Alles auf eine Karte gesetzt

von Fresa
OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P12
Chakotay Kathryn Janeway
12.06.2019
12.06.2019
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Dieser OS ist im Rahmen der  Challenge:  Das Normale mal umgedreht entstanden.

Die Challenge läuft wie folgt:

Man sucht sich eine Zahl zwischen 1 – 100 aus und bekommt von Shirayuki01 den passenden YouTube-Link per PN.

Ich habe mir die Nummer 66 ausgesucht und mein Lied war If I were sorry  von Frans .


Disclaimer: Die Charaktere gehören mir leider nicht. Ich leihe sie mir nur aus und verdiene leider auch kein Geld mit meiner Geschichte. Ebenso habe ich keinerlei Rechte an dem Lied.



Alles auf eine Karte gesetzt

Es tat ihm nicht leid. Er hatte alles auf eine Karte gesetzt und verloren. Leider war ihre Reaktion nicht so ausgefallen, wie er es sich erhofft hatte. Hatte er ihre Signale falsch gedeutet? Statt den Kuss zu erwidern, hatte Kathryn ihn weggedrückt und eine Ohrfeige gegeben. Sie vermied seitdem jeden vermeidlichen Kontakt, was Chakotay schmerzte.

Seit dem Vorfall vor zwei Tagen hatten sie kein privates Wort mehr miteinander gesprochen. Dienstlich kommunizieren sie zwar noch miteinander, wenngleich der Tonfall unterkühlt war, wenn nicht sogar eisig.

Was natürlich der Crew nicht verborgen geblieben war. Alle fragten sich, was mit ihrem Führungsduo los war. Keiner konnte sich dieses Verhalten und das Zerwürfnis erklären.

Tom wollte der Sache auf den Grund gehen, denn es ging seinem Freund schlecht. Er litt unter dem unterkühlten Verhältnis zum Captain, auch wenn er sich versuchte nichts anmerken zu lassen, doch er hatte es bemerkt.

Nach der Schicht suchte Tom das Quartier des ersten Offiziers auf. Dieser öffnete erst nach mehrmaligem Klopfen.

„Was kann ich für dich tun?“, wollte Chakotay wissen, nachdem sie Platz genommen und er seinem Gast etwas zu trinken angeboten hatte.

„Ich will wissen, was zwischen euch vorgefallen ist? Und jetzt sag mir nicht, dass nichts vorgefallen ist. Seit zwei Tagen ignoriert der Captain dich und ihr Tonfall dir gegenüber ist so frostig, wie er es niemals – nicht einmal in der Anfangszeit – gewesen war.“

Chakotay wollte nicht darüber reden, es war zu schmerzhaft, aber Tom würde nicht aufhören nachzubohren bis er wusste was vorgefallen war. „Ich habe den Captain geküsst.“ Jetzt war es raus. Es entstand eine Pause.

„Du hast was gemacht?!“ Tom konnte nicht glauben, was er gehört hatte.

„Den Captain geküsst“, zischte er und warf seinem Freund einen bösen Blick zu.

Es dauerte einen Moment bis der Groschen gefallen war. „Sie war wohl nicht begeistert. Küsst du so schlecht?“, grinste er.

„Das ist nicht lustig. Nein, ich küsse nicht so schlecht, aber dennoch hat Kath... der Captain mir eine Ohrfeige verpasst. Anscheinend habe ich die Signale falsch gedeutet. Sie sieht in mir nicht mehr, als einen Freund“, sagte Chakotay niedergeschlagen.

„Das verstehe ich nicht, für mich hat es immer so ausgesehen, dass sie so fühlt wie du. Ich hätte schwören können, dass sie bis über beide Ohren in dich verliebt ist. Das verstehe ich nicht. Küsst du mal einfach so unseren Captain. Aber wieso gerade jetzt?“

„Anscheinend wohl nicht. Weil ich lange genug gewartet und jetzt eben alles auf eine Karte gesetzt habe.“ Und alles verloren habe.

„Doch sie hat Gefühle für dich, nur hat sie eben ihre heiligen Prinzipien und daran hält sie eisern fest.“ Tom seufzte. Diese Sturköpfe.

„Diese blöden Prinzipien. Will sie allen Ernstes womöglich noch jahrelang alleine blieben und auf ihr Glück verzichten, nur wegen ihren blöden Prinzipien. Anstatt sich etwas Glück zu gönnen, hält sie lieber stur daran fest. Ich kann sie glücklich machen und das weiß sie auch ganz genau. Diese sture Weibsbild!“

„Gib nicht auf. Zeig ihr, was sie dir bedeutet“, ermutigte Tom ihn. Chakotay schnaubte verächtlich.

„Kathryn redet nicht mehr mit mir und ignoriert mich außerhalb des Dienstes.“ Wo er Recht hatte, hatte er Recht. Das musste auch Tom einsehen.

„Uns wird schon etwas einfallen.“

Hoffentlich.



+++


Kathryn seufzte und rieb sich mit zwei Fingern über die Nasenwurzel. Es war zum verrückt werden. Hatte sie sich falsch verhalten? Alles in ihr schrie ja. Doch sie war der Captain und somit für ihre Crew verantwortlich, da konnte sie keine Beziehung mit ihrem ersten Offizier eingehen. Auch wenn sie sich danach sehnte. Es war ihr nicht leicht gefallen Chakotay wegzustoßen und ihn zu kränken. Die Ohrfeige war eine Spur zu hart und unnötig gewesen. Was sollte sie jetzt machen? Auf jeden Fall musste sie mit ihm reden und sich für die Ohrfeige entschuldigen.

Langsam erhob sie sich, verließ ihr Quartier und ging zu ihrem ersten Offizier. Sie zögerte, doch dann klopfte sie.

Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Es vergingen qualvolle Sekunden bis die Tür geöffnet wurde und sie sich einem überraschten Chakotay gegenüber stehen sah.

„Hallo Captain. Was kann ich für Sie tun?“, fragte er mit einem unterkühlten Tonfall. Sie konnte es ihm nicht verdenken. Immerhin war es ihre Schuld.

„Mit dir reden“, antwortete sie in einem vertraulichen Ton. Kathryn sah, wie er mit sich kämpfte, schließlich trat er von der Tür weg und ließ sie eintreten. Er deutete auf die Couch und sie setzte sich. Chakotay nahm ihr gegenüber auf dem Sessel Platz, was sie schmerzte. Er suchte nicht, wie sonst ihre Nähe. Ihr fehlte die Nähe – körperlich und seelisch – zu ihm.

„Du willst mit mir reden“, schlug er ebenfalls den vertraulichen Tonfall an.

„Ja, ich will mich entschuldigen. Die Ohrfeige war übertrieben.“ Sie beobachtete seine Reaktion.

„Sonst noch was?“ Seine erneute eisige Reaktion schmerzte sie und versetzte ihrem Herzen einen Stich.

„Nein, das war alles. Ich geh dann besser.“ Er nickte. Kathryn erhob sich und ging zur Tür, hoffend, das er sie aufhalten würde. Die Sekunden verstrichen. Gerade als sie die Türklinge runterdrückte, richtete er das Wort an sie.

„Empfindest du wirklich nichts für mich, was über Freundschaft hinausgeht?“ Mit der Frage hatte sie nicht gerechnet und warf sie vollkommen aus der Bahn. Sie drehte sich langsam um und sah ihn an. Natürlich empfinde ich viel mehr als Freundschaft für dich. Aber es geht nicht. Bitte versteh doch.

„Ich kann nicht … Es geht nicht …“ Ihr brach die Stimme weg. Verzweiflung machte sich in ihr breit.

„Kannst du nicht oder willst du nicht?“ Kathryn seufzte. Verdammt. Ihr Widerstand begann zu bröckeln.

„Ich kann nicht.“ Lüge.

Mittlerweile stand er dicht vor ihr. Sie konnte die Wärme, die von seinem Körper ausging spüren und sie verlor sich in seinen warmen braunen Augen.

„Und was sagt dein Herz, Kathryn?“, wollte er zärtlich wissen und streichelte über ihre Wange.

Dieses Mal war es an Kathryn, die Chakotay küsste. Sie wollte nicht länger alleine, sie wollte ihn mit allen Konsequenzen. Lange genug hatte sie sich selbst im Weg gestanden und auf ihr Glück verzichten, doch damit war jetzt Schluss.




***
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