genauso verwirrt zu sein wie ich, denn er fragte: „Ist das Teil da neu?“
     Das Teil? „Keine Ahnung, ich habe die Brücke noch nie gesehen …“, erwiderte ich ein wenig mürrisch. Irgendetwas in mir wünschte sich, die Brücke zu überqueren, doch sie war mir ein wenig zu gruselig.
     „Hey! Was machst du da?“, rief ich, als sich der Junge in Bewegung setzte und auf die Brücke zu lief. Er drehte sich nicht um und lief schnurstracks weiter. ‚Idiot!‘, dachte ich mir und folgte ihm. Was blieb mir auch anderes übrig?

Doch wie kommen sie über die Brück?
Hand in Hand geht dies Stück für Stück!

     Wir waren an der alt aussehenden Brücke angelangt und der Junge betrat die Brücke. Ich setzte vorsichtig einen Fuß auf die Brücke und bewegte mich schneller, doch wir kamen nicht voran. Er war schon etwas weiter als ich, kämpfte jedoch trotzdem.
     „Ich … kann das nicht!“, rief ich und wollte schon umkehren. Stattdessen wurde mir eine Hand entgegengestreckt, die ich dankend annahm.
     „Zu zweit geht es vielleicht besser“, erklärte der Junge, während ich seine warme Hand griff. Und schon konnten wir normal über die Brücke laufen! „Ich bin übrigens Chang. Und du?“
     „Jinjin“, antwortete ich lächelnd und konzentrierte mich dann aber wieder auf das Vorwärtskommen. Ich wusste nicht, wie lange wir schon liefen, aber es war mir auch egal. Ich genoss den Moment einfach, auch wenn ich nicht sagen konnte, warum.
     In der Ferne sah ich Lichter, die mit jedem Schritt näher kamen. Und irgendwann tauchten auch neben uns Laternen auf, die an den Seiten der Brücke in der Luft schwebten. Ich hielt meinen Atem an, als sich der Nebel auflöste, und drückte Changs Hand fester.
     Vor uns erschien ein gewaltiger Berg aus einem schimmernden Gestein. Auf seiner Spitze thronte ein Palast, der so aussah, als wäre er einem meiner Bücher über die Geschichte Chinas entsprungen. Und alles leuchtete!
     Als ich kurz in den Himmel blickte, bemerkte ich, dass dieser violett strahlte und man einige Planeten und Sternschnuppen sehen konnte. Diese Welt konnte nicht in der Nähe von Chonqing sein! Wo waren wir gelandet? Ich konnte die Frage nicht beantworten und Chang vermutlich auch nicht. Er blickte ebenso fasziniert in den Himmel wie ich.
     „Das ist einfach … wunderschön“, flüsterte ich und schaute wieder auf den hohen Palast. „Wollen wir da mal nachsehen?“
     „Okay…“
     Wir stiegen – oder kletterten – die Felsen hinauf. Das riesige Gebäude lag nur noch ein paar Meter vor uns. Von hier wirkte es noch größer als von der Brücke.
      Das Portal wirkte verschlossen, doch es öffnete sich, als wir davor standen. Chang ging voran und ich folgte ihm schnell. Wer weiß, was uns hier erwarten würde?

Doch gebt sehr gut Acht,
Sonst kehrt ihr nicht wieder heut‘ Nacht!

     Wir betraten die Eingangshalle, die mit funkelnden Diamanten und Gold verziert war. So etwas hatte ich noch nicht mal im Traum gesehen. „Das ist so-“, stammelte ich, doch beendete meinen Satz nicht.
      „ …Wunderschön?“, fragte Chang und blickte mich schmunzelnd an. Benommen nickte ich und starrte auf die Dekoration.
     Dann schritten Chang und ich weiter. Er lief wieder vorne. Obwohl alles hier so unglaublich schön war, hatte ich ein mulmiges Gefühl. Was war das hier überhaupt? Wer hatte und beider hierher geführt?
     Auf einmal nahm ich das Geräusch von klirrendem Metall war und schaute erschrocken an die Decke. „Vorsicht!“, schrie ich ängstlich und zog Chang zurück. Schon bohrte sich ein schweres Schwert neben ihm in den Boden.
     Erleichtert atmete ich aus, doch ich hatte mich zu früh gefreut: Chang sackte in sich zusammen und ich warf mich erschrocken neben ihn auf den Boden. Ich kniete mich neben Chang und streckte seinen Körper.
     Als er schmerzerfüllt schrie, bemerkte ich das Blut an seinem Bein – das Schwert hatte sein Bein gestreift und ihm eine ordentliche Schnittwunde verpasst.
      „Ich … kann … es … nicht bewegen!“, stotterte er mit zusammengekniffenen Zähnen. „Geh … ohne mich und … bring dich in … Sicherheit.“
      Sicher entgegnete ich: „Ich gehe nirgendswo hin. Nicht ohne dich!“ Ein bisschen war ich selbst erschrocken über meine Worte. Ich blickte Chang in die Augen, doch der sagte nichts.
     Langsam beugte ich mich zu ihm hinunter und keuchte auf, als meine Lippen seine streiften. Mir kullerten Tränen aus den Augen und küsste ihn, bis ich mich wieder von ihm löste.
     „Versprochen!“, meinte ich mit einem lieben Lächeln auf den Lippen. Ich stellte mich hin und versuchte, ihm Hilfe zu geben, um aufzustehen, doch ich hatte nicht genügend Kraft.
     „Geh schon …“
     „Nein. Jetzt erst recht nicht.“ Ich legte mich neben ihn und hielt seine Hand, Changs Brustkorb bebte.
     Langsam wurde alles um mich herum schwarz …

Wenn ein Tropfen Blut den Boden schmückt,
Die Rettung vielleicht noch glückt.

     … Ich öffnete langsam meine Augen und sah nichts.
     Alles ist dunkel. Panisch ringe ich um Luft. Eigentlich war es mir kein Rätsel: Ich war schlichtweg blind.
     „Jinjin?!“, hörte ich eine Stimme unsicher fragen. „Was ist los?“ Es war Chang, der offenbar noch neben mir lag. Ich konnte seinen Körper nur vermuten in dem pechschwarzen Nichts. Angespannt griff ich nach seiner Hand und fand sie nach ein paar Sekunden.
     „Ich …“, schluchzte ich und spürte, wie Tränen aus meinen Augen liefen. Konnte man trotz Blindheit weinen? All das wusste ich nicht. „Ich bin blind!“ Wimmernd legte ich meinen Kopf auf Chang, der mir mit der Hand über den Rücken streichelte.
     „Alles wird gut, das weiß ich.“
     „Nichts ist gut. Ich sehe nichts mehr!“, kreischte ich, doch ich meinte es nicht gegen Chang gerichtet. Ich war wütend. Wütend auf die Person, die für das alles hier verantwortlich war.
     Plötzlich durchzuckte mich eine Energie, die sich anfühlte, als ob man mich per Elektroschlag töten wolle. Ich spürte wie ich zitterte und setzte mich auf. Ich wich weg von Chang und brüllte: „Verschwinde, du Teufelswerk! 10!“, sprach ich mit monotoner Stimme. Ich wusste nicht, warum ich dies sagte.
     „Aber… Jinjin!“, fragte Chang und rüttelte mich. Ein Geräusch, das einer Explosion ähnelte, erklang und plötzlich erkannte ich ein weißes Licht. Während ich feststellte, dass das Licht von mir ausging, wurde Chang gegen die Wand geschleudert. Ich hörte einen Knochen knacken.
     „Chang!“, rief ich und rannte zu ihm. „Was ist passiert?“ Die Tatsache, dass ich wieder etwas sehen konnte, vergaß ich dank der ganzen Aufregung.
     „Alles gut“, antwortete er, doch ich kaufte ihm das nicht wirklich ab. „Wir müssen hier schnell verschwinden!“
     „Und deine Verletzung?“
     „Ich schaff das schon, glaub mir!“
     Ich stützte ihn und wir setzten uns in Bewegung. „Tut mir Leid, wegen dem, was ich Vorhin zu dir gesagt habe. Ich war wie von jemand Fremden gesteuert“, erklärte ich und sah ihn unschuldig an.
     „Schon ok.“
     Während wir so schnell wie möglich aus dem Palast kommen wollten, sah ich mich noch ein bisschen um. Verwundert sah ich, dass an einer Wand die Zahl 9 stand. Was hatte das zu bedeuten? Ich konzentrierte mich wieder einzig und allein auf den Weg.
     Mittlerweile hatten wir den Palast verlassen und stiegen den Berg hinab. Mein Blick schweifte über die karge Landschaft hier und blieb an einer alten Kiefer hängen. ‚8‘ war in die Rinde geritzt.
     Ich wusste, dass Chang Schmerzen erlitt und trotzdem tapfer weiter ging. Froh merkte ich, dass wir die Brücke erreicht hatten. Jetzt war es nicht mehr weit. Schon wieder war eine Zahl – diesmal eine 7 – auf dem Boden der Brücke zu sehen.
     Und schon wieder: 6
     5 4 3
     Langsam packte mich die Angst. Was war, wenn die 0 auftauchte? Ich wollte es ehrlich gesagt gar nicht wissen. Hauptsache war, dass wir von dieser Brücke hinunter kommen mussten!
     Endlich konnte ich den vertrauten Hügel vor mir sehen, es war nur noch ungefähr 100 Meter.
     … 2
     Chang hatte die Zahlen komischerweise noch gar nicht gemerkt, doch ich erhöhte mein Tempo, weshalb er auch schneller lief.
     Mit großen Augen las ich die ‚1‘ auf dem Steinboden vor mir. Ich erwartete Schlimmes, doch nichts passierte. Jetzt waren es nur noch 10 Meter bis wir normalen Boden unter den Füßen haben würden.
     Und dann erblickte ich sie – die 0! „Spring!“, schrie ich Chang zu und drückte mich ordentlich vom Boden ab. Neben mir hörte ich erst einen Schmerzensschrei von Chang, doch dieser wurde von einem lauten Donnern übertönt. Unter uns wackelte die Brücke und zerbröselte schnell.
     Ich war unglaublich erleichtert, als ich das kühle Gras unter mir spürte. Chang landete neben mir.


     Ich blinzelte, bis ich meine Augen schließlich ganz auf machte und meiner Mutter ins Gesicht blickte. „Jinjin! Endlich bist du wach! Was ist passiert?“, hörte ich sie sagen.
     Noch etwas verwirrt fragte ich: „Wo bin ich?“
     „Du bist im Krankenhaus, Schatz. Die Ärzte haben deine Wunden versorgt.“
     „Wo ist Chang?“
     „Der Junge? Ihn hat es schlimmer erwischt … Er hat eine große Schnittwunde und viel Blut verloren. Außerdem hat er sich ein paar Rippen gebrochen. Möchtest du erzählen, wie das alles passiert ist?“
     „Das glaubst du mir eh nicht!“

Drei Wochen später

     Ich war nun fest mit Chang zusammen, dessen Verletzungen schon fast komplett verheilt waren. Das Erlebnis hatte uns zusammengeschweißt und wir hatten es nicht vergessen. Die Ärzte hatten uns nicht geglaubt und Chang und mir alle möglichen Pillen gegeben. Aber wir waren nicht verrückt!
     Ich konnte mir nicht erklären, was in jener Nacht passiert ist, aber das mochte ich auch nicht. Vielleicht war es ja auch ganz gut so, oder?
 
 
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