Deconstructing Friendships

von Liz Lee
GeschichteAngst, Freundschaft / P18 Slash
J-Hope Kim Seokjin RM Suga
12.06.2019
13.06.2019
2
3350
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Hui ui ui, hat es die Geschichte dann doch mal auf die Plattform geschafft. Ich hoffe sie gefällt euch.

Je nach Feedback werd ich mich entscheiden ob ich sie weiter hochlade, da ich momentan noch andere Projekte laufen habe also schreibt doch bitte eine Review oder Faved die Story wenn ihr gerne mehr lesen würdet.

LG Liz.



Trigger Warning: attempted suicide (non Graphic)



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„Wer?“, Yoongi sah von seinem Notizbuch auf. Er saß in der hinteren Ecke des Klassenzimmers am Fenster.
„Kim Namjoon“, meinte Seokjin, der gerade eine Handvoll Ersatzschulbücher wieder in den Kasten unter dem Lehrerpult einräumte. Der Großteil der Klasse, musste nämlich nach einem kleinen Unfall im Chemielabor ihre Schultaschen samt Inhalt entsorgen. Ein Unfall an dem Yoongi, wie er beteuerte, gänzlich unbeteiligt gewesen war.
„Noch nie gehört. Wer ist das?“
„Namjoon? Der geht in die 1B gell?“.  Seokjin sah hoch. Hoseok stand im Türrahmen in jeder Hand eine Plastiktasche mit Takeaway.
Seokjin schloss den Kasten ab und erhob sich. „Jap, es heißt er soll nächstes Jahr in unsere Klasse kommen“ Er nahm Hoseok die Taschen aus der Hand.
„Dann ist er aber in der 2B“, korrigierte Yoongi. Auch er war aufgestanden, um Jin dabei zu helfen das Essen aus den Taschen zu räumen.
„Nein, nein, er ist in der Ersten“. Hoseok trat ebenfalls an den Tisch und schnappte sich eine Portion Jajangmyeon. „Hast du wieder Gedichte geschrieben?“, er nickte in Richtung Yoongis Notizbuch.
„Nein Noten, außerdem sind das keine Gedichte, sondern Raps.“ Yoongi zog einen Sessel zu sich und setzte sich hin und schnappte sich eine Rolle Gimbap. „Heißt dass, der der Typ ist irgend so ne Art Genie oder was?“ Er zog skeptisch die Augenbrauen zusammen.
„Scheint so. Er ist der vom Hauptbanner auf der Schulwebsite“, meinte Seokjin schulterzuckend, bevor auch er sich über das Essen hermachte.



„Fuck zugesperrt!“, fluchte Hoseok. Genervt rüttelte er an der Tür zum Dach. „Hätten wir uns eigentlich denken können. Die ersten Klassen haben die Woche die ersten Abschlussprüfungen“ meinte Seokjin und drehte sich um, „Kommt, wir gehen wieder runter“. Hoseok wollte ihm folgen, doch Yoongi hielt ihm am Ellbogen fest. „Wartet kurz, ein Schloss hat mich noch nie aufgehalten“ Er hockte sich hin und kramte etwas dünnes Metallenes aus seiner Schultasche.
Seokjin, der schon die Treppe hinunter in den nächsten Halbstock gegangen war, blieb stehen. „Nicht dein Ernst! Yoongi, wenn du nochmal erwischt wirst, fliegst du“.
„Ach komm schon Jin-Hyung, mach kein Drama draus. Wir lernen immer hier oben und so lange keiner von uns runter springt, findet das eh keiner raus“, beruhigte ihn Yoongi. Seokjin biss sich schuldbewusst auf die Unterlippe und stieg unschlüssig wieder ein paar Stufen zu den beiden hinauf.
Das Schloss knackte, die Tür schwang einen Spaltbreit auf. Yoongi erhob sich. Er hielt Hoseok die Tür auf, der trat hindurch.
„Hyung kommst du?“ Seokjin trat unschlüssig von einem Bein aufs Andere. „Na los, komm. Yoongi hat Recht, die Tür ist nur zugesperrt, damit nicht irgendwelche Erstklässler, die nach den Finals die Krise kriegen, runterspringen. Es wird uns schon niemand erwischen“ Seokjin überlegte noch für einige Sekunden, gab sich dann aber doch seufzend geschlagen und stieg die paar Stufen zu den beiden nach oben. Als er die letzte Stufe erreichte, drehte Yoongi sich um und ging an Hoseok vorbei aufs Dach.
Seokjin eilte ihm hinterher, um nicht von der zufallenden Tür erschlagen zu werden.



Vor einigen Jahren hatte die Schulverwaltung, nachdem sie eine großzügige Spende von einem „dankbaren“ Elternteil eines Schülers erhalten hatte beschlossen, aus dem Dach eine sogenannte grüne Lernzone zu machen. Man hatte einen Haufen Blumentöpfe mit Hecken, zwei Drahtpavillons und eine Handvoll Bänke aufgestellt, hie und da ein wenig Kunstrasen ausgerollt und den Rest des Dachs mit weißem Kies zugeschüttet, zur Sicherheit hatte man dann noch ein 1,50m hohes Geländer angebracht und fertig war das Imagewerkzeug für die zweit teuerste Privatschule des Landes.
Seokjin gefiel diese taktische Umgestaltung eigentlich ganz gut, nur jetzt im Winter, wo alle Blätter von den Hecken gefallen und der, in der kalten Jahreszeit unpassend grün wirkende, Kunstrasen vom Schnee gefährlich rutschig geworden war, war es hier doch eher ungemütlich. Seokjin seufzte leise, wenigstens konnte man hier oben in Ruhe lernen.



Sie bogen um eine kahle Heckenreihe und Yoongi sinnierte über ihr weiteres Vorgehen. „Okay womit wollen wir anfangen ich würd ja sagen Mathe, Kwon-sem hat ja schon angedeutet, dass die Mathe-Finals das Jahr schwieriger werden als die von den letzten und wenn Kwon-sem was schwer findet sind wir echt im Arsch wenn wir nicht früh…“
Er brach mitten im Satz ab, drehte sich um und starrte scheinbar ins Leere. Seokjin wollte ihn schon darauf ansprechen, da startete er plötzlich los.
Die beiden anderen sahen ihm irritiert nach.

„Hey! Was machst du da?“, rief Yoongi, „Hey Mann, bau keinen Scheiß, ja? Steig da runter!“
Seokjin brauchte einige Sekunden bis er bemerkte, mit wem Yoongi da überhaupt sprach.
Auf der anderen Seite des Daches kaum zwei Meter von dem Jüngeren entfernt stand ein Schüler auf der falschen Seite des Sicherheitsgeländers und starrte in die Tiefe.
Sofort ließ Seokjin alle seine Sachen fallen und lief zu Yoongi hinüber.
„Jetzt ernsthaft! Da jetzt runter zu springen bringt dir genau gar nichts“, rief Yoongi dem Jungen zu.
Seokjin warf ihm einen bösen Blick zu und überlegte selbst fieberhaft, was er zu dem Jungen sagen könnte. Er konnte auf gar keinen Fall verantworten, dass er vor seinen Augen in den Tod sprang.
Seine Gedanken rasten und er rang in seinem Kopf mit den richtigen Worten, die sich nicht so ganz in einen geraden Satz pressen lassen wollten, da packte Hoseok, der gerade keuchend neben ihm zum Stehen kam, am Arm.
„Das ist Kim Namjoon“, flüsterte Hoseok atemlos, einen Anflug von Panik in der Stimme.
„Das Wunderkind?“ Seokjin sah ihn ungläubig an. Hoseok nickte.
„Namjoon-ah! Tu das bitte nicht! Nichts ist so schrecklich, dass das die Lösung wäre“, rief Hoseok dem Jungen zu. Seokjin war sich nicht sicher, wie viel das helfen würde, doch der Schüler drehte seinen Kopf zu ihnen und sah sie an.
„Kenn ich dich?“, fragte er. Er klang selbstsicher, fast schon genervt.
„Ich hab dir beim Redewettbewerb im September zugehört. Du bist wirklich gut“, erwiderte Hoseok.
„Ich kann mich nicht an dich erinnern“, meinte Namjoon und wandte seinen Kopf wieder nach unten.
„Namjoon bitte komm wieder herüber. Du bist noch so jung. Du hast doch noch so viel Grund zum Leben.“, versuchte Hoseok es noch einmal.
„Woher willst du das wissen?“, fragte Namjoon unbeeindruckt.
„Ich…“, fing Hoseok an, doch Yoongi unterbrach ihn: „Er hat recht, wir können das nicht wissen.“, und sagte dann zu Namjoon, „Wieso willst du dich eigentlich umbringen?“
„Ist das denn wichtig?“
„Eigentlich…“
„Eigentlich schon“, fiel Seokjin Yoongi ins Wort.  Er war sich sicher, dass was immer es war, dass Yoongi sagen wollte, die Situation nicht unbedingt positiv beeinflusst hätte.
„Wieso?“
„Weil ich wissen will, ob es ein guter Grund ist“
„Und du kannst das beurteilen weil?“
„Weil ich selbst schon ziemlich viel Scheiße durchgemacht hab und ich noch nicht da runter gesprungen bin“.
„Dich hält keiner davon ab“.
„Es ist es aber nicht wert“.
„Dann kann die Scheiße nicht so schlimm sein“.
„Weißt dus? Hast du ein kaputtes Zuhause?“.
„Wieso, hat Mami dich nicht lieb?“ Namjoon hatte sich umgedreht und lehnte jetzt Seokjin zugewandt an dem Geländer, so lässig, als ginge es hinter ihm nicht in die Tiefe.
Seokjin biss sich unsicher auf die Unterlippe.
„Ich hab Chorea Huntington“, meinte Jin trocken. Namjoons Gesichtsausdruck wurde blank. „Keiner meiner Eltern hat das mutierte Gen. Ich weiß ich bin nicht adoptiert Was heißt mein Vater ist nicht wirklich mein Vater. Was bei ihm nicht ganz so gut angekommen ist, weshalb er auch seit zwei Jahren nicht mehr mit mir spricht, was nicht mal halb so schlimm ist wie dass meine Mutter mich nicht einmal mehr ansehen kann weil ich sie, laut ihren Worten der schlimmste Fehler ihres Lebens war. Aber, dass alles ist vielleicht egal, wenn meine Leukämie wiederkommt, dann sterbe ich vielleicht schon mit zwanzig und nicht mit fünfzig. Dann muss es mich auch nicht mehr kümmern, wenn mein großer Bruder nicht zu meinem Begräbnis kommt, weil er nicht damit klar kommt, dass ich schwul bin. Also entweder du nennst mir jetzt einen verdammt guten Grund, warum du das Recht hast statt mir da drüben zu stehen oder du kommst wieder hier rüber“.
Seokjin war, während er geredet hatte immer weiter auf das Geländer zugegangen und stand jetzt nur noch knapp 1 Meter von Namjoon entfern. Er hatte die Hände zu Fäusten geballt und zitterte leicht. Er starrte den Jüngeren aus vor Tränen glänzenden Augen herausfordernd an.
Namjoon schluckte schwer. Er atmete einmal tief durch und schwang sich über das Geländer zurück aufs sichere Dach.
Einige Augenblicke standen sie sich einfach nur gegenüber und sahen sich an, bis Namjoon vortrat und Seokjin fest umarmte.
„Es tut mir leid“, flüsterte er und klang dabei so, als würde er sich selbst die Schuld für alles Übel auf dieser Welt geben, insbesondere für alles Seokjin widerfahren war. „Es tut mir leid“, flüsterte Namjoon noch einmal. Seokjin entspannte sich langsam und erwiderte die Umarmung des Jüngeren. „Ist schon gut“ flüsterte er zurück. Seokjin atmete zitternd aus. „Ist schon gut“.
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